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Winterwanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg – drei Akte, ein Engländer namens Brad und die besten Pommes der Alpen

  • Corinna
  • vor 12 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Auch wenn ich zuvor noch nie dort gewesen war: Die Winterwanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg gehört zu den absoluten Klassikern in der Jungfrau Region.


Und da ich noch eine letzte Winterwanderung in dieser Saison machen wollte, dachte ich mir: Warum nicht gleich einen Klassiker abhaken?


Also kurzerhand meine Schwester eingesackt und ab nach Grindelwald.



Ankommen im Grindelwald Terminal – Orientierung zwischen Gondeln und Menschen


Unser erster Halt: das Grindelwald Terminal. Und ich muss sagen: beeindruckend.



Das Terminal in Grindelwald.
Das Terminal in Grindelwald.


Hier trifft der Zug aus Interlaken auf gleich zwei Gondelbahnen, dazu Shops, Restaurants und ein Parkhaus mit rund 1000 Parkplätzen.


Wir standen also erst einmal da und machten das, was man in solchen Momenten automatisch tut: orientierungslos herumstehen und schauen.


Erst Tickets kaufen, dann überlegen, wo wir eigentlich hin müssen.


Schnell fanden wir die Gondelstation des Eiger Express, der in 15 Minuten zum Eigergletscher fährt – von dort geht es weiter aufs Jungfraujoch.


Falls ihr wissen wollt, wie sich ein Ausflug dorthin anfühlt, habe ich hier darüber geschrieben 👉 Jungfraujoch erleben: Unser chaotischer Ausflug zum „Top of Europe"


Sehr schön. Nur leider nicht unser Ziel.


Unsere Gondel war zum Glück nur wenige Meter daneben angeschrieben: Grindelwald – Männlichen. 19 Minuten später standen wir oben.



Akt 1: Der Royal Walk auf den Männlichen – unser erster Gipfel


Oben angekommen empfing uns erst einmal… Nebel.

Wolkenschwaden zogen vorbei, nahmen uns die Sicht und gaben sie Sekunden später wieder frei.


Und ich dachte nur: Bitte nicht, dass soll heute nicht unsere Aussicht sein.


Denn eigentlich wollten wir nicht nur die Winterwanderung zur Kleinen Scheidegg machen, sondern auch noch den Royal Walk auf den Gipfel des Männlichen.


Bei dieser Aussicht? Erst mal Kaffee! Und für mich ein Gipfeli, bitte!


Also rein ins Berghaus Männlichen und beobachten, wie die Wolken kommen und gehen. Doch irgendwann dachten wir: Worauf warten wir eigentlich?


Also raus an die frische Luft und los auf den Royal Walk. Und was soll ich sagen:

Es war beeindruckend.


Blick vom Berghaus Männlichen auf den Royal Walk zum Berggipfel Männlichen.  Und auf die Bergstation der Gondelbahn von Wengen.
Blick vom Berghaus Männlichen auf den Royal Walk zum Berggipfel Männlichen. Und auf die Bergstation der Gondelbahn von Wengen.

Im Minutentakt öffneten sich kurze Fenster im Nebel. Links konnten wir ins Lauterbrunnental blicken - eines der berühmtesten Täler der Schweiz mit seinen vielen Wasserfällen.


Falls ihr das Tal einmal selbst erkunden wollt, habe ich hier einen ausführlichen Bericht über meinen Ausflug ins Lauterbrunnental geschrieben 👉 Lauterbrunnental: Zwischen Staubbachfall und Trümmelbachfällen – ein Tag im Wasserfall-Paradies der Schweiz


Die rund 30 Minuten vom Berghaus zum Gipfel hatten es allerdings in sich.

Der Schnee war sulzig. Sehr sulzig.


Oder anders gesagt: Jeder Schritt fühlte sich wie ein kleines Fitnessprogramm an.

Aber hey – irgendetwas muss man ja tun, um im Alter fit zu bleiben.



Rätselweg zum Gipfel: die Königspforte


Unterwegs entdeckten wir noch eine weitere Überraschung. Der Weg führt nämlich durch die „Königspforte“, ein interaktives Rätselspiel mit mehreren Stationen. Sieben kleine Aufgaben begleiten den Weg bis zum Gipfel.


Natürlich machten wir mit. Man hat ja schliesslich Zeit. Und ausserdem macht Rätseln mehr Spass als Schnaufen.



Die Krone auf dem Gipfel – und die Wolkenlotterie


Oben angekommen wurden wir von einer grossen Krone empfangen – einer Aussichtsplattform in Kronenform. Eine grossartige Idee. Und die Aussicht?

Nun ja. Sagen wir so: Die Wolken waren sehr präsent.


Am Ende des Royal Walk die Aussichtsplattform in Form einer Krone auf dem Männlichen mit Blick ins Lauterbrunnental.
Am Ende des Royal Walk die Aussichtsplattform in Form einer Krone auf dem Männlichen mit Blick ins Lauterbrunnental.

Aber inzwischen hatten wir verstanden, wie das Spiel hier funktioniert.

Warten. Dann kommt plötzlich ein Fenster im Nebel – und für ein paar Sekunden liegt die ganze Bergwelt vor einem.


Und genau diese Momente sind spektakulär. Vor allem, weil wir gerade unseren ersten Gipfel des Tages erreicht hatten.


Unterhalb des Männlichen das Lauterbrunnental im Berner Oberland,.
Unterhalb des Männlichen das Lauterbrunnental im Berner Oberland,.


Aussicht vom Berggipfel Männlichen Richtung Wilderswil und Thunersee.
Aussicht vom Berggipfel Männlichen Richtung Wilderswil und Thunersee.
Der Gipfel gehört nicht dir - sondern uns. Meine Schwester und ich nach der Gipfelbesteigung auf den Männlichen.
Der Gipfel gehört nicht dir - sondern uns. Meine Schwester und ich nach der Gipfelbesteigung auf den Männlichen.

Damit wäre Akt Nummer eins abgeschlossen.


Akt 2: Winterwanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg


Nun ging es wieder zurück zum Berghaus Männlichen und von dort auf den eigentlichen Winterwanderweg zur Kleinen Scheidegg.


Spoiler vorweg: Diese Strecke hat es in sich. Denn durch sulzigen Schnee zu laufen ist ungefähr so effizient wie ein Personal Trainer.


Die Strecke wurde lang. Sehr lang.


Hier waren wir noch auf den markierten Winterwanderweg Männlichen - Kleine Scheidegg mit Blick auf Eiger und Mönch.
Hier waren wir noch auf den markierten Winterwanderweg Männlichen - Kleine Scheidegg mit Blick auf Eiger und Mönch.

Wir folgten den Schildern und den pinkfarbenen Markierungen entlang der Skipisten.

Zwischendurch mussten wir immer wieder Skipisten überqueren – das gehört zum Weg.


Doch irgendwann standen wir plötzlich…mitten auf der Skipiste. Nicht beim Überqueren. Sondern einfach so.



Schöne Aussichten auf Grindelwald und Umgebung während unserer Wanderung zur Kleinen Scheidegg.
Schöne Aussichten auf Grindelwald und Umgebung während unserer Wanderung zur Kleinen Scheidegg.

Wir hatten kurz die Orientierung verloren und fanden keine Markierungen mehr.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als am Rand der Piste weiterzustapfen – bis wir endlich wieder den Wanderweg fanden.


Und dort trafen wir Brad.


Begegnung mit Brad aus England


Brad stand mit zwei Begleiterinnen vor der nächsten Skipiste, die zu überqueren war. Brad wollte weiter zur Kleinen Scheidegg. Seine Begleiterinnen eher nicht. Sie wollten zurück zum Männlichen.


Brad stand also zwischen Abenteuerlust und demokratischer Überstimmung.

Ein kurzes Gespräch mit uns änderte daran nichts. Die beiden Frauen blieben skeptisch.


Also rief meine Schwester ihm ein aufmunterndes „Good luck!“ zu.


Wir stapften weiter. Brad… vermutlich nicht. Zumindest nicht in dieselbe Richtung.


Endspurt zur Kleinen Scheidegg


Der Weg ging weiter durch Schnee, der mal knöcheltief, mal knietief war.

Oder anders gesagt: Knöchel – Wade – Knie. Je nachdem, wo ich gerade hineintrat. Meine Schwester stand jeweils trittsicher auf dem Weg während ich treffsicher jede Unebenheit auskundete. Ungewollt!


Meine Schwester mit sicherem Tritt, den Eiger immer im Blick.
Meine Schwester mit sicherem Tritt, den Eiger immer im Blick.

Doch irgendwann kamen wir um eine Kurve und sahen sie endlich: Die Kleine Scheidegg. Allerdings ziemlich weit oben.


Die Kleine Scheidegg ganz gross und vor allem - weit weg 🥵
Die Kleine Scheidegg ganz gross und vor allem - weit weg 🥵

Wir starrten erschöpft den Hang hinauf. Unsere spontane Entscheidung:

Erst einmal ein Bier.


Zum Glück stand direkt neben der Piste die kleine Pistenbar Bustiglen. Dort erfuhren wir dann auch, dass wir uns den Aufstieg sparen können.


Die Pistenbar Bustiglen: irgendwo unterhalb der Kleinen Scheidegg.
Die Pistenbar Bustiglen: irgendwo unterhalb der Kleinen Scheidegg.

Nur wenige Meter weiter fährt nämlich der Sessellift Arven direkt hinauf zur Kleinen Scheidegg.


Selten hat sich eine Information so gut angefühlt. Und ein Bier so gut geschmeckt.


Damit wäre Akt Nummer zwei geschafft.



Akt 3: Die besten Pommes der Alpen


Nun also hoch mit dem Sessellift Arven zur Kleinen Scheidegg. Und da wir endlich das Ziel erreicht hatten, war es auch höchste Zeit, etwas Vernünftiges zu essen.


Bis dahin gab es nämlich nicht viel mehr als ein oder zwei Handvoll Nüsse. Und ein Gipfeli. Die grosse Frage lautete also: Wohin?


Das berühmte Hotel Bellevue des Alpes von 1840 vor seiner weltbekannten Kulisse: dem Eiger.
Das berühmte Hotel Bellevue des Alpes von 1840 vor seiner weltbekannten Kulisse: dem Eiger.

Sollten wir ins berühmte Hotel Bellevue des Alpes gehen und uns auf dem Sonnendeck etwas gönnen? Oder doch lieber etwas Bodenständigeres?


Wenige Meter daneben lag das kleine, heimelige Restaurant Chalet, ebenfalls mit Sitzplätzen an der Sonne. Die Entscheidung war schnell gefallen.


Klein aber sehr fein: Restaurant Chalet auf der Kleinen Scheidegg.
Klein aber sehr fein: Restaurant Chalet auf der Kleinen Scheidegg.

Also nichts wie hin, an der Theke angestellt, kurz die Bilder studiert und bestellt: zweimal Rauchwurst mit Pommes.

Und was soll ich sagen? Meine Schwester und ich sind uns einig: Das waren die besten Pommes, die wir je gegessen haben.


Sieht nicht annähernd so spektakulär aus wie sie geschmeckt haben: die besten Pommes, die wir je hatten waren es aber definitiv.
Sieht nicht annähernd so spektakulär aus wie sie geschmeckt haben: die besten Pommes, die wir je hatten waren es aber definitiv.

Warum? Keine Ahnung. Vielleicht Alpenluft. Vielleicht Hunger. Vielleicht Magie.


Aber eines ist sicher: Das konnte nicht natürlichen Ursprungs sein. Wenn wir gekonnt hätten, hätten wir uns einen Jahresvorrat eingepackt.


Um das Essen abzurunden, wollte meine Schwester noch einen Glühwein.

Was dann folgte, war ein kleines Sprachabenteuer.


Ich an der Theke:

E Gliewii, bitte.

Antwort:„?“


Zweiter Versuch:

En Glüeehwii.

Man kann sein Schweizerdeutsch ja der Region anpassen, nicht wahr?

Antwort:„???“


Dritter Versuch, leicht verzweifelt:

Einen Glüüühwein, bitte.

Antwort:„Ah! Das meinsch. Kunnt grad!“


Tja. Wenn Schweizer sich mit Schweizern unterhalten…



Fazit: Winterwanderung mit Wow-Momenten


Auch wenn die Wetterprognose nur mässig war: Der Tag war viel besser als erwartet.

Der Royal Walk, die Winterwanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg und diese legendären Pommes machten den Ausflug perfekt.


Wer in dieser Gegend noch mehr entdecken möchte, dem empfehle ich auch eine Wanderung ins Sefinental zur Chilchbalm – ein wunderschöner, deutlich ruhigerer Geheimtipp ganz hinten im Lauterbrunnental 👉 Wanderung Sefinental: Zur Chilchbalm ab Gimmelwald – Geheimtipp im Lauterbrunnental


Darum mein Tipp:

Lasst euch nicht von mittelmässigen Wetterprognosen abschrecken. Denn oft ist es draussen viel schöner als angekündigt.


Und selbst wenn nicht:

Schlechteres Wetter in den Bergen hat seine ganz eigene Stimmung.

Und manchmal trifft man dabei sogar einen Engländer namens Brad.


Bis zum nächsten Mal


Corinna



🥾 Weitere Wanderideen in der Region




🧭 Winterwanderung Männlichen – Kleine Scheidegg


🏔 Region:

Jungfrau Region (Berner Oberland)

🚶 Wanderroute: Männlichen → Kleine Scheidegg

🥾 Distanz: ca. 4–5 km

Wanderzeit: ca. 1.5–2.5 Stunden (je nach Schneezustand… und Kondition)

📈 Schwierigkeit: leicht bis mittel

Winterfaktor: steigt proportional zur Sulzigkeit des Schnees


🚉 Startpunkt: Grindelwald Terminal


Der Ausgangspunkt für diese Tour ist das relativ neue Grindelwald Terminal.

Hier trifft sich praktisch alles:


🚆 Zug aus Interlaken

🚡 Gondelbahn Grindelwald – Männlichen

🚠 Eiger Express zum Eigergletscher (Richtung Jungfraujoch)

🛍 Shops und Restaurants

🚗 Parkhaus mit rund 1000 Parkplätzen


Kurz gesagt: Ein kleines Verkehrszentrum mitten in den Bergen.

Oder aus unserer Perspektive:

Ein Ort, an dem man erst einmal orientierungslos herumsteht und schaut, bevor man herausfindet, wohin man eigentlich will.


👑 Highlight unterwegs


🏔 Royal Walk auf den Männlichen

Ein kurzer, aber lohnender Abstecher zum Gipfel.


Extras:

👑 Aussichtskrone auf dem Gipfel

🧩 Rätselweg „Königspforte“ mit 7 Stationen

🌫 Nebel mit gelegentlichen Panorama-Überraschungen


Fitnesslevel laut unserer Erfahrung:

„Sulzschnee mit eingebautem Personal Trainer.“


🥾 Die Winterwanderung


Route: Männlichen → Kleine Scheidegg


Unterwegs erwarten euch:


🎿 mehrere Skipisten-Querungen

❄ gelegentlich tiefer Schnee

🇬🇧 eventuell ein Engländer namens Brad, der sich nicht entscheiden kann


Und falls ihr kurz die Orientierung verliert: Keine Sorge. Das gehört offenbar zum Erlebnis.


🍺 Zwischenstopp (sehr empfehlenswert)


Kurz vor der Kleinen Scheidegg:


🍻 Pistenbar Bustiglen

Perfekt für:

  • ein Bier

  • eine kurze Pause

  • die Erkenntnis, dass es einen Sessellift gibt, der den letzten Anstieg ersetzt.


Der Sessellift Arven bringt euch bequem hinauf zur Kleinen Scheidegg.


Diese Information fühlte sich in diesem Moment ungewöhnlich lebensverbessernd an.


🍟 Kulinarisches Highlight


🍽 Restaurant Chalet – Kleine Scheidegg


Unsere Bestellung:

🌭 Rauchwurst mit Pommes

🍷 Glühwein (mit sprachlichen Schwierigkeiten)


Unser Urteil:

Die besten Pommes der Alpen wenn nicht gar der Welt.


🚆 Rückweg nach Grindelwald


Der Rückweg ist zum Glück sehr einfach.


🚆 Zug von der Kleinen Scheidegg Richtung Grindelwald


Wichtig zu wissen:

👉 Wenn ihr zurück zum Grindelwald Terminal wollt, müsst ihr bei Grindelwald Grund

aussteigen. Nicht bei Grindelwald Dorf.

Denn sonst landet ihr im Dorf und nicht beim Terminal.


Bei Grindelwald Grund gilt:

🚶 ca. 4 Minuten zu Fuss→ und ihr seid wieder beim Terminal.

Sehr praktisch.


Vor allem, wenn man vorher durch Sulzschnee gestapft ist.



🤓 Persönliche Erkenntnisse des Tages


✔ Nebel kann überraschend schöne Panoramafenster produzieren

✔ Sulzschnee ist ein unterschätztes Fitnessprogramm

✔ Pommes schmecken auf 2000 Metern deutlich besser

✔ Glühwein bestellen kann sprachlich herausfordernd sein

✔ Engländer namens Brad tauchen manchmal mitten auf Winterwanderwegen auf

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