Jungfraujoch erleben: Unser chaotischer Ausflug zum „Top of Europe“
- Corinna
- 5. Aug. 2022
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Das Jungfraujoch – auch bekannt als „Top of Europe“ – ist ein Klassiker unter den Schweizer Berg-Ausflügen. Egal, ob ihr die Gletscherwelt bestaunen, den Eiger erahnen oder einfach einmal die höchstgelegene Bahnstation Europas erleben wollt: Wir haben uns für euch ins Abenteuer gestürzt – und dabei jede Menge Orientierungslosigkeit, Chaos und Lacher gesammelt.
Immer wieder habe ich davon gehört: wie hoch, wie kalt und wie schön es dort oben sei. Und wie viele Touristen sich dort tummeln. Dennoch stand das Jungfraujoch nie auf meiner Prioritätenliste.
Ja gut, ich hatte im Sinn, es wenigstens einmal im Leben mit eigenen Augen zu sehen, doch ob das heute, morgen oder in ein paar Jahren sein sollte, spielte keine Rolle. Und falls es doch nicht dazu kommen sollte? Tja nun...


Der Gutschein – Chance für ein Abenteuer
Doch wie der Zufall so will: ich kam an einen Gutschein heran, so dass wir für die Fahrt nach oben nur noch die Hälfte zahlen mussten. Das bedeutete: nichts wie rauf auf den Berg! Mit einer Freundin verabredete ich mich für die vergangene Woche, den Weg ins ewige Eis zu unternehmen.
Und während ich mich um einen Hundesitter kümmerte und diesbezüglich meine Schwester und Schwägerin anfragte, kam die erstaunte Antwort zurück: 'Ja, und wir? Können wir da nicht mitkommen? Da wollten wir doch immer schon mal hoch, aber der Preis...'
Nun, da der Gutschein für vier Personen gültig war, stand dem ja nichts im Wege. Und für den Sitterdienst fand sich ein Kollege, der das übernahm.
Buchung und Orientierungslosigkeit
Die Freundin und ich machten uns also ans buchen, doch schon da stellte sich die Frage: sollen wir die klassische Variante mit dem Zug oder den Express Weg mit der Gondel nehmen?
Tja keine Ahnung...und wie sich später beim Ausflug selbst herausstellen sollte, hatten wir auch von vielen anderen Dingen keine Ahnung...Wir beschlossen auf gut Glück, die klassische Variante mit dem Zügli zu buchen, inkl. Sitzplatzreservation. Wer von uns hätte denn beurteilen können, was schöner wäre?


Gondelfahrt zum Eigergletscher
Schliesslich sassen wir in der Gondel, schwebten nach oben und genossen die Aussicht. Wir hatten auch eine wunderbare Aussicht auf ein grün-gelbes Zügli, das sich den Weg nach oben bahnte. Doch was hatten wir schon mit diesem Zug zu tun? Unserer wartete ja oben beim Eigergletscher!
Kaum dort oben angekommen, stellten wir fest: die nächste Abfahrtszeit stimmte nicht mit der auf unseren Tickets überein. Also hiess es erneut nachfragen. Der freundliche Mitarbeiter erklärte uns, dass wir erst auf den nächsten Zug müssten, doch auch hier stimmten die Zeiten nicht wirklich.
Was soll's, sagten wir uns und taten uns an Ovi und Cappuccino gütlich. Den Eiger konnten wir leider nicht sehen, denn der hüllte sich nicht nur in Schweigen, sondern auch in Wolken.

Verwirrung an der Station – Vom grünen zum roten Zug
Wir standen wieder in der Schlange, als die nette Dame meinte: „Falsche Station, Mädels!“ Aha, also vom grün-gelben ins rote Züglein wechseln – na, das hatten wir verpasst. Kein Problem, sie schaltete uns frei. Gerade kam ein weiterer Mitarbeiter: „Was macht ihr hier? Falscher Ort!“ Äh… na ja…



Vom Eismeer zum Jungfraujoch
Wie dem auch sei, endlich sassen wir im roten Zug und fuhren los. Aussicht zwischen den Stationen Eigergletscher und Jungfraujoch gleich null, denn die ganze Strecke spielt sich im Tunnel ab.
Ich muss zugeben, dass auch das niemand von uns wusste. Doch auf einmal gab es ein Ruckeln und der Zug hielt. 'Eismeer: 5 Minuten Aufenthalt!' rauschte es aus den Lautsprechern. Zu zweit hüpften wir also raus, liefen der Masse nach und tatsächlich: eine eisige Welt tat sich vor uns auf.
Es war beeindruckend, wir machten Fotos und wussten nicht, um welche Berge es sich dabei genau handelte. Und selbst, wenn mir jemand die Berge genannt hätte, ich hätte sie bereits beim Einsteigen wieder vergessen.


Weiter ging es im Zug durch den Tunnel bis hoch hinauf zum Jungfraujoch. Auch hier liefen wir einfach mit der Menge mit und erkundeten, was es zu erkunden gab.
Ihr könnt es euch vielleicht wie einen Rundgang auf dem Berg vorstellen: es gibt einiges zu besichtigen, die Aussicht auf den Aletschgletscher und Umgebung ist allemal fantastisch.

Alpine Sensation
Doch beginnen wir mit der Alpine Sensation. Ein Rundgang, der mit einer überdimensionierten Schneekugel beginnt und im 250 Meter langen Gang anhand von Bildern davon zeugt, welche Opfer, die Bergarbeiter brachten, um all dies hier zu erschaffen. Gedenktafeln erinnern mit Namen an einzelne von ihnen.
Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie die Männer hier geschuftet und gelitten haben müssen.



Eispalast und Scrat mittendrin
Weiter ging es zum Eispalast: im künstlich angelegten Gletscherstollen besichtigten wir auf einem Rundgang verschiedene Skulpturen aus Eis. Der Stollen wurde in den 1930er von Bergführern mit Pickeln und Säge erschaffen.
Während sie undermüdlich daran schufteten, entstanden spiegelglatte Gänge und Hallen, auf deren Böden wir heutzutage vorsichtig herumgehen, resp. rutschen.

Sphinx-Terrasse – Atemberaubende Aussicht und ein kleiner Zwischenfall
Unser Weg führte uns aus dem Berg raus auf die Sphinx-Terrasse. Mit einem rasend schnellen Lift waren wir oben – angenehme Temperaturen, Sonne, wolkenverhangenes Tal.
Die Aussicht? Atemberaubend: Aletschgletscher, Jungfraujoch, der Mönch – alles lag uns quasi zu Füßen.
Doch es blieb nicht ganz ruhig: Auf dem Gitter übergab sich ein junger Kerl, vermutlich wegen der Höhe – unser aller Mitleid hatte er sofort.
Trotzdem: das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass man das Jungfraujoch einmal im Leben selbst gesehen haben muss!





Gletscherplateau – Noch näher an den Alpen
Und dann ging es gleich nochmals an die frische Luft, und zwar auf das Gletscherplateau. Von hier aus konnten wir ebenfalls den Aletsch, Mönch und das Jungfraujoch sehen. Näher als von hier kommt man nicht mehr ran. Ausserdem konnten wir auch die Station Jungfraujoch aus der Distanz betrachten.



Was wir nicht besichtigt haben, ist die Mönchsjochhütte. Ein Fussmarsch von etwa zwei Stunden hin und zurück führt zur höchstgelegenen bewarteten Berghütte der Schweiz. Doch auch die ist bestimmt einen Aufenthalt wert.

Lindt-Schokolade und Souvenirs
Bevor wir uns auf den Rückweg gemacht haben, schauten wir noch kurz in der Lindt Schokolade Ausstellung und Shop vorbei, und natürlich gab es noch einen Sack voll 'Schoggikugle'.
Rückfahrt und Orientierungshürden
Schliesslich ging es auf den Rückweg und wir rätselten kurz, in welche Richtung der Zug wohl fahren würde. Der nette Schaffner fragte daraufhin: ' Was sehen sie dort, in dieser Richtung?' Antwort Freundin: 'Äh, den Tunnel?' Schaffner: ' Falsch! Das ist das Ende des Tunnels, da fährt nichts mehr durch.'
Na, damit war die Fahrtrichtung geklärt...wie gesagt, wir hatten keine Ahnung wo es langgeht und haben unsere Orientierung bis zum Schluss nicht gefunden.



Und der Eiger? Immer noch unsichtbar
Wie auch immer, mit dem roten Zügli erreichten wir schliesslich die Kleine Scheidegg, machten dort kurz Rast und mussten erst mal nachfragen, wo denn nun der Eiger ist.
Und da sahen wir den Eiger endlich...Nicht! Immer noch in Wolken gehüllt stand er vor uns, irgendwo da im nirgendwo...aber das grün-gelbe Züglein, das haben wir gefunden und ....tadaa, haben es zum Abschluss auch noch geschafft in Grindelwald an einer falschen Station auszusteigen.
Na ja, man kann nicht alles haben im Leben: einen tollen Ausflug und erst noch die Orientierung zu haben.
Wie sagte es meine Schwägerin treffend? 'Was für eine verpeilte Frauentruppe!'
Corinna
Kurz und gut – oder: Was wir auf dem Jungfraujoch gelernt haben
🚞 Jungfraujoch – Wenn der Plan schon im Tal verloren geht
Das Abenteuer startet beim Terminal Grindelwald. Klingt nach Flughafen, ist aber ein Mix aus Parkhaus, Gondelstation, Shops und Bahnhof. Von hier aus geht’s entweder mit der Gondel oder mit dem Zug weiter Richtung ewiges Eis. Klingt einfach. Ist es theoretisch auch.
🚠 Die Gondel zum Eigergletscher
Die Gondel bringt euch in etwa 15 Minuten hoch zum Eigergletscher. Zeit genug, um die Aussicht zu geniessen – oder um sich zu fragen, ob man eigentlich im richtigen Verkehrsmittel sitzt. Wir haben vorsichtshalber einfach mal die Landschaft angeschaut.
🚞 Das Zügli – grün-gelb und ziemlich wichtig
Das berühmte grün-gelbe Züglein startet in Grindelwald Grund. Dort kommt es auch wieder an. Wichtig zu wissen: Grund liegt nur etwa 4 Gehminuten vom Terminal entfernt. Praktisch – besonders für Leute, die gerne mal an der falschen Station aussteigen. (Fragt nicht.)
🚞 Der rote Zug zum Jungfraujoch
Am Eigergletscher oder auf der Kleinen Scheidegg steigt man in den roten Zug um. Der fährt dann größtenteils durch den Berg bis zum Jungfraujoch. Aussicht währenddessen: eher so Tunnel-Chic.
❄️ Eismeer – 5 Minuten Staunen
Plötzlich hält der Zug im Berg und eine Stimme sagt:„Eismeer – 5 Minuten Aufenthalt.“ Alle springen raus, rennen zum Fenster und fotografieren wie wild. Welche Berge man da genau sieht? Keine Ahnung. Aber beeindruckend ist es trotzdem.
🧊 Eispalast – Vorsicht, Rutschgefahr!
Im Eispalast läuft man durch glatte Eisgänge und Skulpturen aus Eis. Unser persönliches Highlight: Scrat aus Ice Age, der immer noch verzweifelt seiner Eichel hinterherjagt.
🤢 Sphinx-Terrasse – Aussicht mit Nebenwirkung
Die Aussicht auf Aletschgletscher, Mönch und Jungfraujoch ist schlicht spektakulär. Für einen jungen Besucher allerdings etwas zu spektakulär: Er übergab sich direkt auf dem Gitter. Vermutlich Höhenluft. Unser Mitgefühl hatte er sofort – auch wenn wir gleichzeitig versuchten, nicht hinzuschauen.
☕ Ovi & Cappuccino – wenn der Eiger nicht will
Der Eiger war bei unserem Besuch eher schüchtern und versteckte sich konsequent in den Wolken. Zum Glück gibt’s oben heisse Schokolade und Cappuccino. Flüssige Motivation hilft bekanntlich gegen alles.
🚞 Rückfahrt – Achtung, Stations-Falle
Steigt man nicht in Grindelwald Grund aus, landet man automatisch in Grindelwald Dorf. Kann man machen. Muss man aber nicht. Vor allem nicht, wenn das Auto noch beim Terminal steht.
🧭 Orientierung – überbewertet
Wir haben sie irgendwann einfach aufgegeben. Stattdessen sind wir der Masse gefolgt, haben freundliche Mitarbeitende gefragt und einmal auch auf eine Wanderin gehört. Sagen wir mal so: Die Frau war genauso informiert wie wir.
🧡 Fazit des Tages
Das Jungfraujoch ist absolut sehenswert – selbst wenn
der Eiger unsichtbar bleibt
man zwischendurch nicht weiss, wo man ist
jemand auf der Aussichtsterrasse schlecht wird
und man am Ende im falschen Ort aussteigt.
Oder wie meine Schwägerin es perfekt zusammenfasste:
„Was für eine verpeilte Frauentruppe!“



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