Göscheneralpsee Rundwanderung: Stau am Gotthard? Dann lieber einmal um den schönsten Stausee der Schweiz!
- Corinna
- vor 11 Minuten
- 8 Min. Lesezeit
📍 Ort / Region: Göschenen, Kanton Uri (Urner Alpen)
Start / Ziel: Parkplatz beim Berggasthaus Dammagletscher am Göscheneralpsee
Distanz: ca. 9 km Rundwanderung
Dauer: ca. 4 Stunden (mit Fotostopps, Pausen und Geniessen der Aussicht eher länger)
Höhenmeter: ca. 450 hm Aufstieg und 450 hm Abstieg insgesamt
Schwierigkeit: Mittel bis anspruchsvoll (T2–T3 Bergwanderweg)
Trittsicherheit: Erforderlich. Die Route führt teilweise über felsige Passagen und unebenes Gelände. Besonders im Bereich der «Egg» sind sichere Schritte und gutes Schuhwerk wichtig.
Schwindelfreiheit: Erforderlich. Es gibt schmale Wegabschnitte mit abfallendem Gelände sowie Passagen, bei denen ein sicherer Tritt und ein gutes Gefühl für Höhe wichtig sind.
Familientauglichkeit: Für wandererfahrene, trittsichere Kinder geeignet. Aufgrund der Länge, der Höhenmeter sowie der schmaleren Passagen mit ausgesetztem Gelände eher für ältere Kinder empfehlenswert.
Meine Route: Parkplatz Berggasthaus Dammagletscher – Staumauer – Aufstieg über die linke Seeseite – «Egg» mit Blick auf Dammagletscher und Dammareuss – Abstieg zum See - erneuter Aufstieg über die rechte Seeseite - Hochmoor «Berg» – Abstieg über die rechte Seeseite – zurück zum Ausgangspunkt
Beste Reisezeit: Juni bis Oktober (je nach Schneelage und aktuellen Verhältnissen)
Meine Empfehlung: Wenn ihr den beeindruckenden Dammagletscher länger im Blick haben wollt, beginnt mit der Wanderung auf der linken Seeseite. So lauft ihr dem Gletscher direkt entgegen.
Besonderheit: Eine abwechslungsreiche Rundwanderung um einen der schönsten Stauseen der Schweiz. Die Kombination aus türkisblauem Wasser, rauer Hochgebirgslandschaft, Gletscherblick, Hochmoor und wilden Wasserläufen macht diese Tour zu einem echten Geheimtipp in den Urner Alpen.
Geschichte der Göscheneralp: Unter dem Göscheneralpsee liegt die ehemalige Siedlung der Göscheneralp. Im Jahr 1962 wurde die Alp für den Stausee geflutet. Die Geschichten der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner könnt ihr hier anhören:
Anreise ÖV: Mit dem Zug bis Göschenen. Anschliessend mit dem Postauto Richtung Göscheneralp bis zur Haltestelle «Göscheneralp, Dammagletscher».
👉 SBB Fahrplan: https://www.sbb.ch/de
Anreise Auto: Von Göschenen führt eine schmale Bergstrasse hinauf zum Göscheneralpsee. Gebührenpflichtige Parkplätze befinden sich beim Berggasthaus Dammagletscher.
Hinweis: Die Zufahrt zum Göscheneralpsee ist bereits ein kleines Abenteuer: Die Bergstrasse ist teilweise einspurig und bei Gegenverkehr ist etwas Geduld gefragt. Das Postauto kennt die Strecke allerdings deutlich besser als die meisten Besucher.
Einkehr:
👉 Berggasthaus Dammagletscher: https://www.dammagletscher.ch
Highlights der Wanderung:
Ständiger Blick auf den imposanten Dammagletscher nach dem Aufstieg über die linke Seeseite
Türkisblauer Göscheneralpsee vor eindrucksvoller Bergkulisse
Die «Egg» mit der wilden und tosenden Dammareuss
Hochmoor «Berg» mit kleinen Tümpeln, Heidelbeersträuchern und alpiner Landschaft
Abwechslungsreiche Rundwanderung mit Felsen, Wasser, Gletscherblick und Bergwegen
Eine der schönsten und abwechslungsreichsten Stausee-Wanderungen der Schweiz
Göscheneralpsee Rundwanderung: Zwischen Gotthardstau und Gletscherkulisse

Wer bei Göschenen automatisch an den Gotthardstau denkt, sollte dringend einmal die nächste Ausfahrt nehmen. Nur wenige Kilometer vom Verkehrschaos entfernt wartet mit der Rundwanderung um den Göscheneralpsee eine der schönsten Touren der Zentralschweiz – inklusive türkisblauem Stausee, gewaltiger Gletscherkulisse, urigen Alpweiden und einem Hochmoor, das fast zu idyllisch aussieht, um echt zu sein.
Die Wanderung rund um den Göscheneralpsee überraschte mich allerdings nicht nur landschaftlich. Unter der glitzernden Wasseroberfläche verbirgt sich nämlich die Geschichte eines Dorfes, das dem Stausee weichen musste.
Ausserdem begegnete ich dem Alphöhi, war froh um jedes Lüftchen und vermisste vor allem eines: Meinen Ventilator.
Aber gnueg gschwätzt - auf zur Wanderung!
Vom Ventilator direkt in den Gotthardstau
Wer von Nord nach Süd durch die Schweiz fährt, kommt nicht an Göschenen vorbei. Das Dorf kurz vor dem Gotthardtunnel kennt man vor allem wegen der endlosen Blechlawinen davor. Doch wer war schon einmal dort? Und wer hat überhaupt schon vom Göscheneralpsee gehört?
Für mich stand jedenfalls schon seit Jahren fest: Da will ich hin. Und zwar nicht einfach nur kurz schauen, sondern den Stausee einmal komplett umrunden.
Anfang dieser Woche war es endlich so weit. Nach einer elenden Nacht in dieser Sommerhitze stand ich noch vor Morgengrauen völlig gerädert auf. Ganz ehrlich: Ich war kurz davor, die Wanderung erneut zu verschieben und mich stattdessen erneut dem Ventilator und meinem Bett hinzugeben.
Aber irgendwann muss man sich eben zusammenreissen. Also los – Richtung Gotthard.
Wie erwartet: Stau vor dem Gotthard. Wenig überraschend. Endlich tauchte die Ausfahrt Göschenen auf, ich fuhr durchs Dorf und folgte den Schildern Richtung Göscheneralp.
Die Bergstrasse und mein unfreiwilliges Date mit dem Postauto

Eigentlich hatte ich mit einer ganz normalen, zweispurigen Bergstrasse gerechnet. Denkste. Immer wieder wurde die Strasse einspurig. Und ganz ehrlich: Solche Strassen gehören nicht zu meinen Favoriten. Schon gar nicht bei Gegenverkehr.
Natürlich kam, was kommen musste.
Das Postauto.
Ausgerechnet an einer einspurigen Stelle.
Zum Glück gab es direkt neben dem Abgrund eine kleine Ausweichstelle. Ich quetschte mein Auto hinein, hoffte inständig, dass ich nicht «ins Loch abekei» und wartete.
Das Postauto rollte seelenruhig vorbei. Ich atmete tief durch und fuhr weiter.
Spätestens auf dem Heimweg, so nahm ich mir vor, würde ich vorher den Busfahrplan studieren. Man muss ja nicht jedem Postauto zweimal begegnen.
Ankunft am Göscheneralpsee und Start der Rundwanderung


Beim Parkplatz beim Berggasthaus Dammagletscher angekommen, musste ich mich zuerst orientieren. Parkplatz, Berggasthaus, Kiosk mit regionalen Produkten und Toiletten – alles da. Nur der See fehlte irgendwie
Dafür standen gleich zwei Wegweiser Richtung Göscheneralpsee. Einer führte direkt links steil nach oben, der andere gemütlich geradeaus.
Die Entscheidung fiel erstaunlich leicht. Wer läuft freiwillig sofort bergauf? Eben.
Keine fünf Minuten später stand ich auf der Staumauer und blickte auf den See.
Sofort fiel mir auf, dass der Wasserstand deutlich tiefer war, als ich erwartet hatte. Ob die Hitze schuld war? Oder liefen im Tal gerade sämtliche Klimaanlagen und Ventilatoren auf Hochtouren? Wer weiss.
Ich jedenfalls hatte weder Ventilator noch Klimaanlage – und schwitzte bereits auf knapp 1700 Metern über Meer fröhlich vor mich hin.
Ein See mit verborgener Vergangenheit

Was viele nicht wissen: Wo heute der türkisblaue Göscheneralpsee liegt, befand sich früher eine kleine, lebendige Bergsiedlung.
Die Göscheneralp war nicht immer nur ein Ausflugsziel für Wanderer, Gletscherliebhaber und Menschen, die dem Gotthardstau entkommen wollen.
Ab dem 17. Jahrhundert wurde das Gebiet dauerhaft besiedelt. Familien lebten hier oben, arbeiteten auf den Feldern, hielten Vieh und bewirtschafteten die karge Berglandschaft.
Es war ein einfaches Leben, aber es war ihr Zuhause.
Mit dem Bau des Göscheneralp-Stausees änderte sich alles. 1962 wurde die Staumauer fertiggestellt und die Alp langsam geflutet. Die Häuser, die Schule und sogar die kleine Kirche wurden abgebaut, die Bewohner mussten ihre Heimat verlassen und mit ihnen zog auch das Vieh ins neue Zuhause im Tal.
Wo einst Kinder zur Schule gingen, Familien lebten und Kühe auf den Alpweiden standen, liegt heute der See.
Während ich also auf meiner Wanderung am tieferen Wasserstand entlanglief, konnte ich nicht anders, als immer wieder hinunter auf die Wasserfläche zu schauen. Irgendwo dort unten müssten noch die Spuren dieser alten Siedlung liegen. Ich suchte die Oberfläche ab, schielte konzentriert nach Mauerresten oder irgendwelchen Hinweisen auf das frühere Leben – doch ich konnte nichts erkennen.
Nur Wasser.
Und darüber eine beeindruckende Bergkulisse.
Gerade dieser Gedanke machte die Wanderung für mich noch einmal spezieller: Man läuft nicht einfach um einen schönen Stausee, sondern um einen Ort mit Geschichte. Einen Ort, an dem vor nicht allzu langer Zeit Menschen ihren Alltag verbrachten.
Wer mehr über die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner der Göscheneralp erfahren möchte, kann den Geschichten der Menschen lauschen, die hier gelebt und gearbeitet haben:
Der erste Aufstieg – und erste Zweifel

Eigentlich hatte ich hier oben etwas Abkühlung erwartet. Stattdessen brannte die Sonne gnadenlos vom Himmel. Immerhin hatte ich mich diesmal grosszügig mit Sonnencreme eingeschmiert. Eine Kopfbedeckung? Natürlich nicht.
Das konnte ja heiter werden.
Trotz Müdigkeit marschierte ich gut gelaunt los, über die Staumauer und direkt hinein in den ersten steilen Aufstieg.
Mit jedem Höhenmeter floss der Schweiss etwas schneller. Kurz fragte ich mich schon, warum ich nicht doch im Bett geblieben war.
Andererseits: Wer braucht schon einen Ventilator, wenn er stattdessen keuchend durch eine Berglandschaft mit dieser Aussicht laufen kann.


Der Blick auf den tiefer liegenden See, das Tal und die umliegenden Gipfel entschädigte für jeden Tropfen Schweiss.
Wegen der Hitze und der kurzen Nacht legte ich immer wieder kleine Pausen ein. Schatten gab es kaum.
Zum Glück hatte ich diesmal mitgedacht und eine zweite Wasserflasche eingepackt
Nicht zum Trinken. Dafür gab es eine andere. Diese hier hatte einen klar definierten Aufgabenbereich. Meinen Kopf kühlen.
Sie erledigte ihren Job zuverlässig. Leider immer nur für ungefähr drei Minuten
Danach begann das Ganze wieder von vorne.
Was allerdings überhaupt nicht störte, war die Aussicht.
Die Egg – der eindrücklichste Abschnitt der Wanderung


Je weiter ich den Göscheneralpsee umrundete, desto spektakulärer wurde die Landschaft.
Am Ende des Sees rauschte die Dammareuss tosend in den See, hoch darüber thronte der Dammagletscher und ich stand mittendrin.
Genau hier, in der «Egg», wehte endlich ein angenehmes Lüftchen.
Nach all der Hitze fühlte sich das fast schon wie Wellness an.
Ich gönnte mir eine längere Pause und genoss einfach diesen wilden, kargen Ort.

Danach führte der Weg über felsige Passagen, stellenweise mit Ketten gesichert, oberhalb des Stausees entlang und schliesslich wieder hinunter auf Seehöhe.
Leider verschwand mit den Höhenmetern auch das Lüftchen und meine Schweissproduktion lief wieder auf Hochtouren.
Über das Hochmoor Berg zurück zum Göscheneralpsee


Unten angekommen suchte ich mir erst einmal einen Schattenplatz hinter einem Felsen und blickte hinüber ins Chelenalptal.
Frisch erholt ging es an den nächsten Aufstieg. Rein objektiv war dieser wohl kaum schwieriger als der erste. Rein subjektiv fühlte er sich ungefähr doppelt so anstrengend an.
Schlechter Schlaf und Sommerhitze sind eben keine ideale Kombination.
Zum Glück hatte ich Zeit. Und ich machte ausgiebig Gebrauch davon.
Schliesslich erreichte ich das Hochmoor «Berg». Und was für ein wunderschöner Abschnitt das war.
Zwischen kleinen Tümpeln, Libellen, Heidelbeersträuchern und Felsen verlief der Weg durch eine völlig andere Landschaft. Ich war begeistert.
Und dann kam er. Der Alphöhi persönlich.
Bevor ich ihn überhaupt sah, roch ich ihn bereits.
Stumpen.
Kurz darauf trat er hinter einem Felsen hervor: Jagdhut, uriger Wanderstock, schwere Bergschuhe, ein Rucksack fast grösser als er selbst und ein dunkler Rauschebart.
Zwischen zwei Zügen an seinem Stumpen grummelte er ein tiefes «Grüess ech», schob noch ein «Schöne Tag» hinterher und stapfte weiter.
Ganz ehrlich: Schweizerischer wird's kaum.
Heimfahrt ohne Postauto-Mutprobe

Der letzte Abstieg führte zurück zum Berggasthaus.
Ich war inzwischen so erledigt, dass ich nicht einmal mehr Lust auf den Kiosk hatte.
Ich wollte nur noch nach Hause. Und auf dem schnellsten Weg zu meinem Ventilator.
Eines vergass ich aber nicht: den Busfahrplan.
Kurz überschlagen, ob das timing passte, Motor gestartet und losgefahren.
Und tatsächlich: Das Postauto kreuzte ich erst unten in Göschenen – nicht mehr auf der schmalen Bergstrasse.
Mission geglückt.
Fazit
Die Rundwanderung um den Göscheneralpsee gehört für mich definitiv zu den schönsten und abwechslungsreichsten Stausee-Wanderungen der Schweiz. Und das, obwohl die Bedingungen diesmal nicht gerade auf meiner Seite waren: wenig Schlaf, Sommerhitze und ein Ventilator, der zuhause vermutlich deutlich entspannter seinen Dienst verrichtete als ich am Berg.
Mein persönliches Highlight war ganz klar die «Egg» mit der wilden Dammareuss. Rau, laut, ursprünglich und eingerahmt vom Dammagletscher – genau so mag ich Berglandschaften am liebsten.
Und Göschenen? Für mich ist das seither nicht mehr einfach der Ort vor dem Gotthardstau, sondern der Ausgangspunkt einer grandiosen Wanderung. Und der Stau? Darf künftig gerne ohne mich weiterschleichen.
Corinna
📦 Göscheneralpsee-Check: Gletscher, Schweiss und Abenteuer
🏔 Landschafts-Kino
Dammagletscher im Blick.
Türkisblauer See.
Wilde Bergkulisse.
Mehr braucht es eigentlich nicht.
💦 Schweiss-Level
Sommerhitze.
Kurze Nacht.
Keine Kopfbedeckung.
Natürlich.
Die zweite Wasserflasche rettete meinen heissen Kopf – leider immer nur für drei Minuten.
🚌 Abenteuer-Faktor
Schmale Bergstrasse.
Postauto.
Einspurige Stell
Was sonst.
Mein Puls: höher als beim Aufstieg.
Das Postauto: völlig entspannt.
🏚 Geschichte unter Wasser
Heute: Stausee.
Früher: Häuser, Schule und Kirche.
Die Göscheneralp war einst ein bewohntes Tal.
Ein schöner See. Aber einer, der eine verlorene Heimat versteckt.
🧓 Begegnung des Tages
Jagdhut.
Rauschebart.
Stumpen.
Der Alphöhi war so perfekt ins Bild gesetzt, dass selbst Hollywood kaum nachbessern könnte.
⭐ Meine Wertung
Landschaft: ⭐⭐⭐⭐⭐
Gletscherkulisse: ⭐⭐⭐⭐⭐
Schweissfaktor: ⭐⭐⭐⭐☆
Postauto-Nervenprobe: ⭐⭐⭐☆☆
❤️ Wieder machen?
Sofort.
Beim nächsten Mal mit mehr Schlaf.
Und vielleicht einer Kopfbedeckung.
Der Ventilator bleibt trotzdem zuhause. 😉
🥾 Noch nicht genug von Uri?
Falls ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid: Keine Sorge, der Kanton Uri hat noch ein paar weitere Wanderperlen auf Lager.



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