Wanderung zur Rugghubelhütte ab Brunni – wenn die Hütte einfach nicht näher kommt
📍 Ort / Region: Brunni / Engelberg, Kanton Obwalden
Start: Bergstation Brunni, ca. 1'860 m ü. M.
Ziel: Bergstation Ristis, ca. 1'600 m ü. M.
Höchster Punkt: Rugghubelhütte, 2'296 m ü. M.
Distanz: ca. 10,5 km
Dauer: ca. 4 Std. reine Gehzeit
Höhenmeter: ca. 467 hm Aufstieg / ca. 700 hm Abstieg
Schwierigkeit: Mittel (T2)
Trittsicherheit: Auf dem gesamten Weg sinnvoll. Der Weg ist gut ausgebaut, wird im oberen Bereich aber alpiner und steiler.
Schwindelfreiheit: Für die Wanderung grundsätzlich kein grosses Thema.
Familientauglichkeit: Für wandererfahrene Familien mit grösseren Kindern gut machbar. Der Aufstieg zur Rugghubelhütte verlangt allerdings etwas Ausdauer.
Route: Brunni – Härzlisee – Teufelsstein – Planggenalp – Rugghubelhütte – Rigidalalp – Ristis
Beste Reisezeit: Sommer bis Herbst. Die Rugghubelhütte ist normalerweise von Juni bis Oktober bewartet. Vor der Wanderung aktuellen Zustand der Wege und Bahnen prüfen.
Besonderheiten: Härzlisee, Teufelsstein mit seiner Sage, die historische Planggenalp und die Aussicht auf den Titlis und die Engelberger Bergwelt. Wer noch weiterwandern möchte, kann die Tour über das Rotgrätli Richtung Bannalp verlängern.
Anreise ÖV: Mit dem Zug nach Engelberg und von dort mit der Luftseilbahn Engelberg–Ristis. Ab Ristis geht es mit dem Sessellift weiter zum Brunni. Die aktuellen Fahrpläne und Tickets findet ihr bei den Brunni-Bahnen.
Anreise Auto: In Engelberg stehen Parkmöglichkeiten bei der Talstation der Brunni-Bahnen zur Verfügung. Die Parkplätze in Engelberg sind gebührenpflichtig.
Einkehr:
Weitere Informationen:
Brunni statt Rothorn – und erst einmal hoch mit der Bahn

Zwei Ausflüge standen diese Woche zur Auswahl: Brienzer Rothorn oder Brunni bei Engelberg. Meine Freundin entschied sich für den Brunni, der schon lange auf unserer Liste stand.
Das Wetter war bedeckt, aber solange es nicht regnet, wollen wir mal nicht kleinlich sein.
In Engelberg angekommen, gondelten wir nach Ristis und von dort mit der Sesselbahn gemütlich auf den Brunni. Spielplatz und Rodelbahn liessen wir links liegen. Wir waren schliesslich zum Wandern hier.
Härzlisee und Kaffee: Erst einmal die Lebensgeister suchen


Oben angekommen, bestaunten wir den kleinen Härzlisee. Den Barfussweg liessen wir allerdings aus. Schuhe anbehalten und drumherumlaufen erschien uns auch eine aktzeptable Variante.
Früher war ich mit meinen Kindern öfter hier. Meine Jungs liebten den Barfussweg und den grossen Picknickplatz mit Grillstelle.
Diesmal stand mir allerdings eher der Sinn nach Kaffee.
Ich hatte schlecht geschlafen und hoffte, dass Koffein meine Lebensgeister wiederbeleben würde. Dazu Gipfeli, Aussicht und ein bisschen sitzen – perfekte Voraussetzungen.
Nur: Das Koffein hatte offenbar frei.
Von Brunni zur Rugghubelhütte: Gemütlich geht es los


Nach der Kaffeepause machten wir uns Richtung Rugghubelhütte auf.
Der Weg ist gut ausgebaut und zunächst ziemlich gemütlich. Er führt an Kühen vorbei über Alpweiden und am Berg entlang. Dazu gibt es immer wieder eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge und den Titlis.
Also eigentlich alles bestens.
Bis wir zum Teufelsstein kamen.
Der Teufelsstein: Wenn der Teufel an der Horbiskapelle scheitert

Der 'Tuifelsstei' steht hoch über dem Horbistal, das auch Ende der Welt genannt wird.
Und natürlich gibt es dazu eine Geschichte.
Die Horbiskapelle war früher ein beliebtes Ziel für Pilger. Das passte dem Teufel überhaupt nicht. Also wollte er die Kapelle kurzerhand mit einem gewaltigen Felsbrocken zerstören.
Doch eine Bäuerin durchschaute seinen Plan, ritzte ein Kreuz in den Stein – und schwupps: Der Teufel konnte ihn nicht mehr bewegen.
Der Fels blieb liegen, die Kapelle stehen und der Teufel verschwand laut Sage fluchend in Schall und Rauch.
Die Teufelsfratze kam übrigens erst später dazu. Der Schweizer Künstler José de Nève malte sie 1966 auf den Stein. Das Bild wurde später restauriert und grinst uns heute noch entgegen.

Die Geschichte rund um die Horbiskapelle und das Ende der Welt kannte ich bereits. Dort war ich schon einmal mit meiner Freundin. Umso schöner, nun wieder hier vorbeizukommen, wenn auch weiter oben.
Planggenalp: Klein, schief und wunderschön


Weiter ging es Richtung Planggenalp.
Und die hat mich richtig begeistert.
Die Alpsaison war bereits vorbei und die kleinen, etwas schiefen Hütten lagen völlig ruhig in der Landschaft. Fast ein bisschen verloren.
Dabei steckt hinter der Alp eine ziemlich interessante Geschichte: Bis ins 14. Jahrhundert war sie eine Gersauer Exklave. 26 Bauern aus Gersau sömmerten hier ihr Vieh und mussten es dafür erst über den Vierwaldstättersee und anschliessend ins Engelbergertal treiben.
Irgendwann hatten sie offenbar genug von dieser Ochsentour und verkauften die Alp 1345 an das Kloster Engelberg.
Für 140 Pfund Silberpfennige.
Das war damals ein Vermögen und dürfte heute etwa 150'000 bis 250'000 Franken entsprechen.
Die Gersauer wussten also schon damals: Wenn man schon verkauft, dann bitte nicht zum Freundschaftspreis.
Rugghubelhütte: Die Hütte, die einfach nicht näher kommt

Bis zur Planggenalp wanderten wir über Alpweiden. Danach wurde es karger, hochalpiner – und steiler.
Und dann sahen wir die Rugghubelhütte.
„Lueg, es goht nümm lang!“ rief ich enthusiastisch.
Denkste.
Die Hütte blieb einfach da.
Egal, wie viele Schritte wir machten, sie rückte gefühlt keinen Millimeter näher.
Irgendwann hatte ich das Gefühl, sie würde heimlich vor uns davonlaufen.
Also machten wir Pausen.
Mehrere.
Wir schauten zum Titlis, bestaunten die Felsen und hörten die Murmeltiere pfeifen. Zu sehen bekamen wir natürlich kein einziges. Die hatten offenbar keine Lust, sich fotografieren zu lassen.
Der Weg ist übrigens nicht schwierig. Aber ich war müde. Und wenn man müde ist, wird aus einem eigentlich gut machbaren Anstieg plötzlich eine Geduldsprobe.
Irgendwann stand die Hütte dann tatsächlich über uns.
Noch ein paar Schritte. Und dann ging alles ziemlich rassig.
Rugghubelhütte: Tolle Aussicht und eine volle Hütte

Oben erwartete uns eine fantastische Aussicht auf den Titlis, ins Tal und die umliegende Bergwelt.
Wir waren hungrig und gingen in die Hütte.
Und staunten.
Sie war voll.
Dabei hatten wir unterwegs kaum Leute getroffen.
Wo kamen die alle her?
Entweder waren es Übernachtungsgäste oder Wanderer vom Rotgrätli.
Das Rotgrätli hätte uns durchaus gereizt. Die zusätzliche Schleife wäre eigentlich eine schöne Verlängerung gewesen.
Aber meine Müdigkeit und Unlust meiner Freundin hielten uns davon ab.
Ich war müde.
Die Freundin nicht.
Sie hatte einfach keinen Bock auf noch mehr Wandern.
Auch eine legitime Form der Entscheidungsfindung.


Also setzten wir uns draussen hin, bestellten Aperol und Mittagessen und genossen die Aussicht.
Wobei es dort oben durch den Wind ziemlich frisch war.
Was auch erklärte, weshalb die Hütte voll und wir die einzigen auf der Terrasse waren 😬
Rückweg nach Ristis – und plötzlich war Eile angesagt


Nach der Pause ging es wieder über die Planggenalp und am Teufelsstein vorbei zurück zur Verzweigung.
Zurück zur Brunnihütte und mit der Sesselbahn hinunter?
Oder direkt nach Ristis?
Die Freundin wollte den kalten Wind auf der Sesselbahn nicht noch einmal und entschied sich für Ristis.
Nach kurzer Zeit standen wir wieder an einem Wegweiser.
Zu Fuss bis Engelberg oder Gondel ab Ristis nehmen?
Wir nahmen die Gondel.
Gelaufen waren wir schliesslich genug.
Ich schaute auf die Uhr. 16.40 Uhr.
Der Wegweiser versprach noch 20 Minuten bis Ristis.
Also alles ganz entspannt.
Bis sie plötzlich sagte:
„Oh, mir müesse pressiere. D letscht Gondle geit am füfi!“
Äh, wie jetzt? Das war's dann mit entspannt.
Plötzlich entwickelten wir ungeahnte sportliche Fähigkeiten und marschierten, was die müden Beine noch hergaben.
Um 16.58 Uhr stolperten wir mit letzter Kraft in die letzte Gondel.
Glück gehabt.
Und wir waren uns beide einig: Den ganzen Weg bis Engelberg runterzulaufen, wäre jetzt wirklich keine attraktive Alternative gewesen.
Fazit: Kürzer als gedacht – aber gefühlt irgendwie nicht

Die Wanderung zur Rugghubelhütte war eigentlich gar nicht besonders lang und auch technisch nicht schwierig.
Trotzdem fühlte sie sich für mich deutlich länger an, als sie tatsächlich war.
Vielleicht lag es an meiner schlechten Nacht. Vielleicht am Kaffee, der seinen Job an diesem Tag eher halbherzig erledigte. Oder einfach daran, dass meine Müdigkeit trotz Aussicht und Koffein nicht ganz verschwinden wollte.
Die Aussicht war jedenfalls grossartig und das Rotgrätli hätte mich durchaus noch gereizt. Aber meine Müdigkeit und die fehlende Lust meiner Freundin auf eine Zusatzschlaufe waren sich ziemlich einig: Heute nicht.
Besonders gefallen haben mir der Teufelsstein, die Geschichte rund um die Horbiskapelle und das Ende der Welt – und vor allem die wunderschöne, friedliche Planggenalp.
Und obwohl wir unterwegs erstaunlich wenigen Leuten begegneten, war die Hütte dann plötzlich gut gefüllt.
Vielleicht hatten die sich alle dort versteckt.
Man weiss es nicht.
Aber wir waren froh, als wir schliesslich in der letzten Gondel sassen.
Man muss schliesslich auch wissen, wann genug gewandert ist. 😄
Corinna
😈 Teufel, müde Beine & die letzte Gondel
🏔️ Aussicht:
Grossartig. Da oben kann man schon mal vergessen, dass die Beine langsam anderer Meinung sind.
😈 Teufelsstein:
Spannende Geschichte. Und wieder einmal zeigt sich: Mit einer cleveren Bäuerin sollte sich selbst der Teufel besser nicht anlegen.
🏡 Planggenalp:
So friedlich, dass ich am liebsten noch ein bisschen geblieben wäre.
🥱 Meine Müdigkeit:
Hartnäckig. Kaffee und Aussicht konnten sie nicht ganz vertreiben.
🥾 Rotgrätli:
Hätte mich gereizt. Aber meine Energie und die Lust meiner Freundin auf eine Zusatzrunde hielten sich ungefähr die Waage.
🍹 Aperol:
Gute Entscheidung. Frische Bergluft inklusive.
🚠 Letzte Gondel:
16.58 Uhr. Kurz vor Knapp, aber geschafft. Mehr Spannung hätte diese Wanderung nun wirklich nicht gebraucht. 😉



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