Wanderung auf den Creux du Van
- Corinna
- 6. Juni 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Feb.
Der Grand Canyon in Amerika? Ist weltweit bekannt. Der Grand Canyon der Schweiz? In erster Linie in der Schweiz bekannt und ja...wir haben tatsächlich das Pendant zum Canyon in Amerika auch in der Schweiz, halt einfach in kleiner. Und zwar im Val de Travers, nahe dem Neuenburgersee.
Wie sich 'unser' Canyon präsentiert? Eindrücklich, beängstigend, atemberaubend! Erst recht, wenn ihr den ganzen Weg zu Fuss vom Tal bis auf das Plateau und dann wieder nach unten gelaufen seid. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend!

Creux du Van: Naturwunder im Jura
Creux du Van: ein Naturwunder, dass mir schon immer ein Begriff war, von dem ich auch Bilder kannte, das ich mich aber nicht wirklich traute in Angriff zu nehmen.
Denn ehrlich: ich war mir nicht sicher, ob ich den Höhenaufstieg von 750 Metern schaffen würde. Das mag für geübte Wanderer nach nicht allzuviel tönen, doch ich gehöre zu der Spezies Wanderer, die sehr gerne bergab laufen, auch stundenlang, auch locker mehr als 750 Meter und keine Beschwerden dabei hat. Doch aufwärts?
Puuhhh...konditionsmässig bin ich halt Mittelmass, nicht ganz ohne, aber auch nicht mit zuviel Kondition gesegnet.
Raus aus der Komfortzone – warum wir den Aufstieg wagten
Wie es nun dazu kam, dass ich den Weg nun endlich in Angriff nahm?
Ganz einfach: auf meiner Liste mit den Ausflugszielen stand er schon lange unter vielen. Und so machte ich meiner Freundin drei Vorschläge für unseren Ausflug letzte Woche. Als ich ihr die Ideen unterbreitete, wünschte ich mir insgeheim, dass es nicht der Creux du Van sein sollte. Doch aus verschiedenen Gründen wurde doch dieser unser Ausflugsziel.
Innerlich fluchte ich, äusserlich bekam ich bereits beim Gedanken an den Aufstieg Schweissausbrüche. Wann war ich zuletzt so hoch gelaufen? Vor 30...35 Jahren?
Aber was solls. Mal wieder aus der Komfortzone zu kommen, in diesem Falle aus der körperlichen, konnte ja nicht schaden, gell?!
Anfahrt nach Noiraigue – Abenteuer inklusive
Meine Freundin und ich wollten nach Noiraigue. Wie fast immer mit genau dieser Freundin: Wir verfuhren uns. Statt Noiraigue gaben wir direkt den Creux du Van ins Handy ein – und landeten mitten im Abenteuer.
Mitten im Wald. Strasse so schmal, dass genau ein Auto durchpasste, Schlaglöcher im XXL-Format, oben angekommen ein Wanderweg mit noch mehr Schlaglöchern. Links und rechts Kuhweiden, wir kurz vor der Existenzkrise. Wie sollten wir hier jemals wieder wegkommen?
Dann: eine Bergbeiz mit asphaltiertem Platz. Hoffnung! Die Wirtin auf unsere Frage nach dem Weg nach unten:„Keine Ahnung, ich komme immer zu Fuss hier hoch.“
Hmppfff… danke auch.
Sie wollte helfen, lief mit dem Handy draussen herum, bis sie plötzlich triumphierte:„Hier hab ich Empfang!“ Kurz darauf strahlend:„Einfach hier vorbei, dann links, dann weiter.“
Der Weg sah zwar genauso schlimm aus wie der Hinweg, aber gut. „Bis später“, sagten wir tapfer – ohne selbst daran zu glauben.
Und tatsächlich: Nach der Schotterpiste kam Asphalt. Ich schwöre euch, noch nie war eine normale Strasse so schön. Welch Luxus!
Start der Wanderung ab Noiraigue
Endlich, endlich kamen wir in Noiraigue an, stellten das Auto am Bahnhof ab und folgten den Wegweisern zum Creux du Van.
Nach etwa 300 Metern kamen wir an einen grösseren Parkplatz und beschlossen, das Auto hier abzustellen und holten es kurzerhand. Bester Entscheid ever.
Ich dankte später auf Knien dafür, als wir abends endlich wieder am Auto ankamen und nicht noch bis zum Bahnhof laufen mussten, so kaputt war ich. Könnt ihr mir glauben!

Doch zurück zum Start unserer Wanderung. Vom Parkplatz liefen wir zu einem Hof, dort verzweigte sich der Weg. Und beide Wege führten hinauf.
Wir hatten eh vor, auf der einen Seite des Felsens hochzugehen, diesen zu umrunden und auf der anderen Seite wieder runterzulaufen. Und so nahmen wir den rechten Weg in den Wald hinein und es ging nur noch bergauf...

Aufstieg über die 14 Kehren („Sentier des 14 Contours“)
Zu Beginn führt ein breiter Waldweg hoch bis zum Bauernhof 'Les Oeillons'. Je nach Öffnungszeiten, könnt ihr euch dort etwas zur Erfrischung gönnen, bei uns war aber geschlossen. Stattdessen beobachteten wir auf dem Hof einige Esel und legten zugleich eine wohlverdiente Pause ein.

Nach dem Hof begann der steile Aufstieg auf den 'Sentiers de 14 contours', was nichts anderes bedeutete, als dass wir über teils steinige, teils wegen der Feuchtigkeit rutschige, schmale, in 180 Grad wendende Kehren weiter nach oben laufen mussten.



Wir kämpften uns weiter, Kurve um Kurve, den ganzen Berg hinauf. Hin und wieder genossen wir die Aussicht zwischen den Bäumen oder mussten mal etwas verschnaufen. Doch dann...nach knapp 2 1/2 Stunden...erreichten wir die Ebene.
Die Felsarena des Creux du Van
Es war wirklich atemberaubend in diesem einen Moment. Zum einen, weil wir es geschafft hatten, zum anderen, weil wir einen ersten Blick durch Büsche und Bäume auf die Felsarena werfen konnten. Das Gefühl war tatsächlich unbeschreiblich. Was aber auch am Adrenalin gelegen haben könnte...😉


Wir genossen die Ausblicke und begannen, die Arena nahe am Abgrund zu umrunden. Jedoch nicht so nah am Abgrund, dass wir bei einem Fehltritt hinuntergefallen wären.
Wir staunten beide über die Leute, die sich entweder, wie beim obigen Bild, auf einen Felsvorsprung oder direkt an die Kante der Arena setzten. Da wäre bei einem Fehltritt nichts mehr zu retten.

Wir liefen bis in etwa die Mitte der Arena, von hier aus führt dann der Weg zur 'Ferme de Soliat', einer Alphütte, in der ihr auch übernachten könnt. Doch wie ihr euch vielleicht erinnert, wollten wir ja zurück zur Bergbeiz, bei der wir ein paar Stunden zuvor mit dem Auto gestrandet waren, und den Wegweiser dorthin hatten wir schon erblickt.




Nicht nur der Ausblick vom Plateau, sondern auch der über die Ebene auf dem Creux du Van ist lohnenswert. Die Wiesen noch grün mit blühendem Löwenzahn und dem gelben Enzian, konnten wir den Blick schweifen lassen.



Einkehr in der Bergbeiz
Wir hatten die Arena noch nicht ganz umrundet und verliessen den Weg in Richtung Aussichtspunkt 'Le Soliat' um von dort aus das 'La Baronne' zu erreichen. Dabei wehte uns ein ziemlich frischer Wind um die Ohren, was natürlich während dem Aufstieg zum Creux du Van nicht der Fall war, da dieser immer durch den Wald führt.


Vom Aussichtspunkt folgten wir nun dem Weg zum 'La Baronne', denn der Hunger meldete sich mit Nachdruck.
Dazu mussten wir die Wiese auf der Rückseite des Creux du Van wieder ein gutes Stück nach unten laufen und wurden auch gleich von der Wirtin wiedererkannt. Wir genossen also unser verspätetes Mittagessen und machten uns dann wieder mit vollem Magen auf den Weg hoch zur Arena.

Oben angekommen ging es weiter der Arena entlang, wo wir uns ja dann auf der anderen Seite wieder an den Abstieg machten.



Begegnung mit Steinböcken
Wir genossen noch die letzten Ausblicke, bevor wir uns an den Abstieg machten und dann folgte wohl die grösste Überraschung: Steinböcke.
Ich hatte zwar gelesen, dass es in diesem Gebiet welche gab, doch weder ich noch die Freundin gingen davon aus, dass wir welche zu sehen bekommen würden. Und doch waren sie da. Lagen gemütlich auf dem Wanderweg und genossen die Sonne.
Das war mindestens ebenso eindrücklich wie der Creux du Van.


Der lange Abstieg via Ferme Robert
Nun gings also auf den Weg nach unten. Dazu gab es zwei Möglichkeiten: einen steilen Weg ziemlich Nahe an der Arena, oder einen etwas einfacheren, der zwar etwas länger dauern sollte, dafür nicht ganz so steil war.
Wir entschieden uns für den Zweiten. Kurz nachdem der Abstieg begann, kamen wir am Hofrestaurant 'La Grand Vy' vorbei. Wir folgten weiter der Strasse und bogen schliesslich in einen Waldweg ab. Und liefen...und liefen...und liefen. Es schien kein Ende mehr zu nehmen bis wir endlich an der 'Ferme Robert' ankamen.

Ziemlich geschafft kamen wir dort an und sahen, dass von dort ein Weg zur Fontaine Froide führte, direkt an den Fuss des Creux du Van. Leider gab es keine Zeitangabe dazu und wir waren ja noch immer am Abstieg und so verzichteten wir auf diesen Abstecher.

Nun begaben wir uns also an den Endspurt, der es dann nochmal so richtig in sich hatte: nachdem wir lange den Wald- und Schotterwegen abwärts folgen konnten, gings nochmal so richtig steil runter.
Geschafft und müde wie ich war, machte mir ein Abstieg das erste mal in meinem Leben zu schaffen. Und so kehre ich an den Punkt zurück, als ich euch bereits erzählte, dass ich abends um 20 Uhr auf Knien dankte, als wir endlich beim Auto ankamen und nicht mehr bis zum Bahnhof laufen mussten.
Fazit – Lohnt sich die Creux du Van Wanderung?
Trotz Muskelkater:
750 Höhenmeter geschafft
14 Kilometer gewandert
Als mittel bis schwer eingestuft
Fantastisches Wetter
Steinböcke gesehen
Blauer Enzian
Gute Freundin
Was will man mehr?
Und damit sage ich euch bis zum nächsten Mal Tschüss.
Corinna
Hier die wichtigsten Infos auf einen Nenner gebracht:
📍 Startpunkt:
Noiraigue (NE), Bahnhof oder grosser Parkplatz 300 m weiter
Alternativ mit dem Auto über Couvet in Richtung Ferme Robert oder La Grand Vy (im Sommer)
🥾 Route:
Rundwanderung via Les Oeillons, Sentier des 14 Contours, Plateau, Le Soliat, La Baronne und zurück
Alternative Abkürzung: mit Auto bis La Grand Vy, dann nur 15 Min. zu Fuss zum Aussichtspunkt
⏱ Dauer:
ca. 4–5 Stunden reine Wanderzeit
Mit vielen Pausen (Fotos, Essen, Staunen): eher 7–8 Stunden
📏 Distanz:
Rund 14 km
Aufstieg ca. 750 Höhenmeter
📶 Schwierigkeit:
Mittel bis schwer
Besonders der Aufstieg über die 14 Kehren ist anspruchsvoll
Trittsicherheit erforderlich, v. a. bei Nässe
👟 Schuhwerk:
Feste Wanderschuhe empfohlen (Slipper und Birkenstocks nur für Zuschauer mit Todessehnsucht)
📸 Highlights:
Gigantische Felsarena mit 150 m senkrechter Wand
Ausblicke bis zum Neuenburger- & Bielersee
Wilde Steinböcke (meist abends)
Löwenzahnwiesen & Jurablick zum Verlieben
Authentische Bergbeizen wie La Baronne & Soliat
❄️ Saison:
Beste Zeit: Mai bis Oktober
Im Winter oft gesperrt (Schnee & Glätte)
🥪 Verpflegung:
Einkehrmöglichkeiten unterwegs (je nach Saison geöffnet)
Picknick möglich, aber Müll wieder mitnehmen!
🚻 Infrastruktur:
WC bei Ferme Robert, La Baronne oder am Bahnhof
Kein Wasser auf dem Weg – genug mitnehmen!
🔗 Weitere Infos:www.creuxduvan.com


Kommentare