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Hohle Gasse bei Küssnacht: Auf den Spuren von Wilhelm Tell – die legendärste Kurzwanderung der Schweiz

  • Corinna
  • vor 12 Minuten
  • 7 Min. Lesezeit

📍 Ort / Region: Küssnacht am Rigi / Kanton Schwyz, Zentralschweiz


Start: Besucherzentrum Hohle Gasse (Immensee)

Ziel: Küssnacht am Rigi (oder retour zur Hohlen Gasse)

Distanz: ca. 4,5 km

Dauer: ca. 1–1,5 Stunden (je nach Fotostopps, Besichtigung der Gesslerburg und gemütlichem Bummel durch Küssnacht)

Höhenmeter: ca. 120 hm Aufstieg, 170 hm Abstieg

Schwierigkeit: Leicht (T1–T2)

Trittsicherheit: Nicht erforderlich – normale Wanderschuhe genügen.

Schwindelfreiheit: Nicht notwendig.


Familientauglichkeit: Sehr gut geeignet. Auch für Kinder problemlos machbar und dank Wilhelm Tell besonders spannend.


Route: Hohle Gasse – Tellskapelle – Gesslerburg – Knochenstampfi – Küssnacht am Rigi


Beste Reisezeit: Ganzjährig (besonders schön im Frühling und Herbst)


⭐ Besonderheit

Selten vermischen sich auf einer Wanderung in der Schweiz soviel Geschichte, Mythos und Natur. Ihr wandert durch die berühmte Hohle Gasse, besucht die Tellskapelle und die sagenumwobene Gesslerburg und geniesst dabei immer wieder schöne Ausblicke auf Küssnacht und den Vierwaldstättersee.


💡 Meine Empfehlung

Nehmt euch bewusst Zeit für diese Wanderung. Die Strecke ist zwar kurz, unterwegs gibt es aber erstaunlich viel zu entdecken. Plant genügend Zeit für die Tellskapelle, die Gesslerburg und einen gemütlichen Spaziergang durch Küssnacht ein. Und wenn ihr den Tag perfekt abrunden möchtet, gönnt euch am See einen Apéro oder ein Glace – schliesslich endet nicht jede Tell-Geschichte mit einem Pfeil.


🚆 Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln

Mit dem Zug bis Immensee. Vom Bahnhof erreicht ihr den Eingang der Hohlen Gasse in wenigen Gehminuten.


🚗 Anreise mit dem Auto

Direkt beim Besucherzentrum der Hohlen Gasse stehen kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung.


🍴 Einkehr

👉 Restaurants und Cafés in der Altstadt von Küssnacht

👉 Restaurants direkt am Vierwaldstättersee


🌟 Highlights der Wanderung

  • Die berühmte Hohle Gasse

  • Besucherzentrum mit Multimediashow

  • Tellskapelle

  • Schöne Aussicht auf Küssnacht und den Vierwaldstättersee

  • Historische Knochenstampfi

  • Gesslerburg

  • Gemütlicher Spaziergang durch Küssnacht

  • Seeufer am Vierwaldstättersee

  • Perfekte Kurzwanderung für Familien und Geschichtsinteressierte



Die Hohle Gasse bei Küssnacht - Warum ist sie so berühmt


Die Hohle Gasse bei Küssnacht.
Die Hohle Gasse bei Küssnacht.

„Durch diese hohle Gasse muss er kommen!“


Diesen Satz hat wohl fast jeder Schweizer irgendwann in der Schule gehört – meistens begleitet von einer Mischung aus Ehrfurcht, leichter Verwirrung und der berechtigten Frage, ob das prüfungsrelevant ist.


Damals konnte ich mir vor allem eines merken: Irgendwo gibt es eine hohle Gasse. Warum sie hohl ist und wo sie überhaupt liegt? Keine Ahnung.


Doch Hand aufs Herz: Wusstet ihr, dass die Hohle Gasse bei Küssnacht tatsächlich existiert?


Ich jedenfalls nicht.


Umso überraschter war ich, als ich auf dem Weg zu meiner Wanderung auf den Stoos plötzlich ein braunes Hinweisschild mit der Aufschrift „Hohle Gasse“ entdeckte.

Mein erster Gedanke: Moment mal … die Hohle Gasse? Die aus dem Geschichtsunterricht? Die mit Tell?


Mein innerer Entdecker war sofort hellwach. Und wie jeder neugierige Mensch weiss: Ignorieren ist keine Option.


Ein paar Tage später standen meine Freundin und ich genau an jenem Ort, an dem laut Legende einer der berühmtesten Momente der Schweizer Geschichte stattgefunden haben soll.


Ob Wilhelm Tell tatsächlich dort auf Gessler gewartet hat? Darüber streiten Historiker bis heute. Dass wir dort standen, ist hingegen belegt – schliesslich gibt es Fotos.



Wie ein Hut Schweizer Geschichte schrieb


Wilhelm Tell mit Armbrust und Sohn Walter.
Wilhelm Tell mit Armbrust und Sohn Walter.

Aber was ist hier eigentlich passiert?


Dafür drehen wir die Uhr rund 700 Jahre zurück – in eine Zeit, in der ein Hut noch politische Krisen auslösen konnte.


Der habsburgische Landvogt Hermann Gessler wollte seine Macht demonstrieren. Also stellte er auf dem Dorfplatz von Altdorf seinen Hut auf eine Stange.

Und jeder, der vorbeikam, musste ihn grüssen. Nicht Gessler. Den Hut.


Die meisten spielten das Spiel mit.


Einer nicht.


Wilhelm Tell blieb stehen, schaute den Hut an …

… und der Hut tat das, was Hüte eben besonders gut können:


Gar nichts.


Tell dürfte sich trotzdem gedacht haben: «De cha mer i d'Chappe jodle.»


Gessler bewies daraufhin eindrucksvoll, dass Humor nicht zu seinen grössten Stärken gehörte.

Zur Strafe musste Tell mit seiner Armbrust einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walter schiessen.

Zum Glück war Tell ein hervorragender Schütze.

Der Apfel hatte jedenfalls keine Chance.


Blöd nur, dass Gessler bemerkte, dass Tell noch einen zweiten Pfeil dabeihatte.

Auf die Frage, wofür dieser gedacht sei, antwortete Tell sinngemäss:


"Falls ich min Sohn troffe hätt, wärsch du als Nächschte dra gsi."


Charmant war das nicht. Ehrlich allerdings schon.


Gessler liess Tell daraufhin verhaften und über den Vierwaldstättersee nach Küssnacht bringen. Doch unterwegs zog ein heftiger Sturm auf. Weil offenbar alle lieber lebend ans Ziel kommen wollten, wurden Tell die Fesseln gelöst, damit er das Boot steuern konnte.


Kaum am Ufer angekommen, nutzte Tell die Gelegenheit zur Flucht.


Und ja, er wusste genau, auf welchem Weg Gessler nachkommem würde.


„Durch diese hohle Gasse muss er kommen.“


Also versteckte sich Tell genau hier, in der Hohlen Gasse bei Küssnacht, und wartete.

Als Gessler vorbeikam, schoss Tell den berühmten Pfeil.


Ob sich das tatsächlich so abgespielt hat? Darüber streiten Historiker seit Jahren. Wir Schweizer haben stattdessen beschlossen, dass manche Geschichten einfach zu gut sind, um sie nicht zu glauben.


Schliesslich erzählt sie von Mut, Freiheitsdrang und einem Mann, der sich von einem Hut ganz bestimmt nichts vorschreiben liess.


Und sind wir ehrlich: Eine Nation, deren bekannteste Gründungsgeschichte mit einer Armbrust, einem Apfel und einer beleidigten Kopfbedeckung beginnt, hat durchaus Stil.


Mit genau dieser Geschichte im Hinterkopf betraten wir wenig später die berühmte Hohle Gasse. Ob Mythos oder Wahrheit – plötzlich fühlt sich jeder Meter dieses schmalen Weges ein kleines bisschen geschichtsträchtiger an.



Start der Wanderung in Immensee – Tell, Technik und ein Picknickplatz mit starker Konkurrenz


Besucherzentrum 'Hohle Gasse' bei Küssnacht.
Besucherzentrum 'Hohle Gasse' bei Küssnacht.
Szene der Multimedia-Show.
Szene der Multimedia-Show.

Unsere Wanderung begann in Immensee, direkt beim Besucherzentrum der Hohlen Gasse.


Wer möchte, kann hier zuerst im modernen Pavillon eine kleine Multimedia-Show besuchen. Sie erzählt die Geschichte von Wilhelm Tell, erklärt die Bedeutung der Hohlen Gasse und liefert den geschichtlichen Hintergrund zur Region.


Wir... nun ja... haben die Show zu Beginn gekonnt ausgelassen.


Nicht nur, weil direkt hinter dem Pavillon ein gedeckter Picknickplatz auf uns wartete. Sondern auch, weil sich die Multimediashow derart diskret im Gebäude versteckt, dass wir sie schlicht übersehen haben.


Ganz nach dem Motto: Wer sie findet, darf sie anschauen.


Also starteten wir unsere Wanderung ganz schweizerisch: mit einer kleinen Essenspause.


Schliesslich wandert es sich mit vollem Bauch deutlich motivierter.


Und auf dem Rückweg war die Multimediashow ja auch noch da...



Durch die Hohle Gasse – 250 Meter voller Geschichte


Durch die Hohle Gasse bei Küssnacht gehts direkt zur Tellskapelle.
Durch die Hohle Gasse bei Küssnacht gehts direkt zur Tellskapelle.

Dann ging es endlich los.


Die Hohle Gasse wirkt sofort anders als gewöhnliche Wanderwege. Links und rechts ragen mächtige Findlinge empor und hohe Bäume spenden Schatten. Obwohl die Gasse gerade einmal rund 250 Meter lang ist, entsteht sofort dieses Gefühl, dass hier tatsächlich Geschichte geschrieben worden sein könnte.


Oder zumindest ein ziemlich gutes Theaterstück.


Denn kaum hat man sich so richtig in die Stimmung hineinversetzt, ist die Hohle Gasse auch schon wieder vorbei. Nun ja, nichts währt ewig, nicht mal eine geschichtsträchtige Gasse.


Keine dramatische Verfolgungsjagd. Kein Apfelschuss. Kein Gessler hinter der nächsten Kurve.


Leider war die Tellskapelle bei unserem Besuch verschlossen.
Leider war die Tellskapelle bei unserem Besuch verschlossen.
Rechts neben der Kapelle gehts nach oben und weiter Richtung Gesslerburg.
Rechts neben der Kapelle gehts nach oben und weiter Richtung Gesslerburg.

Stattdessen steht man plötzlich vor der Tellskapelle.


Sie erinnert an die berühmte Tell-Legende und bildet den historischen Abschluss der Hohlen Gasse. Natürlich wurde sie ausführlich bestaunt, fotografiert und für absolut fotogen befunden.



Von der Tellskapelle nach Küssnacht – Panorama statt Pfeil und Bogen


Aussicht auf Felder, Vierwaldstättersee und...
Aussicht auf Felder, Vierwaldstättersee und...
... Küssnacht. Im Hintergrund der Pilatus.
... Küssnacht. Im Hintergrund der Pilatus.

Nach der Tellskapelle führte der Weg in einer engen Kehre leicht bergauf.


Und schon wenige Minuten später öffnete sich die Landschaft.


Vor uns lagen die sanften Hügel rund um Küssnacht, dahinter glänzte der Vierwaldstättersee durch die Landschaft und irgendwo im Hintergrund thronte die Rigi. Schön war's: Man wechselt innerhalb weniger Minuten von einer schattigen historischen Schlucht zu einer offenen Aussicht, wie sie typisch für die Zentralschweiz ist.


Der Wanderweg führt gemütlich über Wiesen und Felder. Rechts begleitet einen fast durchgehend der Blick auf Küssnacht und den See.


Und unser nächstes Ziel wartete bereits: die sagenumwobene Gesslerburg.



Die Knochenstampfi – Der wohl ungewöhnlichste Zwischenstopp der Wanderung


Die Knochenstampfi bei Küssnacht.
Die Knochenstampfi bei Küssnacht.

Bevor wir die Burg erreichten, führte uns der Weg zur Knochenstampfi.


Allein der Name sorgt schon für fragende Gesichter.


Und nein, hier wurden keine Ritter weichgeklopft.


Die Stampfi wurde 1877 erbaut und diente tatsächlich dazu, Tierknochen und Fleischreste zu zerkleinern. Daraus entstand Knochenmehl, das damals als wertvoller Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Reich an Phosphor, Stickstoff und Kalk war es sozusagen der Bio-Booster des 19. Jahrhunderts.


Erst mit der Erfindung von Kunstdünger verschwand dieses Handwerk langsam.


Heute ist die schön restaurierte Knochenstampfi ein kleines historisches Schmuckstück und kann sogar für Veranstaltungen gemietet werden.


Nicht unbedingt der romantischste Hochzeitsort der Schweiz – aber garantiert einer der aussergewöhnlichsten.



Die Gesslerburg – Mehr Legende als Wirklichkeit


Überreste der Gesslerburg...
Überreste der Gesslerburg...
... mit Aussicht auf Küssnacht und den Vierwaldstättersee.
... mit Aussicht auf Küssnacht und den Vierwaldstättersee.

Nur wenige Minuten später standen wir bei der Gesslerburg.

Oder besser gesagt: bei ihren Überresten.


Von der einstigen Burg sind heute hauptsächlich Mauerreste erhalten. Historisch gibt es übrigens keinerlei Beweise dafür, dass der berüchtigte Landvogt Gessler jemals hier gewohnt hat.


Den Zusammenhang verdankt die Burg vielmehr dem Chronisten Aegidius Tschudi, der sie im 16. Jahrhundert kurzerhand zu Gesslers Wohnsitz erklärte. Und wie das mit guten Geschichten eben so ist: Irgendwann wird aus einer Vermutung eine Legende.


Uns war das herzlich egal.


Die Aussicht über Küssnacht und den Vierwaldstättersee ist nämlich fantastisch. Also erklommen wir sämtliche Mauern, umrundeten die Anlage und liessen den Blick über die Landschaft schweifen.


Manchmal reicht eben eine gute Aussicht völlig aus, damit ein Ort Geschichte schreibt.



Küssnacht am Vierwaldstättersee – Der perfekte Abschluss der Wanderung


Zentrum von Küssnacht. Die Strasse links führt runter zum See.
Zentrum von Küssnacht. Die Strasse links führt runter zum See.

Nach rund einer Stunde erreichten wir schliesslich Küssnacht.


Mit rund 14'000 Einwohnern ist der Ort überschaubar. Seine Lage zwischen der Rigi, dem Küssnachtersee, einem Zipfel des Vierwaldstättersees, macht ihn jedoch zu einem beliebten Ausflugsziel.


Und natürlich gehören Küssnacht und Wilhelm Tell einfach zusammen.


Denn irgendwo hier musste Gessler ja schliesslich durch die berühmte Hohle Gasse kommen.


Jetzt standen wir allerdings etwas planlos mitten im Dorf. Was tun?

  • Ein Coupe essen?

  • Eine Schifffahrt?

  • Oder doch noch spontan ins Tell-Museum nach Bürglen?


Für das Museum reichte die Zeit leider nicht mehr. Also entschieden wir uns für Plan B: eine Schifffahrt.


Laut Fahrplan sollte das Schiff in wenigen Minuten eintreffen. Wir warteten.


14:56 Uhr.


Kein Schiff.


14:57 Uhr.


Immer noch kein Schiff.


In der Schweiz wird man spätestens nach zwei Minuten nervös. Irgendetwas musste passiert sein.


Zum Glück klärte uns ein anderer wartender Fahrgast auf:


„Das Schiff fahrt eigentlich scho, numme hüt nit!"


Natürlich nicht.


Statt Schifffahrt gab es hier...
Statt Schifffahrt gab es hier...
... einen gut gekühlten Aperol.
... einen gut gekühlten Aperol.

Also machten wir aus der Not eine Tugend, suchten uns ein gemütliches Café in den hübschen Gassen von Küssnacht, bestellten zwei Aperol Spritz und stiessen auf einen gelungenen Wandertag an.


Manchmal endet eben selbst die legendärste Tell-Wanderung nicht mit einem Pfeil.


Sondern mit einem Aperol.



Corinna



🤓 Tell-Check: So lief unsere Mission


🏹 Wilhelm Tell getroffen? Leider nein.


🎩 Einen Hut gegrüsst? Ganz sicher nicht.


🍎 Äpfel vom Kopf geschossen? Ähm...nöö.


🪨 Durch die berühmte Hohle Gasse gelaufen? Ja. Und sie war schneller vorbei, als wir «Wilhelm Tell» sagen konnten.


🚢 Die geplante Schifffahrt gemacht? Das Schiff schon. Aber nicht hier.


🍹 Den Tag stilecht beendet? Natürlich. Mit zwei Aperol direkt am Vierwaldstättersee.


😂 Würden wir die Wanderung wieder machen? Jederzeit. Vielleicht klappt's beim nächsten Mal sogar mit dem Schiff.

 
 
 

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