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Die Bhutanbrücke im sagenumwobenen Pfynwald

Aktualisiert: 9. Sept. 2025

Falls jetzt jemand von euch denkt, ich sei in Bhutan gewesen: nein, nein, da muss ich euch leider enttäuschen. Wär bestimmt toll, mal dorthin zu reisen, doch nein: die Brücke liegt viel näher, als ihr vielleicht denkt. Und zwar in der Schweiz...im Wallis...genauer noch im Pfynwald.


Bis vor kurzem hab ich noch nie weder von der Brücke noch vom Wald gehört, bis ich auf ein Buch gestossen bin. Und zwar auf das von Wilfried Meichtry mit dem Titel "Hexenplatz und Mörderstein'. Ein tolles Buch, das mich gleich in seinen Bann gezogen hat und worin er von alten Geschichten rund um und im Pfynwald erzählt.


Der Pfynwald gehört zu den grössten zusammenhängenden Föhrenwäldern der Alpen und erstreckt sich von Leuk bis nach Siders, liegt rechts und links der Rhone in der Ebene des Wallis und zieht sich bis an die steilen Berghänge beidseitig des Flusses empor. Zudem verläuft hier die Trennung zwischen dem deutsch- und französischsprachigen Wallis. Ihr seht: die Lage ist einzigartig und der Wald ist auch noch sagenumwoben. Die einen Geschichten entsprechen der Wahrheit, bei den anderen ist nicht eindeutig belegt, ob sie nur Sagen sind. Doch dass in früheren Zeiten Räuber und Wölfe ihr Unwesen im Wald trieben, ist belegt.


Im und rund um den Wald gibt es verschiedene Möglichkeiten, diesen kennenzulernen. Ich entschied mich für den Rundgang Illgraben - Bhutanbrücke. (noch viel mehr findet ihr auf www.pfyn-finges.ch .)


Das Hotel Susten, an dem ihr auf eurem Weg zur Bhutan Brücke vorbei kommt.
Das Hotel Susten, an dem ihr auf eurem Weg zur Bhutan Brücke vorbei kommt.

Ich startete am Bahnhof in Leuk, lief dort alles geradeaus durch die Unterführung nach Susten, wo ihr etwa zwei Minuten später am gleichnamigen Hotel vorbei kommt. Von hier aus nach rechts, alles der Dorfstrasse entlang bis zur Hauptstrasse, wo ihr ein paar hundert Meter bei brausendem Verkehr weitergehen müsst und dann seht ihr den Wegweiser zur Bhutanbrücke.


Der Weg zur Bhutan Brücke.
Der Weg zur Bhutan Brücke.

Nun heisst es der Waldstrasse entlang aufwärts gehen. Zur rechten Seite der Waldstrasse findet ihr den ehemaligen Galgenwald von Susten, begrenzt durch die Hexenplatz- und die Galgenwaldstrasse, welche an den Illbach grenzen. Hier sollen zu früheren Zeiten die Räuber und Hexen gehängt und auch verbrannt worden sein. Weiter gings daran vorbei bis zum Sportplatz 'Galgenwald' und von dort könnt ihr dann entweder weiter der Strasse nach oben folgen oder in den Wald hinein und weiter nach oben gehen. Ich entschied mich für den Wald und genoss das Grün und das Zwitschern der Vögel.


Der Waldweg gleich nach dem Sportplatz Galgenwald. Links davon führt die Strasse zum Camping Bella Tola.
Der Waldweg gleich nach dem Sportplatz Galgenwald. Links davon führt die Strasse zum Camping Bella Tola.

Schliesslich kam ich am Camping Bella Tola vorbei und weiter gings nach oben, bis ich bei einem Wegweiser nach rechts zur Brücke abbiegen konnte. Insgesamt gilts etwa 250 Höhenmeter zu machen von Leuk Bahnhof bis zur Brücke.


Beim Abzweiger zur Bhutan Brücke war es Zeit für eine Abkühlung.
Beim Abzweiger zur Bhutan Brücke war es Zeit für eine Abkühlung.

Und dann sah ich sie: die Brücke! Imposant und filigran zugleich, wie sie da über der Illgrabenschlucht hing. Doch so beeindruckend die Brücke auch ist: die Schlucht ist es mindestens ebenso. Ein riesiger Felsenkessel, der im 14. Jahrhundert beim Zusammenbruch des Berges Illgraben entstand und sich nun vom Berg bis zur Rhone erstreckt. Bei Murgängen werden Tonnen von Gestein und Wasser ins Tal gespült und dabei vergrössert sich die Schlucht jedes Jahr ein wenig mehr.



Erster Blick auf die Brücke.
Erster Blick auf die Brücke.

Als die Uno 2002 das Jahr der Berge ausrief, kam die Idee auf, eine Hängebrücke über die Illgrabenschlucht zu bauen. Und dies sollte nach bhutanesischem Vorbild gemacht werden. Also wurden die Pläne in Bhutan geplant und gezeichnet und ein bhutanesischer Ingenieur kam eigens in die Schweiz, um das Bauprojekt zu begleiten. Heraus kam 2005 eine Hängebrücke mit einer Länge von 134 Metern und einem ein Meter breiten Steg. Wie in Bhutan wurden die Seile über Trommeln gespannt und in Betonfundamenten verankert und einbetoniert.



Auch Gebetsfahnen sind angebracht.
Auch Gebetsfahnen sind angebracht.

Von 17. bis 26. Oktober 2025 finden übrigens zum 20-jährigen Jubiläum Festlichkeiten an der Bhutanbrücke, in Susten und in Leuk-Stadt statt. Dazu wird eine Delegation aus dem Himalaya erwartet, die in Ausstellungen, Workshops und vielem mehr Land und Leute näherbringen.


Ausblick auf die Schlucht.
Ausblick auf die Schlucht.

Nun stand ich also vor der Brücke, kein Mensch war weit und breit in Sicht. Nur der Wind linderte etwas die Hitze an dem Tag (oder wars die Hitze von den geschafften 200 Höhenmetern?) und das Gezwitscher der Vögel begleiteten mich. Schritt um Schritt ging ich voran, bis ich in etwa der Mitte der Brücke ankam...und mir speiübel wurde. Ich wurde seekrank, und das nach wenigen Metern! Mir war nicht bewusst, dass die Schwingungen und Schwankungen der Brücke Übelkeit auslösen könnten, zumindest bei mir. Aber nun wusste ich es, boahh...


Ausblick von der Brücke
Ausblick von der Brücke

Tjä nu, nun hiess es in den sauren Apfel beissen und die letzten Meter bis zur anderen Seite schaffen...und trotzdem noch das ein oder andere Foto zu machen von der Brücke aus zu machen.


Gut zu erkennen der Murgang vom Berg zur Illgrabenschlucht.
Gut zu erkennen der Murgang vom Berg zur Illgrabenschlucht.

Mit flauem Magen kämpfte ich mich also ans andere Ende der Brücke und war froh, als ich wieder festen Boden unter den Füssen hatte. Doch immerhin beruhigte sich mein Magen wieder rasch und ich konnte meinen Blick erneut über die Aussicht schweifen lassen.

Ein Blick zurück auf die Brücke.
Ein Blick zurück auf die Brücke.

Ich machte mich dann weiter durch den Pfynwald auf den Weg zur 'Abschlacht'. Der Name hat übrigens nichts mit Kämpfen, Gemetzel oder gar abschlachten zu tun, er stammt lediglich aus Zeiten, als das Wasser an bestimmten Stellen zum wässern in den Suonen geteilt, also abgeschlagen, wurde.


Das Naturschutzgebiet Pfynwald...der Duft der Föhren hängt in der Luft, dazu das ständige Gezwitscher der Vögel...wunderbar und so entspannend.
Das Naturschutzgebiet Pfynwald...der Duft der Föhren hängt in der Luft, dazu das ständige Gezwitscher der Vögel...wunderbar und so entspannend.

Während ich nun weiter durch den Föhrenwald in Richtung Susten und Leuk lief, änderte ich spontan meine Pläne. Statt weiter durch den Wald zum Landgut Pfyn zu gehen und auf dem Weg die Weiher zu besichtigen, beschloss ich, Leuk Stadt einen Besuch abzustatten. Dort war ich nämlich auch noch nie.


Leuk unterteilt sich in Leuk (dort wo auch der Bahnhof ist), Leuk Stadt (weiter oben am Hang) und Leukerbad (das noch weiter oben am Hang ist und etwa 13 Kilometer entfernt von Leuk liegt).



Ausblick oberhalb von Leuk Stadt auf Leuk, Susten und einen Teil des Pfynwalds. Zwischen den Bergen könnt ihr den Murgang sehen und im Wald Teile des Illgrabens. Und am unteren Bildrand, versteckt von den Bäumen, liegt der Bahnhof von Leuk.
Ausblick oberhalb von Leuk Stadt auf Leuk, Susten und einen Teil des Pfynwalds. Zwischen den Bergen könnt ihr den Murgang sehen und im Wald Teile des Illgrabens. Und am unteren Bildrand, versteckt von den Bäumen, liegt der Bahnhof von Leuk.

Erster Blick auf Leuk Stadt.
Erster Blick auf Leuk Stadt.

Leuk Stadt liegt an einem Rebhang oberhalb der Rhone, von wo aus ihr den Ausblick ins Rhonetal und den Pfynwald geniessen könnt. Bekannter als Leuk Stadt ist aber wohl Leukerbad, wo viele Gäste die Thermen geniessen. Doch ich hatte ja vor, Leuk Stadt ein erstes mal zu besuchen und war erstaunt, was für ein schönes Zentrum ich dort vorfand.


Hier ein paar Impressionen von Leuk Stadt:


Blick von der Kirche St. Stephan auf die gegenüberliegende Seite des Rhonetals, dort wo der Illbach fliesst.
Blick von der Kirche St. Stephan auf die gegenüberliegende Seite des Rhonetals, dort wo der Illbach fliesst.

Ausblick auf den Hauptplatz bei der Kirche. Wer hätte gedacht, dass es hier so bunte Häuser gibt?
Ausblick auf den Hauptplatz bei der Kirche. Wer hätte gedacht, dass es hier so bunte Häuser gibt?

Zweiter Blick auf die Stephans Kirche.
Zweiter Blick auf die Stephans Kirche.

Blick von einer Gasse auf die Kirche.
Blick von einer Gasse auf die Kirche.

Auf dem Weg zu  Schloss und Rathaus.
Auf dem Weg zu Schloss und Rathaus.

Das Rathaus von Leuk Stadt.
Das Rathaus von Leuk Stadt.

Ausblick ins Tal und auf den Pfynwald mit Illbachschlucht.
Ausblick ins Tal und auf den Pfynwald mit Illbachschlucht.

Schloss Leuk: wo früher Hexenprozesse stattfanden, unter anderem der von Katharina Bali, die 1678 hingerichtet wurde.  Und wo  Ritter Anton Stockalper im Jahre 1627 gefoltert, geköpft und viergeteilt wurde. Renoviert wurde das Schloss übrigens von Mario Botta.
Schloss Leuk: wo früher Hexenprozesse stattfanden, unter anderem der von Katharina Bali, die 1678 hingerichtet wurde. Und wo Ritter Anton Stockalper im Jahre 1627 gefoltert, geköpft und viergeteilt wurde. Renoviert wurde das Schloss übrigens von Mario Botta.

Zugang zur Wiese zwischen Rathaus und Schloss.
Zugang zur Wiese zwischen Rathaus und Schloss.

Ein letzter Blick zurück, bevor es nach Hause ging.
Ein letzter Blick zurück, bevor es nach Hause ging.

Nun fragt ihr euch vielleicht, ob sich ein Ausflug in den Pfynwald lohnt. Ich sage ja. Die Ruhe, die Besonderheit der Brücke, der Duft der Föhren und einfach das draussen sein, ohne sportliche Höchstleistungen zu erbringen...und wenn ihr noch die Weiher besucht, in denen auch teils das Baden erlaubt ist: dann werdet ihr dort einen entspannten Tag in schönster Umgebung geniessen können. Zudem hatte es letzte Woche, als ich dort war, kaum mal jemanden, den ich im Wald traf (ganze zwei Personen kamen mir mal entgegen, uiuiui...) und in Leuk grüssten mich die wenigen Walliser, die ich traf, alle freundlich mit einem 'Tag wohl' oder einem 'Sali'.


Nun denn, schön wars und nun freue ich mich bereits auf meinen nächsten Ausflug. Wohin verrate ich euch aber nicht 😉


Corinna


🥾 Mini-Check: Bhutanbrücke & Pfynwald


Startpunkt: Bahnhof Leuk

Wanderung: Leuk – Susten – Bhutanbrücke – Pfynwald – Leuk Stadt (optional)

Dauer: ca. 2.5–3.5 h (je nach Foto-, Staun- und Übelkeitspausen)

Höhenmeter: ca. 250 – gut für die Waden, ohne dass du eine IV-Rente beantragen musst

Highlights:

  • 🇧🇹 Bhutanfeeling ohne Langstreckenflug

  • 🌲 Föhrenduft statt Grossstadtmief

  • 🌉 134 Meter Hängebrücke (schaukelt gratis!)

  • 🧙‍♀️ Hexenplatz & Galgenwald – spooky!

  • 🏰 Leuk Stadt mit Schloss & Aussicht deluxe


Mitnehmen:

  • Wasser & Snacks (kein Foodtruck auf der Brücke… noch nicht)

  • Feste Schuhe (keine Flipflops, ausser du magst Abenteuer)

  • Kamera / Handy – du wirst Fotos machen wollen, versprochen

  • 🍀 Nerven für die Brückenschwingung

  • 🕶️ Sonnenbrille für die coolen Fotos (und das Walliser Licht!)


Linktipps:

  • www.pfyn-finges.ch – für Nerds und Planfreaks

  • Bhutanbrücken-Jubiläum: 17.–26. Okt. 2025 – mit Himalaya-Vibes und Walliser Charme















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