Schlafzimmer renovieren – vom ehemaligen Kinderzimmer zum neuen Wohlfühlort
- Corinna
- vor 3 Tagen
- 8 Min. Lesezeit
Das Kinderzimmer ist leer – und was nun?
Statt den Raum einfach sich selbst zu überlassen, habe ich beschlossen: Ich renoviere das ehemalige Kinderzimmer und mache daraus mein neues Schlafzimmer. Mit Farbe, Tapete, alten Möbeln, viel Eigenleistung und natürlich einigen Überraschungen, die bei einer Renovation einfach dazugehören.
Wenn das letzte Kind auszieht …
Irgendwann ist es so weit.
Das letzte Kind packt seine Sachen, zieht aus und plötzlich steht man da. Mit einem etwas schweren Herzen … und einem Kinderzimmer, das seine besten Zeiten definitiv hinter sich hat.
Gut, ganz ehrlich?
Das mit dem schweren Herzen hielt bei mir ungefähr drei Tage. Dann meldete sich der praktische Teil meines Gehirns zu Wort. Pragmatisch bleibt eben pragmatisch.
Und jetzt? Was mach ich mit diesem Zimmer?
Ein Bastelzimmer?
Eher nicht. Ich bin lieber auf Wanderwegen unterwegs, als stundenlang am Basteltisch zu sitzen.
Ein luxuriöses Ankleidezimmer?
Haha … dafür müsste ich wohl zuerst aufhören, immer dieselben zwei Lieblingskleider anzuziehen. Und spätestens beim Wandern lande ich sowieso wieder in der ständig selben Hose und Shirt. Nein, dafür lohnt sich ein Ankleidezimmer nun wirklich nicht.
Ein Yogazimmer?
Den Gedanken hatte ich ungefähr 5 Sekunden lang. Dann musste ich selber lachen.
Schliesslich blieb ich bei einer Idee hängen, die mir richtig gut gefiel.
Ein Gästezimmer.
Wie schön wäre es, wenn meine Freundin Gisela einmal übernachten könnte. Oder eines der Kinder oder meiner anderen Freundinnen, falls das Leben gerade wieder eine seiner berühmten Kurven nimmt und jemand für ein paar Tage ein Zuhause braucht.
Also fasste ich endlich einen Entschluss.
Mein bisheriges kleines Schlafzimmer sollte künftig das Gästezimmer werden.
Und ich? Ich würde in das grosse ehemalige Kinderzimmer umziehen.
Ideen hatte ich genug – entscheiden musste ich mich trotzdem

Wer mich kennt, weiss:
Mein Problem ist selten, dass ich nichts Schönes finde.
Mein Problem ist vielmehr, dass mir viel zu viel gefällt.
Mal träumte ich von einem hellen Schlafzimmer im skandinavischen Stil, mit viel Holz und einer gemütlichen Paneelwand.
Zwei Tage später war ich überzeugt, eine Backsteinwand im Industrial-Look müsse unbedingt her.
Danach schaute ich wieder Bilder von romantischen Landhauszimmern an.
Kurz gesagt: Ich wechselte meine Meinung häufiger als meine Bettwäsche.
Eines stand allerdings von Anfang an fest.
Folgende Möbel sollten auf jeden Fall mit umziehen:
das Boxspringbett meiner Mutter, das ich geerbt hatte
mein Kleiderschrank, den ich vor 35 Jahren kaufte und sage und schreibe 14 Jahre in der Garage auf seinen grossen Auftritt gewartet hatte
meine alte Deckenlampe, die mich ebenfalls seit 35 Jahren begleitet und dasselbe Schicksal in der Garage erlitt.
Ja, genau. Irgendwie hatte sich nie der richtige Platz für sie gefunden. Bis jetzt.
Und der grosse Kleiderschrank hatte noch einen weiteren Vorteil.
Vielleicht würden die Kleider, die ich seit Jahren nicht mehr getragen habe, wieder eine Chance bekommen.
Na ja … vielleicht.
Wenn ich noch ein paar Kilos verliere. Und wieder hineinpasse.
Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Mein Plan fürs neue Schlafzimmer
Nach gefühlten hundert Meinungsänderungen kristallisierte sich langsam ein Konzept heraus.
Es sollte gemütlich werden.
Etwas dunkler, aber nicht zu dunkel.
Persönlich und warm.
Etwas nostalgisch.
Ein Zimmer, in dem man sofort die Schuhe ausziehen und sich ins Bett fallen lassen möchte.
Mein grober Plan sah schliesslich so aus:
✔️ Boxspringbett meiner Mutter
✔️ alter Kleiderschrank aus der Garage
✔️ meine 35-jährige Deckenlampe
✔️ Wände in Olivgrün und Wollweiss
✔️ florale Tapete als Blickfang
✔️ Vinylboden in Noyer Naturel, passend zum restlichen ersten Stock
Den Boden wollte ich bewusst im ganzen Stock gleich verlegen. Ich mag es, wenn sich ein roter Faden durchs Haus zieht und die Räume miteinander verbindet.
Den Renovationsplan hatte ich ebenfalls bereits gezeichnet.
Jetzt gab es keine Ausreden mehr.
Ärmel hochkrempeln.
Tief durchatmen.
Und los ging's.
Erst einmal das Chaos beseitigen


Wie wahrscheinlich bei jeder Renovation begann auch diese nicht mit Farbe oder schönen Tapeten.
Sondern mit Arbeit. Und zwar ziemlich viel davon.
Als Erstes musste das Zimmer soweit wie möglich ausgeräumt werden. Was nirgendwo anders Platz hatte, wurde kurzerhand einfach im Zimmer gestapelt.
Improvisation gehört schliesslich zu jeder Renovation.
Danach ging es Schritt für Schritt weiter:
Zimmer gründlich reinigen
stark verschmutzte Wände mit Seifenlauge abwaschen
sämtliche Dübellöcher verspachteln
Deckenleisten abreissen
Fliesensockel entfernen
Silikonfugen mühsam herauskratzen


Und genau dort wartete bereits die erste Überraschung.
Hinter den Silikonfugen kamen plötzlich irgendwelche Kabel zum Vorschein.
Wofür die einmal gedacht waren?
Keine Ahnung.
Ich schaute sie an.
Sie blieben stumm.
Wir wussten beide nicht so recht, was wir voneinander halten sollten.
Schliesslich fasste ich mir ein Herz.
Ich riss sie einfach heraus.
Auf eigenes Risiko.
Ein kurzer Moment der Spannung …
… und siehe da:
Der Strom funktionierte noch.
Das Internet ebenfalls.
Perfekt.
Offenbar wurde den Kabeln schon vor Jahren der Stecker gezogen.
Der Kampf mit der Decke – und warum ich Deckenstreichen wirklich nicht mag

Nachdem die ersten Hürden genommen waren, kam der nächste Punkt auf meiner Renovationsliste. Die Decke.
Ich glaube, ich habe es schon einmal erwähnt:
Ich hasse Decken streichen.
Nicht nur ein kleines bisschen.
Nein, ich hasse es wirklich.
Man steht da, der Nacken wird steif, die Farbe tropft einem gefühlt überall hin und irgendwann fragt man sich ernsthaft, weshalb man sich das immer wieder antut.
Aber gut.
Aufgeben ist ja bekanntlich keine meiner grossen Stärken.
Also Rolle geschnappt und losgelegt.
Leider hatte mein Sohn irgendwann einmal die glorreiche Idee gehabt, die Decke in einem satten Blau zu streichen.
An sich eine schöne Farbe.
Nur leider nicht, wenn man danach eine helle Decke möchte.
Was bedeutete:
Ein Anstrich?
Vergiss es.
Zwei?
Keine Chance.
Drei?
Immer noch blauer Schimmer dazwischen.
Am Ende waren es sage und schreibe fünf Anstriche, bis das Blau endlich verschwunden war.
Danach war ich überzeugt: Nie mehr werde ich eine Decke streichen.
Aber geschafft ist geschafft. Die Decke war wollweiss. Und ich fertig mit dem Leben!
Olivgrüne Wände und die Suche nach der perfekten Schlafzimmer-Tapete

Nun kamen die Wände an die Reihe.
Die Wand hinter dem Bett sollte komplett in Olivgrün gestrichen werden.
Die restlichen drei Wände wollte ich teilen: Der untere Bereich sollte ebenfalls Olivgrün werden, darüber sollte meine florale Tapete ihren Platz bekommen.
Endlich nahm mein Schlafzimmer langsam Gestalt an. Zumindest in meinem Kopf.
Denn jetzt kam der nächste wichtige Schritt: Die Tapete.
Also ab zum Hornbach. Und natürlich hatte ich mich vorher in genau eine Tapete verliebt.
Ihr kennt das bestimmt.
Man sieht etwas und denkt:
"Genau diese. Keine andere."
Tja.
Natürlich war genau diese Tapete nicht mehr genügend vorhanden. Warum sollte auch einmal etwas einfach funktionieren?
Also musste Plan B her.
Und Plan B war …
nun ja …
sagen wir es so:
Er war deutlich blumiger als ursprünglich geplant.
Aber was soll's.
Vielleicht wird es wunderschön.
Vielleicht denke ich irgendwann:
"Was habe ich mir dabei nur gedacht?"
Aber genau das ist ja das Spannende. Wenn alles immer perfekt geplant wäre, wäre es doch langweilig.
Und ausserdem gilt bei Renovationen wie beim Wandern:
Manchmal muss man einfach loslaufen und schauen, wo man landet.
Erst der Boden – für einen kleinen Motivationsschub

Bevor ich mich allerdings an die Tapete wagte, beschloss ich etwas zu ändern.
Ich verlegte zuerst den Boden.
Nicht unbedingt, weil das die logischste Reihenfolge war.
Sondern weil ich endlich sehen wollte, wie dieses Zimmer irgendwann einmal aussehen könnte.
Manchmal braucht man bei einer Renovation einfach einen kleinen Motivationsschub.
Und siehe da: Der Vinylboden in Noyer Naturel sah richtig gut aus.
Plötzlich konnte ich es mir vorstellen.
Das Bett.
Der alte Schrank.
Die grüne Wand.
Die Tapete.
Mein neues Schlafzimmer.
Die Motivation war wieder da. Also weiter.
Die Blümchentapete – mein kleiner persönlicher Geduldstest

Nun gab es kein Zurück mehr.
Tapetenkleister angerührt.
Tapetenbahnen vorbereitet.
Und los ging's.
In der Theorie klingt Tapezieren ja immer ziemlich einfach.
Man liest die Anleitung und denkt: "Das kann doch nicht so schwierig sein."
Die Realität sieht dann etwas anders aus.
Denn kaum hingen die ersten Bahnen an der Wand, entschieden sich einzelne davon, der Schwerkraft nachzugeben. Sie rutschten an der frisch gestrichenen Wand nach unten.
Na wunderbar. Genau das hatte ich jetzt noch gebraucht.
Also hiess es:
Nachbessern.
Drücken.
Warten.
Fluchen.
Nochmal drücken.
Aber irgendwann war es geschafft. Die Blümchentapete hing.
Und ich? Ich war richtig stolz. Nicht, weil sie vielleicht perfekt war.
Sondern weil ich es tatsächlich geschafft hatte. Ganz alleine. Mit ein bisschen Geduld und einer grossen Portion Hartnäckigkeit.
Kleine Details machen am Ende den Unterschied


Nun fehlten noch die Feinheiten.
Die Zierleisten.
Die Fussleisten.
Und natürlich die Deckenleisten.
Bei Fussleisten bin ich mittlerweile ziemlich entspannt.
Kappsäge hervorholen, messen, sägen, montieren.
Das funktioniert.
Aber Deckenleisten?
Ganz ehrlich?
Da bin ich bis heute kein Held.
Ich habe noch immer nicht wirklich verstanden, wie man diese Winkel richtig berechnet und sägt.
Aber zum Glück gibt es den Hornbach. Dort fand ich bereits vorgefertigte Eckstücke für die Deckenleisten. Perfekt.
Problem gelöst.
Dachte ich.
Denn jetzt stand ich da.
Mit den Leisten.
Mit den Eckstücken.
Und trotzdem ohne Plan.
Wie genau klebt man diese vorgesägten Winkel-Dinger eigentlich an die Wand?
Also wurde kurzerhand mein Sohn zur Hilfe gerufen.
Er kam, nahm eine Leiste und wedelte zweimal damit herum.
Stellte sie genau so an die Wand, wie sie befestigt werden musste.
Und siehe da: Es funktionierte.
Das Ergebnis: Vom ehemaligen Kinderzimmer zum Schlafzimmer
Und heute?
Warme Farben, viel Holz und ein Olivgrün, das sich je nach Lichteinfall verändert. Mal wirkt der Raum hell und freundlich, mal wunderbar gemütlich.






Drei Monate hat diese Renovation gedauert. Drei Monate mit "Han hüt kei Luscht", "Ich will endlich wieder go wandere", fehlenden Ideen und Material, das einfach nicht so wollte wie ich.
Unzählige Fahrten zum Obi oder Hornbach und noch mehr Kaffee waren Pflicht.
Aber genau wie beim Wandern lohnt es sich manchmal, einfach dranzubleiben.
Heute freue ich mich jedes Mal, wenn ich mein Schlafzimmer betrete. Nicht, weil alles perfekt geworden ist. Sondern weil aus einer vagen Idee ein Zimmer entstanden ist, das genau zu mir passt.
Und das Schönste daran? Am Anfang hatte ich wirklich null Ahnung, wie das Ganze einmal aussehen würde. 😅
Fazit: Renovieren, wandern und neugierig bleiben
Würde ich wieder ein Zimmer renovieren?
Ja, definitiv.
Auch wenn nicht immer alles nach Plan läuft – die Tapete macht, was sie will, die Deckenleiste mich herausfordert oder plötzlich irgendwelche Kabel auftauchen.
Aber genau das macht es spannend.
Wie beim Wandern muss man manchmal umdenken, improvisieren und einfach weitermachen.
Und am Ende steht man da und denkt:
Gut, dass ich es gemacht habe.
Also: Scheiss aufs Alter. Ärmel hochkrempeln, neugierig bleiben und einfach loslegen.
Corinna
Weitere DIY-Projekte, Renovationen und Wohnideen zum Selbermachen
Dieses Schlafzimmer war nicht mein erstes Projekt, bei dem ich mit Pinsel, Werkzeug und manchmal auch etwas Ratlosigkeit ans Werk gegangen bin. 😉
Ich liebe es, aus unscheinbaren Ecken etwas Besonderes zu machen, alten Dingen neues Leben einzuhauchen und mein Zuhause immer wieder ein kleines Stück weiterzuentwickeln.
Denn manchmal braucht es gar keine grosse Renovation – oft reichen eine Idee, etwas Mut und ein bisschen Durchhaltevermögen.
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