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Yayoi Kusama im Beyeler Museum

  • Corinna
  • 26. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Ich war schon beeindruckt, bevor ich überhaupt einen Fuss ins Beyeler Museum in Riehen gesetzt habe. Diese Bilder der aktuellen Yayoi-Kusama-Ausstellung – Punkte, Farben... und alles in Gross. Also dachte ich mir: Gut. Das schau ich mir mal an.


Begleitet wurde ich von meinem Sohn. Kunstaffin. Aufmerksam. Einer von denen, die wissen, wie man sich in Museen benimmt. Ein entscheidender Vorteil, denn ich bin das Gegenteil.


Schon vor dem Eintritt gibts Kunst zu bestaunen.
Schon vor dem Eintritt gibts Kunst zu bestaunen.

Ich habe weniger mit Kunst am Hut, dafür mehr mit Wände streichen und Böden verlegen. Gib mir einen Farbkübel, eine Wasserwaage und eine Fussleiste – ich bin glücklich. Stell mich in ein Museum – und es wird… anstrengend. Für meinen Sohn.


Es dauert keine fünf Minuten, bis ich das erste Mal auffalle. Auf dem Boden klebt doppelseitiges, graues Klebeband. Ich frage laut:„Oh, weshalb kleben die denn Klebeband auf den Boden?“ Und während ich mich neugierig nach vorne beuge, um das Kunstwerk genauer anzuschauen, beginnt mein Sohn mit den Händen zu wedeln. Tiefes Einatmen. Tiefes Ausatmen. Dann, mit rollenden Augen: „Das ist wegen Besuchern wie dir. Damit ihr merkt, dass man nicht so nah an die Kunstwerke herantreten soll.“


In genau diesem Moment höre ich ein Piiep. Ich denke noch: Verdammt! Doch Überraschung – nicht wegen mir. Ein anderer Banause ein paar Meter weiter. Ich grinse. Mein Sohn nicht. Ach ja, wir haben halt nicht immer denselben Humor...


Wir gehen weiter. Monet. Noch mehr Kunst. Noch mehr Dinge, bei denen ich mir denke: Aha! Dann komme ich an einer Jacke vorbei, die an einem Haken hängt. Mein erster Gedanke: Die Person vom Reinigungsteam, die als Letzte durch die Räume feudelte, hat wohl ihre Jacke vergessen. Dann sehe ich es wieder – das doppelseitige, graue Klebeband. Ergo: Kunst. Nun gut. Wieder was gelernt.


Die ominöse Jacke...und ja, auch das ist Kunst.
Die ominöse Jacke...und ja, auch das ist Kunst.

Ich gebe es offen zu: Ich verstehe Kunst nicht wirklich. Dafür weiss ich, wie man einen Boden (fast) gerade verlegt und eine Wand streifenfrei streicht. So hat halt jeder seine Stärken.



Teil der Kusama Ausstellung.
Teil der Kusama Ausstellung.


Die noch junge Künstlerin...
Die noch junge Künstlerin...
...und ihre Dots, die alles und jeden widerspiegeln.
...und ihre Dots, die alles und jeden widerspiegeln.




Schliesslich landen wir bei der Retrospektive von Yayoi Kusama. Ihr Lebenswerk. Vieles ist eindrücklich. Bei anderem stehe ich nur ratlos davor. Aber schliesslich freue ich mich vor allem auf die berühmten „Schlangen“, die ich von Fotos kenne.

Mein Sohn meint trocken:„Ich glaube, du erwartest zu viel.“

„Wieso denn?“, sage ich. „Ich freue mich auf diesen Raum, wo sich die Skulpturen winden, den Platz einnehmen und wir wie in einem Labyrinth dazwischen herumirren.“


Die Installation vor Betreten des Raumes im Untergeschoss.
Die Installation vor Betreten des Raumes im Untergeschoss.

Dann betreten wir den Raum. Von Windungen keine Spur. Dafür tönt ein Gebläse.

Die „Schlangen“, von denen ich dachte, sie seien aus hartem, unbeugsamem Material, sind aus Stoff. Aus dem Stoff, aus dem Gumpischlösser-Träume sind. (Übrigens: Gumpischloss=Hüpfburg) Sie liegen da. Installiert. Und das fest. Keine Bewegung. Kein Labyrinth. Und der Raum? Mit Spiegelwänden ausgekleidet und die Wände bemalt. Der Raum ist gross, aber nicht so riesig, wie in meiner Vorstellung.


Na, wenn das nicht eine Punktelandung ist!
Na, wenn das nicht eine Punktelandung ist!



Mein Sohn, lapidar wie immer:„Hab doch gesagt, du erwartest zu viel.“

Vielleicht. Und trotzdem: Ich war beeindruckt. Nicht alles verstanden. Hin und wieder am Kopf gekratzt. Oft mit ratlosem Gesicht davor gestanden. Aber am Ende hab ich nicht nur die Ausstellung, sondern auch das Gebäude selbst einfach genossen.


Und vielleicht gehts ja genau darum: Man muss Kunst nicht kapieren wie eine Bauanleitung. Es reicht manchmal, wenn sie einen kurz aus der Komfortzone schubst.


Und hey – solange es Klebeband auf dem Boden gibt, ist auch für Leute wie mich gesorgt.


Corinna


🎨 Kunst, Klebeband & Kontrollblicke


👩‍🎨 Yayoi Kusama

  • Sie sieht die Welt seit ihrer Kindheit anders: Halluzinationen, Muster, Punkte überall.

  • Anstatt daran zu zerbrechen, hat sie daraus ein Lebenswerk gemacht. Respekt. 🙌

  • Sie lebt freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio – nicht als Rückzug, sondern als Schutzraum fürs Arbeiten. Kunst als Überlebensstrategie. 🎯


🏛️ Fondation Beyeler

  • Eines der schönsten Museen überhaupt: Licht, Ruhe, Architektur, die Kunst atmen lässt. 🌿

  • Räume, die sich an Ausstellungen anpassen – kein Bastelraum, sondern Hochpräzision für grosse Kunst.

  • Und ja: das graue Klebeband ist weder Deko noch Vorbereitung einer Renovation, sondern mein persönlicher Abstandshalter. 😬


👨‍🔧 Ich im Museum

  • Verstehe Kunst ungefähr so gut wie mancher Künstler mich.

  • Halte Jacken für liegengebliebenes Putzpersonal-Zubehör (Spoiler: war Kunst).

  • Lerne dank meines Sohnes ständig neue Regeln wie: Nicht beugen. Nicht nähern. Nicht anfassen. 🚨

  • Und bin am Ende trotzdem beeindruckt. Auch ohne alles zu kapieren.


✨ Fazit: Grosse Kunst darf irritieren. Museen dürfen Piepsen. Und ich darf weiter Böden verlegen – vielleicht mit Kusama im Hinterkopf. 😉

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