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Blutfarmen und PMSG: Grausame Praxis in der Pferdezucht

  • Corinna
  • 19. Apr. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 8 Stunden

Ein ungewöhnliches Thema: Blutstuten


Um was geht es hier? Was ist das? Noch nie gehört? Das verwundert mich nicht, denn auch ich bin erst in einem Roman der isländischen Schriftstellerin Yrsa Sigurdadottir darauf gestoßen. In ihrem Buch Nacht gewährt sie in einer Nebengeschichte einen Einblick in das Tun eines isländischen Bauern, der vom Blut seiner Stuten lebt.


Das Thema beschäftigte mich am Ende der Lektüre schon fast mehr als der übrige Inhalt des Buches – wobei der Roman selbst wieder sehr spannend und packend geschrieben ist.



Doch worum geht es nun bei diesen Blutstuten? Das, was ich dabei herausfand, ist einfach schrecklich.


Was ist PMSG und wie wird es gewonnen?


Auf sogenannten Blutfarmen in Argentinien und Uruguay wird tausenden trächtigen Stuten Blut entnommen, um das Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) zu gewinnen. Dieses Hormon wird in den ersten 4 bis 5 Monaten der Trächtigkeit gebildet.


Die Tiere werden dabei:


  • in Gatter getrieben, nötigenfalls mit Gewalt,

  • die Köpfe hochgebunden,

  • ohne jegliche lokale Betäubung mit einer dicken Kanüle in die Halsvene gestochen.


Einmal pro Woche wird jeder trächtigen Stute während etwa 8 Wochen jeweils 5 Liter Blut abgezapft. Das bedeutet, sie verliert in dieser Zeit etwa 40 Liter Blut – mehr, als das Gesamtvolumen einer Stute normalerweise beträgt.


Wenn die Stute ihre „Schuldigkeit“ getan hat, wird das Fohlen entweder:


  • manuell (durch Aufschneiden der Fruchtblase), oder

  • medikamentös abgetrieben,


sofern es die Stute nicht schon zuvor wegen der Qualen auf natürlichem Wege verloren hat.



Die Folgen für die Stuten

Die körperlichen Folgen für die Tiere sind verheerend:


  • Volumenmangelschock

  • Thrombosen

  • Entzündungen an der Einstichstelle

  • teilweise der Tod


Ziel der Züchter ist es, die Stuten zweimal pro Jahr trächtig zu halten, was pro Stute etwa 80 Liter Blut ergibt.


Das daraus gewonnene Hormon wird teuer verkauft: aktuell liegt der Preis bei etwa 100 Gramm für 1 Million Euro. Die Praxis ist also extrem lukrativ – deutlich profitabler als der Verkauf von Fohlen.



Einsatz von PMSG in der Schweinezucht


PMSG wird vor allem in der Schweinezucht eingesetzt, um:


  • den Zyklus der Sauen zu synchronisieren,

  • künstliche Besamung gleichzeitig durchzuführen,

  • Trächtigkeit und Wurftermine zu koordinieren.

Das Ziel: Gewinnoptimierung. Ferkel werden gleichzeitig gemästet und zeitgleich zum Metzger gebracht.


In der Schweiz:

  • Einsatz in Bioprodukten ist grundsätzlich verboten.

  • Verbrauch des natürlichen PMSG ist stark zurückgegangen, teilweise durch synthetisches PMSG ersetzt.

  • Seit dem 01.September 2022 ist der Einsatz von PMSG privatrechtlich verboten.

  • Tierschutzorganisationen fordern ein gesetzliches Verbot weil sie befürchten, das privatrechtliche könnte rückgängig gemacht werden.


Warum synthetisches PMSG nicht generell eingesetzt wird, konnte ich nicht mit Bestimmtheit eruieren, doch scheinbar wirkt das synthetische PMSG nicht so gut wie das natürliche.


Blutfarmen weltweit: Argentinien, Uruguay, Island und Deutschland


Nachdem die katastrophalen Zustände der Blutfarmen in Südamerika bekannt wurden, wurden einige Farmen nach Island verlagert. Dort wird behauptet, dass die Blutentnahme nun „tierschutzgerecht“ erfolgt – ich persönlich glaube kaum daran.


Aktuell gibt es in Island etwa 5.000 Blutstuten, geplant ist eine Vergrößerung auf 20.000 Stuten.


Auch in Deutschland ist mindestens eine Blutfarm in Thüringen bekannt. Die Betreiber dürfen die Blutentnahme offiziell als „Tierversuch“ durchführen, obwohl diese normalerweise nur für zwingend notwendige Forschung erlaubt ist. Die Genehmigungen wurden ohne Prüfung bis Mitte 2025 weiterhin bewilligt.


Persönliche Reflexion und Bioprodukte


Ehrlich gesagt, bisher dachte ich bei tierischen Produkten nur an:


  • Platz und Haltung der Tiere

  • Futterqualität

  • Genmanipulationen


Aber dass Tiere auf diese Weise gezeugt werden, hatte ich definitiv nicht auf dem Schirm. Für mich ist das ein Grund mehr, bei Bioprodukten zu bleiben.


Fazit


Vielleicht hat euch dieser Artikel neue Erkenntnisse gebracht. Für mich ist klar: Wir sollten Tiere bewusster wahrnehmen und kritisch hinterfragen, wie tierische Produkte entstehen – von der Haltung über die Zucht bis zur Gewinnoptimierung.


Bis zum nächsten Mal,


Corinna


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