Creux du Van Wanderung: Der Grand Canyon der Schweiz und warum mich diese Tour fast erledigt hätte
- Corinna
- 6. Juni 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Juni
📍Ort / Region: Creux du Van, Val de Travers, Kanton Neuenburg / Jura
Start / Ziel: Noiraigue
Distanz: ca. 14 km
Dauer: ca. 4–5 Stunden reine Wanderzeit. Mit Pausen, Fotos, Essen & Staunen eher 7–8 Stunden
Höhenmeter: ca. 750 m
Schwierigkeit: Mittel bis schwer
Route: Noiraigue – Les Oeillons – Sentier des 14 Contours – Creux du Van – Le Soliat – Ferme Robert – Noiraigue
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Besonderheit: Der Creux du Van wird oft als „Grand Canyon der Schweiz“ bezeichnet und zählt zu den spektakulärsten Naturwundern der Westschweiz.
Einkehrmöglichkeiten unterwegs:
La Baronne (Bergbeiz / Alprestaurant)
Le Soliat (Alpwirtschaft / Aussichtspunkt)
Ferme Robert (Alphof / Restaurant)
Les Oeillons (Bauernhof)
Offizielle Infos Creux du Van: https://www.creuxduvan.com/de/creux-du-van.html
Anreise ÖV: Zug bis Bahnhof Noiraigue
Von dort dem Wanderweg Richtung Creux du Van folgen.
Der eigentliche Wanderstart befindet sich ca. 300 Meter ausserhalb des Dorfes.
Fahrplan & Infos SBB:
Anreise Auto: Bis Noiraigue
Parkieren: Zeitlich beschränkter Parkplatz beim Bahnhof oder grosser Parkplatz kurz nach Noiraigue beim Wanderweg (sehr empfehlenswert)
Oder: Via Noiraigue oder über Couvet Richtung Ferme Robert / La Grand Vy.
Weitere Parkmöglichkeiten: bei Ferme Robert oder La Grand Vy (je nach Saison erreichbar)
Tipp: Wer weniger Höhenmeter laufen möchte, kann mit dem Auto bis La Grand Vy hochfahren und erreicht das Plateau des Creux du Van in rund 15 Minuten zu Fuss.
Highlights der Wanderung:
Gigantische Felsarena mit bis zu 150 Meter senkrechten Felswänden
Panoramablick über den Neuenburgersee, Bielersee & bis zu den Alpen
Spektakulärer Aufstieg über die „14 Contours“
Wilde Steinböcke entlang des Wanderwegs
Jurawälder, Enzian & blühende Wiesen
Authentische Bergbeizen wie La Baronne oder Ferme Soliat
Creux du Van Wanderung: Spektakuläre Aussicht, 750 Höhenmeter und ein kleiner Nervenzusammenbruch inklusive
Der Creux du Van gilt nicht umsonst als einer der spektakulärsten Wanderorte der Schweiz. Die riesige Felsarena im Val de Travers wird oft als „Grand Canyon der Schweiz“ bezeichnet — auch wenn der Vergleich natürlich ein kleines bisschen grössenwahnsinnig ist. Aber ehrlich: Sobald man oben an der 150 Meter tiefen Felswand steht und über den Neuenburgersee bis zu den Alpen blickt, versteht man sofort, warum dieser Ort so berühmt ist.
Was ich allerdings ebenfalls sofort verstand: 750 Höhenmeter laufen sich nicht von allein.
Vor allem nicht, wenn man — so wie ich — bergab locker stundenlang marschieren könnte, bei längeren Aufstiegen jedoch bereits nach den ersten Kehren denkt: "Ich bi doch nit ganz bache!"
Trotzdem wagten wir die Rundwanderung ab Noiraigue über den berühmten „Sentier des 14 Contours“ hinauf zum Creux du Van. Uns erwarteten schweisstreibende Waldwege, atemberaubende Aussichtspunkte, ziemlich entspannte Steinböcke und eine Bergbeiz, die sich nach mehreren Stunden Aufstieg fast wie ein Michelin-Restaurant anfühlte.
Und ja: Muskelkater gab’s gratis dazu.

Creux du Van Wanderung: 750 Höhenmeter später war meine Komfortzone offiziell tot
Der Creux du Van stand schon lange auf meiner Ausflugsliste. Allerdings eher unter der Kategorie:
„Sieht wunderschön aus“
„Mach ich irgendwann“
„Bestimmt nicht freiwillig 750 Höhenmeter“
Für unseren Ausflug machte ich meiner Freundin drei Vorschläge. Innerlich hoffte ich natürlich auf alles — ausser den Creux du Van.
Nun ja. Geworden ist es trotzdem genau diese Wanderung.
Während meine Freundin Vorfreude verspürte, hatte ich beim Gedanken an den Aufstieg bereits leichte Kreislaufprobleme. Wann ich zuletzt freiwillig so viele Höhenmeter hochgelaufen bin?
Vermutlich irgendwo zwischen Tamagotchi und Discman.
Aber gut. Man soll die Komfortzone ja ab und zu verlassen.
Meine verabschiedete sich bereits kurz nach dem Parkplatz in Noiraigue.
Anreise zum Creux du Van: Beinahe wären wir schon vor der Wanderung gestrandet
Noch bevor wir überhaupt loswanderten, begann das Abenteuer bereits im Auto.
Denn statt „Noiraigue“ gaben wir direkt „Creux du Van“ ins Navi ein — und landeten plötzlich mitten im Jura auf einer Strasse, die eher nach Forstweg als nach offizieller Zufahrt aussah.
Schmale Fahrbahn, Schlaglöcher deluxe, Kuhweiden links und rechts und irgendwo dazwischen wir zwei mit leichter Orientierungskrise.
Kurzzeitig waren wir uns nicht mehr ganz sicher, ob wir jemals wieder zivilisierten Asphalt sehen würden.
Dann tauchte glücklicherweise eine Bergbeiz, das 'La Baronne', auf. Die Wirtin meinte zwar trocken:
„Keine Ahnung, ich komme immer zu Fuss hier hoch.“
Immerhin fand sie schliesslich doch noch Handyempfang und erklärte uns den Weg zurück Richtung Noiraigue.
Und tatsächlich: Irgendwann erschien wieder Asphalt unter den Reifen.
Ich schwöre euch — noch nie war eine normale Strasse so wunderschön.
Wanderstart in Noiraigue: Ab hier ging’s nur noch bergauf — leider wortwörtlich

Irgendwann kamen wir tatsächlich in Noiraigue an — erstaunlicherweise noch relativ motiviert.
Zuerst parkten wir beim Bahnhof, entdeckten aber 300 Meter weiter vorne einen grösseren Parkplatz und dachten uns sofort:
„Diese zusätzlichen Meter werden wir heute Abend hassen.“
Also parkten wir kurzerhand um.
Im Nachhinein? Definitiv der beste Entscheid des Tages.
Vom Parkplatz liefen wir zu einem Hof, wo sich der Weg verzweigte. Da wir eine Rundwanderung geplant hatten, nahmen wir den rechten Weg durch den Wald.
Klang erstmal harmlos.
Bis der Weg plötzlich nur noch eines tat:
Steil bergauf führen.

Sentier des 14 Contours: Der Moment, in dem meine Beine kündigen wollten
Zu Beginn war die Welt noch in Ordnung.
Ein angenehm breiter Waldweg führte gemütlich bergauf Richtung Bauernhof „Les Oeuillons“. Dort könnt ihr — je nach Öffnungszeiten — etwas trinken oder essen. Bei uns war allerdings geschlossen.

Immerhin gab’s gratis Unterhaltung in Form von ziemlich entspannten Eseln und für uns die erste dringend benötigte Verschnaufpause.
Ab dort wurde der Creux du Van dann allerdings langsam persönlich.
Denn nach dem Hof begann der berühmte „Sentier des 14 Contours“. Klingt hübsch französisch und romantisch — bedeutet in Wahrheit aber einfach:
14 steile Kehren. Immer weiter bergauf. Ohne Diskussion.
Der Weg wurde schmaler, steiniger und wegen der Feuchtigkeit teilweise angenehm rutschig. Also genau die Art Wanderweg, die man liebt, wenn die Kondition ohnehin schon verhandeln möchte.
Immerhin wussten wir dank der Nummerierung jederzeit ziemlich genau, in welcher Kehre wir gerade litten.

Nach Kurve Nummer 2 blickten wir bereits auf Noiraigue hinunter — und realisierten gleichzeitig, wie viel Höhenmeter noch vor uns lagen.
Motivierend war anders.
Also kämpften wir uns weiter:
Kurve um Kurve
Schweissausbruch um Schweissausbruch
Atemzug um Atemzug


Dazwischen gab’s immerhin immer wieder schöne Ausblicke durch die Bäume. Oder anders gesagt: perfekte Ausreden für kleine „Fotopausen“, die rein zufällig auch dem Puls gut taten.
Und dann, nach knapp zweieinhalb Stunden Aufstieg, passierte plötzlich etwas Wunderschönes:
Der Weg wurde flach.
Creux du Van Felsarena: Als uns kurz bewusst wurde, wie klein Menschen eigentlich sind


Und dann standen wir oben.
Nicht irgendwie. Sondern wirklich oben.
Der Moment, als wir durch die letzten Büsche traten und zum ersten Mal die Felsarena des Creux du Van sahen, war tatsächlich genau das, was alle sagen — nur ohne Übertreibung: atemberaubend.
Zum einen, weil wir es irgendwie bis hierher geschafft hatten. Zum anderen, weil sich plötzlich vor uns diese gigantische, halbkreisförmige Felswand öffnete, die einfach ins Leere fällt.
Und ja — das Gefühl war kurz unbeschreiblich.
Der zweite Blick brachte dann sofort wieder Realität rein: ein Pärchen sass seelenruhig auf einem Felsvorsprung direkt an der Kante. Er in Birkenstocks. Sie in Slippers. Und darunter: einfach 150 Meter Luft.

Wir entschieden uns spontan für die Variante „lieber etwas mehr Abstand zur eigenen Lebensversicherung“.
Wir begannen, die Arena entlangzulaufen — immer mit einem gewissen Respektabstand zur Abbruchkante. Nicht aus Angst… sagen wir eher aus gesundem Überlebensinstinkt.
Und ehrlich: Es war faszinierend, wie locker manche Menschen hier sitzen, als wäre das einfach ein überdimensionaler Balkon mit schlechter Absicherung.
Der Weg führte uns weiter entlang der Krete, teils durch lichte Rotbuchenwälder, teils mit offenen Blicken in diesen gewaltigen Felskessel.

Und dann dieser Moment: 150 Meter senkrecht hinunter in die Tiefe, insgesamt rund 500 Meter bis zum Talboden.
Ein Anblick, der gleichzeitig beeindruckt und dafür sorgt, dass man seine Schritte plötzlich sehr bewusst setzt.
Was ihr sonst noch alles bei der Umrundung des Creux du Van sehen könnt:




Einkehr in der Bergbeiz: Höhenmeter machen erstaunlich hungrig
Bevor wir die Felsarena komplett umrundeten, machten wir noch einen Abstecher zum Aussichtspunkt „Le Soliat“ und weiter zur Bergbeiz „La Baronne“.


Oben pfiff uns plötzlich ein ziemlich frischer Wind um die Ohren — nach dem schweisstreibenden Waldaufstieg fast schon ein kleiner Temperaturschock.
Dafür entschädigte die Aussicht sofort: Jura, Frankreich, endlose Weite und irgendwo dazwischen zwei Wanderinnen mit akutem Hunger.

Nach dem feine Essen ging es weiter der Arena entlang, wo wir uns ja dann auf der anderen Seite wieder an den Abstieg machten.


Steinböcke am Creux du Van: Die eigentlichen Könige dieser Wanderung
Gerade als wir uns langsam an den Abstieg machen wollten, wartete noch die grösste Überraschung des Tages auf uns:
Steinböcke.
Ich wusste zwar, dass es hier welche geben soll — gerechnet hatten wir aber ehrlich gesagt nicht damit, tatsächlich welche zu sehen.
Und dann lagen sie plötzlich einfach mitten auf dem Wanderweg. Tiefenentspannt. In der Abendsonne. Als würde ihnen der ganze Creux du Van gehören.
Fairerweise: Tut er vermutlich auch.
Während wir also ehrfürchtig und auf leisen Sohlen vorbeischlichen, chillten die Steinböcke völlig unbeeindruckt weiter zwischen blauem Enzian und Jurawiesen.
Und ganz ehrlich? Fast genauso eindrücklich wie die Felsarena selbst.


Abstieg vom Creux du Van: Der Moment, in dem selbst bergab keinen Spass mehr machte
Für den Abstieg entschieden wir uns gegen die steile Direktvariante und nahmen den längeren, etwas angenehmeren Weg via „Ferme Robert“.
Zumindest in der Theorie angenehm.
Denn gefühlt liefen wir einfach ewig weiter: Waldwege, Schotterstrassen, nochmals Waldwege — und kein Ende in Sicht.
Ziemlich geschafft erreichten wir schliesslich die „Ferme Robert“, gönnten uns noch einen letzten Blick auf den Creux du Van und machten uns an den Endspurt.
Der hatte es allerdings nochmals in sich: Nach dem langen, gemütlicheren Abstieg wurde es plötzlich wieder richtig steil.
Und genau dort passierte etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte:
Zum ersten Mal machte mir ein Abstieg mehr zu schaffen als ein Aufstieg.
Als wir abends endlich beim Auto ankamen, war ich deshalb unendlich dankbar, dass wir es nicht mehr bis zum Bahnhof zurückschaffen mussten.


Fazit zur Creux du Van Wanderung: Würde ich es wieder tun? Leider ja.
Der Creux du Van ist eine dieser Wanderungen, die gleichzeitig wunderschön, anstrengend, beeindruckend und leicht grössenwahnsinnig sind.
Während des Aufstiegs stellte ich meine Lebensentscheidungen zwar mehrfach infrage — spätestens oben an der Felsarena war aber klar, warum diese Wanderung zu den eindrücklichsten der Schweiz gehört.
Die Kombination aus wilden Jurawäldern, spektakulären Tiefblicken, Steinböcken, Bergbeizen und dieser riesigen Naturarena ist einfach etwas Besonderes.
Und vielleicht sind genau das am Ende die schönsten Wanderungen: Diejenigen, bei denen man zwischendurch kurz leidet, danach aber tagelang davon erzählt.
Würde ich den Creux du Van nochmals machen? Mit genügend Snacks, funktionierenden Knien und emotionaler Vorbereitung: Absolut.
🥾 Der Creux-du-Van-Realitätscheck
😅 Emotionale Verfassung beim Aufstieg:
Zwischen „Natur geniessen“ und „Warum mache ich sowas freiwillig?“
🥵 Schweisslevel:
Ja.
🐐 Steinbock-Begegnungen:
10/10 Die eigentlichen Besitzer des Berges.
🍝 Geschmack der Bergbeiz nach 750 Höhenmetern:
Ungefähr auf Michelin-Niveau.
📸 Anzahl Fotostopps:
Offiziell wegen der Aussicht. Inoffiziell wegen der Atmung.
🫀 Puls in den 14 Kehren:
Teilweise hörbar bis Frankreich.
👣 Gefühl beim ersten flachen Wegstück:
Religiöse Erfahrung.
😳 Abstand zur Felskante:
Gesunder Schweizer Sicherheitsabstand.
🪑 Gefühl beim Zurückkommen beim Auto:
Pure Liebe.
💪 Muskelkater am nächsten Tag:
Gratis. Grosszügig. Nachhaltig.
❤️ Würde ich die Wanderung empfehlen?
Zu 100 Prozent. Trotz allem. Oder vielleicht genau deswegen.


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