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Schloss Waldegg bei Solothurn: Barocke Pracht, französisches Geld und überraschend guter Kuchen


📍Ort: Schloss Waldegg bei Solothurn


Anreise mit ÖV: Ab Bahnhof Solothurn mit dem Bus nach Feldbrunnen, anschliessend kurzer Fussweg.

Anreise mit Auto: Parkplätze direkt beim Schloss vorhanden.

Dauer: 2–3 Stunden

Eintritt: Schloss kostenpflichtig, aktuelle Preise auf der Website prüfen 👉 Schloss Waldegg


Highlights:

  • Barockschloss aus dem 17. Jahrhundert

  • Prächtiger Barockgarten

  • Aussicht bis zu den Alpen

  • Historische Innenräume und Ausstellungen

  • Schloss-Café mit Terrasse

  • Kräuter- und Gemüsegärten mit Pro-Specie-Rara-Sorten

  • Veranstaltungsort für Anlässe und Feiern

  • Schloss und Teile der Anlage können für private Events gemietet werden



Schloss Waldegg bei Solothurn: Barocke Pracht, französisches Geld und Alpenblick


Schloss Waldegg bei Solothurn
Schloss Waldegg bei Solothurn

Solothurn ist bekanntlich die schönste Barockstadt der Schweiz. Das behaupten zumindest die Solothurner. Und nachdem man eine Weile durch die Altstadt spaziert ist, fällt es tatsächlich schwer, energisch zu widersprechen. Und ja, mir persönlich gefällt die Stadt sehr.


Wer allerdings glaubt, die barocke Pracht ende an den Stadtmauern, irrt sich. Nur wenige Minuten ausserhalb der Stadt thront Schloss Waldegg auf einer Anhöhe über Solothurn. Ein Sommerschloss mit gepflegten Gärten, weiter Aussicht und genau jener Art von Eleganz, die entsteht, wenn Menschen viel Geld besitzen und möchten, dass andere Menschen das ebenfalls bemerken.


Heute dient das Schloss nicht nur als Museum, sondern auch als Veranstaltungsort. Wer also schon immer davon geträumt hat, in barockem Ambiente zu feiern, zu tagen oder einen besonderen Anlass durchzuführen, kann sich diesen Wunsch hier durchaus erfüllen.



Warum wir Schloss Waldegg besuchten – und Instagram mal wieder schuld war


Genau dorthin zog es Gisela und mich an einem Samstag.

Nicht, weil wir plötzlich zu Barockfans geworden wären. Nicht, weil wir dringend eine kulturhistorische Bildungslücke schliessen mussten und diese gleich wieder vergessen würden. Sondern weil wir etwas unternehmen wollten, das schlicht und einfach einen entspannten Nachmittag versprach.


Und wenn ich ganz ehrlich bin: Schuld war Instagram. Wieder einmal.


Dort war mir nämlich Werbung für Schloss Waldegg über den Weg gelaufen. Das Schloss sah auf den Bildern halt einfach einladend aus.


Giselas Reaktion fiel weniger euphorisch aus.


"Jo, also do git's scho interessanteri Ort."


Allerdings lag ihr letzter Besuch schon mehrere Dekaden zurück, ihre Erinnerungen waren entsprechend vage. Und da sie glücklicherweise zu den Menschen gehört, die bereit sind, frühere Urteile gelegentlich zu überprüfen, stand unserem Ausflug nichts mehr im Weg.



Ankunft beim Schloss Waldegg: Überraschend ruhig trotz Sehenswürdigkeit


Aussicht von Schloss Waldegg bis zu den Schweizer Alpen.
Aussicht von Schloss Waldegg bis zu den Schweizer Alpen.

Mit dem Auto erreichten wir den Parkplatz direkt beim Schloss.

Dort stand ein Auto.


Dann kamen wir. Nun standen dort immerhin schon zwei Autos.

Menschen waren allerdings weit und breit keine zu sehen.


Für einen kurzen Moment fragten wir uns ernsthaft, ob das Schloss tatsächlich geöffnet hatte oder ob wir die Website falsch gelesen hatten.


Doch da die Türen offenstanden und uns niemand aufhielt, marschierten wir einfach los.


Bereits auf dem kurzen Fussweg zeigte sich, weshalb dieser Ort seit Jahrhunderten beliebt ist. Die Aussicht ist schlicht grandios. Felder, Hügel, Solothurn und dahinter die Alpen.


Nicht dramatisch. Nicht spektakulär. Einfach nur schön.


So schön, dass man sich kurz fragt, weshalb man nicht selbst irgendwo auf einer Anhöhe ein Schloss, oder was Kleineres, besitzt.


Dann erinnert man sich an sein Bankkonto und läuft weiter. So ist das Leben.



Die Familie von Besenval: Französisches Geld und Solothurner Barock


Viele hübsche Details ziehren Schloss Waldegg: Von bunten Fensterläden bis zu ...
Viele hübsche Details ziehren Schloss Waldegg: Von bunten Fensterläden bis zu ...
... aufwändigen Deckenmalereien. Es gibt ständig was zu entdecken.
... aufwändigen Deckenmalereien. Es gibt ständig was zu entdecken.

Erbaut wurde Schloss Waldegg zwischen 1682 und 1686 von Johann Viktor von Besenval.

Und wenn man heute durch die Anlage spaziert, kommt einem ziemlich schnell ein Gedanke: Der Mann hatte offensichtlich weder Platzprobleme noch finanzielle Sorgen.


Die Familie von Besenval gehörte zur Solothurner Oberschicht und stand über Generationen in Diensten der französischen Krone. Das war damals ein ausgesprochen lukratives Geschäftsmodell. Während andere ihre Felder bestellten oder einem Handwerk nachgingen, machten die Besenvals Karriere im Umfeld des französischen Hofes und liessen sich ihre Loyalität fürstlich entlöhnen.


Und wie das bei wohlhabenden Menschen häufig vorkommt, entstand irgendwann die Idee: "Wir bauen uns ein Sommerschloss mit Garten, Orangerie, Kapelle, Badehaus und Alpenblick."


Man muss ihnen allerdings zugutehalten: Wenn man schon Geld ausgibt, dann bitte mit Stil. Und Stil hatten die Besenvals definitiv.


Die Besenvals blieben allerdings nicht für immer Eigentümer der Waldegg. 1865 verkaufte die Familie das Schloss an Joseph von Sury-Bussy. Die Familie von Sury bewohnte die Anlage anschliessend fast ein Jahrhundert lang, bevor sie 1963 in den Besitz des Kantons Solothurn überging.



Der Barockgarten von Schloss Waldegg: Kräuter, Blumen und perfekte Ordnung


Blick auf den Barockgarten...
Blick auf den Barockgarten...
... und die Lindenalle, die zu Schloss Waldegg führt.
... und die Lindenalle, die zu Schloss Waldegg führt.

Bevor wir das Schloss von innen erkundeten, spazierten wir durch die Gartenanlagen.

Auf der einen Seite befinden sich Kräuterbeete, Blumen und alte Gemüsesorten von Pro Specie Rara. Auf der anderen Seite wartet der grosse Barockgarten.


Nun bin ich normalerweise niemand, der bei jedem Rosenbeet in Begeisterungsstürme ausbricht. Aber Barockgärten haben etwas Beeindruckendes. Wahrscheinlich, weil sie so akkurat und gepflegt sind, was ich mit meinem eigenen Garten nie erreichen werde.


Und erstaunlicherweise funktioniert das beim Schloss. Aber schliesslich habe ich auch keine Gärtner, die sich um meinen kümmern.


Die Orangerie blieb bei unserem Besuch allerdings geschlossen. Wie wir später erfuhren, öffnet sie ihre Tore hauptsächlich bei besonderen Anlässen. Und dazu zählten weder Gisela noch ich.





Das Schlossmuseum: Geschichte, Politik und Verbindungen nach Frankreich


In allen Räumen wird die Geschichte der ehemaligen Besitzer und ihrer Verbindung z Frankreich erklärt.
In allen Räumen wird die Geschichte der ehemaligen Besitzer und ihrer Verbindung z Frankreich erklärt.
Und könnt ihr die getrockneten Stechpalmenblätter auf den Stühlen erkennen? Dies hat weder mit der Geschichte des Schlosses noch mit den Besenvals zu tun. Sie sollen die Besucher charmant daran erinnern, sich nicht auf das Mobiliar zu setzen 😉
Und könnt ihr die getrockneten Stechpalmenblätter auf den Stühlen erkennen? Dies hat weder mit der Geschichte des Schlosses noch mit den Besenvals zu tun. Sie sollen die Besucher charmant daran erinnern, sich nicht auf das Mobiliar zu setzen 😉

Anschliessend ging es ins Schloss.

Die Ausstellung erzählt viel über die Familie von Besenval und derer von Sury. Von Verbindungen nach Frankreich und das Leben der Solothurner Patrizier.


Was dabei besonders auffällt: Solothurn war damals deutlich internationaler vernetzt, als man es einer vergleichsweise kleinen Stadt heute vielleicht zutrauen würde.


Frankreich war allgegenwärtig.

Geld ebenfalls.

Und die Besenvals verstanden es offensichtlich hervorragend, beides miteinander zu verbinden.


Während wir durch die Räume schlenderten, stellte ich mir mehrfach vor, wie hier einst Gäste empfangen wurden. Vermutlich Menschen, die ebenfalls genug Geld besassen, um beeindruckt werden zu wollen.


Schloss Waldegg erfüllte diesen Zweck damals genauso gut wie heute.



Das historische Badehaus: Wellness im 17. Jahrhundert


Baden auf Schloss Waldegg anno dazumal.
Baden auf Schloss Waldegg anno dazumal.

Bevor wir uns dem Kuchen widmeten, schauten wir uns noch das historische Badehaus gegenüber dem Schloss an.


Dort erfuhren wir, dass einst bis zu sechs Personen gleichzeitig badeten. In derselben Wanne. Und dies in der Regel einmal pro Woche.


Gisela und ich blickten in das Becken.

Dann blickten wir uns an.


Und dachten unabhängig voneinander vermutlich exakt dasselbe:

"Bäh."


Manchmal ist es beruhigend, in einer Zeit zu leben, in der persönliche Hygiene etwas anders definiert wird.

Natürlich weiss ich, dass man den damaligen Alltag nicht mit heutigen Massstäben messen sollte.

Aber sechs Menschen in derselben Brühe bleiben sechs Menschen in derselben Brühe.

Da hört mein historisches Verständnis dann doch irgendwann auf.



Die Schlosskapelle: Ein Ort mit besonderer Atmosphäre


Eine der zwei Kapellen von Schloss Waldegg: dies die Kapelle St. Michael.
Eine der zwei Kapellen von Schloss Waldegg: dies die Kapelle St. Michael.

Nicht weit davon entfernt befindet sich auch die Schlosskapelle.

Nun gehöre ich durchaus zu den Menschen, die sakrale Räume gerne besuchen. Viele Kirchen strahlen Ruhe, Schönheit oder Erhabenheit aus.


Also trat ich ein, Gisela genügte bereits ein Blick von draussen.

Und dort war ich dann auch recht schnell wieder: Draussen.


Die Kapelle wirkte auf mich düster. Nicht einfach nur etwas dunkel, sondern richtiggehend bedrückend. Einer jener Räume, die einem sofort ein ungutes Gefühl vermitteln, ohne dass man genau sagen kann, weshalb. Die Luft schien schwer zu sein, die Stimmung ebenfalls. Für einen kurzen Moment hatte ich sogar das Gefühl, der Raum nehme mir beinahe die Luft.


Vielleicht lag es am Licht.

Vielleicht an der Architektur.

Vielleicht einfach an meiner Tagesform.


Wie auch immer: Während wir uns im Schloss und in den Gärten ausgesprochen wohlfühlten, waren wir uns bei der Kapelle erstaunlich schnell einig.


Weiter geht's.



Café, barocke Kuchen und Alpenpanorama: Der schönste Abschluss des Besuchs



Terrasse in schönem Ambiente...
Terrasse in schönem Ambiente...
... wo wir uns 'barocke' Küchlein und regionale Getränke munden liessen.
... wo wir uns 'barocke' Küchlein und regionale Getränke munden liessen.

Nach all den historischen Eindrücken wurde es Zeit für den wichtigsten Programmpunkt des Tages. Das Zvieri. Auf der Terrasse und mit Blick auf den Barockgarten und die Alpen.


Es gibt schlechtere Möglichkeiten, einen Samstagnachmittag zu verbringen.

Wir plauderten vor uns hin, genossen Kaffee und Kuchen und blickten in die Ferne.


Irgendwann zeigte Gisela Richtung Horizont.

"Lueg, Eiger, Mönch und Jungfrau."

Ich kniff die Augen zusammen.

"Sicher?"

Die Berge sahen für mich irgendwie anders aus.


Also wurde diskutiert. Kurz darauf drückte mir Gisela den Peak Finder in die Hand.

"Lueg sälber."

Und tatsächlich: Vor uns standen Finsteraarhorn und einige seiner Nachbarn. Eiger, Mönch und Jungfrau befanden sich ein gutes Stück weiter rechts.


Gisela runzelte die Stirn, schaute von ihrem Platz auf die Berge und meinte:

"Das cha nid sii."

Erst dann stand sie auf.

Zwei Schritte nach rechts.

Ein Blick.


Und plötzlich war alles klar.

Während ich durch eine Säule auf die Alpen blickte, schweifte ihr Blick an einem barockige Busch vorbei. Wir sassen keine Armlänge voneinander entfernt und sahen trotzdem unterschiedliche Berge.


Es war ein wirklich passender Abschluss für unseren Besuch auf Schloss Waldegg. Ein Ort, an dem seit Jahrhunderten Menschen auf dieselbe Landschaft blicken und vermutlich doch jeder etwas anderes darin sieht.


Manche sehen die historische Bedeutung. Andere bewundern die Architektur. Wieder andere diskutieren zehn Minuten lang darüber, welcher Berg nun welcher ist.


Und ganz ehrlich: Alle haben irgendwie recht.



Für alle, die noch nicht nach Hause möchten


Wer nach Kaffee, Kuchen und Alpenblick noch Energie übrig hat, kann von Schloss Waldegg direkt weiter zur Verenaschlucht und Einsiedelei bei Solothurn spazieren. Dort wird es deutlich weniger barock, dafür grüner und etwas mystischer.



Fazit: Lohnt sich ein Besuch auf Schloss Waldegg?


Ja. Und das sage ich als jemand, der normalerweise nicht morgens aufwacht und denkt: "Heute hätte ich grosse Lust auf ein barockes Sommerschloss aus dem 17. Jahrhundert."


Schloss Waldegg hat uns nämlich genau mit dem überrascht, was man bei vielen Ausflugszielen nicht kaufen kann: einer entspannten Atmosphäre.

Die Anlage ist wunderschön gelegen, die Gärten sind gepflegt, die Aussicht reicht bis zu den Alpen und die Geschichte der Besenvals ist deutlich spannender, als man bei einer reichen Patrizierfamilie zunächst vermuten würde.


Dazu kommen Kaffee, Kuchen und genügend Sitzgelegenheiten, um zwischendurch einfach einmal nichts zu tun. Eine Fähigkeit, die ich persönlich für massiv unterschätzt halte. Wohl auch, weil ich es so selten mache...


Natürlich gibt es spektakulärere Sehenswürdigkeiten. Höhere Berge. Grössere Schlösser. Dramatischere Geschichten. Schloss Waldegg versucht allerdings gar nicht, das alles zu sein.


Stattdessen macht es etwas viel Sympathischeres: Es bietet einen wirklich schönen Ort für ein paar entschleunigte Stunden. Und so wollten wir ja unseren Nachmittag auch verbringen.


Und falls man dabei ganz nebenbei noch etwas über französisches Geld, Solothurner Patrizier und historische Badegewohnheiten lernt, schadet das auch nicht.


Wobei ich ehrlich gesagt bis heute finde, dass sechs Menschen in derselben Badewanne keine kulturelle Errungenschaft sind, die unbedingt ein Comeback feiern muss.


Wir jedenfalls sind nach unserem Besuch entspannt nach Hause gefahren.



Corinna



Das Nötigste – bevor wir uns ebenfalls ein Sommerschloss kaufen


💭 Erwartung vs. Realität:

„Ein altes Schloss mit ein paar Möbeln.“

Tatsächlich erlebt: Alpenblick, Barockgarten, Kuchen und die Erkenntnis, dass die Besenvals das Leben ziemlich gut eingerichtet hatten.


📸 Verantwortlich für diesen Ausflug:

Instagram.

Wieder einmal.


😒 Skepsis-Level vor dem Besuch:

Gisela: „Do git's scho interessanteri Ort.“

Das Schloss: „Challenge accepted.“


💰 Karriereberatung aus dem 17. Jahrhundert:

  1. Gute Beziehungen zum französischen Königshaus aufbauen.

  2. Sehr reich werden.

  3. Schloss mit Alpenblick bauen.

  4. Fertig.


🌿 Persönlicher Tiefpunkt im Barockgarten:

Die Erkenntnis, dass selbst die Kräuterbeete hier besser organisiert sind als mein Gartenteich.


🏔️ Reichster Moment des Tages:

Auf der Terrasse sitzen, Zvieri geniessen und auf die Alpen schauen.

Für ungefähr sieben Minuten fühlte ich mich finanziell deutlich erfolgreicher, als ich tatsächlich bin.


🛁 Historische Information, die niemand gebraucht hat:

Bis zu sechs Personen badeten gleichzeitig in derselben Wanne.

Die Vergangenheit war in vielerlei Hinsicht faszinierend.

Dies gehört nicht dazu.


⛪ Aufenthalt in der Schlosskapelle:

Betreten.

Unwohl fühlen.

Verlassen.

Manche Erlebnisse brauchen keine längere Erklärung.


🏔️ Alpine Verwirrung des Tages:

Wir sassen weniger als einen Meter auseinander und sahen unterschiedliche Berge.

Die Alpen sind offenbar auch nur eine Frage der Perspektive.


🧭 Fazit in einem Satz:

Schloss Waldegg hat geschafft, was nur wenige Ausflugsziele schaffen: Es war deutlich interessanter als erwartet und gleichzeitig entspannender als geplant.





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