Wanderung Männlichen – Kleine Scheidegg: Wenn eine Wanderung zur Wasserschlacht wird
📍 Ort / Region: Jungfrau Region, Berner Oberland
Start: Männlichen, Bergstation
Ziel: Kleine Scheidegg
Distanz: ca. 6 km
Dauer: ca. 1,5–2 Stunden reine Wanderzeit
Höhenmeter: ca. 150–200 hm Abstieg
Schwierigkeit: Leicht (T1)
Trittsicherheit: Nicht besonders anspruchsvoll. Bei Regen können die Wege rutschig und matschig sein – gutes Schuhwerk ist empfehlenswert.
Schwindelfreiheit: Nicht erforderlich
Familientauglichkeit: Grundsätzlich gut geeignet. Bei schlechtem Wetter sollte man allerdings auf nasse und rutschige Wegabschnitte achten.
Route: Männlichen – Ostflanke Tschuggen – Panoramaweg – Kleine Scheidegg
Beste Reisezeit: Juni bis Oktober – je nach Wetter und Wegverhältnissen
Anreise ÖV:
Mit dem Zug nach Grindelwald Terminal. Von dort geht es mit der Gondelbahn direkt auf den Männlichen.
Anreise Auto:
Beim Grindelwald Terminal stehen Parkplätze zur Verfügung. Von dort Weiterfahrt mit der Gondelbahn auf den Männlichen.
Rückfahrt: Von der Kleinen Scheidegg geht es mit der Wengernalpbahn nach Grindelwald oder Lauterbrunnen zurück.
Einkehr unterwegs:👉 Berghaus Männlichen
Einkehr am Ziel:👉 Chalet Bar Kleine Scheidegg
Wanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg bei Regen – kann das gut gehen?

Es gibt Wanderungen, da stimmt einfach alles: blauer Himmel, Sonnenschein, klare Bergluft und ein Panorama, bei dem man alle fünf Minuten stehen bleibt und staunt.
Und dann gibt es die Wanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg bei Regen.
Bei der der Nebel die Berge verschluckt, die Kleidung schäumt, fremde Menschen ihre Kinder in Abfallsäcke einwickeln und man irgendwann freiwillig in Pfützen springt.
Diese Wanderung war nicht perfekt.
Sie war besser.
Nämlich eine der lustigsten Wanderungen, die ich je gemacht habe.
Wanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg – eine Panorama-Wanderung mit wenig Panorama
Wochenlang hatte es in der Schweiz kaum geregnet. Ein Gewitter hier, ein paar Tropfen dort – ansonsten herrschte wettermässig ungefähr Sahara.
Und ausgerechnet für den Tag unserer Wanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg waren 50 Prozent Regen angesagt.
Für mich bedeutet das: 50 Prozent Regen. Und 50 Prozent Chance, dass die Wettervorhersage keine Ahnung hat.
Ich entschied mich für Variante zwei.
Meine Schwester offenbar nicht.
Sie stand pünktlich um sieben Uhr vor meiner Tür – mit Wechselkleidung.
Respekt.
Ich hätte daran vermutlich erst gedacht, wenn ich bereits bis zum Bauchnabel nass gewesen wäre.
Also ebenfalls trockene Sachen eingepackt und los ging's.
Auf dem Männlichen beginnt der Regen

In Grindelwald angekommen: kein Regen. Ha! Ich wusste es doch.
Wir stiegen in die Gondel Richtung Männlichen. An der Mittelstation fielen die ersten Tropfen.
Oben regnete es. Der Wind würde die paar Tropfen schon wegblasen. Dachte ich jedenfalls.
Spoiler: Tat er nicht.
Männlichen im Regen und Nebel – mystische Stimmung statt Postkartenpanorama


Wir kannten den Männlichen von unserer Winterwanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg. Damals: Schnee, klare Bergwelt, Postkartenpanorama.
Heute: Nebel, Wolken und Regen.
Immer wieder verschwanden die Berge. Kuhglocken bimmelten irgendwo im Grau und plötzlich standen Kühe vor uns, die offenbar ebenfalls keine Lust auf Sicht hatten.
Es war beinahe mystisch.


Wir stiegen zur Aussichtskrone.
Eiger, Mönch, Jungfrau, Lauterbrunnental und Thunersee?
Nun ja. Nebel.
Aber wir wussten: Das Wetter kann sich hier innerhalb von Sekunden ändern.

Und tatsächlich tauchte plötzlich das Lauterbrunnental auf.
Ein paar Sekunden später war es wieder verschwunden.
Der Thunersee blieb konsequent unsichtbar.
Dann begann es richtig zu schütten.
Wir standen trotzdem da und knabberten mit nassen Händen Nüsse.
Denn eines war inzwischen klar:
Nasser konnten wir sowieso nicht mehr werden.
Der Panoramaweg vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg – bei schönem Wetter kann das jeder

Wir wollten weiter auf dem Panoramaweg vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg.
Normalerweise eine der schönsten Wanderungen im Jungfraugebiet, mit Blick auf Grindelwald sowie Eiger, Mönch und Jungfrau.
Heute war das Panorama ein Überraschungsei. Mal da. Mal weg.
Immerhin waren kaum andere Wanderer unterwegs.
Und da waren wir uns einig:
Bei schönem Wetter kann schliesslich jeder. Wir gehörten heute zur Hardcore-Fraktion.
Wobei die erstaunlich fröhlich war. Alle grinsten. Wir grinsten zurück.
Vermutlich verband uns etwas. Nicht die Aussicht. Die Nässe.
Die Familie mit den Abfallsack-Gamaschen

Dann kam uns eine dreiköpfige Familie entgegen.
Ich sah zunächst zwei schwarze Hunde.
Meine Schwester wunderte sich über die vermeintlichen Gamaschen der Tochter.
Dann erkannten wir die Wahrheit: Schwarze Abfallsäcke.
Die Eltern versuchten verzweifelt, ihrer Tochter Plastiksäcke um die Beine zu binden, damit sie trocken blieb.
Der Einsatz war beeindruckend. Der Nutzen weniger.
Denn wenn es von oben, vorne und irgendwann gefühlt auch von unten regnet, helfen weder Hightech-Membran noch Abfallsack.
Nass ist nass.
Und wir waren inzwischen ebenfalls ziemlich sicher, dass unsere Wanderkleidung nicht wasserfest war.
Wenn die Wanderkleidung plötzlich schäumt


Während wir weiterliefen, begann meine Schwester plötzlich zu schäumen.
„He! Ich schäume!“
„Wo?“
Sie hob die Arme. Tatsächlich: Unter ihren Armen bildeten sich Schaumblasen.
Wer beim letzten Waschgang wohl etwas grosszügig mit dem Waschpulver gewesen war? Wer wohl?
Ich sage nur: Nicht meine Waschmaschine.
Während ich mich noch halb totlachte, begann es bei mir ebenfalls.
Wir schäumten beide. Mitten in den Berner Alpen.
Andere Wanderer hatten Funktionskleidung. Wir hatten Schaumbad.
Regenwanderung im Jungfraugebiet – irgendwann ist einfach alles egal

Immer wieder öffnete sich der Nebel und gab den Blick Richtung Grindelwald frei. Auch Eiger, Mönch und Jungfrau liessen sich gelegentlich blicken.
Nur kurz. Gerade lange genug für ein: „Da!“
Dann waren sie wieder weg.
Und irgendwo dort oben liegt auch noch das Jungfraujoch – heute allerdings ebenfalls bestens vor uns versteckt.
Die Landschaft wirkte im Regen völlig anders als bei unserer Winterwanderung. Mystisch, still und irgendwie unwirklich.
Und ich stelle mir vor, wie fantastisch diese Wanderung an einem schönen Sommertag sein muss: blauer Himmel, grüne Wiesen, freie Sicht.
Vielleicht erleben wir das irgendwann.
Meine Schwester begann vor sich hin zu schimpfen.
Ich hatte eine bessere Idee. Wenn sowieso alles nass ist, kann man auch gleich Spass haben.
Also sprang ich in eine Pfütze.
Platsch.
Meine Schwester lachte.
Dann sprang sie mit.
Hand in Hand ging es durch die nächste. Und die nächste.
Wir waren wieder 'Goofen'. Nur mit mehr Lebenserfahrung und schlechteren Gelenken.
„Du hattest doch eine Alternative!“

Irgendwann fiel meiner Schwester wieder ein, dass sie mir am Vortag eine Nachricht geschickt hatte.
Ob ich wegen des schlechten Wetters nicht eine alternative Wanderung hätte.
Meine Antwort war: Ja.
Ich hatte sogar ChatGPT gefragt und eine konkrete Alternative bekommen.
Nur hatte ich ihre Nachricht nicht gelesen. Und sie hatte am Morgen nichts mehr davon gesagt.
Somit standen wir nun also mitten im Regen auf dem Panoramaweg.
Tropfnass und schäumend. Mit nassen Unterhosen.
Und mit einer trockenen Alternativwanderung irgendwo in meinem Nachrichtenverlauf.
Die Reaktion meiner Schwester behalte ich lieber für mich.
Sagen wir einfach: Ich möchte gern weiterhin mit ihr wandern gehen. 😉
Kleine Scheidegg erreicht – das eigentliche Ziel heisst Pommes


Nach rund eineinhalb Stunden erreichten wir die Kleine Scheidegg.
Unser eigentliches Ziel? Die Chalet Bar Kleine Scheidegg. Genauer: Die Pommes.
Wir hatten sie beim letzten Besuch gegessen und waren seitdem davon überzeugt, dass sie göttlich sind.
Tropfnass betraten wir die Bar. Ein Gast sah uns und lachte. Verständlich.
Wir sahen vermutlich aus, als wären wir gerade aus einem See gestiegen.
Mit einem kräftigen Schmatzen der nassen Hosen setzten wir uns.
Vor uns: Pommes. Neben uns: Wärme. Unter uns: Nasse Bänke.
Die Kleidung trocknete natürlich kaum.
Aber egal.
Die Pommes waren wieder göttlich.
Von der Kleinen Scheidegg zurück nach Grindelwald – das schönste Kleidungsstück des Tages
Nach der Pause ging es mit der Scheidegg-Bahn zurück nach Grindelwald.
Von Grindelwald Grund liefen wir direkt ins Parkhaus.
Dann kam der schönste Moment des Tages: Das Ausziehen der nassen Kleidung. Also alles weg: Jacke, Hose, Shirt, Socken. Und ja: auch der Schlüppi.
Der nasse Schlüppi durfte endlich in die ewigen Jagdgründe der Wanderwäsche eingehen.
Einen neuen gab es allerdings nicht. Soweit hatten wir morgens dann doch nicht gedacht.
Manchmal ist Luxus eben relativ. Trockene Hose, trockenes Shirt, trockene Socken – und untenrum ein Hauch von Freiheit, haha.
Mein Fazit zur Wanderung Männlichen – Kleine Scheidegg: Manchmal muss man einfach nass werden

Diese Wanderung hat mir einmal mehr gezeigt, dass eine Wanderung nicht perfekt sein muss, um unvergesslich zu werden.
Der Männlichen im Nebel und Regen hatte etwas Mystisches.
Die Landschaft wirkte völlig anders als im Winter – und bestimmt auch anders als an einem sonnigen Sommertag.
Den werden wir irgendwann noch erleben.
Aber vielleicht wäre es schade gewesen, diese Wanderung nur bei Sonnenschein zu machen.
Denn so bleiben uns Nebelschwaden, auftauchende Kühe, verschwundene Berge, eine Familie mit Abfallsack-Gamaschen, Schaum unter den Armen, Pfützen und zwei völlig durchweichte Wanderinnen.
Und natürlich die Pommes. Vor allem die Pommes.
Es war eine der lustigsten Wanderungen, die ich je gemacht habe.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis:
Manchmal muss man einfach aufhören, sich über den Regen zu ärgern – und anfangen, hineinzuspringen.
Scheiss aufs Wetter. Scheiss auf die 50 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Und scheiss auf die nasse Unterhose.
Die kann man schliesslich wechseln.
Corinna
🥾 Noch mehr Wanderlust rund ums Lauterbrunnental
🌊 Lauterbrunnental & Wasserfälle
Wer das Lauterbrunnental lieber trockenen Fusses erkunden möchte, findet in meinem Ausflug ins Lauterbrunnental Staubbachfall, Trümmelbachfälle und jede Menge Wasserfälle.
🏔️ Sefinental & Chilchbalm
Wer es etwas ruhiger und ursprünglicher mag, sollte ins Sefinental zur Chilchbalm wandern. Wildes Tal, alpine Landschaft und ganz viel Bergkino – und deutlich weniger Menschen als rund um Lauterbrunnen.
❄️ Männlichen im Winter
Du willst wissen, wie dieselbe Wanderung aussieht, wenn statt Regen Schnee vom Himmel fällt? Dann geht es hier zur Winterwanderung vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg.
🚞 Noch höher hinaus Jungfraujoch
Wenn dir Eiger, Mönch und Jungfrau auf dieser Wanderung noch nicht hoch genug sind, geht es hier zum Jungfraujoch – dort wird dann endgültig klar, dass die Berge auch ohne Regen beeindruckend sein können.
💦 Mein ganz persönliches Wanderfazit
🌧️ Wetter:
Katastrophal. 50 % Regenwahrscheinlichkeit laut Wetterbericht – gefühlt 150 % in der Realität.
😂 Unterhaltungswert:
Grandios. Selten so viel gelacht und gleichzeitig so viel Wasser geschluckt.
🌫️ Bergpanorama:
Eiger, Mönch und Jungfrau waren da. Ganz bestimmt. Sie hatten nur keine Lust, länger als ein paar Sekunden sichtbar zu bleiben.
🫧 Waschpulver-Kontakt:
Unfreiwillig intensiv. Wenn die Wanderkleidung plötzlich schäumt, weiss man: Da war beim Waschen jemand etwas grosszügig.
🗑️ Outdoor-Ausrüstung:
Wenn schwarze Abfallsäcke als Gamaschen herhalten müssen, ist definitiv kein trockenes Wanderwetter mehr.
💦 Pfützen:
Anfangs lästig, später pure Unterhaltung. Wenn man ohnehin bis zur Unterhose nass ist, kann man schliesslich auch gleich hineinspringen.
👭 Schwesterliche Harmonie:
Erstaunlich gut – trotz Regen, vergessener Alternativwanderung und einer gewissen Kommunikationslücke. 😉
🍟 Durchhaltevermögen:
Dank der Aussicht auf göttliche Pommes auf der Kleinen Scheidegg jederzeit vorhanden.
❤️ Erinnerungswert:
Unbezahlbar. Denn manchmal sind gerade die völlig verkorksten Wandertage diejenigen, von denen man noch Jahre später erzählt.
🥾 Mein Tipp:
Nicht immer auf den perfekten Wandertag warten. Manchmal wird gerade aus Regen, Nebel und einer gehörigen Portion Selbstironie eine der schönsten Geschichten.



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