Einfache Winterwanderung von Sunnbüel bei Kandersteg zum Berghotel Schwarenbach - oder warum man manchmal trotzdem aufsteht
Aktualisiert: 1. Sept.
📍 Ort / Region: Sunnbüel, Kandersteg, Berner Oberland
Start: Sunnbüel Bergstation (1'936 m ü. M.)
Ziel: Berghotel Schwarenbach (2'060 m ü. M.) und retour
Distanz: ca. 6–7 km (Hin- und Rückweg)
Dauer: ca. 3–4 Stunden (mit Pausen und Fotostopps)
Höhenmeter: ca. 150–200 hm
Schwierigkeit: Leicht bis mittel ( T1 - Winterwanderweg)
Trittsicherheit: Nicht erforderlich. Gute Winterwanderschuhe mit Profil werden empfohlen.
Schwindelfreiheit: Nicht erforderlich.
Familientauglichkeit: Sehr gut geeignet. Die Winterwanderung verläuft auf einem breiten, gut präparierten Winterwanderweg und eignet sich auch für Familien mit Kindern.
Beste Reisezeit: Dezember bis März (je nach Schneeverhältnissen und Betrieb der Bergbahn)
Meine Empfehlung: Startet möglichst am Vormittag, wenn die Sonne die Hochebene erreicht. Plant genügend Zeit für eine Einkehr im traditionsreichen Berghotel Schwarenbach ein – die Sonnenterrasse und die gemütliche Atmosphäre machen die Wanderung erst richtig komplett.
Anreise ÖV: Mit dem Zug nach Kandersteg. Vom Bahnhof erreicht ihr die Talstation der Sunnbüelbahn entweder mit dem Ortsbus oder in rund 30–40 Minuten zu Fuss.
Anreise Auto: Parkplätze stehen direkt bei der Talstation der Sunnbüelbahn in Kandersteg zur Verfügung. Anschliessend bringt euch die Gondelbahn in rund 10 Minuten auf den Sunnbüel.
Einkehr:
👉 Berghotel Schwarenbach: https://www.schwarenbach.ch
Winterwanderung Sunnbüel – Schwarenbach: Einsamkeit, Schnee und ein realistisches Ziel

Die Winterwanderung von Sunnbüel zum Berghotel Schwarenbach gehört zu den schönsten einfachen Winterwanderungen im Berner Oberland. Vor allem für die, die Ruhe, verschneite Landschaften und eine gut machbare Strecke suchen. Die Route führt dich über die weite Spittelmatte, vorbei an eingeschneiten Arvenwäldern und mit Blick Richtung Gemmipass.
Je nach Wetter zeigt sich die Wanderung von ihrer ruhigen oder auch stürmischen Seite – und genau das macht sie so speziell. Hier erfährst du, was dich unterwegs erwartet, ob sich die Wanderung lohnt und warum manchmal schon das Aufstehen der grösste Erfolg ist.
Gehen oder doch liegen bleiben?
Es ist sieben Uhr morgens, ich liege im warmen Bett, der Wecker klingelt und ich verhandle mit mir selbst. Muss ich wirklich aufstehen? Muss ich wirklich wandern gehen? Draussen ist alles grau in grau. Anmächelig ist anders. Also erst einmal Kaffee. Und dann klären wir das mit dem Leben – beziehungsweise mit dem Wandern.
Kaffee, Zweifel und die Sehnsucht nach Schnee
Doch! Ich will in den Schnee! Am liebsten dorthin, wo nicht viele Menschen sind. Allerdings dürfte das bei dem Wetter heute auch kein grosses Problem sein. Überraschung.
Nach dem zweiten Kaffee fällt die Entscheidung auf Sunnbüel oberhalb von Kandersteg. Dort war ich letzten Sommer zum ersten Mal mit meiner Schwester. Laut Wetterbericht: Nieselregen. Aber immerhin Schnee unter den Schuhen. Man muss ja realistisch bleiben.
Wanderkleidung übergeworfen, Rucksack gepackt, Essen kann ich mir unterwegs auch noch organisieren. Und dann kurve ich durch Kandersteg Richtung Talstation Sunnbüel. Es nieselt tatsächlich. Und Menschen? Fehlanzeige.
Wenn du mehr über die Sunnbüel lesen möchtest: Rundwanderung zu den Arvenseeli
Einsamkeit an der Talstation Sunnbüel

Auf dem Parkplatz grüsst mich die Einsamkeit persönlich. Ich stapfe Richtung Talstation Sunnbüel. Niemand. Gar niemand. Irgendwo rummst es, der Gondelführer kommt mir entgegen, und ich sage – halb hoffnungsvoll, halb ironisch: „Na, nit grad viel Lüt hüt, gäll? “ Er schaut mich irritiert an und meint:„Doch doch, vorhi isch voll gsi!"
Nun denn. Dann sind wenigstens oben ein paar Menschen unterwegs. Hoffentlich.
Ich warte. Und warte. Eine Loipenfahrerin gesellt sich zu mir. Wir schweigen uns an. Ruhe ist manchmal ganz oke. Kurz vor der Abfahrt kommt noch ein Paar dazu. Er macht sich lautstark über Berge und Wetter lustig und stösst ein unangenehmes „Harrharr“ aus. Sie wirkt irritiert. Ich auch.
Alleine wandern auf Sunnbüel im Winter


Schliesslich gondeln wir zu fünft nach oben. Inklusive Gondelführer. Der Ausblick? Fantastisch. Genau bis zum nächsten Baum. Wolken hängen überall, es schneit, es windet. Aber ich bin ja nicht so alt geworden, wie ich bin, um mich davon abschrecken zu lassen.
Also stapfe ich erneut los. Von Pfosten zu Pfosten. Mehr Orientierung wird hier oben gerade nicht geboten.

Nach ein paar Minuten reisst die Wolkendecke auf. Vor mir liegt eine weite Ebene, die Spittelmatte. Rechts irgendwo im Wäldchen die zugeschneiten Arvenseeli und irgendwo in der Ferne mein Ziel. Die Sonne blinzelt durch. Es ist wunderschön. Und ruhig. Wenn kein Wind geht, höre ich nur meine Schritte im Schnee. Das nennt man wohl Entschleunigung.
Unterwegs zum Berghotel Schwarenbach


Eigentlich will ich weiter bis zum Gemmipass. Realistisch betrachtet weiss ich aber schon jetzt: Das wird heute nichts. Zu spät gestartet, die ganze Strecke müsste ich auch wieder zurücklaufen, und die letzte Gondel wartet nicht auf unentschlossene Wanderinnen.
Also wird das Berghotel Schwarenbach mein Ziel. Die Landschaft ist beeindruckend. Das Paar von der Gondelstation begegnet mir nochmals. Ich höre sein „Harrharr“ schon von weitem.

Danach kommt der Aufstieg. Und der bringt mich ordentlich ins Schwitzen: ein Schritt vorwärts, ein halber wieder zurückgerutscht. Als dann auch noch ein Raupenfahrzeug den halben Weg umpflügt, wird es nicht einfacher.
Aber irgendwann stehe ich da. Durchgeschwitzt. Und ziemlich stolz, dass ich es mir nicht einfach zuhause gemütlich gemacht habe.
Heisse Schokolade, Apfelkuchen und Fürsorge im Berghotel Schwarenbach



Beim Schwarenbach: kaum Leute. Drei Angestellte sitzen draussen in der Sonne und blinzeln mich an. Ich bin der einzige Gast. Mit heisser Schokolade und Apfelkuchen richte ich mich auf der Terrasse ein. Der Service ist grossartig. Man bringt mir sogar ein Kissen hinterher, damit ich draussen nicht friere. Und mein Popo weich sitzt.
Irgendwann beginnt es wieder zu schneien. Wie schön. Ich sitze immer noch da, die Schokolade mittlerweile kalt, aber das stört mich nicht. Den Service schon eher: „Nit, dass ihr euch en erkältig ifanget.“ Ich winke ab. Manche Dinge muss man einfach aushalten. Und geniessen.
Der Rückweg über die Spittelmatte

Irgendwann ist es Zeit umzukehren. Mitten im Schneegestöber gehts wieder bergab Richtung Bergstation. Aber ehrlich: Wandern bei schönem Wetter kann ja jeder. Ich geniesse die kalte Luft, den Schnee, die Landschaft – und freue mich jetzt schon auf die nächste Wanderung. Irgendwo.
Bei der Talfahrt bin ich allein in der Gondel. Der Fahrer ist freundlich, erzählt mir von den Bergen ringsum und dass heute insgesamt genau 55 Personen inklusive mir auf Sunnbüel waren. Mein Wunsch nach wenigen Menschen ist also in Erfüllung gegangen. Und die Wetterkapriolen haben diese Winterwanderung auf Sunnbüel einzigartig gemacht.
Fazit - Lohnt sich die Winterwanderung zum Berghotel Schwarenbach?
Diese Winterwanderung zeigt, warum sich Aufstehen immer lohnt – egal bei welchem Wetter. Zwischen Spittelmatte, Schneegestöber und der wohlverdienten Pause im Berghotel Schwarenbach realisierst du, warum du überhaupt unterwegs bist.
Und ganz ehrlich: Ein bisschen Wind, ein bisschen Schnee und ein paar schräge Begegnungen machen das Ganze am Ende einfach besser.
Vielleicht zieht es mich beim nächsten Mal wieder ins Berner Oberland – oder an einen ganz anderen stillen Ort. Wir werden's sehen.
Corinna
🤭 Sunnbüel in einem Satz
Ich: «Heute bleibe ich vielleicht einfach zuhause.»
Sunnbüel: «Haha. Sicher nicht.»
Resultat: Einer meiner schönsten Wintertage.
🎒 Ehrlich jetzt...
Vor der Tour: «Warum tue ich mir das eigentlich an?»
Während der Tour: «Boah, ist das schön.»
Beim Schwarenbach: «Ich könnte für immer hier sitzen.»
Zuhause: «Wo gehen wir nächstes Wochenende hin?»
😂 Wander-Check
Kaffee: ✔️✔️✔️
Motivation um 7 Uhr: ❌
Wetterbericht ignoriert: ✔️
Zu viele Fotos gemacht: ✔️
Kalorien verbrannt: Wahrscheinlich.
Kalorien wieder gegessen: Definitiv.
Würde ich wieder machen: Ohne nachzudenken.
🤍 Das bleibt hängen...
Der Schnee unter den Schuhen.
Der Wind im Gesicht.
Die heisse Schokolade in den Händen.
Die Stille da draussen.
Und dieses «Harrharr», das ich vermutlich nie wieder aus dem Kopf bekomme.
📊 Persönliche Bewertung
Schweissfaktor: ★★★☆☆
Winterfeeling: ★★★★★
Fotostopps: ★★★★★
Menschenmassen: ★☆☆☆☆
Kuchen danach: ★★★★★★★★★★
Sofa vermisst: ★☆☆☆☆
Glücksgefühl auf dem Heimweg: ★★★★★
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