Wanderung ans Ende der Welt bei Engelberg – und natürlich verliefen wir uns
Aktualisiert: vor 16 Stunden
📍 Ort / Region: Engelberg / Horbis - Ende der Welt, Kanton Obwalden
Start / Ziel: Engelberg Dorf
Höchster Punkt: ca. 1'129 m ü. M.
Distanz: ca. 8 km
Dauer: ca. 2,5–3 Stunden
Höhenmeter: ca. 120 m Aufstieg
Schwierigkeit: leicht
Trittsicherheit: nicht besonders anspruchsvoll
Schwindelfreiheit: nicht erforderlich
Familientauglichkeit: ja
Route: Engelberg – Eugenisee – Laternenweg – Eienwäldli – Grotzenwäldli – Horbis – Ende der Welt – Lourdes-Grotte – Engelberg
Beste Reisezeit: ganzjährig, im Winter je nach Schnee- und Wegverhältnissen. Wir waren bei guten Bedingungen ohne spezielle Ausrüstung unterwegs.
Besonderheit: Das Ende der Welt ist tatsächlich ein realer Ort – allerdings deutlich weniger dramatisch, als der Name vermuten lässt. Die Wanderung selbst ist leicht und abwechslungsreich – perfekt für einen entspannten Ausflug, bei dem nicht die sportliche Herausforderung, sondern die Landschaft und das ungewöhnliche Ziel im Mittelpunkt stehen.
Anreise ÖV:
Anreise Auto:
Parkmöglichkeiten in und um Engelberg
Weitere Informationen:
Auf der Suche nach dem Ende der Welt

Engelberg kennt man als Ausgangspunkt für Titlis, Trübsee und Brunni. Berge, Skipisten, Wanderwege – touristisch ist hier einiges los.
Aber wusstet ihr, dass ihr nur wenige Kilometer vom Dorf entfernt tatsächlich am Ende der Welt landet?
Natürlich wollte ich das sehen.
Kurz vor Weihnachten machte ich mich deshalb mit meiner Freundin auf den Weg.
Und wie es sich für zwei Frauen gehört, die sich bei Ausflügen schon mehrfach erfolgreich verfahren und verlaufen haben, begann die Reise nicht gerade mit einem Navigations-Highlight.
Aber dazu später.
Engelberg: Wo die Reise schon mit einem Umweg beginnt
Engelberg liegt rund 25 Kilometer südöstlich des Vierwaldstättersees in einem Hochtal auf etwa 1'000 Metern über Meer. Der Ort ist Ausgangspunkt für unzählige Aktivitäten: Skifahren auf dem Titlis, Wandern am Trübsee, Rodeln und Wandern auf dem Brunni – langweilig wird es hier vermutlich nur, wenn man grundsätzlich nichts mit Bergen anfangen kann.
Wir kamen mit dem Auto von Basel.
Und schafften es bereits unterwegs, die Sache unnötig interessant zu gestalten.
Von Luzern aus waren wir plötzlich nicht mehr ganz sicher, ob wir Richtung Gotthard oder Schwyz fahren mussten. Wir entschieden uns für Schwyz.
Falsch.
Also runter von der Autobahn, wenden, wieder zurück und diesmal tatsächlich Richtung Engelberg.
Ich erwähne das deshalb, weil sich unsere Orientierungskünste später noch einmal bemerkbar machen sollten.
Zum Ende der Welt – aber bitte erst einmal in die falsche Richtung

In Engelberg angekommen, machten wir uns zu Fuss auf den Weg.
Und liefen erst einmal Richtung Eugenisee.
Nun könnte man den Eugenisee natürlich umrunden. Schöner kleiner See, nette Runde. Nur: Unser Ziel hiess Ende der Welt und nicht Eugenisee.
Ausserdem war es bitterkalt.
Also 180 Grad umdrehen und zurück.
Wir folgten einer gut besuchten Langlauf-Loipe durch eine schöne Baumallee und kamen schliesslich zum Laternenweg entlang der Aa.
Ja, der Fluss heisst tatsächlich so.
Und nein, ich habe mir das nicht ausgedacht.
Der Laternenweg an der Aa: wunderschön – aber noch nicht das Ende der Welt


Der Laternenweg führt entlang der Aa Richtung Alpenresort und Camping Eienwäldli. In der Adventszeit sorgen die Laternen für eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.
Schön war es. Und saukalt.
Obwohl strahlend schönes Wetter herrschte, lagen Teile des Weges noch im Schatten und Bodennebel hing über der Landschaft. Erst als wir in die Sonne kamen, änderte sich die Stimmung schlagartig.
Die Sonne wärmte, der Schnee glitzerte und plötzlich war Winter nicht mehr einfach nur kalt, sondern ziemlich schön.
Meine Freundin befand die Temperaturen langsam als angenehm.
Ich begann derweil damit, meine Jacke auszuziehen.
Man muss schliesslich Prioritäten setzen.
Eienwäldli: Wenn der Weg schon wieder verdächtig aussieht

Wir folgten dem Weg Richtung Camping Eienwäldli. Ein wirklich schöner Campingplatz übrigens – das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
Nur führte dieser Weg leider nicht ans Ende der Welt.
Obwohl er durchaus so aussah, als könnte er dort irgendwo hinführen.
Also mussten wir erneut korrigieren.
Diesmal keine dramatische Kehrtwende, sondern nur ungefähr 45 Grad. Wir verliessen den Weg und gingen weiter Richtung Horbis.
Langsam kamen wir unserem eigentlichen Ziel tatsächlich näher.
Durch den Grotzenwald Richtung Horbis


Der Weg führte an der Station der Brunni-Bahn vorbei und weiter zum Grotzenwäldli.
Dort gibt es einen Spielplatz, Feuerstellen und einen kleinen Weiher.
Kurz danach liessen wir Engelberg endgültig hinter uns und der Weg begann anzusteigen.
Jetzt wurde es richtig schön.
Der Himmel leuchtete tiefblau, die Sonne wärmte und der Schnee glitzerte. Links von uns begleitete uns der Bärenbach und vor uns öffnete sich immer mehr die winterliche Landschaft.
Die wenigen Chalets am Weg wirkten fast wie aus einem Winterprospekt.
Nur ohne die Menschenmassen, die auf solchen Prospekten praktischerweise nie zu sehen sind. Wir begegneten kaum jemandem.
Ende der Welt bei Engelberg: Hier geht es tatsächlich nicht mehr weiter


Nach und nach wurden die Häuser weniger. Schliesslich standen nur noch ein paar Chalets entlang des Weges – und dann waren wir da.
Am Ende der Welt.
Nun erwartet man bei einem solchen Namen vielleicht ein Tor zur Hölle, einen Abgrund oder zumindest einen dramatischen Aussichtspunkt.
Nichts davon.
Das Ende der Welt bei Engelberg ist ein Talkessel, umgeben von Bergen. Hier geht der Weg schlicht nicht mehr weiter. Zumindest nicht auf unserer Route.
Und trotzdem steckt in dieser Gegend eine ziemlich teuflische Geschichte. Die Kapelle von Horbis und ein grosser Stein spielen darin eine entscheidende Rolle. Was der Teufel damit zu tun hat und warum sein Plan am Ende nicht aufging, könnt ihr in meinem Bericht über die Wanderung zur Rugghubelhütte nachlesen – dort kommen wir nämlich am sagenumwobenen Teufelsstein vorbei.
Wenn ihr unbedingt weiterwollt, müsst ihr die Berge hoch. Und dafür waren wir an diesem Tag nicht gekommen.
Natürlich darf an einem Ort namens Ende der Welt auch ein Restaurant nicht fehlen.
Das Restaurant Ende der Welt stand tatsächlich da.
Leider war es geschlossen.
Natürlich.
Wenn man schon einmal bis ans Ende der Welt läuft, darf man dort schliesslich nicht auch noch erwarten, dass jemand auf einen wartet.
Hungrig machten wir uns deshalb wieder auf den Rückweg.
Von der Lourdes-Grotte zurück nach Engelberg


Wir überquerten eine kleine Brücke über den Bärenbach und folgten dem Bach nun auf der anderen Seite zurück Richtung Engelberg.
Dabei kamen wir an der Lourdes-Grotte vorbei.
Wir blieben eine Weile stehen, schauten uns die Grotte an und machten uns anschliessend weiter auf den Weg ins Dorfzentrum.
Der Rückweg war deutlich unkomplizierter als unser Hinweg.
Zumindest konnten wir jetzt nicht mehr behaupten, das Ziel nicht gefunden zu haben.
Engelberg: Die Landschaft gewinnt gegen den Ort

Engelberg selbst hat mich ehrlich gesagt optisch nicht besonders begeistert.
Das klingt vielleicht etwas hart, aber ich fand den Ort eher durchschnittlich.
Die Umgebung dagegen ist grandios.
Berge, Wanderwege, Skigebiete, Seen, Schluchten und unzählige Möglichkeiten für Unternehmungen. In dieser Hinsicht spielt Engelberg definitiv ganz vorne mit.
Irgendwie erinnerte mich der Ort deshalb an Interlaken.
Auch dort finde ich den eigentlichen Ort eher mässig spannend – aber die Lage und die Möglichkeiten rundherum sind schlicht fantastisch.
Und genau dafür kommt man ja schliesslich hierher.
Kloster Engelberg - Und ein Öpfeltörtli als krönender Abschluss


Im Dorf kehrten wir in einem kleinen Café ein und gönnten uns erst einmal einen Imbiss. Wir wurden sehr freundlich bewirtet und konnten unsere inzwischen ziemlich kalten Körper wieder auf Betriebstemperatur bringen.
Danach ging es weiter zum Kloster Engelberg.
Das Kloster wurde 1120 gegründet und blickt auf eine entsprechend lange Geschichte zurück.
Eine Legende besagt, dass auf dem Hahnen Engel getanzt haben sollen. Diese himmlische Erscheinung soll die Benediktiner dazu bewogen haben, hier ein Kloster zu errichten.
Daher also der Name Engelberg.
Ob die Engel damals tatsächlich getanzt haben, sei dahingestellt. Aber die Geschichte ist allemal schöner als: „Hier war halt noch Platz.“
Das Kloster selbst ist sehenswert. Besonders beeindruckt hat mich die wunderschön gearbeitete Kanzel – falls man das tatsächlich so nennt. Ich bin schliesslich keine Fachfrau für Kanzeln.

Zum Kloster gehören ausserdem eine Klostergärtnerei, ein Klosterladen und eine Schaukäserei mit Laden und kleinem Café.
Dort werden regionale und selbst hergestellte Spezialitäten angeboten.
Und dann kam mein persönliches Highlight. Das Öpfeltörtli.
Ich glaube, ich habe noch nie einen besseren Apfelkuchen gegessen.
Wer also nach dem Ende der Welt hungrig zurückkommt: Ich würde den Umweg über die Schaukäserei ausdrücklich empfehlen.
Mein Fazit: Das Ende der Welt ist näher als gedacht
Unser kleiner Ausflug ans Ende der Welt war eigentlich eine ganz einfache Wanderung. Wäre da nicht unsere bemerkenswerte Begabung gewesen, erst auf der Autobahn und später in Engelberg die eine oder andere falsche Richtung einzuschlagen.
Aber genau das macht solche Ausflüge schliesslich aus.
Wir haben den Eugenisee kennengelernt, den Laternenweg entdeckt, sind an der Aa entlangspaziert, durch das winterliche Engelberg bis nach Horbis gelaufen und tatsächlich am Ende der Welt angekommen.
Und obwohl der Ort selbst keine spektakuläre Sehenswürdigkeit im klassischen Sinn ist, hat mir die Umgebung sehr gut gefallen.
Engelberg bleibt für mich deshalb ein Ort nach dem Motto:
Der Ort? Geht so.Die Umgebung? Absolut top.Die Orientierung? Ausbaufähig.Das Öpfeltörtli? Eine Offenbarung.
Wenn ihr also Lust auf einen kleinen Ausflug habt, bei dem ihr nicht nur schöne Landschaft, sondern auch einen ziemlich speziellen Ortsnamen entdecken könnt, dann macht euch ruhig einmal auf den Weg ans Ende der Welt.
Und falls ihr euch unterwegs verlauft:
Keine Sorge. Ihr seid damit definitiv nicht allein. 😉
Corinna
🧭 Vom Ende der Welt zur Zusammenfassung
🗺️ Startpunkt: Basel
🔁 Verlaufrate: 3× auf einem Ausflug – wir arbeiten noch an der Statistik.
🧭 Orientierung: Richtung Gotthard? Schwyz? Engelberg? Irgendwann waren wir tatsächlich richtig.
❄️ Wetter: Eiskalt. Sonne vorhanden. Wärmegefühl: individuell verschieden.
🚷 Falsche Abbiegungen: mindestens zwei. Wir nennen es heute einfach spontane Routenoptimierung.
🕯️ Laternenweg: Winterstimmung vom Feinsten. Und ja, die Aa heisst wirklich so.
🥾 Weg: leicht, abwechslungsreich, hübsch – und mit gelegentlichem Überraschungspotenzial.
🍽️ Restaurant am Ende der Welt: geschlossen. Natürlich. Alles andere wäre auch zu einfach gewesen.
🕳️ Lourdes-Grotte: kleiner, besonderer Zwischenstopp auf dem Rückweg.
⛪ Kloster Engelberg: Geschichte, Engel, Orgel und jede Menge Sehenswertes.
🧁 Öpfeltörtli: Mein persönlicher Höhepunkt. Himmlisch.
🏔️ Engelberg-Fazit: Der Ort selbst hat mich nicht vom Hocker gehauen. Die Umgebung dafür umso mehr.
📣 Mein Tipp: Wer sich nach einem Ausflug wie nach einer kleinen Schnitzeljagd fühlt, war entweder mit mir unterwegs – oder tatsächlich am Ende der Welt. 😉
Noch mehr Wanderungen mit Geschichte
Ihr mögt Wanderungen, bei denen man unterwegs nicht nur schöne Landschaft sieht, sondern auch noch eine Geschichte mit nach Hause nimmt? Dann schaut euch meine Wanderung durch die Hohle Gasse bei Küssnacht an. Wilhelm Tell, Gessler, eine Kapelle – und natürlich habe ich auch dort wieder meine ganz eigene Geschichte dazu.



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