Wanderung Sefinental: Zur Chilchbalm ab Gimmelwald – Geheimtipp im Lauterbrunnental
- Corinna
- 3. Okt. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 12 Stunden
Wer kennt es nicht, das Lauterbrunnental. Postkarten, Wasserfälle und Touristen aus aller Welt, die ein Selfie nach dem anderen machen. Kennt jeder, bestimmt.
Falls du mehr wissen willst: 👉 Lauterbrunnental: Zwischen Staubbachfall und Trümmelbachfällen – ein Tag im Wasserfall-Paradies der Schweiz
Aber mal ehrlich: Wer kennt schon das Sefinental? Oder gar die Chilchbalm, ganz hinten am Ende?
Eben. Fast niemand. Und genau deshalb wollte ich da hin.

Start der Wanderung: Stechelberg – Gimmelwald – Sefinental
Vor zwei Wochen machte ich einen ersten Versuch mit meiner Schwester. Wir kamen immerhin bis zur Wegscheide: links Chilchbalm, rechts runter nach Stechelberg.
Wir nahmen rechts. Und fertig war’s mit Wandern.
War nett – aber eigentlich wollte ich zur Chilchbalm.



Zweiter Versuch: Von Gimmelwald ins Sefinental
Also: zweiter Anlauf. Diesmal mit meiner Freundin.
Start in Stechelberg, Gondel rauf nach Gimmelwald. Sonnenschein, blauer Himmel – perfekter hätte es nicht sein können.
Von dort den Wegweisern ins Sefinental folgen. Alles wie gewohnt. Bis wir wieder vor der Wegscheide standen. Diesmal gings aber ohne Umschweife Richtung Chilchbalm.



Der Klassiker: falscher Weg an der Wegscheide
Erst gemütlich, immer schön entlang der Lütschine. Dann langsam aufwärts. Es waren kaum Leute unterwegs. Die Herbstfarben wurden mit jedem Höhenmeter intensiver. Alles wunderbar.
Und dann kam dieses Viehgatter. Links ein matschiger Kuhpfad auf dem die Kühe rumstanden, rechts ein steiler Weg.
„Steil ist immer richtig“, dachte ich. Vor lauter Vorfreude kurz in die Hände geklatscht und schon gings weiter bergauf...heftig bergauf.
Aber na gut, die Felsarena, unterhalb derer sich die Chilchbalm befinden sollte, hatten wir ja im Blick, bis...ja bis der steile Weg eine 180 Grad Wendung nahm und wir die Berge auf einmal im Rücken hatten. Na sowas aber auch!




Rossmatten statt Chilchbalm
Irgendwann standen wir auf der Rossmatten. Wunderschöne Hochebene, zwischen all den Kuhfladen eine fantastische Aussicht ins Lauterbrunnental und auf Eiger, Mönch und Jungfrau.
Schön? Absolut. Unser Ziel? Leider nein.


Aber die Matte war halt nicht unser Ziel. Ein Wanderer erklärte uns noch freundlich, er wolle zur Rotstockhütte und von dort aus rüber nach Mürren. Aha. Wir also wieder runtergestiefelt.

Und da sahen wir’s: am Viehgatter den Wegweiser. So hoch angebracht, dass wir zum lesen die Köpfe Richtung Himmel strecken mussten. Zur Chilchbalm gings links. Genau da, wo zuvor die Kühe auf dem matschigen Weg rumstanden. Na toll!

Aufstieg zur Chilchbalm im Sefinental
Diesmal waren wir aber mmerhin richtig. Erst eben der Lütschine entlang, dann wurde es steil, schweißtreibend und traumhaft schön. Der Fluss rauschte unter uns, die Farben wurden intensiver und irgendwann öffnete sich die Hochebene Chilchbalm.






Und da war sie: die Chilchbalm. Eine Felsarena, die Sonne schien auf die Wiese, dort wo die Sefinen Lütschine entspringt und… Kühe. Überall Kühe. Schweizer Idylle pur. Fast allein, nur wir und dieses Naturspektakel. Und dann entdeckten wir auch noch die 'richtige' Chilchbalm, woher die Hochebene ihren Namen hat.
Der Name Chilchbalm bedeutet übrigens:
Chilch = Kirche
Balm = Felsüberhang
Natürlich stapften wir auch diesen steilen Hang noch hoch und genossen von dort die Aussicht auf die Hochebene. Einfach traumhaft.


Und ja, jetzt so im Nachhinein hätten wir uns einige Höhenmeter sparen können. Aber dann hätten wir die Rossmatten nicht gesehen. Also war alles gut, so wie wir es machten. Und für euch der Tipp: Am Viehgatter links. Immer links.
Rückweg nach Stechelberg
Nun, nachdem wir in dieser wunderschönen Umgebung Pause gemacht hatten, gings langsam auf den Rückweg. Und das nur noch abwärts. Teils mehr, teils weniger steil.



Fazit: Warum sich die Wanderung ins Sefinental lohnt
Wer:
Ruhe sucht
ursprüngliche Landschaft mag
sportliche Herausforderung schätzt
nicht im Touristenstrom mitlaufen möchte
ist hier genau richtig. Versprochen!
Also, viel Spass beim Entdecken.
Eure Corinna
Wenn dir das Sefinental und die Gegend rund ums Lauterbrunnental gefallen haben, könnten diese beiden Wanderungen ebenfalls etwas für dich sein:
Wanderinfos zur Chilchbalm im Sefinental
📍 Wo sind wir hier eigentlich?
Gimmelwald: winziges Bergdorf auf 1’367 m. Kein Auto, kein Stress, nur Kühe, Chalets und diese klitzekleinen Selbstbedienungslädeli, wo man sich Käse oder Marmelade selber aus dem Kühlschrank nimmt und Geld in die Kasse legt. Vertrauen ist hier quasi Hauswährung. Und nicht zu vergessen: die Aussicht auf das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau.
Sefinental: das wilde Seitental vom Lauterbrunnental. Klingt unscheinbar, ist aber Naturkino deluxe – mit der Sefinen-Lütschine als Dauerbegleitung. Kaum Leute unterwegs. Wenn, dann höchstens Kühe.
Chilchbalm: Hochebene ganz hinten im Tal, eingerahmt von Felswänden. Und ja: die Quelle der Sefinen Lütschine entspringt ganz hinten der Felswand unterhalb des Gspaltenhorns. Früher war diese Quelle vom Gletscher bedeckt, heute könnt ihr sie sehen.
🏭 Fun Fact am Wegesrand
Auf dem Weg vom Sefinental runter nach Stechelberg, da steht ein uraltes Sägewerk. 160 Jahre alt, mit Wasserkraft betrieben. Heute nicht mehr Hochbetrieb, sondern eher so: stiller Zeitzeuge am Bach. Ich nenn’s gern den „Outdoor-Heimwerker-Museumsmoment“. Kurz anhalten, reinschauen, weiterstapfen.
🚶 Wanderfakten (oder: warum die Beine brennen)
Länge: ca. 10 km (je nach Route).
Höhenmeter: Gimmelwald - Chilchbalm: knapp 500 Hm rauf und wieder runter. Klingt nach wenig, spürt man aber. Und wenn man sich noch auf die Rossmatten verirrt, gibts noch ca. 200 - 300 Hm gratis dazu 🥵
Das Terrain: erst Forst- und Wanderwege, dann Pfade, teils flach, teils steil.
Zeit: 3–4 Stunden, außer man verläuft sich wie wir. Dann halt mehr. Dann werdens locker 5 -6 Stunden.
Naturhighlights: Wasserfälle, alpine Quellen, das Panorama vom Gspaltenhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau.
Schwierigkeitsgrad: technisch einfach, konditionell „Uiuiui, man merkt’s schon“.
🐄 Highlights & Stolperfallen
Kühe auf dem Weg. Kühe neben dem Weg. Kühe überall.
Viehgatter mit Wegweisern, die so hoch hängen, dass man fast den Hals verrenkt.
Der Klassiker: rechts den steilen Weg nehmen (falsch!) → landet man bei der Rotstockhütte. Und wenn man noch weiter möchte: bei der Sefinenfurgge.
Links durch den Matsch und an den Kühen vorbei (richtig!) → landet man bei der Chilchbalm.
😂 Persönlicher Tipp
Wenn du am Viehgatter stehst: vertrau nicht deinem „immer steil ist richtig“-Instinkt. Wir haben's probiert – Spoiler: war’s nicht.
Unbedingt Zeit nehmen, wenn die Hochebene sich öffnet. Das Panorama ist umwerfend und die Kühe geben das passende Gebimmel dazu.


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