St. Ursanne im Herbst: Mittelalter, Natur & die legendäre Bären-WG im Jura
- Corinna
- 4. Nov. 2022
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Apr.
📍 Wo: St. Ursanne, Kanton Jura (Schweiz), am Fluss Doubs
Anreise:
Mit dem Auto: Bequeme Anfahrt bis direkt vor die Tore von St. Ursanne
Mit ÖV: Zug bis Bahnhof St. Ursanne (ca. 15 Gehminuten ins Städtchen)
Dauer:
Ort besichtigen: ca. 1–2 Stunden
Spaziergang am Doubs: +1–3 Stunden
Parkplatz:
Parkplätze direkt vor dem Stadttor vorhanden (kostenpflichtig, gut erreichbar)
Highlights:
Mittelalterlicher Stadtkern
Stiftskirche & Kreuzgang
Steinbrücke St. Jean Népomucène
Stadttore & alte Gassen
Spaziergang entlang des Doubs
St. Ursanne im Jura – ein Ausflug zwischen Mittelalter, Natur & ganz viel Ruhe

Schöne Herbsttage schreien ja förmlich danach, rauszugehen – findet ihr nicht auch? Und wenn man sich schon auf den Weg macht, darf es ruhig ein kleines bisschen besonderer sein als der Spaziergang im Quartier.
Genau so landeten Hund, Freundin und ich diesmal bei einem Ausflug nach St. Ursanne im Jura – einem dieser Orte, die man kaum kennt, die einen aber sofort in ihren Bann ziehen.
Das kleine mittelalterliche Städtchen liegt idyllisch am Doubs und gehört definitiv zu den schönsten Geheimtipps für einen entspannten Jura-Ausflug in der Schweiz. Kopfsteinpflaster, alte Häuser, eine steinerne Brücke und rundherum nichts als Natur – fast so, als hätte jemand die Zeit einfach kurz angehalten.
Perfekt also für alle, die Lust auf einen Mix aus Sehenswürdigkeiten in St. Ursanne, gemütlichem Schlendern und einer Portion „einfach mal nichts tun“ haben.
Anreise & Parkplatz in St. Ursanne
Nach so viel Vorfreude war schnell klar: Dieses Mal geht’s nach St. Ursanne. Also packten wir Hund, Rucksäcke und gute Laune ein und machten uns bei schönstem Herbstwetter auf den Weg in den Jura.
Die Anreise ist unkompliziert, und besonders praktisch: Direkt vor den Toren von St. Ursanne gibt es Parkplätze. Auto abstellen, kurz sortieren, Hund anleinen – und schon kann der Ausflug losgehen. Genau so mögen wir das: ohne grosses Planen, dafür direkt mittendrin im Abenteuer.
Das mittelalterliche Städtchen entdecken


St. Ursanne wirkt ein bisschen so, als hätte hier jemand die Zeit vergessen – und ehrlich gesagt: zum Glück. Eingebettet zwischen Wäldern und schroffen Felswänden liegt das kleine Städtchen direkt am Doubs und strahlt eine herrlich entspannte Ruhe aus.
Die leicht schiefen Häuser mit ihrem bröckelnden Putz erzählen Geschichten aus längst vergangenen Zeiten – oder sehen zumindest so aus, als könnten sie das jederzeit tun.
Hier knarrt vielleicht mal ein Fensterladen, dort hängt eine Blumenkiste ein bisschen schief, und insgesamt fragt man sich unweigerlich: Wo sind eigentlich all die Leute?
Aber genau das macht den Reiz aus. Kein Trubel, kein Stress – dafür ganz viel Charme. Und ja, ein kleines bisschen fühlt man sich selbst wie auf Zeitreise.
Geschichte von St. Ursanne – Mönch, Bär & ein bisschen Drama

Wie so oft bei besonders hübschen Orten beginnt auch die Geschichte von St. Ursanne nicht ganz alltäglich.
Angeblich verdankt das Städtchen seine Entstehung einem irischen Mönch namens Ursicinus, der Anfang des 7. Jahrhunderts im Jura unterwegs war. Irgendwann dachte er sich wohl: Hier gefällt’s mir – und liess sich kurzerhand als Einsiedler in einer Höhle oberhalb des heutigen Städtchens nieder.
Und jetzt kommt der Teil, bei dem man kurz stutzig wird: Er soll dort… mit einem Bären gelebt haben. Ganz entspannt. So quasi als WG.
Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber ich hätte da schon ein paar Fragen zur Aufgabenteilung im Haushalt.
Zu Ehren dieses aussergewöhnlich entspannten Mönchs wurde später eine Kapelle gebaut – und sowohl die Kapelle als auch die Höhle können heute noch besichtigt werden.


Was danach folgte, zeigt: Aus der kleinen Einsiedelei wurde ziemlich schnell mehr:
Über Ursicinus’ Grab entstand ein Kloster
Im 12. Jahrhundert wurde dieses in ein Chorherrenstift umgewandelt
Daraus entwickelte sich die heutige imposante Stiftskirche
Bereits im Jahr 1139 wurde der Ort erstmals als Sancti Ursicini erwähnt
Und auch sonst hat St. Ursanne im Laufe der Zeit einiges mitgemacht – so ein bisschen wie ein Geschichtsbuch mit dramatischen Kapiteln:
Zugang nur über drei Stadttore oder die Brücke
Zwei grössere Brände
Die Pest
Einsturz und Wiederaufbau der Brücke im 18. Jahrhundert
Und sogar das grosse Basler Erdbeben von 1356 hat seine Spuren hinterlassen
Trotz – oder vielleicht gerade wegen – all dem hat sich das Städtchen immer wieder neu erfunden. Aus dem religiösen Zentrum wurde mit der Zeit ein Ort, der von Fischerei und Landwirtschaft lebte, später ein kleines Handwerker- und Krämerstädtchen und schliesslich sogar ein Industriestandort mit Eisenhütten.
Heute ist davon nicht mehr allzu viel übrig – ausser ein paar Gebäuden auf der anderen Flussseite. Geblieben ist dafür etwas viel Wertvolleres: dieser ganz besondere Charme, der irgendwo zwischen Geschichte, Gelassenheit und leicht schiefen Hausfassaden liegt.
Sehenswürdigkeiten in St. Ursanne


Heute lebt St. Ursanne ganz entspannt vom Tourismus – und das auf die unaufgeregteste Art überhaupt. Keine lauten Attraktionen, kein „höher, schneller, weiter“, sondern kleine Läden, Kunstgalerien, Antiquariate und ganz viel Atmosphäre.
Als wir durch das Städtchen schlenderten, hatten wir fast das Gefühl, die Saison hätte sich schon leise verabschiedet. Die Gassen waren angenehm leer, hier und da ein paar Wanderer oder Biker, zwei Cafés mit offenen Türen – und der Rest? Offenbar noch in der Mittagspause. Oder einfach irgendwo am Geniessen. Man passt sich ja schnell an.
Und genau darin liegt der Reiz: Man hat Zeit, alles in Ruhe zu entdecken. Und davon gibt es in St. Ursanne mehr, als man auf den ersten Blick denkt:
✨ Highlights in St. Ursanne
Die Stiftskirche
Das Herz des Städtchens – imposant, geschichtsträchtig und irgendwie immer fotogen. Besonders schön: der Blick auf den Glockenturm.
Die Steinbrücke St. Jean Népomucène
Postkartenmotiv inklusive. Von hier habt ihr einen perfekten Blick auf das Städtchen – und fragt euch unweigerlich, ob es wirklich echt ist oder einfach zu hübsch.
Die Stadttore
Der einzige Weg hinein – und schon beim Durchlaufen fühlt man sich ein kleines bisschen ins Mittelalter zurückversetzt.
Die verwinkelten Gassen
Kopfsteinpflaster, schiefe Häuser, bröckelnder Putz – und an jeder Ecke ein neues kleines Detail zum Entdecken.
Das Rathaus (Hôtel de Ville)
Mit seinem beeindruckenden Kreuzrippengewölbe – definitiv einen Blick nach oben wert.
Die Allee bei der Stiftskirche
Perfekt für einen gemütlichen Spaziergang – besonders im Herbst, wenn alles ein bisschen golden leuchtet.
Sonnenterrassen am Doubs
Zum Beispiel hinter dem einen oder anderen Hotel – ideal, um mit Blick auf den Fluss etwas zu trinken oder zu essen… sofern gerade offen 😉
Die kleinen Läden & Galerien
Perfekt zum Stöbern – wenn man zur richtigen Tageszeit kommt.
Was uns besonders gefallen hat: Selbst ohne grosses Programm wird es hier nicht langweilig. Man schlendert, bleibt stehen, entdeckt wieder etwas Neues – und plötzlich ist eine Stunde vorbei, ohne dass man es wirklich gemerkt hat.
Und ja, auch mein Hund war zufrieden. Spätestens bei der nächsten Wasserquelle. 😄


Spaziergang am Doubs Richtung Tariche

Nun, nachdem wir St. Ursanne besichtigt hatten, verliessen wir das Städtchen durch das Tor durch welches wir bereits eintraten und liefen wieder in Richtung Auto. Von dort aus ging es dann zu Fuss weiter dem Doubs entlang gegen Tariche.
Doch soweit liefen wir schliesslich nicht mehr, da dermassen viele Bauern mit ihren Traktoren auf der schmalen Strasse unterwegs waren, was das Laufen eher zu einen Hindernisslauf verkommen liess. Immerhin wussten wir nun, wo die ganzen Bewohner von St. Ursanne unterwegs waren ;-)
Spaziergang am Doubs Richtung Tariche


Nachdem wir das Städtchen erkundet hatten, ging’s wieder durch das gleiche Tor hinaus – man will ja nichts verpassen – und zurück in Richtung Auto. Aber statt direkt heimzufahren, dachten wir uns: Da geht doch noch mehr.
Also schnürten wir (bildlich gesprochen) nochmals die Wanderschuhe und folgten dem Doubs gemütlich in Richtung Tariche. Und ja, genau so stellt man sich das vor: ruhiger Fluss, Natur, ein bisschen dahinlaufen und einfach den Moment geniessen.
Zumindest… theoretisch.
Denn praktisch sah das Ganze dann so aus, dass wir uns plötzlich in einer Art inoffiziellem Bauernumzug wiederfanden. Traktoren hier, Traktoren da – und das alles auf einer eher schmalen Strasse. Unser entspannter Spaziergang entwickelte sich also kurzfristig zu einem kleinen Hindernislauf mit landwirtschaftlichem Flair.
Aber hey – immerhin wissen wir jetzt, wo sich die ganze Dorfbevölkerung versteckt hatte. 😉
Trotzdem (oder gerade deswegen) hatte der Weg einiges zu bieten:
🌿 Unterwegs am Doubs
Kapelle Notre Dame
Ein hübscher Zwischenstopp am Weg – ruhig gelegen und perfekt für eine kurze Verschnaufpause.
Der Doubs selbst
Mal ruhig dahinfliessend, mal leicht glitzernd – irgendwie schaut man automatisch immer wieder hin.
Die Landschaft rundherum
Bewaldete Hügel, Felsen und dieses Gefühl von „hier ist gerade einfach nichts los“ – im besten Sinne.
Aussichtspunkte entlang des Weges
Perfekt für kleine Stopps, Fotos oder einfach zum kurz Stehenbleiben und Geniessen.
Auch wenn wir es nicht ganz bis nach Tariche geschafft haben: Der Weg dorthin lohnt sich definitiv. Und mit etwas Glück erwischt ihr einen Tag ohne Traktoren-Slalom – wobei… ein kleines bisschen Abenteuer gehört ja irgendwie auch dazu.
Events & besondere Highlights
St. Ursanne kann nicht nur ruhig und verschlafen – ab und zu wird’s auch richtig lebendig. Und das offenbar ziemlich stimmungsvoll:
Weihnachtsmarkt
Findet jeweils Anfang Dezember statt (z. B. am 3. und 4. Dezember) – mit mittelalterlicher Kulisse wahrscheinlich ziemlich zauberhaft.
Mittelalterfest (alle 2 Jahre)
Ein ganzes Wochenende lang wird das Städtchen zur Zeitreise: Gaukler, Märkte, historische Stimmung inklusive.
👉 Das nächste findet vom 7. – 9. Juli statt.
Geheimtipp aus zweiter Hand
Ich war selbst noch nie dort – aber die Begeisterung im Freundeskreis spricht für sich. Klingt also stark nach „sollte man mal erlebt haben“.
Weitere Aktivitäten rund um St. Ursanne – mehr Zeit als gedacht (und plötzlich ist der Tag weg)
Ganz ehrlich: St. Ursanne selbst hat man in ein paar Stunden gesehen. Also so rein theoretisch. Praktisch passiert aber meist Folgendes: Man bleibt irgendwo stehen, setzt sich kurz hin, schaut ein bisschen in die Gegend… und zack – ist der halbe Tag weg.
Falls ihr also – wider Erwarten 😉 – doch noch Energie übrig habt, gibt es rund um St. Ursanne einiges zu entdecken. Und je nach Tagesform wird daraus entweder ein kleiner Spaziergang… oder ein ausgewachsener Familienausflug mit Erinnerungs-Potenzial.
Was ihr rund um St. Ursanne unternehmen könnt
Dem Doubs entlang spazieren
Wunderschön, ruhig und perfekt für ein Picknick am Wasser.
👉 Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Wenn möglich einen traktorenarmen Tag erwischen.
Picknick & Nichtstun deluxe
Einfach irgendwo am Fluss niederlassen, Füsse ins Wasser halten und so tun, als hätte man absolut nichts vor. (Spoiler: fühlt sich grossartig an.)
Kajak oder Kanu fahren
Beim Maison du Tourisme könnt ihr euch ein Boot mieten und den Doubs vom Wasser aus entdecken.
👉 Deutlich entspannter als unser „Spaziergang mit Hindernissen“.
Grotten von Réclère
1,5 km Rundgang durch beeindruckende Tropfsteinhöhlen mit Stalagmiten und Stalaktiten – ein bisschen wie eine andere Welt, nur unterirdisch.
Préhisto Park (direkt daneben)
Lebensgrosse Dinosaurier mitten im Wald – was will man mehr?
👉 Meine Kinder waren damals völlig begeistert. Also wirklich völlig.
👉 Wobei… wenn ich ehrlich bin: Der anschliessende Besuch im McDonald’s auf dem Heimweg hatte mindestens denselben Stellenwert. Prioritäten und so. 😄
Fazit: Wenig los – und genau das ist das Problem. Oder eben nicht.
Egal, wofür ihr euch entscheidet: Die Gegend rund um St. Ursanne ist perfekt, um einfach spontan zu sein. Kein strikter Plan, kein Zeitdruck – einfach schauen, worauf man gerade Lust hat. Und genau das macht den Ausflug irgendwie nochmal besser.
Wer Action sucht, ist hier falsch.
Wer Ruhe sucht, wird hier ziemlich glücklich.
Und wer einfach mal wieder nichts tun will – der bleibt vermutlich länger als geplant.
Oder kommt einfach wieder.
Bis zum nächsten Mal
Corinna
📌 St. Ursanne – kurz gesagt (oder auch nicht ganz)
🐻 Fun Fact zuerst:
Gegründet von einem Mönch mit Bären-WG. Die Latte für aussergewöhnliche Lebenskonzepte liegt hier also von Anfang an ziemlich hoch.
🚶♀️ Aktivitätslevel:
Irgendwo zwischen „wir gehen noch kurz spazieren“ und „wir sitzen seit einer Stunde am Fluss und tun… nichts“.
🚜 Überraschungsmoment:
Die Wahrscheinlichkeit, spontan in einen Traktoren-Konvoi zu geraten, ist höher als gedacht. Ländliche Authentizität inklusive.
📸 Fotopotenzial:
Sehr hoch. Selbst die leicht schiefen Häuser geben sich Mühe, möglichst charmant auszusehen.
⏳ Zeitgefühl:
Verschwindet relativ schnell. Eben noch angekommen – plötzlich ist es Nachmittag.
🍂 Stimmung:
Ruhig, entschleunigt, leicht verschlafen. Also genau richtig.
🛶 Für die Aktiveren unter euch:
Kajak fahren, Grotten erkunden oder Dinosaurier bestaunen. (Ja, wirklich.)
🍔 Real Talk:
Kinder erinnern sich später entweder an die Dinos… oder an den McDonald’s auf dem Heimweg. Beides valide Highlights.
🌍 Mehr Jura gefällig?
Auf www.j3l.ch gibt’s noch mehr Ideen für Ausflüge in der Region.
💬 Persönliche Randnotiz:
Dieser Beitrag ist meiner Schwägerin gewidmet – als Beweis, dass ich nicht nur im Berner Oberland unterwegs bin.…auch wenn es sich manchmal stark danach anfühlt. 😄



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