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Narzissenwanderung bei Glion: Auf der Suche nach dem berühmten «Maischnee» am Genfersee

8. Mai
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept.


📍Ort / Region: Glion & Caux oberhalb von Montreux, Waadtland


Start / Ziel: Glion

Distanz: ca. 8–9 km

Dauer: ca. 3 Stunden

Höhenmeter: ca. 350 m, mehrere steilere Abschnitte


Schwierigkeit: Leicht bis Mittel (T1 - T2)


Familienfreundlich: Ja – für wandererfahrene Kinder gut geeignet, jedoch nicht für Kinderwagen.


Route: Glion – Caux – Waldwege – Route des Avants – Glion


Beste Reisezeit: Mai bis Anfang Juni (je nach Narzissenblüte)


Blütenticker: Vor der Wanderung unbedingt den aktuellen Blütenticker prüfen: Narzissen-Blütenticker Montreux Riviera


Anreise ÖV: Zug bis Montreux

Zahnradbahn Montreux → Glion: ca. 9 Min.

Weiterfahrt möglich über Caux bis Rochers-de-Naye: ca. 50 Min.


Fahrplan & Infos zur Zahnradbahn:


Anreise Auto: Parkieren in Glion, Blaue Zone u.a. an der Route du Bugnon, nur wenige Parkplätze verfügbar.

Oder gleich beim Bahnhof in Montreux.


Tipp: Die Wanderung lässt sich perfekt mit einem Ausflug nach Montreux, dem Rochers-de-Naye oder den Gorges du Chauderon kombinieren.



Narzissenwanderung bei Glion oberhalb des Genfersees


Aussicht während der Narzissenwanderung Glion - Caux oberhalb von Montreux auf den Genfersee.
Aussicht während der Narzissenwanderung Glion - Caux oberhalb von Montreux auf den Genfersee.

Heute nehme ich euch mit auf die Narzissenwanderung bei Glion oberhalb von Montreux. Dorthin, wo im Frühling angeblich ganze Hänge weiss leuchten und die wilden Narzissen den Bergen den Spitznamen «Maischnee» eingebracht haben.

Klingt romantisch? Ist es auch.


Zumindest theoretisch.


Denn bevor wir überhaupt losliefen, wurde erst einmal intensiv der Blütenticker studiert. Ja, wir gehörten diesmal zu den vernünftigen Menschen. Nicht einfach blind losfahren und hoffen, dass irgendwo ein paar Blümchen auftauchen.


Es gibt mehrere Narzissen-Rundwege oberhalb des Genfersees, doch wir entschieden uns für die Runde ab Glion, denn hier stehen die Narzissen dieser Tage in voller Blüte.


Mein ursprünglicher Plan war natürlich wieder komplett überladen: Auto in Montreux beim Bahnhof parkieren, mit der Zahnradbahn hochfahren, vielleicht noch auf den Rochers-de-Naye, danach womöglich via Gorges du Chauderon zurück nach Montreux wandern.


Also so ein typischer Wanderplan, den man euphorisch zuhause schmiedet und unterwegs merkt: «Vielleicht etwas optimistisch.»


Das Wetter machte uns die Entscheidung dann zum Glück leicht. Der Rochers-de-Naye steckte komplett in den Wolken und sah aus, als hätte ihn jemand ausradiert. Die Gorges du Chauderon wirkten bei grauem Himmel auch nur halb so verlockend.


Also hörte ich auf meine Freundin – was meistens keine schlechte Idee ist – und wir fuhren direkt mit dem Auto nach Glion.


Und tatsächlich: Wir fanden sogar noch einen Parkplatz in der blauen Zone. Gefühlt bereits das erste Tageshighlight.



Unterwegs auf dem Narzissenweg Glion - Caux



Kaum hatten wir den ersten Wegweiser entdeckt, ging es los. Und zwar direkt bergauf. Was sonst. Denn der Narzissenweg ab Glion beginnt wie (fast) jede Schweizer Wanderung: steil.


Der Weg führte zuerst durch das Dorf Glion, vorbei an den Häusern, steilen Gassen und immer wieder diesen typischen Ausblicken auf den Genfersee, bei denen man automatisch langsamer läuft. Nicht nur wegen der Aussicht. Auch wegen dem Schnaufen.


Die Route war glücklicherweise gut ausgeschildert. Immer wieder tauchten die kleinen Wegweiser zum Narzissenweg auf und bestätigten uns: Ja, ihr schnauft zwar bereits ordentlich, seid aber noch richtig unterwegs.


Zwischendurch kreuzten wir immer wieder die Strasse Richtung Caux und kämpften uns über einige knackige Abschnitte nach oben. Nicht wahnsinnig lang, aber genau steil genug, dass wir dazwischen verstummten.



Erste Narzissenfelder bei Glion oberhalb von Montreux


Und dann war es endlich soweit: Unsere erste Narzissenwiese.

Also… zumindest laut Schild.


Denn die Blumen standen ziemlich weit entfernt hinter einem Zaun. Hätte dort nicht ausdrücklich gestanden, dass dies ein geschütztes Narzissenfeld sei, hätten wir vermutlich diskutiert, ob das nun Narzissen oder einfach irgendwelche anderen weissen Blumen sind.


Meine Freundin freute sich trotzdem riesig. Bei ihrem letzten Besuch hatte sie nämlich exakt null - oder waren's ein paar wenige? - Narzissen gesehen.


Der Klassiker: zur falschen Zeit gekommen und den Blütenticker ignoriert.

Ja ja. Anfängerfehler.



Die Geschichte der Narzissenfeste in Montreux


Wilde Narzissen auf dem Narzissenweg Glion oberhalb von Montreux.
Wilde Narzissen auf dem Narzissenweg Glion oberhalb von Montreux.

Früher wurden hier Narzissenfeste gefeiert - und die Blumen kiloweise gepflückt. Heute sind die Narzissen geschützt und viele Wiesen umzäunt. Das hat seinen Grund.


Denn früher wurde hier oben nicht einfach nur gewandert – die Narzissen waren eine regelrechte Touristenattraktion. Bereits im 19. Jahrhundert reisten Besucher zuhauf an die Waadtländer Riviera, um den berühmten «Maischnee» zu bestaunen.


Zwischen 1897 und 1957 fanden in Montreux sogar die legendären Narzissenfeste statt. Mit Blumencorsos, Musik, geschmückten Wagen und grossen Festen in Belle-Époque-Manier.


Damals wurden die Narzissen allerdings auch kisten- und büschelweise gepflückt. Die Blumen wurden verkauft, verschenkt und als Souvenir mitgenommen.


Und leider sieht man die Folgen: Die Narzissenwiesen werden seit Jahrzehnten weniger. Intensivere Landwirtschaft, Verwaldung und Überbauung setzen ihnen zu.

Umso schöner, dass man sie überhaupt noch entdecken kann.



Wanderung durch Caux und die Wälder oberhalb des Genfersees


Links die Strasse von Glion nach Caux, rechts der Weg, den wir hochkamen.
Links die Strasse von Glion nach Caux, rechts der Weg, den wir hochkamen.

Der Weg führte weiter Richtung Caux. Mal gemütlicher, aber häufiger überraschend steil. Obwohl die Wanderung insgesamt keine extremen Höhenmeter hat, bringen einen die kurzen steilen Stücke ordentlich aus der Puste.


Dafür gab es unterwegs immer wieder fantastische Ausblicke auf den Genfersee und die historischen Chalets der Gegend. Einige restauriert, andere eher Kategorie «wenn Wände reden könnten».


In Caux folgten wir den Wegweisern unterhalb des mondänen Belle-Époque-Hotels Palace vorbei direkt wieder in den Wald hinein.


Und plötzlich wurde alles ruhig. Kein Verkehr mehr. Nur Vogelgezwitscher, Wind in den Bäumen und unser Geplauder.


Ein ehemaliges Mayen, dem Zerfall preisgegeben.
Ein ehemaliges Mayen, dem Zerfall preisgegeben.

Ob Schuh oder...
Ob Schuh oder...
... verrostete Backform: hier wurde mal gelebt und gearbeitet.
... verrostete Backform: hier wurde mal gelebt und gearbeitet.

Genau diese Art von Weg, bei dem man irgendwann automatisch langsamer läuft.

Nach einer Weile entdeckten wir mitten im Wald ein verfallenes Gebäude. Ein umgestürzter Kamin, alte Gegenstände, ein Stall – und irgendwo hing tatsächlich noch ein einzelner Schuh am Gebälk.


Offenbar handelte es sich um eines der alten «Mayens», typische Alphütten aus früheren Zeiten. Hier wurde im Sommer Käse gemacht, Vieh gehalten und gelebt, bevor der Tourismus boomte und viele dieser Hütten aufgegeben wurden. Und der Wald das Weideland zurückeroberte.



Wilde Narzissen im Wald bei Glion entdecken (Narzissenweg)


Kurz darauf entdeckten wir dann endlich ein kleineres Feld direkt am Weg – diesmal ohne Zaun. Und plötzlich war er da, dieser berühmte «Maischnee».


Keine riesige Postkartenkulisse. Kein übertriebenes Spektakel. Sondern einfach ein wunderschöner weisser Blütenteppich mitten im Wald.

Dazu dieser intensive Duft und die Ruhe ringsum.


Genau für solche Momente liebt man Frühlingswanderungen.



Weitere Narzissenfelder auf der Route des Avants


Auf der Route des Avants mit Aussicht auf den Genfersee.
Auf der Route des Avants mit Aussicht auf den Genfersee.

Später, zurück auf der Route des Avants, hatten wir plötzlich wieder diesen Duft in der Nase.


Kennt ihr das, wenn man etwas riecht und sofort weiss: «Da muss irgendwo etwas blühen»?


Ein paar Schritte später entdeckten wir unterhalb des Weges tatsächlich ein weiteres Narzissenfeld. Allerdings auch dieses wieder fein säuberlich umzäunt.


Ein kleines bisschen frustrierend war das schon, aber verständlich. Vor allem für meinen inneren Fotografen, der natürlich sofort dieses perfekte Bild vor Augen hatte: weisse Narzissen im Vordergrund, dahinter der tiefblaue Genfersee. Aber es sollte nicht sein.


Aber immerhin: Der Duft war unglaublich. Und die Wiesen sahen trotz Zaun wunderschön aus.



Fazit zur Narzissenwanderung bei Glion oberhalb von Montreux



Die Narzissenwanderung bei Glion ist eine wunderschöne Frühlingstour mit tollen Ausblicken auf den Genfersee, ruhigen Waldwegen, spannender Geschichte und einer grossen Portion Belle-Époque-Atmosphäre.


Allerdings muss ich ehrlich sagen: Ich hatte mir die berühmten Narzissenfelder teilweise noch etwas spektakulärer und vor allem grösser vorgestellt.


Ja, wir haben Narzissen gesehen. Und ja, sie waren wirklich wunderschön. Aber dieses riesige weisse Blütenmeer, das man manchmal auf Bildern sieht, blieb für uns eher aus.


Und ein kleines bisschen enttäuscht war ich auch darüber, dass ich kein einziges Narzissenfeld fotografieren konnte, bei dem gleichzeitig der Genfersee im Hintergrund zu sehen war. Aber man kann nicht alles haben, nicht wahr?


Aber vielleicht ist genau das der perfekte Grund, irgendwann nochmals zurückzukommen – mit besserem Timing, etwas mehr Sonne und hoffentlich noch mehr «Maischnee».



Corinna



🌼 Persönliches Wanderfazit


🌸 Narzissen-Status:

Sie waren definitiv da – aber eher in der Kategorie „charaktervolle Einzelauftritte“ als „Blüten-Blockbuster“. Manchmal musste man sie ein bisschen suchen… was dem inneren Entdecker aber natürlich sofort wieder Sinn im Leben gegeben hat. 😉


😮‍💨 Schnauf-Faktor (wichtigste Disziplin des Tages):

Die Beine haben sich erstaunlich unauffällig verhalten. Ganz anders die Lunge: Die hatte auf den steilen Passagen kurz das Gefühl, sie sei für eine Bergtour angemeldet worden, nicht für eine Blumenwanderung. 😅


🏚️ Mayen-Überraschung im Wald:

Mitten im Grünen plötzlich dieses verlassene Mayen – inklusive Kamin, Stall-Vibes und leichtem „Lost Place im Alpenstil“-Feeling. Ein unerwartetes Highlight mit mehr Drama als die Narzissen selbst. 🏚️✨


🏡 Chalet-Kontraste deluxe:

Von liebevoll gepflegten Belle-Époque-Schmuckstücken bis zu charmant verwitterten „Hier wohnt vermutlich nur noch der Wind“-Häusern war alles dabei. Die Region hat definitiv ihren eigenen architektonischen Charakter – irgendwo zwischen Postkarte und Zeitreise. 😄


🌿 Gesamteindruck unterwegs:

  • Blüten: schön, aber zurückhaltend 🌸

  • Lunge: aktiv im Einsatz 😮‍💨

  • Beine: entspannt im Hintergrund 😌

  • Chalets & Mayen: heimliche Stars der Tour 🏡🏚️


📷 Fazit mit erstaunlich entspannten Beinen:

Keine überbordende Narzissen-Explosion, eher eine Wanderung der kleinen Momente – mit überraschenden Blicken, etwas Lungen-Workout und genau der richtigen Portion „ach, doch schön hier“. 😉



Weitere Erlebnisse am Genfersee nach der Narzissenwanderung


Wenn du nach der Narzissenwanderung bei Glion noch nicht genug vom Genfersee hast, lohnt es sich, den Tag in der Region ein bisschen zu verlängern. Rund um Montreux warten nämlich gleich mehrere sehr unterschiedliche, aber perfekt passende Ausflugsziele – je nach Lust auf Entspannung, Aussicht oder Kultur.


🌴 Montreux – Spaziergang an Uferpromenade und Altstadt

Ein entspannter Spaziergang entlang der Seepromenade von Montreux ist der perfekte Kontrast zur Wanderung oberhalb der Narzissenhänge. Palmen, Blumenbeete, Seeufer und die Aussicht auf die Berge sorgen hier für echtes Riviera-Gefühl.


🏰 Schloss Chillon – Geschichte direkt am Wasser

Nur wenige Minuten von Montreux entfernt liegt eines der bekanntesten Schlösser der Schweiz direkt am Seeufer. Perfekt für einen kurzen, aber eindrucksvollen Abstecher mit mittelalterlicher Atmosphäre und Fotospots direkt am Wasser.


🎭 Vevey – Chaplin’s World als Kultur-Ausklang

Wer nach Natur und Aussicht noch Lust auf einen kulturellen Kontrast hat, findet in Vevey ein spannendes Ausflugsziel rund um Charlie Chaplin. Ideal für einen halben oder ganzen Tag abseits der Wanderwege.




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