Schloss Chillon Montreux: Tipps, Geschichte & Highlights am Genfersee
- Corinna
- 7. März 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Apr.
📍Ort: Chillon bei Montreux, direkt am Genfersee
Anreise: 40 Minuten zu Fuss von Montreux, alternativ Bus, Schiff, Zug oder Auto
Eintritt: CHF 15.–/Person, Audioguide optional
Dauer: 2–3 Stunden inklusive Pause
Highlight: Kerker von François Bonivard, Bankettsaal, Aussichtstürme
Kulinarik: Café Byron – Burger & Rösti frisch zubereitet
Schloss Chillon bei Montreux – ein Juwel am Genfersee
Majestätisch thront Schloss Chillon auf einem Felsen im Genfersee, nur wenige Schritte von Montreux entfernt. Mit Blick auf die schneebedeckten Alpen, die Weinberge am linken Ufer und das glitzernde Wasser bis nach Frankreich ist Chillon eines der meistbesuchten und bekanntesten Schlösser der Schweiz.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Schloss, Verlies, Innenhöfe und Kapelle erkunden kannst, welche Highlights du nicht verpassen solltest und welche kulinarischen und entspannenden Tipps den Ausflug perfekt machen.

Anreise & erster Eindruck
Nach unserer Ankunft in Montreux parkten wir das Auto im Parking couvert du Marché Montreux, nur wenige Schritte vom Genfersee entfernt und mitten im Stadtzentrum.
Von dort aus führte uns ein entspannter Spaziergang entlang der Seepromenade des Genfersees direkt zum Schloss. Nach etwa 40 Minuten erreichten wir die ehemalige Zugbrücke, an der das kleine, charmante Kassenhäusschen steht – der perfekte Startpunkt für unseren Schlossrundgang.
Der Preis:
Eintritt SFr. 15.-/Person
Gegen Aufpreis mit Audioguide
Ich entschied mich gegen den Guide, denn viele Informationen vergesse ich kurzerhand wieder und zu lesen gab es auch mehr als genug.


Kurzgeschichte von Chillon: Vom Felsen zur Festung
Seit der Bronzezeit bewohnt – lange bevor Montreux und die Riviera berühmt wurden.
1150 erste urkundliche Erwähnung – Chillon taucht also schon ziemlich früh in den Geschichtsbüchern auf.
In den folgenden Jahrhunderten: ständige An- und Umbauten, je nachdem, wer gerade die Herrschaft hatte – ein Schloss im steten Wandel.
12. Jhdt bis 1536: unter der Herrschaft der Savoyer – die ursprünglichen „Schlossherren“.
1536 bis 1798: die Berner übernehmen – neue Regeln, neue Wappen, alte Mauern.
Seither: gehört das Schloss dem Kanton Waadt – und gilt als eines der best-erhaltenen mittelalterlichen Schlösser der Schweiz.
Strategisch lag Chillon an einem wichtigen Punkt, um die Nord-Süd-Achse am Genfersee zu kontrollieren. Unter den Bernern diente das Schloss vor allem als Festung, Gefängnis und Arsenal – praktisch eine Kombination aus Sicherheit, Verwaltung und Durchsetzungsmacht.

Berner, Savoyer und Waadtländer: Wappen und Uhrgeschichte
Nachdem die Berner 1536 Chillon erobert hatten, ging alles ziemlich flott:
3 Tage später: Das Emblem der Savoyer war bereits durch das Berner Wappen ersetzt – Blitzaktion deluxe! 😉
Später unter Waadtländer Herrschaft: Das Berner Wappen musste weichen und wurde durch das grün-weisse Wappen der Waadt übermalt.
1807: Man besann sich schliesslich auf die Wurzeln und setzte das Wappen der ursprünglichen Schlosserbauer, der Savoyer, wieder ein – heute strahlt es in rot-weiss bis heute.
Und dann die Berner Uhr am viereckigen Turm:
1540: Beschluss, eine Uhr einzubauen. Erst wurde das Berner Wappen aufgemalt.
1543: Der Mechanismus wurde installiert.
1582: Fertigstellung – die Glocke kam endlich in den Dachstock.
Die Uhr diente nicht nur zum Zeitablesen, sondern auch, um den Leuten zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Heute steht sie still – aber hey, Geschichte funktioniert eben nicht immer wie ein Schweizer Uhrwerk!
Mein Rundgang durchs Schloss
Innenhöfe & Treppen
Der Rundgang durch Schloss Chillon war faszinierend. Schon die drei Innenhöfe erzählen unterschiedliche Geschichten. Wir stiegen unzählige Treppen hinauf und hinunter – am nächsten Tag spürten wir das noch ordentlich in den Oberschenkeln.


Gefangene und Verlies: François Bonivard
Der wohl bekannteste Gefangene von Chillon war François Bonivard (1493–1570), ein echter Genfer Freiheitskämpfer. Ursprünglich Prior des Klosters Saint-Victor, stellte er sich im Konflikt zwischen Genf und den Savoyern auf die Seite seiner Stadt – und das brachte ihm so manche Zelle ein.
1519–1521: Erste Inhaftierung – offensichtlich war Bonivard noch nicht so leicht kleinzukriegen.
1530: Die Savoyen waren hartnäckig und sperrten ihn erneut ins Verliess, direkt auf dem Felsen. Dort wurde er an einen Pfeiler gekettet, das Licht war spärlich, und von der frischen Luft kam kaum etwas an. Nur das leise Plätschern des Genfersees drang zu ihm durch.
Bonivard war überzeugt, dass sein Kerker unter dem Wasserspiegel lag – was er später auch schriftlich festhielt.
1536: Endlich die Befreiung durch die Berner.
Danach ging’s erst richtig los: Lebenslange Rente und Wohnung von Genf geschenkt, ein ausschweifender Lebensstil inklusive – und ja, vier Ehen standen auf dem Programm.
Mindestens drei seiner Frauen verstarben – die dritte Ehe endete unter mysteriösen Umständen.
Seine letzte Frau traf ein eher dramatisches Ende: wegen Unsittlichkeit und Untreue unter Hausarrest und schliesslich – sehr pragmatisch – in die Rhone „geworfen“.
Bonivard überlebte all das und wurde damit zu einem der legendärsten Gefangenen der Schweizer Geschichte – ein Mann, der offenbar auch im Kerker seinen Sturkopf behalten konnte. 😏


Bankette und mittelalterlicher Prunk
Die Bankette im Mittelalter in Chillon – das war mehr als nur Essen, das waren regelrechte Spektakel. Mehrere Gänge, dazwischen Schauspiele – und das alles mit ordentlich Prunk und Drama. Eines der bekanntesten Bankette fand 1433 anlässlich der Hochzeit von Ludwig von Savoyen statt.
Tag 1 – Ein Einzug der Extraklasse:
Weisse Schwäne, die die Wappen der geladenen Fürsten auf Bannern trugen.
Vier Trompetenspieler, die fröhliche Stücke in den Savoyer-Farben spielten.
12 Edelmänner auf Pferden ritten in den Saal und zeigten die Wappen der savoyischen Vasallen.
Tag 2 – Steigerung gefällig?
Ein Liebesgott mit Pfauenflügeln wurde von Pferden in einem nachgebildeten Schloss in den Saal gezogen und verteilte Rosen an die Edeldamen.
Männer trugen einen ganzen Rosengarten herein, in dessen Mitte ein lebender Steinbock mit vergoldeten Hörnern stand.
Und die Krönung: Ein Mann, als Adler verkleidet, stieg aus einer riesigen Pastete hervor.
Huiii, da ging es also richtig rund!



Küche, Zutaten & Logistik
Küche & Zutaten – ein mittelalterlicher Logistik-Traum:
Dutzende Köche im Einsatz
Zutatenlisten, die selbst heutige Profis erstaunen:
100 Rinder, 130 Schafe, 120 Schweine
100 Kälber, 2000 Hühner, 6000 Eier
Unmengen an Fischen: Delfin, Seehecht, Lachs, Aal – und alles, was der See sonst noch hergab
Koch- und Essgeschirr: mehrere Tausend Teile, die zwischen den Gängen blitzschnell gespült werden mussten
Kurzum: ein Gelage, das man sich kaum vorstellen kann, und bei dem vermutlich jeder Schritt zwischen den Gängen ein kleines Abenteuer für die Bediensteten war.
Aussichtstürme, Kapelle und Schlafzimmer
Weitere Highlights des Rundgangs waren die Aussichtstürme, von denen man den Genfersee bis nach Frankreich überblickt, das Berner Schlafzimmer mit fliessendem Wasser und die Kapelle, die im Laufe der Zeit verschiedene Funktionen innehatte – von Privatkapelle bis Pulverkammer.








Die Kapelle von Schloss Chillon hat im Laufe der Jahrhunderte viele Rollen übernommen:
Ursprünglich nutzten die Grafen und Herzöge von Savoyen sie als Privatkapelle – ein Ort der Andacht und stillen Gebete.
Nach der Reformation wurde sie zur Getreidekammer, in der nun Vorräte statt Kerzen standen. Eine eher nüchterne Nutzung, die vom früheren Glanz nur noch erzählte.
Unter der Berner Herrschaft diente der Raum als Pulverkammer, in der Schwarzpulver gelagert wurde – sicher kein Ort für Andacht, aber strategisch von Bedeutung.
Erst im 19. Jahrhundert, als der Kanton Waadt das Schloss als Gefängnis nutzte, erhielt die Kapelle wieder ihre ursprüngliche Funktion – nun für die Häftlinge.
Die wechselnden Nutzungen zeigen eindrücklich, wie flexibel die Räume von Chillon eingesetzt wurden und wie die Geschichte in jedem Stein spürbar bleibt.

Fazit: Lohnt sich ein Besuch von Schloss Chillon?
Kurz gesagt: Ja. Und zwar ziemlich eindeutig.
Schloss Chillon ist weit mehr als nur ein hübsches Fotomotiv am Genfersee. Die Kombination aus spektakulärer Lage, spannender Geschichte und erstaunlich gut erhaltenen Räumen macht den Rundgang zu einem echten Erlebnis – inklusive leichtem Oberschenkel-Workout durch die vielen Treppen.
Besonders in Erinnerung bleiben die Gegensätze: unten das düstere Verlies, oben die Aussichtstürme mit Blick bis nach Frankreich, dazwischen prunkvolle Säle und Geschichten, die teilweise spannender sind als so manche Netflix-Serie.
Und selbst bei grauem Wetter – wie bei unserem Besuch – hat das Schloss nichts von seiner Wirkung verloren. Vielleicht sogar im Gegenteil: Ein bisschen Grau und Wolken verleihen dem Ganzen eine fast schon passende, leicht mystische Stimmung.
👉 Mein Tipp: Verbindet den Besuch unbedingt mit dem Spaziergang von Montreux aus, plant eine kleine Pause am See ein und gönnt euch danach etwas im Café Byron. Ihr habt es euch verdient.
Mein persönliches Fazit: Ich kam für ein Schloss – und ging mit dem Gefühl, ein kleines Stück Geschichte erlebt zu haben (und ein paar Treppen zu viel gelaufen zu sein). 😄
Aussenansichten & Tipps für euren Besuch
So, genug Schlossgeschichte – jetzt noch ein paar Aussenansichten und Tipps, damit euer Besuch rundum gelingt.
💡 Hinweis zu den Fotos: Die Bilder stammen von einem sonnigen Tag bei einem anderen Besuch, aber aus derselben Jahreszeit. Sie zeigen zwar nicht exakt unseren Rundgang, vermitteln aber perfekt die Atmosphäre rund um Schloss, Wassergraben und Garten bei schönem Wetter.


Nach so viel Treppensteigen meldete sich dann auch der Hunger, und wir steuerten direkt das Café Byron gegenüber vom Schloss an:
Frisch zubereitete Burger mit Pommes und Rösti mit Spiegelei.
Der Burger bekam einen kleinen Hauch Estragon verpasst – fast schon Gourmet-Level!
Mein zweiter Tipp für entspannte Momente:
Kleiner Schlossgarten direkt vor den Toren – perfekt zum Verschnaufen nach dem Rundgang.
Seepromenade: Bänke, Wasserblick, Ruhe – ideal, um den Kopf wieder frei zu bekommen.
Montreux entdecken: Nicht nur am See entlang schlendern, sondern auch die Altstadt erklimmen – grandiose Aussichten über den Genfersee und die Alpen inklusive. 👉 Montreux am Genfersee: Zwischen Palmen, Queen-Vibes und überraschenden Schluchten
Und nun wünsche ich euch einen schönen Start in den Frühling, bis bald.
Corinna
Ein Schloss wie aus dem Märchen – mit Verlies und VIP-Bankett
📍 Ort
Chillon bei Montreux, direkt am Genfersee
🚶♀️ Anreise & Lage
Zu Fuss: ca. 40 Min. Spaziergang von Montreux am See entlang
Mit dem ÖV: Bus, Schiff oder Zug – Haltestelle direkt beim Schloss
Mit dem Auto: Parkplatz direkt oberhalb vom Schloss oder Parkhaus in Montreux
Direkt am Wasser & vor der Kulisse der Walliser Alpen
🎫 Eintritt
CHF 15.– pro PersonAudioguide: optional, aber empfehlenswert🔗 www.chillon.ch
📜 Geschichte in Kürze
Seit der Bronzezeit bewohnt (!), erste Erwähnung 1150
12.–16. Jh.: Herrschaft der Savoyer
Ab 1536: Berner übernehmen das Ruder
Danach: Schloss wird Waadtländer Kulturgut
🧱 Highlight-Rundgang
3 Schlosshöfe, unzählige Treppen (Oberschenkel-Workout inklusive)
Kerker mit düsterem Charme (→ Bonivard war 6 Jahre eingekerkert!)
Aussichtstürme mit Seeblick bis nach Frankreich
Berner Uhr am Turm (heute still, damals politisches Statement)
Kapelle mit erstaunlicher Karriere: von privat bis Pulverkammer
Mittelalterlicher Bankettsaal mit epischen Party-Vibes
🍽️ Kulinarik-Tipp:
Café Byron (gleich gegenüber): Burger mit Estragon, Rösti mit Ei – frisch, lecker, überraschend gut! 😋
🌿 Chill-Tipp
Kleiner Garten vorm Schloss
Seepromenade mit Sitzplätzen
Abstecher nach Montreux: nicht nur am See, sondern auch rauf in die Altstadt!
⏱️ Dauer
2–3 Stunden für die Besichtigung + gemütliche Pause am See
💡 Perfekt für…Mittelalter-Nerds, Architekturfans, Familien, Burgfräulein und Hobby-Ritter:innen



Kommentare