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Winterwanderung im Simmental - von Lenk zu den Simmenfällen

Startpunkt dieser Winterwanderung ist das Coop-Parkhaus am Kronenplatz in Lenk. Kein spektakulärer Auftakt, wohl wahr, dafür aber praktisch. Von dort geht’s direkt weiter zum Lenkerseeli. Es ist kalt, richtig kalt und ich bin froh, hab ich noch eine zusätzliche Jacke eingepackt, die ich notfalls auch noch anziehen kann. Der See liegt fast vollständig zugefroren da. Na klar, ist ja auch Winter mit Minustemperaturen, zumindest nachts.


Am Lenkerseeli.
Am Lenkerseeli.

Was mir sofort auffällt: Die Wege sind wirklich organisiert. Langlaufloipen, Schneeschuhtrails und Winterwanderwege sind sauber getrennt und gut markiert. Jeder bleibt auf seiner Spur, niemand stört den anderen – ich bin begeistert. Auch, weil 'die anderen' kaum vorhanden sind. Ich würd mal so sagen: eine soziale Mindestdosis. Genug, um sich nicht einsam zu fühlen aber eben auch nicht soviel, dass man plötzlich Teil einer Gruppenwanderung ist.


Blick über den Winterwanderweg auf Lenk.
Blick über den Winterwanderweg auf Lenk.

Ich folge dem beschilderten Weg der Simme entlang. Gräser und Büsche sind von Eis überzogen, alles wirkt klar und ruhig. Kein Spektakel, aber genau das macht den Reiz aus. Auf diesem Abschnitt hole ich eine mehrköpfige Frauengruppe ein, die in eine ziemlich lebhafte Diskussion vertieft ist. Je näher ich komme, desto klarer wird, dass es um Orientierung geht. „Frag sie, frag sie!“ Gemeint war – Überraschung – ich.

Eine der Frauen macht einen Schritt auf mich zu und fragt: „Gibt es weiter hinten am Weg noch eine Brücke über die Simme? Wir wollen zu den Simmenfällen.“

Ich blicke zur Brücke neben uns, die sie offenbar nicht gesehen haben. Rund 70 Zentimeter Schnee liegen darauf. „Hier kommt man schon mal nicht rüber“, antworte ich. „Ob es weiter hinten noch eine Brücke gibt? Ich denke schon. Aber ich bin nicht von hier.“


Der Simme entlang.
Der Simme entlang.

Kommentar aus der dritten Reihe: „Hab doch gesagt, die sieht nicht einheimisch aus!“

Wie auch immer eine Einheimische hier aussehen müsste – ich lasse die Gruppe weiterdiskutieren und geh weiter. Und tatsächlich: Etwa 300 Meter weiter folgt die letzte Brücke über die Simme, von dort direkt zum Hotel und Restaurant Simmenfälle. Frage beantwortet.


Hotel und Restaurant Simmenfälle.
Hotel und Restaurant Simmenfälle.

Bis hierhin ist der Weg flach und angenehm zu gehen. Ob ihr nun rechts oder links der Simme läuft: egal. Vom Restaurant führt der Weg dann bergauf Richtung Simmenfälle. Keine Herausforderung, aber ein paar vereiste Stellen erfordern Aufmerksamkeit.

Nach rund zehn Minuten steh ich bei den Simmenfällen – oder dem, was im Winter davon sichtbar ist. Der Schnee verdeckt den grössten Teil der Wasserfälle, nur auf einer Seite sprudelt die Simme noch als Wasserfall hervor. Weniger eindrücklich als erwartet, aber dennoch schön anzuschauen.


Ausblick auf die Simmenfälle...oder dem wenigen, was davon zu sehen ist.
Ausblick auf die Simmenfälle...oder dem wenigen, was davon zu sehen ist.

Von hier aus wäre der Weg weiter zu den Iffigbachfällen begehbar, allerdings nur im Einbahnsystem bergauf. Wegen weiteren vereisten Stellen wird ausdrücklich davor gewarnt, den Weg bergab zu nutzen. Doch da die Simmenfälle stark zugeschneit sind, verzichte ich auf den weiteren Aufstieg – denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Iffigbachfälle ähnlich aussehen ist mehr als wahrscheinlich. Da mach ich die Wanderung dann lieber noch einmal im Sommer. Damit ich auch mal die Wasserfälle bestaunen kann.


Entweder bei den Simmenfällen umkehren oder ab da nur noch bergauf gehen.
Entweder bei den Simmenfällen umkehren oder ab da nur noch bergauf gehen.

Also kehre ich um und lauf in wenigen Minuten zurück bergab zum Hotel Simmenfälle. Zeit für eine Picknickspause. Und ja: Die Frauengruppe taucht erneut auf, wieder in eine Diskussion vertieft. Dieses Mal mit der Frage, ob zuerst gegessen oder zuerst weitergewandert werden soll. Resultat der Diskussion? Mir nicht bekannt, denn ich mache mich auf den Rückweg.


Der Weg ist insgesamt einfach zu gehen, pro Richtung sollte man etwa 1½ bis 2 Stunden einplanen. Lediglich bei den ansteigenden Passagen ist wegen Eis Vorsicht geboten.


Schönes Simmental.
Schönes Simmental.

Ein weiteres, völlig unterschätztes Highlight dieser Wanderung: die Bauernstände am Wegesrand. Kein Schnickschnack, kein „Bio-Storytelling“, sondern Kühlschrank auf, Geld rein, Käse raus. Oder Wurst. Oder beides. Ich liebe dieses System. Ehrlich!


Mein Rucksack ist danach so vollgestopft, dass er sich nicht mehr schliessen lässt. Und das Beste: Hätte ich nicht vorsorglich noch eine zusätzliche Jacke eingepackt, hätte locker noch mehr Käse Platz gehabt. Tragisch.

Denn natürlich – wie immer – habe ich diese Jacke kein einziges Mal gebraucht. Denn kaum war ich ein paar Schritte unterwegs, war mir schon wieder zu warm. Winterwanderung halt: Erst frierst du, dann schwitzt du, und am Ende schleppst du eine Jacke spazieren, die nur dabei ist, damit sie dabei ist.

Aber egal. Wurst und Käse im Rucksack, Jacke oben drauf gestopft, alles richtig gemacht.



Fazit: Eine unkomplizierte Winterwanderung mit klarer Luft, ruhiger Landschaft und genug Weite, um den Kopf frei zu bekommen. Und mit Käse und Wurst im Gepäck kommt man bekanntlich besonders gern nach Hause.


Viel Spass auf dieser Tour – und bis bald.


Corinna



📌 Lenk im Simmental – offiziell Wintersportgebiet, inoffiziell Jacken-Fehlentscheidungszone


🏔️ Lenk im Simmental

Charmantes Bergdorf am Ende des Simmentals. Umgeben von Bergen, Wasserfällen und genug Winterlandschaft, um sofort zu vergessen, wie laut das Leben sonst ist. Im Winter ein echtes Multitool: Skifahren, Langlauf, Winterwandern, Schneeschuhen – oder einfach nur draussen sein und so tun, als hätte man alles im Griff.


🎿 Skigebiet Adelboden-Lenk

Eines der grössten Skigebiete der Schweiz mit rund 200 km Pisten. Klingt nach Action, Weltcup und Highspeed – funktioniert aber auch ganz entspannt. Breite Pisten, sonnige Hänge, Hütten mit Essen, das besser ist als nötig.Persönliche Einordnung: Ich war zu Fuss unterwegs. Ohne grössere Herausforderungen. Und hatte trotzdem Spass. Das will was heissen.


❄️ Winterwander- & Langlaufparadies

Was hier wirklich überzeugt: die Organisation. Winterwanderwege, Loipen und Schneeschuhtrails sind sauber getrennt. Kein Chaos, kein „Ups, falscher Weg“, kein unfreiwilliger Slalom zwischen Langläufern.Meine Erfahrung: Genau genug Leute für ein freundliches Nicken – nicht genug, um versehentlich Teil einer geführten Gruppe zu werden. Ideale soziale Dosierung.


💧 Simmenfälle & Iffigbachfälle

Im Sommer eindrücklich (wurde mir so erzählt), im Winter… nennen wir es „minimalistisch“. Viel Schnee, wenig Wasser, aber trotzdem sehenswert. Wer tosende Wasserfälle will, kommt besser nochmal bei Plusgraden.Praxis-Check: Wenn schon die Simmenfälle fast komplett zugeschneit sind, darf man sich relativ sicher sein, dass die Iffigbachfälle nicht plötzlich auftauen, nur weil man es hofft.


🧥 Kälte, Jacken & andere Fehleinschätzungen

Winter in Lenk kann kalt sein. Theoretisch. Praktisch wird einem beim Gehen schnell warm.Persönliche Statistik:

– Extra Jacke mitgenommen: ✔️

– Extra Jacke gebraucht: ❌

– Extra Jacke den ganzen Weg spazieren getragen: ✔️✔️✔️


🧀 Regionale Bauernstände – echtes Endgame

Entlang der Wege verkaufen Bauern Käse, Wurst & Co. direkt ab Hof. Kühlschrank auf, Geld rein, glücklich sein.Wichtiger Hinweis aus Erfahrung: Plane im Rucksack Platz ein. Viel Platz. Und nimm keine unnötigen Jacken mit. Käse gewinnt immer.



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