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Basel zwischen Fiebertraum und Mythos: „Die vergessene Legende von Basel“

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Schon beim Betreten der neugotischen Elisabethenkirche ist klar: Hier gibt es heute weder Andacht noch Ü-40-Party mit noch viel älteren Leuten. Stattdessen stehen hier alle Anzeichen auf eine Lichtshow! Über 200 Lichtquellen, Hologramme, Trapeze und eine Soundanlage, die wahrscheinlich auch den Basilisken persönlich aus dem Schlaf reissen würde. Und all das, um uns eine Geschichte zu erzählen – oder besser: mehrere. Es geht um Christoph und Margaretha, um Liebe, Trennung, einen Basilisken, Napoleon (!), die Kantonstrennung und natürlich immer wieder um die Basler Fasnacht. Mindestens.


Zugang zur Elisabethenkirche.
Zugang zur Elisabethenkirche.

Vor der Show...
Vor der Show...

Mein Sohn und ich waren entsprechend gespannt und betraten voller Vorfreude die Kirche. Etwas irritiert waren wir dann allerdings, dass gut die Hälfte der Plätze leer blieb. Lag es an der frühen Startzeit um 17.30 Uhr? Am ambitionierten Programm mit drei bis vier Shows täglich über mehr als einen Monat? Ich weiss es nicht. Wir setzten uns also, schauten uns um und harrten der Dinge, die da wohl kommen würden.


Nora, ihr Grossvater und der Zeitenregler.
Nora, ihr Grossvater und der Zeitenregler.

Und dann ging’s los. Mit Wucht. Mit Licht. Mit Sound. Mit Hologrammen. Wir lernen Nora kennen, die beim Laternenmalen von ihrem Grossvater die Geschichte des Basilisken erzählt bekommt. Ein Zeitenregler taucht auf (ja, wirklich), dreht an der Uhr herum und wirft uns zurück ins Jahr 1816. Napoleon erscheint als Hologramm – warum auch nicht – und später verfolgen wir die Liebesgeschichte von Christoph Merian und Margaretha Burkhardt, die sich im Strudel der Kantonstrennung verlieren, um im Anschluss drei Prüfungen des Basilisken zu bestehen. Nur wer diese besteht, darf für immer zusammenbleiben. Logisch.


Während der Legende immer wieder Bezug zur Basler Fasnacht.
Während der Legende immer wieder Bezug zur Basler Fasnacht.



Abenteuerlich? Absolut. Ambitioniert? Und wie. Übersichtlich? Ääh...nein, eher nicht. So viele Erzählstränge werden miteinander verwoben, begleitet von Licht und Musik, dass man den Faden schon mal verlieren kann. Ehrlich gesagt: Ich habe ihn mehrmals verloren. Dennoch war die Show beeindruckend. Die Projektionen, die Musik, die Hologramme.


Der Geschichtenerzähler...
Der Geschichtenerzähler...

...Auftritt des Basilisken.
...Auftritt des Basilisken.

Christoph und Margaretha im  Höhenflug...
Christoph und Margaretha im Höhenflug...


Mein Sohn nannte das Ganze einen „Fiebertraum“. Ich nenne es: eindrücklich.

Die Stunde verging wie im Flug. Und während sich später die einzelnen Geschichten in meinem Kopf langsam sortierten, wuchs auch meine Neugier: Was davon war eigentlich historisch korrekt? Und was entsprang komplett der Fantasie?


Et voilà: ein paar interessante Fakten zu dieser Legende:


Basel im Jahr 1816: Das Jahr ohne Sommer


1815 brach in Indonesien der Vulkan Tambora aus, einer der heftigsten Vulkanausbrüche, die es jemals gab. Das vulkanische Material wurde in die Atmosphäre geschleudert und veränderte das Klima rund um die Welt. 1816 waren die Folgen davon auch in Basel zu spüren: der Rhein überschwemmte alles, faules Getreide, Missernten, kein Futter für die Tiere, Schnee bis in tiefe Lagen und Nachtfröste im Sommer. Nicht nur für Basel, sondern für die ganze Schweiz und auch die übrige Welt folgten Jahre des Hungers.


Und noch eine kleine Anekdote zu diesem Jahr 1816: damals weilte Mary Shelley mit ihrem Mann und dem Dichter Lord Byron am Genfersee. Da es in diesem Jahr ständig regnete und kalt war, beschlossen sie, dass jeder von ihnen eine Horrorgeschichte schreiben sollte. Und so kam der Roman über Frankenstein zur Welt.


Napoleon und Basel


1798 marschierten französische Truppen ein und markierten damit das Ende der Zunftherrschaft. Während bislang wenige Familien und Zünfte das Sagen hatten und das Volk kaum Mitspracherecht hatten, wurden diese Machtstrukturen in den folgenden Jahren abgeschafft. Napoleon brachte unter anderem Basel Ideale der französischen Revolution mit wie gleiche Rechte, eine Verfassung, klare Verwaltung und die Trennung für Kirche und Staat. Basel wurde quasi erwachsen und verlor sich nicht mehr in der Vetternwirtschaft.


Die Trennung von Basel und Baselland


Schon lange schwelten Konflikte zwischen dem Baselbiet und Basel. Das Baselbiet fühlte sich benachtteiligt und Napoleons Reformen zeigten die Differenzen zwischen den Beiden nur noch mehr auf. Bislang hatte Basel das Sagen, die Dörfer auf dem Land hatten zu zahlen, liefern und zu gehorchen. Die reformistischen Ideen Napoleons betonten diese Unterschiede um so mehr und das Baselbiet begann sich zu wehren, bis es 1833 zum endgültigen Bruch kam und die Kantonstrennung erfolgte.


Christoph Merian und Margaretha Burkhardt


Hier habe ich schon einiges über das Paar geschrieben:

Neu hingegen war für mich, dass das Ehepaar unter dem Chor der Elisabethenkirche in Sarkophagen ruht, dessen Eingang nicht öffentlich zugänglich ist. Dieses Grab wird in der Show nebst deren Liebesgeschichte ebenfalls erwähnt.


Der Basilisk


Im Mittelalter soll in Basel in schreckliches Ungeheuer gelebt haben: der Basilisk. Ein Wesen, halb Huhn mit Gockelkopf und Hahnenkrallen, den Körper zur Hälfte als Schlange. Und mit einer sagenhaften Grösse von 1 (!) Meter. Angeblich soll er im Gerberbrunnen gehaust haben und so gefährlich gewesen sein, dass ein Blick aus seinen Augen töten konnte. Doch ein mutiger Mann hatte die clevere Eingebung: Nimm einen Spiegel mit und lass den Basilisken in sein eigenes Spiegelbild blicken. Und so geschah's und der Basilisk starb an seinem eigenen tödlichen Blick. Heute gilt der Basilisk als Schutz- und Wahrzeichen der Stadt Basel und lässt sich an manchen Ecken in Form von Souvenirs oder als Brunnen in Basel finden.

Und wie wohl so mancher Basler sagen würde: 'De Basilisk isch villicht gföhrlig, aber mir händ en im Griff.'


Fazit: Man muss nicht alles verstehen, um sich mitreissen zu lassen. Man darf staunen, sich verwirren lassen, lachen und den Kopf schütteln. Und ganz ehrlich: Wann warst du das letzte Mal in einer Kirche, hast einen Basilisken gesehen, Napoleon getroffen und dabei noch Lust bekommen, dich mit Basler Geschichte auseinanderzusetzen? Eben.


Also viel Spass dabei.


Corinna




🔦 Für alle, die kurz den Überblick verloren haben

(Keine Sorge, das ging uns allen so.)


📍 Schauplatz:

Elisabethenkirche Basel: eigentlich still, ehrfürchtig. Heute: Lichtgewitter, Bass und ein Basilisk mit Auftritt.


🎭 Worum geht’s?

Um eigentlich alles, was Basel je beschäftigt hat – und das gleichzeitig:

  • eine grosse Liebe (Christoph & Margaretha)

  • ein mythisches Ungeheuer (der Basilisk)

  • ein kleiner Franzose mit grossem Ego (Napoleon)

  • die Kantonstrennung

  • und natürlich die Fasnacht (mindestens!)



Historischer Reality-Check:


Wir springen u.a. ins Jahr 1816 – das Jahr ohne Sommer.

Grund: Ein Vulkan auf der anderen Seite der Welt explodiert. Folge: Hunger, Überschwemmungen, Frost im Sommer – auch in Basel. Bonus: Am Genfersee entsteht aus Langeweile Frankenstein.Schlechtes Wetter, gute Literatur.


🇫🇷 Napoleon in Basel:

1798 beendet er die Zunftherrschaft. Bringt neue Ideen wie:

  • gleiche Rechte

  • Verfassungen

  • weniger «mir kenned uns»-Politik


Basel wird moderner. Nicht freiwillig, aber nachhaltig.


⚔️ Basel-Stadt vs. Baselland:

Die Stadt bestimmt, das Land zahlt. Das Land sagt irgendwann: „Jetzt längt’s.“ 1833 folgt die Kantonstrennung. Eine Trennung mit viel Drama und wenig Mediation.


🐍 Der Basilisk:

  • halb Hahn, halb Schlange

  • tödlicher Blick

  • besiegt durch einen Spiegel

Heute: Brunnenfigur, Souvenir, Stadtsymbol. Gefährlich war er mal – heute gehört er einfach dazu.


🗣️ Kurzfassung auf Baslerisch:

„Dr Basilisk isch villicht gföhrlig – aber mir händ en im Griff.“


💡 Insider-Tipp:

Am besten in der Mitte der Kirche sitzen, dann hast du die Lichter, Projektionen und Trapezkünstler:innen perfekt im Blick.


🎟️ Tickets & Laufzeit:

Die Show läuft noch bis Ende Februar 2026. Tickets gibt’s online auf der offiziellen Website der Elisabethenkirche / Show-Website. www.vergessene-legende.ch

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