Chaplin’s World in Vevey: Charlie Chaplin, Filme, Museum und eine ziemlich schräge Geschichte
Aktualisiert: 14. Aug.
📍 Ort / Region: Corsier-sur-Vevey / Vevey, Waadt
Start: Chaplin’s World, Route de Fenil 2, Corsier-sur-Vevey
Dauer: ca. 2,5–3 Stunden, je nach Tempo und Interesse
Familientauglichkeit: Sehr gut geeignet
Besonderheit: Manoir de Ban, Chaplins ehemaliges Zuhause, Park und das immersive Studio mit Filmkulissen
Beste Reisezeit: Ganzjährig – besonders praktisch als Schlechtwetterprogramm
Meine Empfehlung: Unbedingt genügend Zeit fürs Studio einplanen. Und auch wenn ihr keine eingefleischten Chaplin-Fans seid: Genau das könnte euch überraschen. Uns jedenfalls hat das Museum deutlich besser gefallen als erwartet.
Anreise ÖV: Mit dem Zug nach Vevey, von dort mit dem Bus 212 direkt zu Chaplin’s World.
Anreise Auto: Chaplin’s World verfügt über einen gebührenpflichtigen Parkplatz mit rund 200 Plätzen.
Tickets:👉 Chaplin’s World – Tickets
Chaplin’s World in Vevey: Wenn aus einer Wanderung plötzlich Kino wird

Eigentlich hätten wir an diesem Tag die Lärchen von Balavaux oberhalb von Haute-Nendaz anschauen wollen.
Eigentlich.
Denn meine Schwester und ich haben ein kleines Talent: Wenn wir unterwegs sind, fahren wir manchmal ziemlich automatisch in Richtung unserer Mutter im Wallis.
Das ist offenbar so tief drin, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken.
Also landeten wir – natürlich – im Wallis.
Da wir schon einmal da waren, besuchten wir das Grab unserer Mutter und beschlossen anschliessend, noch auf die Moosalp zu fahren und dort eine Wanderung mit anschliessendem guten Essen zu verbinden.
Klang gut. Wir freuten uns darauf.
Dann kam das Wetter. Aus Regen wurde Schneegestöber. Aus Schneegestöber wurde Schneesturm.
Und irgendwann fiel uns auf:
Ich hatte noch Sommerreifen am Auto.
Das war der Moment, in dem die Moosalp offiziell von unserem Tagesprogramm gestrichen wurde.
Die Lärchen von Balavaux übrigens auch.
Also brauchten wir einen Plan B.
Und der hiess: Chaplin’s World in Vevey.
Nicht gerade Wandern. Aber immerhin Kultur.
Chaplin’s World: Wir sind keine Chaplin-Fans – und genau das war interessant
Charlie Chaplin war für uns beide nie jemand, bei dessen Anblick wir spontan in Begeisterungsstürme ausbrechen.
Wir wussten natürlich, wer er war. Der kleine Mann mit Hut, Stock und Schnurrbart.
Der Tramp.
Stummfilme.
Mehr oder weniger.
Entsprechend erwartungslos fuhren wir nach Corsier-sur-Vevey zum ehemaligen Wohnsitz Chaplins.
Und genau deshalb war der Besuch so überraschend.
Chaplin’s World besteht aus drei Bereichen: dem Manoir de Ban, dem Park und dem Studio. Das Manoir war Chaplins Zuhause, das Studio widmet sich seinen Filmen und der Park verbindet beides mit viel Grün und Blick auf den Genfersee.
Und plötzlich stellten wir fest: Das ist ja richtig gut.
Manoir de Ban: Wo Charlie Chaplin tatsächlich gewohnt hat


Das Manoir de Ban wurde 1705 erbaut. Chaplin kaufte das Anwesen Ende 1952 und lebte dort mit seiner Frau Oona und den acht gemeinsamen Kindern bis zu seinem Tod 1977.
Heute kann man durch die Räume gehen und bekommt einen ziemlich guten Eindruck davon, wie die Familie dort gelebt hat.
Wohnzimmer.
Esszimmer.
Bibliothek.
Persönliche Gegenstände.
Und alles wirkt erstaunlich wenig nach klassischem Museum.
Eher so, als wären die Bewohner gerade kurz rausgegangen. Vielleicht zum Einkaufen.
Vielleicht auf einen Kaffee.
Oder um sich vor den Museumsbesuchern zu verstecken.
Chaplin und Einstein: Da hatte einer eine ziemlich gute Antwort


Natürlich begegnet man im Manoir auch den berühmten Menschen, mit denen Chaplin zu tun hatte.
Einer davon war Albert Einstein. Die beiden trafen sich 1931.
Einstein soll Chaplin sinngemäss gesagt haben, dass er bewundert werde, weil man ihn ohne Worte verstehe.
Chaplins Antwort?
Einstein werde noch mehr bewundert, obwohl ihn niemand verstehe.
Touché.
Und plötzlich war mir der Mann mit dem Stock schon ein bisschen sympathischer.
Der Park: Genfersee statt Bergwanderung


Draussen geht es in den 14 Hektar grossen Park.
Alte Bäume, Wege, Ausblicke auf den Genfersee und die Alpen.
Nicht schlecht für einen Plan B.
Und vor allem deutlich weniger rutschig als die Moosalp an diesem Tag.
Je nach Jahreszeit wird der Park zusätzlich dekoriert – etwa für Halloween oder Weihnachten.
Wir hatten Glück und erwischten die Halloween Dekoration.
Das Studio: Hier wurde ich plötzlich fast zum Chaplin-Fan


Und dann kam mein persönliches Highlight: das Studio.
Nach einer kurzen Einführung hebt sich die Leinwand – und plötzlich steht man mitten in Chaplins Filmwelt:
Kulissen.
Requisiten.
Strassen.
Wohnungen.
Filmszenen.
Alles gross, detailreich und ziemlich liebevoll gemacht.
Das Studio ist als immersive Reise durch Chaplins Filme aufgebaut. Genau hier wird aus dem Museum plötzlich eine kleine Zeitreise in die Welt des Kinos.
Und da standen wir nun. Zwei Frauen, die eigentlich gar keine grossen Chaplin-Fans waren.
Und plötzlich hatten wir richtig Spass.
Von London bis zum Tramp: Chaplins Welt zum Anfassen


Besonders spannend fand ich die nachgebauten Filmkulissen.
Unter anderem gibt es Szenen aus The Gold Rush, Modern Times und anderen bekannten Filmen.
Man kann durch die Kulissen laufen und bekommt ein Gefühl dafür, wie aus einfachen Bühnenbildern ganze Filmwelten wurden.

Auch Chaplins Kindheit wird thematisiert.
Er wuchs unter schwierigen Bedingungen in London auf. Sein Vater war Alkoholiker, seine Mutter psychisch krank.
Sein älterer Halbbruder Sydney spielte später eine wichtige Rolle in seinem Leben.
Wenn man diese Geschichte kennt, wirkt der spätere Erfolg Chaplins noch einmal ganz anders.
Aus einem schwierigen Start wurde einer der bekanntesten Künstler der Filmgeschichte.
Und dann wurde es plötzlich ziemlich makaber: Chaplins gestohlener Leichnam
Und jetzt kommt eine Geschichte, die man sich eigentlich kaum ausdenken könnte.
Chaplin starb am 25. Dezember 1977 und wurde auf dem Friedhof von Corsier-sur-Vevey beigesetzt.
Kaum zwei Monate später war er weg. Sein Sarg wurde aus dem Grab gestohlen.
Die Täter wollten von seiner Familie Lösegeld erpressen. Am 2. März 1978 wurde der Diebstahl entdeckt; im Mai fanden die Ermittler Chaplins Leichnam schliesslich in einem Feld bei Noville. Die beiden Täter wurden festgenommen.
Und damit die Sache nicht noch einmal passiert, wurde Chaplin anschliessend wieder beigesetzt – diesmal in einem verstärkten Betongrab.
Man könnte sagen:
Der Mann hatte selbst nach seinem Tod noch eine ziemlich bewegte Karriere.
Und dann gibt es noch eine besonders schräge Version der Geschichte:
Chaplins Witwe Oona soll zur geplanten Geldübergabe gefahren sein, während sich ein Polizist im Fussraum des Autos versteckte. Der Polizist soll unterwegs sogar erbrochen haben.
Eine wunderbare Geschichte. Allerdings ist diese Episode nicht belegt.
Aber ganz ehrlich: Sie passt verdammt gut zu dieser ohnehin schon absurden Geschichte.
Mein Fazit: Chaplin’s World kann mehr als Charlie Chaplin

Ich bin nach Chaplin’s World gefahren, weil unser eigentlicher Wanderplan im Schnee versunken war.
Meine Schwester und ich waren keine eingefleischten Chaplin-Fans.
Und trotzdem hat uns das Museum überrascht:
Das Manoir macht Chaplin als Menschen greifbar.
Der Park ist wunderschön.
Aber das Studio war für mich der eigentliche Knaller.
Dort wird aus einem Museum ein Erlebnis.
Und plötzlich versteht man auch, warum dieser Mann mit ein paar Kulissen, einem Stock, einem Hut und ziemlich viel Talent bis heute funktioniert.
Für mich war es jedenfalls ein ziemlich guter Plan B. Wir wollten eigentlich wandern.
Stattdessen landeten wir bei Charlie Chaplin. Mit Wanderschuhen 😅
Und zum Glück nicht auf der Moosalp mit Sommerreifen.
Corinna
🎬 Mein persönlicher Chaplin-Merksatz
🎩 Chaplin:
Kam ursprünglich ohne Worte aus. Ich dagegen hätte während unseres Tagesplans einiges zu erklären gehabt.
🌨️ Wetter:
Hat unsere Wanderung gestrichen. Ziemlich eigenmächtig, aber rückblickend nicht ganz falsch.
🏠 Manoir:
Mehr Familiengeschichte als Museum – und genau deshalb interessant.
🎬 Studio:
Der Moment, in dem zwei Nicht-Chaplin-Fans plötzlich ziemlich viel Spass hatten.
🚗 Sommerreifen:
Manchmal ist schlechtes Wetter einfach nur die elegante Art des Universums, einen besseren Plan vorzuschlagen.
⚰️ Der Sarg:
Selbst nach seinem Tod hatte Chaplin offenbar noch keine Lust auf einen ruhigen Lebenslauf.
🌊 Noch mehr Genfersee gefällig?
Wenn ihr nach Chaplin’s World noch nicht genug vom Genfersee habt, gibt es zum Glück noch ein paar Möglichkeiten, den Tag sinnvoll zu verlängern – also ohne gleich wieder auf die Moosalp zu müssen. 😉
🏰 Schloss Chillon am Genfersee – Mittelalter, Gefängniszellen und ziemlich viel Geschichte direkt am Wasser. Ein Ausflug, bei dem selbst eine Burgbesichtigung plötzlich spannend wird.
🌴 Montreux am Genfersee – Seepromenade, Palmen, Berge und ein bisschen Riviera-Gefühl. Die Schweiz kann offenbar auch Sommerferien.
🌼 Narzissenwanderung bei Glion – Wenn im Frühling die Narzissen oberhalb des Genfersees blühen, wird aus einer Wanderung schnell ein ziemlich kitschiges Postkartenmotiv. Aber eines, das man sich gerne gefallen lässt.
Drei Ausflüge, ein See – und deutlich bessere Chancen auf trockene Füsse als bei unserem ursprünglichen Wanderplan. 😄



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