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Gästetoilette renovieren: Vom Toskana-Klo zum rustikalen DIY-Gäste-WC

  • Corinna
  • 13. Jan. 2024
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Apr.



Wenn aus „schnell verschönern“ eine Baustelle wird



Neues Jahr, neues Projekt – zumindest theoretisch.


Denn die Renovation meiner Gästetoilette stand schon seit über zehn Jahren auf meiner Wunschliste. Der Raum sah immer noch aus wie eine kleine Zeitreise in die 90er: Toskana-Fliesen, ein gefliester Spiegel, offene Sanitärrohre und praktisch keine Ablagefläche.


Eigentlich wollte ich das Ganze nur ein bisschen verschönern.Ein kleines Make-over eben.


Doch wie ich im Laufe meiner Renovationen im und ums Haus gelernt habe: Sobald ich irgendwo anfange, bleibt es selten bei einer Kleinigkeit. Irgendetwas hält nicht, irgendwo bröckelt etwas oder plötzlich ist der Schaden grösser als gedacht.


Und genau so kam es auch diesmal.


Was als simples Verschönerungsprojekt begann, entwickelte sich schnell zur kleinen Baustelle – inklusive abfallender Wände, freigelegter Rohre und einem spontanen Heimwerkerstudium auf YouTube.





Mein Gästeklo im Toskana-Look – und warum es dringend weg musste


So sah die Gästetoilette all die Jahre aus: im toskanischen Stil gefliest, in der rechten Ecke ein ebenfalls gefliester Spiegel, ein kleines Waschbecken und darunter die offengelegten Sanitärrohre.


Diese waren mal abgedeckt durch eine ebenfalls geflieste Säule, die nirgendwo geöffnet werden konnte, sollte mal was im Abfluss stecken bleiben.


Und so kam es, wie es eben kommen musste: etwas fiel in den Abfluss, verstopfte diesen und ich konnte es nicht von oben lösen. Also musste ich wohl oder übel die Säule abspitzen, damit ich das Rohr endlich säubern konnte.


Und so blieb es dann auch einige Jahre stehen. Optisch nicht sehr ansprechend, ich weiss.


Nun, der Toskana Style war das eine, doch das Lavabo ohne 'verschönernde' Säule gab mir definitiv den Rest.






Ohne Ablagefläche taugt auch ein Gästeklo nichts


Ablageflächen waren auch keine vorhanden, weder für Seife noch sonst irgendwas. Da musste einfach etwas anderes her.


Inspirationstour durch den Heimwerkermarkt


Ich lass mich ja immer wieder bei meinen Streifzügen durch die Handwerkermärkte inspirieren und als ich eines Tages im Jumbo unterwegs war, sah ich 'meine' zukünftige Wand: aus speziellen Holzpaneelen.


Und als ich diese Wandverkleidung sah, wusste ich auch sofort, wie das Waschbecken und die Ablage dazu aussehen sollten.



Fliesen abspitzen – oder wie man seine Wand gleich mit entfernt


Nun ging es also endlich ans Werk. Und weil ich es sehr korrekt machen wollte, hatte ich vor, sämtliche Fliesen abzuspitzen, das Lavabo abzuschrauben, alles zu verputzen und dann mit der Gestaltung der Wände zu beginnen.



Was ihr hier rechts seht, ist die Deckenverkleidung mit den drei Spots, die ich Stück für Stück entfernte.




Hier das Ergebnis von meinem Versuch, links vom Eingang und über der Toilette die Fliessen zu entfernen.


Ein Wahnsinnschrampf und das Resultat mehr als bescheiden. Beim Abspitzen kam mir mehr entgegen, als ich wollte, sogar so viel, dass ich schliesslich auf die Dämmung gelangte. Und vorwärts ging es auch nicht.






Baustelle deluxe: Dämmung, Wasserrohr und ein leichtes Nervenzucken


Oberhalb und neben der Toilette fielen mit den Fliesen ganze Stücke der Untermauerung herunter und legten links das Wasserrohr vom oberen Badezimmer frei.


Na, das war vielleicht eine Bescherung.


Die Holzleisten rund um die Decke sind noch die Überreste von der abgehängten Decke und kamen später auch noch runter. Und bei der Gelegenheit fielen dann auch gleich noch mehr Mauerstücke ab. Suuper!


Da stand ich also nun in einem Klo, das die reinste Katastrophe war. Dabei wollte ich es doch nur verschönern! Und was sollte ich bloss mit dem abgebrochenen Mauerwerk machen?



YouTube-Universität – mein Heimwerkerstudium beginnt


Ich hab mich dann durch YouTube Heimwerkervideos gearbeitet und fand viele gute Anleitungen.


Somit war rasch auch klar, dass ich die beschädigten Wände mit Gipskartonplatten verkleiden würde, doch da ich diese nicht richtig mit Schrauben befestigen konnte, schnitt ich die Platten so zu, dass ich sie irgendwo mit Montagekleber festkleben konnte.




Rettung mit Gipskarton und was Fugenbänder damit zu tun haben


Über die Fugen legte ich noch ein sogenanntes Fugenband mit der Absicht, dass ich beim Verspachteln nicht zu viel Material in den Fugen verlieren würde.


Jedenfalls waren die beschädigten Wände nun schon mal wieder ausgebessert.


Auf dem Bild oben könnt ihr Sehen, dass das Wasserrohr nur noch an der Decke sichtbar ist, was daher kam, dass ich die abgehängte Decke entfernt hatte.


Ich musste mir also auch da noch etwas überlegen, wie ich dieses restliche Rohr noch verdecken konnte. Aber erst waren mal die Wände dran.






Oberflächenbehandlung der Gipskartonplatten


Die Gipsplatten und Fliesenwände säuberte ich anschliessend:


  • feucht mit Wasser

  • ohne Spülmittel, da dieses das spätere Verbinden mit dem Haftgrund erschweren kann

  • von sämtlichen noch anhaftenden Staub befreit

  • trocknen lassen


Anschliessend grundierte ich alles. Die Grundierung könnt ihr an dem leichten rosafarbenen Ton im Bild oben erkennen.



Warum Grundierung beim Renovieren Gold wert ist


Eine Grundierung lege ich euch je nach Beschaffenheit der Wände sehr ans Herz.

Ich kannte bereits den Unterschied zwischen Tiefen- und Haftgrund.


Haftgrund:

  • dringt oberflächlich in glatte und schwach saugende Untergründe.

  • sind solche Untergründe nicht behandelt, kann der folgende Auftrag (Farbe, Putz,Tapete etc.) nicht richtig haften und abbinden.


In meinem Fall hätte das geheissen, dass der folgende Verputz abgebröckelt wäre. (Diese Erfahrung hatte ich mal in der Waschküche, als ich nur einen Teil der Wand grundierte und der später aufgetragene Putz auf der ungrundierten Wand dann auch prompt abfiel.)


Tiefengrund:

  • zieht ganz in den Untergrund ein und reguliert dessen Saugfähigkeit.

  • dies könnt ihr ganz einfach testen, indem ihr den Untergrund, den ihr bearbeiten wollt, mit Wasser besprüht: sickert dieses sofort ein, ist ein Tiefengrund angebracht.


Es gibt ausserdem noch:


Tapetengrund:

  • welcher Unebenheiten der Wand ausgleicht und für eine bessere Haftung sorgen


Sperrgrund,:

  • welcher Flecken überdeckt, so dass diese beim Malen nicht durchdrücken.


Nun, wie ging es dann weiter? Richtig: es folgte der Verputz.




Spachteln statt Perfektion – rustikal ist auch ein Stil


Dazu habe ich diese bereits gebrauchsfertige Spachtelmasse von Knauf 'Rotband Flächenspachtel plus' genommen, welche ich im Obi kaufte.


Da meine Gästetoilette ja nicht wirklich gross ist (ca. 1.5 qm) und ich dementsprechend nicht soviel Spachtel brauchte, konnte ich mir damit das Anrühren sparen und war begeistert, wie leicht sich die Masse auftragen liess. Und hielt! Ganz wichtig!




In einem ersten Durchgang brachte ich etwa 2mm Spachtel auf, liess das Ganze zwei Tage durchtrocknen und trug dann nochmals eine Schicht von ca. 3mm auf.


So waren die Wände komplett verspachtelt.


Was ich nicht gemacht habe: die Wände glatt gezogen. Für meinen Geschmack durften auch die Wände uneben sein und rustikal wirken, denn schliesslich gab's ja noch eine Holzwand...



Trocknungszeiten lieber zu lang als zu kurz


Bevor ich aber die Holzverkleidung anbrachte, wurden nach einer weiteren Trocknungszeit von drei Tagen die Wände gestrichen.


Häufige Regel nach dem Spachteln: pro mm Auftrag = 1 Tag Trocknungszeit.





Farbkonzept: Wohnzimmer trifft Gästeklo


Ich habe mich entschieden, das Farbkonzept aus dem Wohnzimmer auch in der Toilette weiterzuführen, das hiess, oben weiss und unten ein warmer Grauton von Obi, Alpina Nr. 164, Innenfarbe matt.


Auf dem Bild oben könnt ihr gut erkennen, welche Spuren das Verspachteln hinterliess, es sieht für mich aus wie älteres Mauerwerk, was mir persönlich sehr gut gefällt.


Im Allgemeinen gefällt mir ja sowieso eher das Unperfekte als das Perfekte: Unperfektes hat mehr Persönlichkeit, wie ich finde, aber das ist ja Geschmacksache.




Boden verlegen vor Holzwand anbringen


Im Anschluss habe ich den Boden (auf dem Bild erst mal probeweise) neu mit denselben Vinylplatten verlegt, die im ganzen Parterre liegen.


Und dann kam endlich die lang ersehnte Holzwand dran.




Der Moment, auf den ich gewartet habe – die Holzwand


Dabei handelt es sich um Massivholzpaneele von Jumbo, welche es in zwei Farbtönen gibt. Ich habe mich für den helleren Ton entschieden, die Holzpaneele mit Montagekleber befestigt und anschliessend farblos lackiert.


Nachdem die Wände nun soweit fertig waren, konnte ich endlich mit den Feinarbeiten beginnen:


  • ich brachte Leisten zur Unterteilung der oberen und unteren Wand an

  • ebenso die Fussleisten.



Wenn DIY auf Sanitär trifft – hier kam der Profi ins Spiel


Für das Wasch-und Ablagebrett, ebenso wie für das Lavabo und Armatur beauftragte ich einen Sanitär, denn in sanitären Sachen weiss ich nur wenig Bescheid.


Und etwas mit Wasser falsch anzuschliessen und einen Wasserschaden zu riskieren, das wollte ich nun auch nicht.





Problem gelöst: Eine Abdeckung, die sich einfach abziehen lässt


Was aber habe ich mit dem Ablauf unter dem Lavabo gemacht?


Klar war, er musste jederzeit zugänglich sein, also bastelte ich aus den restlichen Gipskartonplatten eine Säule, befestigte Griffe dran, damit ich diese im Falle eines Falles einfach hervorziehen kann und an den Ablauf rankomme.



Die zwei auf Mass zugesägten Platten habe ich mit Winkeleisen aneinander befestigt, von vorne verputzt und bemalt und so hatte ich eine äusserst günstige Lösung für eine Abdeckung.


Und wie sieht die Toilette jetzt im Ganzen aus?




Vom Toskana-Klo zur Design-Toilette


Da ist nichts mehr vom Toskana Stil zu entdecken. Die eine oder andere passende Deko kam noch hinzu wie zum Beispiel ein altes Fenster, das ich quer an die Wand gehängt habe und die zwei Geweihe, die ich von meinem Schwipp-Schwiegervater bekommen habe (Danke dir dafür :-)




Dekoration mit Geschichte – Ast, Geweih und eine Vase aus der Manor


Das Wasserrohr an der Decke habe ich mit einem auf Mass zugesägten Holzbrett abgedeckt.


Und da ich dies alleine zu langweilig fand, habe ich noch drei günstige Wecker von Ikea und einen Holzast dort befestigt. So was hat schliesslich nicht jeder im Klo, was?!




Und hier habe ich endlich eine Ablage für Seife und Co. Die Lampe ist eine günstige Leuchte von Micasa, befestigt an einem Ast, den ich auf einem meiner Spaziergänge mit meinem Hund gefunden habe.


Die Vase in der rechten Ecke ist übrigens von meiner Mutter, die sie mir erst kürzlich mitgegeben hat und sie hat eine besondere Geschichte: als meine Mutter hochschwanger mit mir in der Stadt war, hat sie diese Vase in der Manor entdeckt und mitgenommen: und heute steht sie bei mir in der Toilette. Ich finde, sie passt einfach perfekt!



5 Monate später: Mein Fazit zur Gästetoiletten-Renovation


Nun, wie findet ihr das Resultat? Ja, ja, ich weiss, alles Geschmacksache.


Ich find mein neues Gästeklo einfach toll und was ich euch damit sagen will: solltet ihr irgendein Projekt haben, sei es nun eine Renovation oder sonst was: gebt nicht auf, auch wenn ihr keine Ahnung habt, wie es weitergehen soll.


Manchmal braucht das Ganze einfach seine Zeit. Schliesslich verbrachte ich ganze fünf Monate, bis dieser kleine Raum endlich fertig war, aber...ich bin stolz drauf, das ich es geschafft habe.


Das nächste Projekt kann kommen...


Corinna


🛠️ Gästeklo – Projektfakten:


🔧 Geplant: „Nur schnell bisschen schöner machen“


⏳ Realität: 5 Monate DIY-Therapie


💥 Startpunkt: Toskana-Fliesen & Rohrporno


💡 Gamechanger: Holzpaneele vom Jumbo – Liebe auf den ersten Blick


🧱 Drama: Wand fiel mit ab – Dämmung sagte Hallo


📹 Ausbildung: YouTube-Heimwerker-Diplom


🎨 Style: Oben weiss, unten Alpina-Grau Nr. 164 – Mood: rustikal & real


🪵 Highlights: DIY-Holzwand 😍– Gipsplatten-Kloverkleidung mit Griff– Ast + Wecker = Designerstück– Vase mit Mama-Vibes


👷‍♀️ Fazit: Aus Toskana-Klo wurde Kunst am stillen Örtchen


💬 Botschaft: Egal wie’s läuft – durchziehen, lachen, weitermachen.Perfekt ist langweilig. ✌️





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