Winterwanderung am Jaunpass zur SAC Hütte Oberegg - ohne Schneeschuhe direkt ins Schneechaos
- Corinna
- 27. Feb.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Apr.
Tipps & Infos zur Wintertour am Jaunpass - von der Rundtour bis zur SAC Hütte Oberegg
📍 Region: Berner Oberland
Ausgangspunkt: Jaunpass (ca. 1’509 m ü. M.)
Option 1: Rundtour beim Skigebiet Jaunpass
Option 2: Richtung SAC-Hütte Oberegg (ca. 1’860 m ü. M.)bei sulzigem Schnee
Distanz:
Rundtour ca. 2,5 km
SAC-Hütte Oberegg ca. 5 km
Dauer und Höhenmeter:
Rundtour ca. 45 Min., Höhe ca. 50m
SAC-Hütte Oberegg ca. 2 Std., Höhe ca. 200m, bei sulzigem Schnee gefühlt 350m
💡 Hinweis: Die offiziellen Höhenmeter berücksichtigen nur die Differenz Pass → Hütte. Bei sulzigem Schnee oder Tiefschnee fühlt sich der Aufstieg deutlich anstrengender an.
Fahrt durchs Berner Oberland zum Jaunpass
Schon lange freute ich mich auf diesen Tag: Freizeit, Sonne, blauer Himmel und glitzernder Schnee.
Diese Woche war es endlich so weit. Alles passte. Mein Ziel diesmal? Der Jaunpass im Berner Oberland – und eine sonnige Winterwanderung mit Blick auf Simmental, Saanenland und die Gastlosen.
Den Weg dorthin entdeckte ich zufällig auf meiner Fahrt ins Simmental:
👉 Winterwanderung im Simmental - von Lenk zu den Simmenfällen) – und dachte mir: Weshalb nicht mal da hochfahren und schauen, was mich erwartet?
Schon die Anreise war wunderschön. Der Frühling, der sich im Tal bereits breitmacht. Schneebedeckte Gipfel rundherum. Und ich bald mittendrin im Winterweiss.
Anreise & Parkieren am Jaunpass – gute Erreichbarkeit auch ohne Auto
Oben auf dem Jaunpass stehen mehrere gebührenpflichtige Parkplätze zur Verfügung. Ihr könnt aber auch ganz entspannt mit dem Bus hochfahren.
Wichtig zu wissen: ihr könnt den Jaunpass sowohl von Zweisimmen im Berner Oberland als auch von Jaun im Fribourgerland her erreichen.

Nun stand ich also da, neben meinem Auto, und liess meinen Blick schweifen.
Von Zweisimmen herkommend sah ich zu meiner Rechten das Skigebiet mit einer ausgeschilderten Rundtour. Links zeigten die Wegweiser unter anderem Richtung Oberegg – zur SAC-Hütte.


Ich entschied mich für die Rundtour auf der rechten Seite.
Wetter gut. Himmel noch nicht ganz blau. Und ich stapfte los.
Die Rundtour am Jaunpass – schön, aber sportlicher als gedacht
Vorbei am Skilift ging es leicht bergauf, wieder bergab, durch einen kleinen Wald. Immer wieder mit Aussicht aufs Simmental, das Saanenland und die Gastlosen-Kette.
Einfach schön.


Das Laufen hingegen? Nicht ganz so einfach. Immer wieder sank ich im Schnee ein. Diese eigentlich gemütliche Rundtour wurde dadurch überraschend anstrengend.
Der Weg führte mich über die Jaunpassstrasse auf die linke Seite – und zack – stand ich nach etwa 45 Minuten wieder auf dem Parkplatz.

Das soll es schon gewesen sein? Ja, die Rundtour war nett. Aber mehr auch nicht.
Und jetzt?
Ziel SAC-Hütte Oberegg – Ehrgeiz schlägt Vernunft
Ich entschied mich, den Wegweisern Richtung SAC-Hütte Oberegg zu folgen. Mal schauen, was mich dort erwarten würde.
Also erneut los – diesmal auf der linken Seite der Passstrasse.
Vorbei an Loipen, Skitourengängern, Wanderern und Schneeschuhläufern ging es bald ordentlich bergauf. Die Schritte wurden schwieriger. Der Schnee war bei den angenehmen Temperaturen sulzig geworden.

Zuerst sank ich nur leicht ein. Dann bis zum Knöchel. Anstrengend ist so ein Winterwandern. Aber gut – Fitnessprogramm inklusive.
Nach etwa 1 1/2 Stunden erreichte ich eine Ebene. Vor mir der letzte Hügel zur Hütte.
Also nichts wie los.
«Les raquettes!» – oder: Warum Schneeschuhe doch Sinn machen
Während ich den Hügel hochging, sank ich immer tiefer ein. Erst bis zur Wade. Dann bis zum Knie.
Und während ich da so stand – bis zum Knie eingesunken – fuhr ganz gemütlich ein älterer Herr auf Tourenskiern vom Hügel herunter. Mit elegantem Schwung stoppte er direkt vor mir und sagte irgendetwas von «Rakete».
Ich dachte kurz, er bewundere meine Energie. Tat er nicht!
Er sprach Französisch und erklärte mir freundlich, dass ich es ohne les raquettes – also Schneeschuhe – nicht zur Hütte schaffen würde.
Ich erklärte ihm ganz entspannt etwas von Kraft, Ausdauer und dass ich das schon hinkriegen würde. (Spoiler: Erfahrung gegen Sturheit – wir ahnen alle, wer normalerweise gewinnt.)
Er zuckte mit den Schultern, schaute mich an und verabschiedete sich mit einem knappen: "Eh bien, salut."

Aber ganz ehrlich? Ich brauchte erst mal eine Pause. Mein Puls war bei 180 und musste dringend wieder runterkommen.
Wenn Ehrgeiz bis zu den Oberschenkeln im Schnee steckt
Also nochmals Angriff auf den Hügel. Mit viel Schweiss ging es weiter nach oben – bis ich plötzlich bis zu den Oberschenkeln im Schnee versank. Mist.
Aber aufgeben war noch keine Option. Noch nicht.
Also immer wieder aus dem Schnee rausarbeiten, zwei, drei Schritte gehen, versinken, schwitzen, fluchen. Die Hütte kam näher. Nur noch 150 Meter. Etwa 20 Höhenmeter. Greifbar nah.
Und dann – zack – bis zur Hüfte im Schnee. Immerhin hatte ich noch Ausblick auf die wenigen Skitourengänger und Schneeschuhwanderer, die problemlos Richtung Hütte unterwegs waren.
In diesem Moment wusste ich: aufgeben ist sehr wohl eine Option.
Was mich allerdings mehr beschäftigte: War der ältere Herr – mindestens Mitte 70 – noch in Sichtweite? Würde er mich beobachten, wie ich mich hier aus dem Schnee kämpfe?
Zum Glück: nirgends zu sehen.
Slapstick im Tiefschnee – kontrollierter Rückzug
Doch wie kommt man aus hüfttiefem Schnee wieder raus? Richtig. Robben.
Dabei wäre ich beinahe kopfüber in die nächste Schneewächte gefallen – aber ich kam voran. Aber elegant ist anders. Ich fühlte mich wie in einem Slapstick-Film: rudernde Arme, einsinkende Beine, kontrolliertes Runtertaumeln vom Hügel.
Bis ich wieder auf der kleinen Hochebene stand.

Ausser Atem beschloss ich, eine Pause einzulegen. Sandwich raus. Durchatmen. Die herrliche Rundumsicht geniessen. Und der restliche Weg runter: ein Klacks!
Fazit: Winterwanderung Jaunpass – mit Schneeschuhen definitiv die bessere Idee
Der Jaunpass ist jederzeit einen Ausflug wert. Die Schneeschuhe stehen übrigens immer noch nigelnagelneu in der Garage.
Die Hütte war greifbar nah. Und mein Entscheid, kurz vor dem Ziel abzubrechen? Goldrichtig.
Manchmal ist Umkehren eben keine Niederlage – sondern gesunder Menschenverstand.
Und nächstes Mal? Vielleicht mit les raquettes. Vielleicht. 😄
Und ihr so? Auch schon mal kurz vor dem Ziel abgebrochen?
Corinna
📦 Winterwanderung Jaunpass – mit oder ohne les raquettes
🅿️ Parkieren & Anreise
Mehrere gebührenpflichtige Parkplätze direkt auf dem Jaunpass
Postauto fährt ebenfalls hoch
Vorteil Auto: Sandwich bleibt warm
Vorteil Bus: Man kann beim Rückweg die müde Beine strecken
🥾 Tour 1: Die gemütliche Rundtour
⏱ Dauer: ca. 45 Minuten
📈 Höhenmeter: überschaubar👀
Aussicht: Simmental, Saanenland, Gastlosen-Kette
💪 Schwierigkeitsgrad: Easy – ausser bei sulzigem Schnee
Mein persönlicher Reality-Check:„Gemütlich“ ist relativ, wenn man bei jedem dritten Schritt einsinkt. Fitnessprogramm gratis inklusive.
🏔 Tour 2: Richtung SAC-Hütte Oberegg
⏱ Dauer: offiziell ca. 2 Stunden
📈 Letzter Anstieg: gemein
❄ Schnee bei Sonne: wird weich. Sehr weich.
🎒 Empfohlen: Schneeschuhe
🚫 Nicht empfohlen: Sturheit in Kombination mit Frühlingsschnee
Mein Erfahrungswert: Knöchel → Wade → Knie → Oberschenkel → Hüfte. Man lernt sehr schnell, wie tief Schnee wirklich sein kann.
🇫🇷 Begegnung des Tages
Ausrüstung des älteren Herrn: Tourenski
Ausrüstung von mir: Motivation
Sein Satz: „Les raquettes!“
Mein Gedanke: Ich schaffe das auch so.
Sein Blick: Erfahrungsbonus 40 Jahre.
Er hatte recht. Natürlich hatte er recht.
❤️ Persönlicher Puls-Moment
Puls: 180
Ego: leicht angekratzt
Hütte: 150 Meter entfernt
Realität: hüfttief
Erkenntnis: Aufgeben ist keine Niederlage. Manchmal ist es schlicht intelligenter.
🎭 Slapstick-Faktor
Robbend aus dem Tiefschnee
Fast kopfüber in eine Schneewächte
Keine Zuschauer (zum Glück)
Eleganz-Level: Null
Würde das jemand filmen → virales Reel garantiert.
🥪 Verpflegung
Sandwich auf Hochebene
Aussicht unbezahlbar
Stolz wieder stabilisiert
Manchmal schmeckt Brot besser, wenn man kurz davor war, es im Schnee zu verlieren.
🧠 Fazit in einem Satz
Jaunpass im Winter ist wunderschön. Mit Schneeschuhen noch schöner.
Und manchmal ist der wahre Gipfel nicht die Hütte – sondern die Entscheidung, umzudrehen.
🔥 Scheiss-aufs-Alter-Wertung
Natur: ⭐⭐⭐⭐⭐
Aussicht: ⭐⭐⭐⭐⭐
Ego-Test: ⭐⭐⭐⭐⭐
Schneeschuh-Notwendigkeit: Sehr.
Würde ich wieder gehen? Ja. Auf jeden Fall.
Mit les raquettes? Wir reden noch darüber.
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Guet isch dä Schneemaa wieder guet hei cho