Basel...und das Bruderholz– Hügel, Aussicht & eine Prise Lokalkolorit
- Corinna
- 25. Juni 2021
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. März
Ein Hügel, viele Möglichkeiten – und noch mehr Gründe hinzugehen
Das Bruderholz: eine Hochfläche auf stolzen 391 Metern, die Basel und das Baselbiet miteinander verbindet.
Klingt erstmal nach Geografieunterricht, ist aber in Wahrheit viel besser: ein Naherholungsgebiet, das von Stadtmenschen und Landliebhabern gleichermassen gefeiert wird.
Und ja – hier wohnen auch die, die es sich leisten können. Villen, gepflegte Gärten, ein bisschen „Hach, so könnte ich auch leben“. Aber das Beste daran: Du darfst trotzdem einfach durchspazieren und so tun, als würdest du dazugehören 😉
Hier wird gelebt, gearbeitet – und vor allem: entspannt. Spazieren, joggen, Erdbeeren pflücken oder einfach nur ins Grün starren und kurz vergessen, dass es auch noch To-do-Listen gibt.

Falls ihr das Bruderholz von Basel noch nicht kennt: Kommt mit, ich zeige euch etwas davon!
Start in Münchenstein – viele Wege führen aufs Bruderholz
Wir starten im Baselbiet und laufen von Münchenstein aus aufs Bruderholz. Ihr werdet sehen, ihr könnt von allen Seiten auf die Hochfläche, sei es von Reinach, Therwil...sonstige umliegende Gemeinden oder gar von der Stadt Basel aus.
Aber unser Weg hat natürlich Stil. Und einen ersten kulinarischen Stopp.

Predigerhof – hier bleibt man gerne länger als geplant
Erster Halt ist der Predigerhof: ein Landhof, der sich zum Ziel gesetzt hat, Produkte aus der Region zu verwerten, gekocht wird nach dem Nose-to-Tail Prinzip.
Für viele Ausflügler einfach ein MUSS, dort einzukehren: sei es, dass man mit der Familie ein Glacé nimmt oder sich ein regionales Gericht munden lässt.
Das schattige Gartenrestaurant lässt einen die Zeit vergessen, während man die vorübergehenden Spaziergänger beobachten kann...und genau so soll sich das anfühlen, mit der Entschleunigung.

Wenn sich zwei Raubzüge in die Quere kommen
So, weiter gehts mit einem kurzen Schlenker in Richtung Reinach, wo oberhalb des Ponyhofes das Denkmal vom Schwabenkrieg steht.

Dort, wo dieser unscheinbare Gedenkstein steht, sind sich am 22. März 1499 österreichische Reiter und Schweizer Eidgenossen in die Quere gekommen.
Die Österreicher, welche mit dem Schwabenbund verbündet waren, befanden sich nach einem erfolgreichen Raubzug in Dornach auf dem Rückweg ins Elsass, als ein Heer von Solothurnern, Luzernern und Bernern, welche wiederrum auf Raubzug im Elsass waren und zum Schloss Dorneck zurückkehrten, ihren Weg kreuzte.
Die Stimmung? Sagen wir mal - angespannt.
Den Eidgenossen gelang es im Kampf, den Österreichern ihre Beute wieder abzujagen, obwohl sie im Verhältnis 1:3 unterlegen waren.
Nicht schlecht für einen spontanen Zusammenstoss im Wald.



Weite, Wege und dieses Gefühl von „ahhh…“
Zurück in die Gegenwart.
Wege, Felder, Wiesen – und dieses Gefühl von Weite, das man in der Stadt oft vermisst. Genau das macht das Bruderholz aus.
Dazwischen: Schrebergärten, kleine Oasen, irgendwo ein Pony – und plötzlich ist alles ganz leicht.



Das Bruderholzspital – gross, teuer und ein bisschen umstritten
Langsam taucht das Bruderholzspital auf. Mit rund 400 Betten thront es ziemlich eindrücklich über der Gegend.
Und sorgt seit Jahren für Diskussionen. Zu teuer, nicht optimal gelegen, soll man renovieren oder gar neu bauen.. schliesslich wurden vor etwa 10 Jahren im zweistelligen Bereich Millionen von Steuergeldern investiert, um es zu sanieren.
Und heute? Da wird wieder darüber diskutiert, ob man abreissen oder weiter sanieren soll...um welche Beträge es sich diesmal handeln soll, ist noch nicht klar....sicher ist nur, dass es viel kosten wird.

Der Wasserturm – 1 Franken für ganz viel Aussicht
Wir spazieren weiter zum Wasserturm, der eine fantastische Sicht auf Basel und Umgebung bietet.
Gebaut im Jahre 1926 dient er auch heute noch als Wasserreservoir der Stadt Basel. Er kann ganzjährig von 8 - 17 Uhr besichtigt werden, der Eintritt kostet 1.-.

1. August – klein, fein und ein bisschen geheimer
Die Grünflächen rund um den Wasserturm werden nicht nur von Privaten und Störchen genutzt, sondern auch bei grösseren Anlässen gerne in Szene gesetzt.
So findet dort jährlich die 1. August Feier mit Feuerwerk statt.
Jaja, ich weiss, alle wissen, dass diese Feier am 31. Juli am Rhein statt findet, doch Basler kennen auch die Feier, die wirklich noch zum 1. August stattfindet.
Alles etwas kleiner und feiner als am Tag zuvor am Rhein und deshalb erst recht einen Besuch wert.
Ankommen im Quartier – schön wohnen können sie hier
Nun stehen wir vor Basels Toren und kommen ins Wohnquartier Bruderholz. Eine schöne Gegend zum wohnen, wo auch viele der besser betuchten leben, aber ebenso finden Hinz und Kunz eine Bleibe in diesem schönen und ruhigen Quartier.




Sternwarte – ein bisschen Kindheit, ein bisschen Universum
Auf dem Weg um das Feld oberhalb des Margarethenparks kommen wir zur Sternwarte.
1929 eröffnet, gehörte sie bis 2007 zur Uni Basel. Seither wird sie vom astronomischen Verein Basel betrieben.
Ich kann mich gut erinnern, wie fasziniert ich war, als wir in der Primarschule in der Dunkelheit die Warte besuchten und durchs Teleskop linsen durften. Ich glaube fast, ich habe damals auch den Saturn, resp. seine Ringe gesehen...es war auf jeden Fall grossartig.
Jetzt gerade frage ich mich, wieso ich die Sternwarte seither nicht mehr besucht habe...keine Ahnung, aber ich sollte es wirklich wieder mal machen. Denn zugänglich ist sie ja für die Öffentlichkeit, zumindest an allen Freitagen.
Im Winter von 20-22 Uhr und im Sommer von 21-23 Uhr. Vorausgesetzt, der Himmel ist wolkenlos und die Temperatur über dem Gefrierpunkt.
Schaut einfach mal unter www.astronomie-basel.ch nach und holt euch die entsprechenden Infos.

Sunnebeedli – entschleunigen auf die alte Art
Wenige Meter neben der Sternwarte kommt ihr am 'Sunnebeedli' vorbei. Es ist ein kleines, öffentliches Schwimmbad, welches 1903 eröffnet wurde. Und das sieht man dem Bad noch immer an.
Die Zeit scheint still gestanden zu haben, die Hektik, die ihr von anderen öffentlichen Schwimmbädern kennt, gibt es hier nicht. Drei Becken stehen zur Verfügung, alter Baumbestand spendet Schatten, hier könnt ihr eure Beine bräunen und die Seele baumeln lassen.
Keiner stört euch, wenn ihr die Nase in ein Buch steckt und den Bauch in die Sonne haltet. Es gibt hier zwar keine Action, aber eine gemütliche und entspannte Zeit, auch mit Kindern, verbringt man hier definitiv.

St. Margarethen – Postkartenblick inklusive
Den Abschluss unseres Spaziergangs bildet das Margarethenkirchlein.
Vielleicht habt ihr es ja schon mal gesehen, hoch auf dem Margarethenhügel, an der Grenze zu Binningen. Wie es da so steht und auf Basel hinabblickt.
Mit den sie umgebenden Bauten bildet die Kirche eigentlich eine Kirchensiedlung ausserhalb des Dorfes Binningen deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. Es finden Messen statt und auch Hochzeiten konnte ich dort schon bestaunen.
Auf dem Hügel unterhalb des Kirchleins grasen im Sommer Kühe, im Winter schlitteln die Kinder mit lauten Juche nach unten. Zumindest wenn es genügend Schnee hat.
Als ich noch klein war, konnten wir die Abfahrten fast die ganzen Winter geniessen, Jahre später, als ich mit meinen eigenen Kindern dort unterwegs war, gab es immerhin noch einige Tage im Winter, in denen wir gemeinsam dort runtersausten.
Aber heute? Meist zuwenig Schnee, aber wenns hat, dann seht ihr auch heute noch die Jungmannschaft runterflitzen.
Und keine Sorge: niemand landet nach der Abfahrt auf der Strasse, denn immer werden grosse Strohballen als Schutz am Ende des Hügels aufgerichtet, damit man spätestens dort etwas unsanft zum halten kommt.








Fazit: Ein Ort, der nichts will – ausser dass du bleibst
Und da stehen wir nun. Blick Richtung Basel, Richtung Bahnhof, Richtung Alltag.
Das Bruderholz ist kein lauter Ort. Kein hipper Ort. Kein Ort, der sich aufdrängt.
Aber genau deshalb bleibt man hier hängen.
Ein bisschen länger. Ein bisschen öfter.
Und vielleicht sehen wir uns ja mal dort oben.
Saluti
Corinna
Kurz gesagt:
🌼 Bruderholz – Basels grüne Krone mit Herzklopfen-Garantie 💚
🌳 Wo sind wir hier eigentlich?
Zwischen Basel und Baselbiet – da, wo die Stadt Luft holt und das Herz auf Spaziergang geht.
🚶♀️ Was kann man tun?
– Spazieren, picknicken, durchatmen, dem Pony "Hallo" sagen
– Joggen mit Aussicht oder Erdbeeren pflücken mit Glücksgefühl
– Einfach mal rumträumen. Geht hier ganz hervorragend. 😌
🍽️ Hunger? Keine Panik!
– Predigerhof: Hausgemacht, regional und mit viel Liebe serviert.
– Glacé unter Bäumen? Bitte ja.
– Für alle Naschkatzen mit Niveau (und Appetit auf Nose-to-Tail).
⚔️ Fun Fact mit Fechtgeruch:
– 1499 gab’s hier eine Raubzug-Rempelei. Eidgenossen vs. Ösis. Ergebnis: Basel 1 – Habsburg 0. 🎯
💧 Wasserturm-Feeling:
– 1 Franken Eintritt, 360° Aussicht, Herz voller Fernblick.
– Plus: perfekte Kulisse für einen inneren "Hach"-Moment. 🌄
🌌 Sternschnuppen inklusive:
– Sternwarte Venusstrasse – ja, das heisst wirklich so!
– Jeden Freitag kannst du dort Saturn winken. Und alten Schulträumen. ✨👀
🌊 Sommer, Sonne, Sunnebeedli:
– Klein, charmant, herrlich altmodisch.
– Keine Rutschen, dafür Ruhe und riesige Bäume. Und Sonnenflecken fürs Buch.
⛪ Kirchlein mit Wow:
– St. Margarethen mit Schlittelhang und Kuhblick.
– Oben beten, unten juchzen – saisonabhängig. 🐮⛷️
Zum Mitnehmen:
Bruderholz ist nicht laut, nicht trendy, nicht hip. Aber genau deshalb so zauberhaft.Ein Ort, wo die Zeit ein bisschen langsamer tickt ✨



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