Rundwanderung vom Klausenpass zum Griesslisee, kalte Füsse...und die Sache mit der GPS Rebellion
- Corinna
- 11. Juli 2025
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Apr.
📍 Klausenpass & Griesslisee Wanderung – Überblick
Ort: Klausenpass, Kanton Uri / Glarus (Schweiz)
Höhe: ca. 1’948 m ü. M. (Passhöhe)
Wanderziel: Griesslisee (auch Gletschersee genannt)
Dauer: ca. 1.5 Std. pro Weg
Höhenmeter: ca. 250 m
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Parkplätze: ca. 70 (kostenlos, schnell voll im Sommer)
Highlight: türkisfarbener Gletschersee unter dem Clariden
Beste Reisezeit: Juni – Oktober
Tipp: gutes Schuhwerk & früh starten
Klausenpass Wanderung zum Griesslisee: Gletschersee & Naturerlebnis in der Zentralschweiz

Der Klausenpass gehört wohl zu den beeindruckendsten Alpenpässen der Zentralschweiz und verbindet Uri und Glarus auf eine ziemlich spektakuläre Art und Weise.
Die meisten kennen ihn wahrscheinlich wegen der kurvigen Passstrasse, auf der sich Motorradfahrer in Lederkombis durch die Landschaft schrauben – dabei liegt das eigentliche Highlight ein paar Höhenmeter weiter oben: die Wanderung zum Griesslisee, der hier oben übrigens ganz unspektakulär einfach Gletschersee genannt wird.
Unterhalb der mächtigen Clariden-Nordwand zeigt sich dann dieses Naturkino in voller Bandbreite: saftig grüne Alpwiesen, plötzliches Geröll und mitten drin dieser milchig-türkise See, der entstanden ist, weil sich der Gletscher immer weiter zurückzieht. Genau dieser Kontrast macht die Wanderung so besonders – nichts Spektakuläres im Sinne von schwierig, aber ziemlich eindrücklich auf kleinem Raum.
Klausenpass: Wo die Töfffahrer dominieren – und der Gletschersee heimlich wartet
Der Klausenpass ist wohl in erster Linie den in Lederkombis gehüllten und mit Helmen bewehrten Töfffahrern bekannt – und weniger den Gletscherseeliebhabern. Und das hat durchaus seinen Grund:
Rund 48 Kilometer Passstrasse, die sich elegant (oder sagen wir: ziemlich kurvig) von Uri nach Glarus zieht
Vom Urner Schächental über den Klausenpass, weiter zum Urner Boden und hinunter ins Linthal – einmal quer durch Bilderbuch-Schweiz
Und unterwegs trifft man auf eine sehr gemischte Gesellschaft, nämlich:
Motorradfahrer, die jede Kurve feiern wie ein eigenes Event
Biker, die sich den Anstieg sportlich schönreden
Autofahrer, die zwischen „Wow, Aussicht!“ und „Wann kommt die nächste Ausweichstelle?“ pendeln
Wanderer, die eigentlich genau wissen, warum sie hier sind – nämlich wegen der Aussicht und nicht wegen der Geschwindigkeit
Kurz gesagt: Die Strasse hat viele Fans. Nur der Gletschersee oben wartet meistens etwas geduldiger auf seinen grossen Auftritt.
Klausenpass ja bekannt – aber wer kennt bitte den Griesslisee?
Nun, während der Klausenpass eine gewisse Bekanntheit hat, weiss kaum jemand etwas über den Griesslisee, der sich wenige Kilometer von der Passhöhe entfernt unterhalb des Clariden Berggipfel befindet. Ein Naturwunder, das schöner ist, als es jeder Post aufzeigen könnte.
Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo ich das erste mal etwas über diesen Griesslisee gesehen oder gelesen hatte: war's in einem Buch? Sendung? Kaffeesatz? Keine Ahnung, doch seit diesem Zeitpunkt wollte ich unbedingt dort hoch und einen Schwumm in diesem See wagen.
Zwei Wanderer, ein Ziel – und (ausnahmsweise) kein Navigationsdrama

Vor zwei Wochen war es so weit. Ich im Wandermodus – und meine Schwester ebenfalls im entsprechenden Tenue gewandet. (Vielleicht kennt ihr sie schon aus früheren 'Verfahrungs-Episoden').
Sie verlässt sich blind auf das GPS – ich dagegen diesmal auf meine Erinnerungen an Google Maps. Und siehe da: Statt ständigem „Wo lang?!“ herrschte ungewohnte Navigationsruhe.
Ich lotste uns souverän durch Altdorf Richtung Klausenpass. Und Zack! Waren wir oben. Ohne Umweg. Ich sollte einen Orden dafür kriegen...und meine Schwester auch, dafür dass sie das GPS still und leise zur Seite legte...
Altdorf & Schächental: Wo sogar Wilhelm Tell kurz staunen würde
Bereits die Fahrt durch Altdorf und das Schächental war ein Traum: Postkartenidylle vom Feinsten:
Wilhelm Tell, unser stattlicher Nationalheld, mit Sohn, Apfel und Armbrust stand stolz mit hoch erhobenen Haupt auf einem Sockel mitten in Altdorf.
Im Schächental dann die geschwungenen Hügel, die im Sonnenlicht grün leuchteten.
Die spitzen Gipfel rundum und der Ausblick auf den Stäubifall.
Das 'Ah' und 'Oh' meiner Schwester fand kein Ende.
Und auch ich kriegte mich vor Begeisterung kaum noch ein.
Orientierung auf dem Klausenpass



Oben angekommen orientierten wir uns erst einmal: Wo war der See? Und was gab es sonst noch?
Vor Ort findet ihr:
ca. 70 kostenlose Parkplätze (schnell belegt im Sommer)
einen Kiosk mit Selbstbedienungsrestaurant
öffentliche, saubere Toiletten
die Bruder Klaus Kapelle (eingeweiht 1938)
ein gemütliches Bergrestaurant
Die Route vom Klausenpass zum Gletschersee

Links vom Restaurant fanden wir schliesslich den Wegweiser zum Gletschersee. Der heisst hier nämlich nicht Griesslisee sondern ganz einfach Gletschersee.
Diesen gibt es laut verschiedener Quellen erst seit etwa 20 bis 40 Jahren und bildete sich mit dem Rückzug des Claridengletschers.
Während früher noch Eisschollen im See trieben, sind diese heute bereits nicht mehr vorhanden, auch der Gletscher zieht sich mehr und mehr vom See zurück, ist mit Geröll bedeckt und hinterlässt immer mehr Schmelzwasser im See.
Nachdem wir den Wegweiser entdeckt hatten, liefen wir stetig bergauf, zuerst dem Schotterweg entlang und später auf einem Trampelpfad quer über Schafweiden. Wir mussten nur den weiss-rot-weissen Zeichen folgen und uns an der Claridennordwand orientieren, so konnte nichts schiefgehen.
Urnerboden: Zwischen Glarus und Uri – und einer legendären Hahnengeschichte

Doch wie so oft in den Alpen gilt: Die schönste Aussicht hat meist die schrägste Geschichte.
Der Urnerboden ist dafür ein perfektes Beispiel. Geografisch eigentlich in Glarus, politisch aber stur bei Uri eingeordnet. Und erreichbar nur dann, wenn der Winter gerade beschlossen hat, sich diskret zurückzuziehen. Dass das früher für etwas Gesprächsstoff sorgte, kann man sich gut vorstellen – besonders ohne GPS und mit viel Zeit zum Diskutieren.
Irgendwann hatten Uri und Glarus dann genug von Theorie und Kartenstreit und entschieden sich für eine Lösung, die heute irgendwo zwischen „genial“ und „wirklich jetzt?“ liegt: Man lässt die Beine entscheiden.
Die Idee in Kurzform:
Zur Sommersonnenwende startet beim ersten Hahnenschrei je ein Läufer
Einer aus Uri, einer aus Glarus
Ziel: irgendwo auf dem Pass treffen
Ergebnis: dort wird die Grenze gezogen
Einfach. Direkt. Und erstaunlich wenig juristisch abgesichert
Natürlich wäre das Ganze nicht eine Schweizer Sage, wenn nicht ein bisschen Taktik im Spiel gewesen wäre:
Die Glarner setzten auf Luxusstrategie und mästeten ihren Hahn für einen möglichst frühen Weckruf
Die Urner gingen den umgekehrten Weg und liessen ihren Hahn hungern – mit der Hoffnung auf einen besonders motivierten Start
Der Urner Hahn war tatsächlich schneller wach als erwartet
Der Urner Läufer hatte also früh die Nase vorn und nutzte das konsequent aus
Während im Glarner Lager noch am perfekten Hahn gearbeitet wurde, war der Urner längst unterwegs. Als der Glarner Läufer endlich startete, war das Rennen schon eher ein Aufholversuch mit alpinem Charakter.
Und dann kam der Moment, an dem aus Sport plötzlich Geschichte wurde:
Die beiden Läufer trafen sich irgendwo auf dem heutigen Urnerboden
Kurz Blickkontakt, vermutlich etwas Atemnot und viel Schweiss
Und damit war die Grenze gesetzt – improvisiert, aber offiziell genug für die Nachwelt
Damit hätte die Geschichte eigentlich enden können. Tut sie aber nicht.
Die Glarner waren wenig begeistert über das Ergebnis
Es wurde verhandelt, argumentiert und vermutlich auch ein bisschen geflucht
Am Ende entstand ein sehr eigenwilliger Kompromiss: Der Glarner trägt den Urner ein Stück zurück über den Pass, dort sollte dann die Grenze sein
Das tat er dann auch. Ein paar Schritte lang ging das gut, dann meldete sich die Realität in Form von Höhenmetern, fehlender Kondition und einem ziemlich schlechten Timing.
Ein Schluck Wasser aus dem Bach brachte noch kurz Hoffnung, danach war endgültig klar: Diese Grenze bleibt, wo sie ist - und der Glarner verabschiedete sich ins Nirwana.
Genau so und nicht anders wurden 1315 in der Schweiz Grenzen gezogen. Unvergesslich!
Wenn Lämmer Meinung haben und Wanderer ungefragt durchs Wohnzimmer laufen


Schon bevor wir die Wiese mit den Schafen betraten, hörten wir lautes Blöken. Kurz darauf konnten wir den Grund dafür erkennen: Lämmer! Wir waren uns aber nicht ganz sicher, ob der Grund für das Blöken der Durst der Lämmer war oder der Beschützerinstinkt der Mütter, als verschiedene Wanderer über das Feld liefen.
Vermutlich war es eine Mischung aus beidem. Als wir schliesslich die Wiese erreichten, hatte das Blöken ein Ende, die Lämmer waren am säugen und die Schafe am fressen...oder sünnele 😊

Wanderung zum Griesslisee: Vom Grünen ins Gletscherparadies der Clariden-Nordwand


Die Wanderung von der Passhöhe zum Gletscherseeli ist nicht schwer zu bewältigen: ca. 250 Höhenmeter sind zu gehen, das Ganze dauert etwa anderthalb Stunden je Weg. Das Besondere an dieser Wanderung ist aber, wie abrupt sich die Natur dabei verändert. Und das innert kürzester Zeit.
Während wir noch auf grünen Wiesen mit Findlingen unterwegs waren, konnten wir bereits den Schuttwall am Ende des Grüns erkennen.
Wie mit einem scharfen Messer zieht die Natur hier eine Grenze zwischen Wiese und Gestein. Mit einem Fuss noch auf dem Grün, mit dem anderen bereits auf losem Geröll unterwegs. Das war mehr als beeindruckend.
Wir liefen noch einige Meter über diese Gesteinsmasse und dann lag er da! Zu unseren Füssen, der Griesslisee! In einem milchigen Grün strahlte er uns entgegen.

Griesslisee am Gletscher: Zwischen Eis, Geröll und dem Wandel der Alpenlandschaft


Einst überzog der Gletscher das ganze Gebiet, das nun nur noch aus losem Geröll besteht. Und auch wenn das Ganze unwirtlich aussieht, könnt ihr an dem leichten Grün an den Hängen erkennen, wie sich die Vegetation hier wieder ausbreiten wird. Ich bin gespannt, wie es hier in ein paar Jahren aussehen wird.
Nun standen wir also oben auf dem Murgang (heisst das so?) und überblickten den ganzen See. Runter- oder nicht runtergehen, war nun die Frage. Doch auch wenn meine Schwester etwas zögerte: ich wollte ja dort baden. Also nicht wie los, weiter den markierten Pfaden entlang, runter zum Fätschenbach.


Griesslisee (Fast-) Bad im Gletscherwasser: Eiskalte Abkühlung mit Klausenpass-Panorama


Als wir den Murgang endlich hinter uns hatten und auf der Ebene des Sees angelangten, gab es nur noch eines: Schuhe weg und Füsse ins Wasser. Schliesslich wollte ich erst die Temperatur testen, bevor ich mich in mein Badekleid schmiss.
Ich freute mich schon darauf, bis... ich die Füsse drinnen hatte. Ich schaffte es knapp bis über die Fussknöchel und stand kurz vor dem Kälteschock! 🥶
Puhhh, ich muss zugeben: das reichte bereits für eine Abkühlung. Aber das Badekleid wollte ich dennoch nicht umsonst mitgenommen haben - also nichts wie rein damit ins Wasser.
Nach der Abkühlung machten wir uns wieder auf dem selben Weg zurück, wieder den Murgang hoch, bei den Schafen und all den Findlingen vorbei und landeten schliesslich bei einem verspäteten Mittagessen im Restaurant auf dem Klausenpass.
Fazit Griesslisee: Lohnt sich der Aufstieg?
Es war ein fantastischer Ausflug und das meine ich ohne jegliche Übertreibung. Ich kann euch den Griesslisee sehr empfehlen, er ist es wert, den Weg auf sich zu nehmen, erst recht, da ihn noch nicht viele Leute kennen.
Und ich weiss jetzt schon, dass ich wieder dort hochgehen werde. Vielleicht auch mal bei schlechterem Wetter:
bei Nebel?
Regen?
In Thermowäsche?
Das hab ich für mich noch nicht festgelegt, aber definitiv nicht im Winter, da ist eh der ganze Pass zugeschneit und die Strassen dicht.
Und nun verabschiede ich mich von euch mit einem letzten Bild.

Hebets guet und bis zum nächsten Ausflug.
Corinna
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🛵 Klausenpass:
Motorrad-Mekka mit Postkartenkulisse – wer zu spät schaltet, verpasst die Aussicht.
👣 Wander-Fun-Fakt:
Wandert man 250 Höhenmeter, fühlt es sich an wie 500 – besonders bei Hitze und mit Schwester im Schlepp.
🧭 Navigation:
Vertrau nie blind dem GPS… ausser, deine Schwester benutzt es. Dann sowieso besser selbst führen.
📸 Fotopotenzial:
10/10 für Berge, 11/10 für Blöken mit Aussicht.
Hahn vs. Hunger – der absurdeste Grenzstreit ever:
🐓 Urner: hungriger Hahn = frühes Kikeriki
🐓 Glarner: satter Hahn = verschlafen
📜 Ergebnis: Uri gewinnt, Glarus trägt’s mit Würde (und Urner auf dem Rücken).
Tierische Begegnungen:
🐑 Schafe everywhere.
🐑 Lämmer: lautstark.
🐑 Wanderer: respektvoll, aber leicht verwirrt.
☀️ Bonus: Schafsonnenbad = offizieller Sommertrend 2025.
Der Griesslisee:
💧 Farbe: milchiges Gletschergrün
🌡️ Temperatur: Füsse rein = sofortiger Nervenschock
🩱 Badekleid: wurde trotzdem gebadet… na ja, zumindest ein bisschen.
Mein Fazit:
✓ Aussicht: atemberaubend
✓ Wanderung: abwechslungsreich
✓ See: eiskalt, aber unvergesslich
✓Schwester: GPS-los und trotzdem top
Pro-Tipps:
🅿️ Früh anreisen – Parkplätze sind schneller voll als der See kalt ist.
🥾 Gutes Schuhwerk = weniger Popo-Kontakt mit Geröll.
🧊 Mutige baden. Kluge tun so, als ob.
PS: Der Klausenpass ist im Winter geschlossen und öffnet meist von Mai/Juni bis ca. November. Hier könnt ihr euch erkundigen, ob er aktuell geöffnet hat: Und wenn ihr beim gesuchten Pass auf das + klickt, findet ihr noch weitere Infos dazu:



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