Gryden Lenk: Wanderung durch die einzigartige Kraterlandschaft am Betelberg
- Corinna
- vor 2 Tagen
- 9 Min. Lesezeit
📍 Ort / Region: Gryden, Lenk im Simmental / Berner Oberland
Start: Bergstation Leiterli (Betelberg)
Ziel: Gryden (Rundwanderung zurück zum Leiterli)
Distanz: ca. 7 km (ohne Murmelitrail)
Dauer: ca. 2,5–3 Stunden (mit Fotostopps, Picknick und dem Stüblenipass eher 3,5 Stunden)
Höhenmeter: ca. 300 hm Auf- und Abstieg
Schwierigkeit: Mittel (T2-Bergwanderweg)
Trittsicherheit: Erforderlich
Schwindelfreiheit: Erforderlich. Der Weg durch den Gryden ist schmal und verläuft stellenweise entlang steiler Krater und Abhänge. Technisch ist die Wanderung zwar nicht schwierig, wer jedoch Höhen nicht mag, dürfte sich hier nicht überall wohlfühlen.
Familientauglichkeit: Für trittsichere und wandererfahrene Kinder geeignet.
Route: Betelberg – Leiterli – Stüblenipass – Gryden – Leiterli
Beste Reisezeit: Juni bis Oktober
Besonderheit: Eine der aussergewöhnlichsten Wanderungen der Schweiz. Die bizarre Kraterlandschaft des Gryden ist schweizweit einzigartig und vermittelt stellenweise fast das Gefühl, auf einem anderen Planeten unterwegs zu sein.
Meine Empfehlung: Plane genügend Zeit ein. Die Wanderung selbst ist nicht besonders lang, aber ständig bleibt man stehen, um die Aussicht zu geniessen oder die ungewöhnliche Landschaft des Gryden zu bestaunen. Wer nach der Runde noch Energie hat, kann den Alpenblumenweg anhängen. Den Murmelitrail würde ich persönlich eher Familien mit Kindern empfehlen.
Anreise ÖV: Zug bis Lenk, anschliessend mit dem Bus zur Talstation Betelberg.
Anreise Auto: Parkplätze direkt bei der Talstation der Gondelbahn Betelberg vorhanden.
Einkehr:
Was erwartet dich auf der Wanderung zum Gryden?

Manche Wanderungen vergisst man nach ein paar Wochen wieder.
Und dann gibt es Touren wie diese.
Die Wanderung vom Betelberg zum Gryden bei Lenk führt durch eine bizarre Kraterlandschaft, über den Stüblenipass und vorbei an einem Panorama, bei dem man automatisch stehen bleibt. Und als wäre das nicht genug, habe ich unterwegs noch gelernt, dass eine dicke Hose ziemlich schnell einlaufen kann und ein BH manchmal das schlechteste Schlüsseldepot der Welt ist.
Der Gryden – zwei Jahre auf meiner Wunschliste
Als ich den Gryden vor zwei Jahren zum ersten Mal auf einem Foto sah, wusste ich: Da muss ich hin.
Eine Landschaft voller Krater mitten in den Schweizer Alpen?
Das wollte ich mit eigenen Augen sehen.
Endlich war es so weit: Ich war unterwegs zum Gryden.
Der Tag versprach perfekt zu werden: strahlend blauer Himmel, im Tal weit über dreissig Grad und auf knapp 2000 Metern Höhe sollten angenehme 22 Grad auf mich warten.
Sollten.
Ich weiss bis heute nicht, wo genau diese 22 Grad gewesen sind. Vermutlich hatten sie frei. Denn auch hier oben fühlten sich die genau so heiss wie im Tal an. Aber was will man machen? Hochsommer bleibt eben Hochsommer.
Vom Leiterli Richtung Gryden – endlich kommt das Ziel näher

Von der Bergstation Leiterli führte der Weg zunächst gemütlich Richtung Gryden. Schon nach wenigen Minuten tauchte er am Horizont auf.
Da war er also.
Genau dort wollte ich hin.
Nur eines fragte ich mich die ganze Zeit:
Wie bitte komme ich da rüber?
Von Weitem sah das Ganze nämlich eher aus wie eine Landschaft zum Anschauen als zum Durchwandern.
Während ich noch rätselte, führte mich der Wanderweg gemütlich durchs saftige Grün. Der Blick schweifte übers Simmental, über unzählige Hügel und Berggipfel. Vor mir präsentierten sich das Wildstrubelmassiv, das Niesenhorn und noch einige weitere Hörner.
Welcher Gipfel nun welcher war?
Keine Ahnung.
Für mich gibt es drei Kategorien: gross, grösser, am grössten. Alles andere überlasse ich den Leuten, die Berge bereits an ihren Hörnern erkennen.
Je näher ich dem Gryden kam, desto faszinierender sah diese Landschaft aus.
Gleichzeitig fragte ich mich immer noch, wo sich dort eigentlich ein Wanderweg verstecken sollte.
Stüblenipass – Schweiss, Alpenblumen und ein Picknick mit ungebetenen Gästen


Nach ungefähr fünfzig Minuten erreichte ich eine Weggabelung. Beide Wege führten unter anderem Richtung Stüblenipass. Ich entschied mich für die linke Variante rund um den Hügel und nahm anschliessend den Aufstieg in Angriff.
Der war bei dieser Hitze definitiv schweisstreibend.
Nicht dramatisch.
Aber ich war doch ziemlich froh, als ich oben ankam.
Und dann war plötzlich alles vergessen.
Vor mir lag das Wildstrubelmassiv, auf der anderen Seite öffnete sich der Blick Richtung Gstaad. Dazwischen blühten unzählige Alpenblumen, ein Bauer mähte seine Wiese und einige Wanderer machten Pause oder standen einfach nur da und genossen die Aussicht.
Und mittendrin lag der Gryden.

Von hier oben wirkte diese zerklüftete Landschaft noch beeindruckender.
Dort würde ich gleich zwischen den Kratern herumwandern.
Vorher war allerdings erst einmal Picknick angesagt.
Zumindest hatte ich das vor. Die Fliegen waren allerdings anderer Meinung.
Sie waren offenbar überzeugt, dass ich heute das Buffet wäre.
Nach wenigen Minuten hatte ich genug. Irgendwann hört selbst die grösste Bergromantik auf, wenn man gleichzeitig sein Brot essen und zwanzig Fliegen verscheuchen muss.
Zwischen den Kratern – und plötzlich wurde es ziemlich unterhaltsam


Also machte ich mich wieder auf den Weg.
Der Abstieg vom Stüblenipass hinunter zum Gryden ist zwar kurz, aber ordentlich steil.
Das fand allerdings nicht nur ich.
Schon von Weitem hörte ich einen älteren Herrn lautstark schimpfen.
'Nur wege dir bini do! Du hesch gseit, ich schaff das! Verdeggel nomol!'
Mit hochrotem Kopf kämpfte er sich an seinen Walkingstöcken den Hang hinunter.
Seine Frau lief ein paar Meter hinter ihm.
Verdächtig still.
Wer schon länger verheiratet ist, weiss vermutlich, dass diese Art von Schweigen selten ein gutes Zeichen ist.
Unten angekommen blieb sie plötzlich stehen. 'Ich schaff das nit. Das isch nüt meh für mi.'
Und ehrlich gesagt verstand ich sie.
Vor uns schlängelte sich ein schmaler Pfad zwischen den Kratern hindurch. Links ging es steil hinunter, rechts ebenfalls. Mal blickte man in tiefe Löcher, mal direkt einen Abhang hinunter.
Wie tief diese Löcher tatsächlich waren?
Keine Ahnung.
Und genau deshalb schaute ich lieber nicht allzu lange hinein.
Ihr Mann hingegen wollte jetzt offensichtlich einen auf dicke Hose machen.
Schliesslich musste ja wenigstens einer von beiden beweisen, dass diese Passage überhaupt kein Problem war.
Mit 'rotem Grind' und stolz geschwellter Brust marschierte er los.
Zehn Meter.
Mehr brauchte es nicht.
Dann blieb er abrupt stehen, drehte sich wortlos um und marschierte an seiner Frau vorbei wieder zurück.
Die dicke Hose war unterwegs wohl ziemlich eingelaufen.
Sicherheitshalber schimpfte er beim Vorbeigehen gleich noch einmal auf seine Frau.
Sicher ist sicher.
Innerlich rollte ich mit den Augen und dachte einmal mehr:
Alleine wandern hat halt schon seine Vorteile.
Durch den Gryden – spektakulär und nichts für schwache Nerven

Je weiter ich zwischen den Kratern unterwegs war, desto faszinierender wurde diese Landschaft.
Man fühlt sich fast wie auf einem anderen Planeten.
Der Weg dauert zwar nur 20 Minuten, verlangt aber Aufmerksamkeit. Immer wieder geht es links oder rechts steil hinunter. Wer unter Höhenangst leidet oder unsicher unterwegs ist, hat hier definitiv keine Freude.
Natürlich schaute ich trotzdem immer wieder nach unten.
Denn die Krater, Löcher und Abhänge sind halt schon einzigartig.
Man wandert nicht einfach an einer schönen Landschaft vorbei.
Man ist mittendrin im Gryden.
Zwischen Felsen, Löchern, Graten und dieser unglaublich zerklüfteten Welt, die man so in der Schweiz kaum ein zweites Mal findet.
Am Ende des Gryden wartet eine kleine Schutzhütte.
Sie markiert gleichzeitig den Wendepunkt dieser Wanderung.
Und obwohl ich mich schon lange auf diese Kraterlandschaft gefreut hatte, wartete auf dem Rückweg bereits die nächste Überraschung…
Alpenblumenweg und Murmelitrail – wenn «nur schnell zurück» plötzlich anders aussieht


Für den Rückweg nahm ich nicht noch einmal den Aufstieg zum Stüblenipass in Angriff, sondern umrundete den Hügel auf der anderen Seite Richtung Leiterli.
Eigentlich hätte ich es dabei belassen können.
Eigentlich.
Aber wer mich kennt, weiss: Wenn irgendwo noch ein Wegweiser steht, auf dem etwas Interessantes angeschrieben ist, werde ich schwach.
Also hängte ich kurzerhand noch den Alpenblumenweg an.
Die Rundwanderung ist gerade einmal 1,6 Kilometer lang, dafür wachsen hier bis zu 300 verschiedene Blumen, Kräuter und Flechten. Entlang des Weges erfährt man ausserdem Spannendes über die Region, unter anderem über die Weiberschlacht.
Ein kurzer, abwechslungsreicher Weg, der sich definitiv lohnt.
Wieder zurück beim Leiterli stand ich vor der nächsten Entscheidung.
Gemütlich mit der Gondel ins Tal schweben?
Oder noch den Murmelitrail bis zur Mittelstation Stoss anhängen?
Mein vernünftiger Teil sagte:
«Du warst jetzt schon rund drei Stunden unterwegs. Bei der Hitze. Das längt.»
Mein anderer Teil antwortete:
«Ach komm, Bewegung hat noch niemandem geschadet.»
Blöderweise gewinnt dieser zweite Teil bei mir fast immer.
Also marschierte ich los.

Der Murmelitrail führt auf einem breiten Schotterweg talwärts und ist ganz klar auf Familien ausgerichtet. Unterwegs warten Schaukeln, ein Wackelsteg, eine kleine Seilrutsche, spannende Informationen über Murmeltiere und kurz vor der Mittelstation sogar ein Kugelbahn-Labyrinth.
Für Kinder ist das richtig toll gemacht.
Da wird Wandern plötzlich zum Abenteuer.
Als allein wandernde Erwachsene kam ich mir zwischendurch allerdings ein klein wenig fehl am Platz vor. Während links und rechts Kinder begeistert spielten, marschierte ich tapfer weiter und fragte mich, ob ich wohl auch einmal kurz auf die Schaukel sollte.
Ich liess es. Man muss es ja nicht übertreiben.
Beim nächsten Mal würde ich stattdessen ganz entspannt die Gondel nehmen und die Aussicht von oben geniessen.
Der Autoschlüssel – oder: Wie man sich an einer Talstation fast nackig macht.
Unten im Tal begann dann allerdings das eigentliche Abenteuer des Tages.
Ich wollte ins Auto steigen.
Bloss...
Wo war mein Autoschlüssel?
Ich durchsuchte sämtliche Taschen meines Rucksacks. Nichts.
Also stellte ich den Rucksack auf den Kopf.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Aber der Schlüssel blieb verschwunden.
Dann kontrollierte ich meine Hosentaschen.
Nichts.
Und schliesslich... meinen BH.
Ja.
Ihr habt richtig gelesen.
Falls ihr jetzt denkt, ein BH sei einfach nur ein BH, muss ich euch enttäuschen.
Meiner ist ein multifunktionales Aufbewahrungssystem.
Schlüssel, Kleingeld, Bankkarte, Tickets...
Je nachdem, was gerade anderswo keinen Platz findet, verschwindet dort drin.
Heute allerdings nicht.
Ich war inzwischen kurz davor, mich mitten in der Talstation obenrum auszuziehen.
Zum Glück war gerade niemand da.
Mit hängenden Schultern schlurfte ich schliesslich Richtung Auto. Irgendwie musste ich jetzt herausfinden, wie ich nach Hause kommen würde.
Und dann sah ich ihn.
Den Schlüssel.
Seelenruhig steckte er im Zündschloss.
Typisch!
Weil es so heiss gewesen war, hatte ich die Seitenfenster einen breiteren Spalt offen gelassen.
Also Arm durchs Fenster, an der Verriegelung gezogen und...
Klick.
Auto offen. Glück muss man haben.
Fazit zur Wanderung vom Betelberg zum Gryden
Hat sich die Wanderung gelohnt? Absolut.
Allein der Gryden ist diese Tour wert. Diese zerklüftete Kraterlandschaft ist etwas ganz Besonderes und unterscheidet sich von allem, was ich bisher in der Schweiz gesehen habe.
Würde ich die gleiche Runde noch einmal machen?
Ja – wenn ich jemandem den Gryden zeigen möchte.
Alleine würde ich mich beim nächsten Mal aber für eine andere Route entscheiden.
Unterwegs habe ich nämlich schon das nächste Ziel entdeckt: den Weg über den Tungelpass weiter zum Iffigsee und zur Iffigalp.
Und genau das liebe ich am Wandern.
Kaum ist eine Tour beendet, wartet irgendwo schon die nächste.
Langweilig wird es draussen ganz bestimmt nie.
Und solltet ihr irgendwo auf einem Wanderparkplatz eine Frau sehen, die konzentriert ihre Boobies abtastet, müsst ihr euch keine Sorgen machen. Das ist weder eine Vorsorgeuntersuchung noch eine neue Wandertechnik. Wahrscheinlich suche ich einfach mal wieder meinen Autoschlüssel.
Corinna
😄 Was von dieser Wanderung übrig bleibt
🥵 Heissester Flirt des Tages:
Die Sonne. Leider beruhte das Interesse ausschliesslich auf ihrer Seite.
🙄 Mein Augenroll-Moment:
Der Herr, der seiner Frau zeigen wollte, wie locker er den Gryden meistert. Zehn Meter später war die dicke Hose allerdings ziemlich eingelaufen.
🪰 Grösste Fan-Gemeinde:
Die Fliegen beim Picknick. Ich hatte auf etwas mehr Privatsphäre gehofft.
🔑 Organisationstalent des Tages:
Nach einer Grossfahndung in Rucksack, Hosentaschen und BH stellte sich heraus: Der Autoschlüssel hatte den ganzen Tag gemütlich im Zündschloss gewartet.
🥾 Was bleibt:
Eine Kraterlandschaft, die ich so schnell nicht vergesse. Und die Vorfreude auf den Tungelpass, den Iffigsee und die Iffigalp – am liebsten bei Temperaturen, bei denen nicht schon das Nichtstun schweisstreibend ist.



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