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Olten Sehenswürdigkeiten: Warum ich die Stadt bisher unterschätzt hatte

  • Corinna
  • vor 23 Stunden
  • 8 Min. Lesezeit

📍 Ort / Region: Olten, Kanton Solothurn


Spaziergang: Alte Holzbrücke – Altstadt – Ildefonsplatz – Stadtturm – St. Martin – Haus der Museen


Dauer: ca. 1–1,5 Stunden für einen ersten Spaziergang durch die Altstadt


Sehenswürdigkeiten: Alte Holzbrücke, Altstadt, Stadtturm, christkatholische Stadtkirche St. Martin, Haus der Museen


Besonderheit: Toulouse – der wohl berühmteste Kater von Olten


Schwierigkeit: Sehr leicht. Hier braucht es weder Wanderschuhe noch Kondition.


Einkehr: In der Altstadt gibt es verschiedene Restaurants, Cafés und eine Gelateria.


Anreise mit dem ÖV: Olten ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt und deshalb aus praktisch allen Richtungen gut erreichbar.👉 SBB Fahrplan


Haus der Museen: Archäologisches Museum, Naturmuseum und Historisches Museum unter einem Dach.👉 Haus der Museen Olten


Weitere Informationen:👉 Stadt Olten



Olten Sehenswürdigkeiten – was soll ich denn dort?



Olten kannte ich eigentlich schon lange. Nur nicht wirklich auf die Art, wie man eine Stadt gerne kennt.


Ich kannte Olten hauptsächlich vom Autofenster aus. Wenn ich irgendwo unterwegs war und durch Olten fuhr, bekam ich einen kurzen Eindruck von Wohnblöcken, die teilweise schon bessere Zeiten gesehen hatten. Nicht gerade der Anblick, bei dem man spontan auf die Bremse tritt und denkt: Halt an! Hier möchte ich mir das unbedingt genauer anschauen.


Dann kannte ich natürlich noch den Bahnhof. Vom Zug aus. Beim Umsteigen. Dort stand ich jeweils herum, den Blick auf die Gleise gerichtet und hoffte, dass mein nächster Zug bald kommen möge.


Dazu kam der Ruf Oltens als Drogenplatz, der schon seit den 1990er-Jahren immer wieder durch die Medien geisterte.


Kurz gesagt: Ich hatte von Olten nicht den besten Eindruck.


Und einen besonderen Grund, dieses Bild zu überprüfen, hatte ich bisher auch nicht.



Mein erster richtiger Besuch in Olten – natürlich nicht freiwillig


Vor ein paar Wochen änderte sich das allerdings.

Ich musste nach Olten.


Nicht, weil ich plötzlich Sehnsucht nach der Stadt bekommen hätte, sondern wegen einer Weiterbildung. Und die fand natürlich genau dort statt.


Olten.


Na wunderbar.


Mit ungefähr so viel Vorfreude, wie ich sie bei einer bevorstehenden Wurzelbehandlung hätte, machte ich mich also auf den Weg.


Während ich am Vormittag in der Weiterbildung sass, begann ich irgendwann über meine Mittagspause nachzudenken. Eineinhalb Stunden lagen vor mir. Was sollte ich damit anfangen?


Im Schulungsraum sitzen bleiben? Draussen herumstehen? Vielleicht eineinhalb Stunden lang die Fassade des Nachbarhauses studieren?


Dann kam mir plötzlich ein Gedanke: Hat Olten nicht sogar eine Altstadt?

Und tatsächlich. Hat es.


Also beschloss ich, dieser Altstadt eine Chance zu geben.



Altstadt Olten: Über die Alte Holzbrücke in eine andere Welt


Die alte Holzbrücke von Olten...
Die alte Holzbrücke von Olten...
... und der Ausblick von eben dieser Brücke.
... und der Ausblick von eben dieser Brücke.

Ich machte mich auf den Weg zur Alten Holzbrücke, die 1803 erbaut wurde.

Hinter mir rauschte der Verkehr, vor mir lag die alte, dunkle Holzbrücke. Ich ging hinüber und merkte schon nach wenigen Metern, dass der Lärm hinter mir immer leiser wurde.


Unter mir floss die Aare, Menschen sassen am Ufer, andere spazierten gemütlich über die Brücke. Das Holz knarrte unter meinen Füssen und irgendwie war plötzlich alles ziemlich friedlich.


Ich blieb kurz stehen und schaute mich um.

War das wirklich Olten?


Schöne Plätze mit Restaurants und Cafés in der Oltner Altstadt...
Schöne Plätze mit Restaurants und Cafés in der Oltner Altstadt...
... dazu spezielle Lädeli, die keine Massenware anbieten: einfach schön.
... dazu spezielle Lädeli, die keine Massenware anbieten: einfach schön.

Am anderen Ende der Brücke begann die Altstadt. Und spätestens dort musste ich zugeben, dass meine bisherigen Kenntnisse über Olten doch etwas lückenhaft gewesen waren.


Alte Häuser, kleine Gassen, hübsche Plätze und kein Verkehr. Keine Spur von dem Bild, das ich mir jahrzehntelang zusammengebastelt hatte.


Wobei – bevor jetzt jemand denkt, ich hätte mich plötzlich hoffnungslos in Olten verliebt: Nein.


Die Wohnblöcke stehen noch.


Der Bahnhof steht auch noch.


Und die Drogenszene hat sich vermutlich nicht in Luft aufgelöst, nur weil ich eine hübsche Altstadt entdeckt habe.


Aber Olten ist eben nicht nur das. Und genau das war mir bisher entgangen.



Olten Altstadt entdecken – und plötzlich gibt es sogar Glacé zum Mittagessen


Überall in Olten's Altstadt finden sich sehenswerte Gebäude.
Überall in Olten's Altstadt finden sich sehenswerte Gebäude.

Als erstes fielen mir die pittoresken Häuser auf, die mich an meinen Ausflug nach Stein am Rhein erinnerten, obschon ich die beiden Städtchen nicht wirklich miteinander vergleichen würde.


Olten's Altstadt ist nicht riesig, aber gerade deshalb lässt sie sich wunderbar zu Fuss erkunden. Man läuft einfach los und schaut, was hinter der nächsten Ecke kommt.


Bei mir kam zunächst eine Gelateria. Was soll ich sagen?

Eineinhalb Stunden Mittagspause sind schliesslich kein Anlass, plötzlich mit gesunder Ernährung anzufangen.

Also wurde das Glacé kurzerhand zum Mittagessen erklärt und ich schlenderte damit durch die Altstadt.


Und je länger ich unterwegs war, desto mehr musste ich mir eingestehen, dass Olten hier tatsächlich ziemlich hübsch ist.


Nicht spektakulär. Nicht riesig. Aber gemütlich und voller alter Häuser und Geschichten.


Und dann lief mir auch noch Toulouse über den Weg.



Toulouse in Olten – der Kater, der berühmter ist als ich


Na, wenn diese Statue nicht eines Königs würdig ist, weiss ich auch nicht...
Na, wenn diese Statue nicht eines Königs würdig ist, weiss ich auch nicht...

Nein, nicht die Stadt in Frankreich.


Toulouse, der Kater.


Jahrelang streifte er durch die Oltner Altstadt und lebte dort offenbar das Leben, von dem Katzen träumen: frei herumstreunen, sich um nichts kümmern und trotzdem von allen gekannt werden.


2009 machte ihn der Oltner Schriftsteller Alex Capus mit seinem Roman Der König von Olten endgültig berühmt.


Alex Capus begegnet mir übrigens noch einmal. Allerdings nicht mit einem Kater, sondern mit zwei Bankräubern. Die Geschichte dazu gibt's in meinem Artikel über den Margarethenpark in Basel.


2017 starb Toulouse im Alter von 18 Jahren.

Seit 2018 sitzt er als Bronzestatue in der Altstadt.


Und da sass er nun. Wir starrten uns gegenseitig an. Also zumindest hatte ich diesen Eindruck.


Und irgendwie sah Toulouse so aus, als würde er sich fragen, was ich hier eigentlich will. Verständlich.


Schliesslich ist er der König.


Ich war nur eine Besucherin, die morgens noch froh gewesen wäre, wenn ich nach der Weiterbildung möglichst schnell wieder aus Olten herausgekommen wäre.



Stadtturm Olten – zwei Wirte und ein ziemlich lästiges Stadttor


Der Stadtturm zu Olten: Ehemals Kirchturm, seit 1844 der Zeitglockenturm von Olten.
Der Stadtturm zu Olten: Ehemals Kirchturm, seit 1844 der Zeitglockenturm von Olten.

Weiter ging es zum Stadtturm am Ildefonsplatz. Er wurde 1521 erbaut und gehört heute zu den Wahrzeichen der Stadt.


Seine Geschichte finde ich allerdings fast spannender als den Turm selbst.


Denn im 19. Jahrhundert hatten zwei Wirte ein Problem. Das alte Stadttor.

Der Durchgang war eng und behinderte den Verkehr. Und wenn Fuhrwerke nicht ordentlich durchkommen, kommen irgendwann vielleicht auch die Gäste nicht ordentlich zum Wirtshaus.


Die beiden Wirte vom Gasthaus «Zum halben Mond» und vom «Zum Thurm» fanden jedenfalls, dass dieses Tor weg musste.


Ich stelle mir das Gespräch ungefähr so vor:


«Warum kommen die Leute nicht schneller zu uns?»

«Das Tor.»

«Dann weg damit.»


Und tatsächlich wurde das Obertor 1837 abgebrochen.


Zwei Wirte gegen ein Stadttor.

Und die Wirte gewannen.


Ich muss sagen, diese Geschichte gefällt mir.


Vor allem, weil man sich heute kaum vorstellen kann, dass zwei Gastwirte so viel Einfluss auf das Stadtbild nehmen konnten.


Aber scheinbar galt schon damals: Wenn dem Geschäft etwas im Weg steht, muss man kreativ werden.



Stadtturm Olten und seine Glocken – früher wurde noch von Hand geläutet


Seit 1844 übernahm der heutige Stadtturm die Funktion des Zeitglockenturms.

Und bis 1964 wurden die Glocken tatsächlich noch von Hand geläutet. Danach gab es das Handgeläut nur noch zu bestimmten Anlässen, bevor irgendwann die Elektrifizierung kam.


Heute also Knopf drücken. Früher offenbar Muskelkraft.


Ich bin ganz froh, dass ich in der falschen Zeit geboren wurde, um dafür zuständig zu sein.



St. Martin Olten – warum die Stadt gleich zwei Martinskirchen hat


Die christkatholische Kirche St. Marin in Olten von vorne...
Die christkatholische Kirche St. Marin in Olten von vorne...
... und die Rückseite.
... und die Rückseite.

Ein paar Minuten später stand ich vor der christkatholischen Stadtkirche St. Martin.

Und hier wurde es historisch etwas komplizierter.


Denn Olten besitzt noch eine zweite Martinskirche.


Der Grund dafür liegt im 19. Jahrhundert, als es innerhalb der katholischen Kirche ordentlich rumpelte.


Pfarrer Paulin Gschwind weigerte sich, das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit zu vertreten und wurde daraufhin vom Bischof abgesetzt.


Nur hatte dieser offenbar nicht mit der liberalen Oltner Bevölkerung gerechnet.

Die stellte sich nämlich hinter ihren Pfarrer. Und so wurden 80% der Bevölkerung zu Christkatholiken, währen die übrigen 20% der Römisch-Katholischen Kirche die Treue hielten.


Olten wurde zu einem wichtigen Zentrum der Christkatholiken und die bestehende Kirche blieb bei ihnen. Die römisch-katholische Bevölkerung baute später ihre eigene Kirche.


Und so stehen in Olten heute zwei Kirchen, die beide St. Martin heissen.


Ich war eigentlich nur auf der Suche nach einer Beschäftigung für meine Mittagspause.


Jetzt hatte ich nebenbei auch noch einen Kirchenstreit aus dem 19. Jahrhundert kennengelernt.



Haus der Museen Olten – drei Museen und schon wieder Toulouse


Haus der Museen in Olten.
Haus der Museen in Olten.

Nur wenige Meter entfernt befindet sich das Haus der Museen.


Drei Museen sind hier unter einem Dach vereint:

  • das Archäologische Museum

  • das Naturmuseum

  • das Historische Museum


Leider war meine Mittagspause zu kurz, um auch noch die Museen zu besuchen.

Das muss ich also bei meinem nächsten Besuch nachholen.


Denn natürlich findet man auch dort wieder Toulouse.

Der Kater wurde nach seinem Tod präpariert und begrüsst heute die Besucher des Naturmuseums.


Dieser Toulouse ist wirklich hartnäckig.


Kaum hat man gedacht, man hätte ihn endlich hinter sich gelassen, sitzt er schon wieder irgendwo.



Zurück zur Schulung – unter Regenschirmen durch Olten


Die Dekoration mit den Regenschirmen in der Einkaufsstrasse in Olten.
Die Dekoration mit den Regenschirmen in der Einkaufsstrasse in Olten.

Irgendwann war meine Mittagspause dann tatsächlich vorbei.

Ich machte mich zurück auf den Weg zur Weiterbildung und lief durch die Einkaufsstrasse.


Über der Strasse hingen dekorative Regenschirme, unter denen ich nun Richtung Schulungsraum spazierte.


Und während ich darunter hindurchlief, musste ich über meinen eigenen Olten-Ausflug staunen.


Denn am Morgen war ich hier angekommen und hatte mich innerlich schon darauf eingestellt, eineinhalb Stunden irgendwo herumzusitzen.


Stattdessen hatte ich eine alte Holzbrücke gesehen, eine überraschend schöne Altstadt entdeckt, Glacé gegessen, einen berühmten Kater kennengelernt und erfahren, dass zwei Wirte einst ein Stadttor aus dem Weg räumen liessen, weil es offenbar dem Geschäft im Weg stand.


Für eine Mittagspause gar nicht schlecht.



Olten Sehenswürdigkeiten – mein Fazit


Ich werde meinen bisherigen Eindruck von Olten deshalb nicht komplett über den Haufen werfen.

Dafür gibt es keinen Grund.


Die Wohnblöcke, die ich vom Auto aus gesehen habe, gibt es nach wie vor. Der Bahnhof ist immer noch der Bahnhof und auch Oltens Probleme mit der Drogenszene verschwinden nicht einfach, weil hinter der Holzbrücke eine schöne Altstadt beginnt.


Aber genau das ist das Aha-Erlebnis meines Besuchs:


Olten ist mehr als das, was man vom Auto- oder Zugfenster aus sieht.


Und das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.


Die Altstadt hat mir gefallen. Die Holzbrücke sowieso. Der Stadtturm ist interessant, die Geschichte dahinter noch mehr, und Toulouse hat sich ziemlich schnell in mein Gedächtnis geschlichen.


Würde ich wieder nach Olten kommen? Ja. Freiwillig sogar.

Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.


Ein ganzes Wochenende in Olten?

Ähm ... nöö... wir wollen ja nicht übertreiben.



Corinna



😂 Mein Olten-Fazit – ich nehme alles halb zurück


🙄 Jahrelanges Urteil über Olten:

Hässlich.


🚗 Grundlage für dieses Urteil:

Ich bin daran vorbeigefahren.


🚉 Vertiefte Recherche:

Ein paar Mal am Bahnhof umgestiegen.


🧠 Mein damaliges Fazit:

Reicht. Ich kenne die Stadt.


🤦‍♀️ Rückblickend:

Ähm ... nein.


🍦 Dann kam diese Mittagspause:

Ich wollte eigentlich nur irgendwo die Zeit totschlagen und landete mitten in einer ziemlich hübschen Altstadt.


🐈 Toulouse:

Sass da und schaute vermutlich ungefähr so: «Du hast jahrelang über meine Stadt geurteilt und bist jetzt überrascht?»


🏛️ Die zwei Wirte:

«Das Tor stört.» – «Dann weg damit.» - So schnell kann's gehen.


😏 Hat Olten jetzt plötzlich nur noch schöne Seiten?

Natürlich nicht. Ich bin schliesslich nicht nach einer Glacé vom Saulus zum Oltner Fan mutiert.


❤️ Aber:

Ich habe festgestellt, dass meine bisherige Meinung ungefähr so fundiert war wie eine Restaurantkritik nach einem Blick durchs Schaufenster.


🚶‍♀️ Würde ich wiederkommen?

Ja.


😳 Freiwillig?

Ja, tatsächlich.


🐈 Und Toulouse?

Der wusste es vermutlich die ganze Zeit.

Ich brauchte dafür ein Mittagessen.


Kommentare


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