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Erdgeschoss renovieren leicht gemacht – Landhausstil, DIY-Leisten und was ich über Muskeln im Alter gelernt habe

  • Corinna
  • 29. Apr. 2022
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. März


Als ich beschloss, meinem Erdgeschoss einen neuen Look zu verpassen, dachte ich an ein paar Farbtöpfe, ein paar Leisten und vielleicht zwei entspannte Arbeitstage.


Dass daraus eine fünftägige Renovationsaktion mit Muskelkater, Prosecco-Rettungsaktion und einigen neuen Erkenntnissen übers Älterwerden werden würde – damit hatte ich allerdings nicht gerechnet.



Neue Farbe fürs Erdgeschoss – klang einfacher, als es wurde


Wieder mal war es an der Zeit, etwas in meinem Heim zu verändern. Ich wollte mich im Erdgeschoss austoben und machte mir Gedanken, wie ich diesem mit wenigen und günstigen Mitteln einen neuen Look verpassen könnte.


Schnell war klar, dass es mir nicht darum ging, Möbel auszutauschen.



Der Plan: Landhausstil mit Farbe und ein paar Leisten


Nein, die Wände sollten ein neues Aussehen bekommen, das ganze einen leichten Hauch von Landhausstil bekommen, clean und luftig sollte es werden. Und einen kleinen Hauch von Exravaganz sollte dazu kommen.

Ich entschied mich also, die zuvor hellgrauen Wände farblich zu unterteilen, der untere Part sollte dunkler, der obere Teil weiss werden.


Um die Unterteilung zu betonen, wollte ich die untere Hälfte mit Leisten verzieren.


Mit Ausnahme der Tapete links, waren die Wände durchgehend grau. Die braunen Fussleisten haben mich auch schon lange gestört, also musste da etwas frischer Wind rein.
Mit Ausnahme der Tapete links, waren die Wände durchgehend grau. Die braunen Fussleisten haben mich auch schon lange gestört, also musste da etwas frischer Wind rein.

Gut sichtbar, dass sich die Tapete auch schon etwas an den Rändern löste...und beim Übergang der Kanten wars auch nicht sauber gearbeitet...muss ich gestehn...
Gut sichtbar, dass sich die Tapete auch schon etwas an den Rändern löste...und beim Übergang der Kanten wars auch nicht sauber gearbeitet...muss ich gestehn...


Oben weiss oder unten? Die grosse Farbfrage


Lange habe ich mit mir gerungen, ob es nicht schöner sei, oben dunkel und unten weiss zu streichen…doch schlussendlich entschied ich mich für die jetzige Variante weil:

  • beträgt die Raumhöhe nur 2.30 Meter und würde durch die weisse Farbe, welche sich mit der Decke verbindet den Raum luftiger und ruhiger wirken lassen

  • drückt und schüttelt sich mein Hund mit Vorliebe an den Wänden.


Wer selbst einen Hund hat, weiss genau, was ich meine…da hat man schneller Schmutz- und Talgflecken verteilt, als man Guddis zur Hand hat, um den Vierbeiner von dort wegzulocken.


So siehts jetzt aus...leider schaffe ich es auf den Fotos nicht, die nun ruhigere Atmosphäre im Erdgeschoss einzufangen...aber ich finde, das Ganze wirkt gesamthaft grösser und angenehmer.
So siehts jetzt aus...leider schaffe ich es auf den Fotos nicht, die nun ruhigere Atmosphäre im Erdgeschoss einzufangen...aber ich finde, das Ganze wirkt gesamthaft grösser und angenehmer.


Ein Hauch von Extravaganz


Das mit der Extravaganz, die ich in den Raum bringen wollte, war nicht ganz so einfach.


Denn es sollte günstig und leicht zu bewerkstelligen sein. Recht schnell war klar, dass es dazu die Wand hinter dem Fernseher sein sollte.


Irgendwie wollte ich den Fernsehapparat besser integrieren, respektive so betonen, dass er besser in den Raum passte.


Nachdem ich viele Möglichkeiten in Betracht gezogen hatte, entschloss ich mich schliesslich, die Wand mit den selben Leisten zu verzieren, wie den unteren Bereich der Wände, um so eine Verbindung zum übrigen Raum zu schaffen.


Vorher...
Vorher...

Nachher...auch die Werkbank wurde neu geordnet, so dass das gesamte Bild ruhiger wirkt.
Nachher...auch die Werkbank wurde neu geordnet, so dass das gesamte Bild ruhiger wirkt.


Wenn Renovieren plötzlich ernst wird


Also gings auf in den Baumarkt, dieses Mal zum Obi.


Was habe ich dort zuerst gemacht:


  • Leisten wurden genauer unter die Lupe genommen, da sich diese in Breite, Länge und Höhe unterschieden.

  • Verschiedene Farbmuster wurden mitgenommen und Daheim an der Wand befestigt.


Dort liess ich sie ein paar Tage hängen und zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten auf mich wirken.


Schliesslich entschied ich mich:


  • für Fichtenleisten mit den Massen 9x47 mm. Die Länge sägte ich entsprechend der benötigten Masse.

  • weisse Farbe und als warmes grau Alpina Nr. 164 Innenfarbe matt.


Jetzt, nachdem mein Entscheid gefallen war, hatte ich das Material ruck zuck beisammen.


Nun konnte es endlich ans Werk gehen. Glücklicherweise waren die nächsten Tage trocken und sonnig, so dass ich vieles einfach auf die Terrasse geschafft habe und dort beliess, bis ich drinnen fertig war.


Fünf Tage draussen und nichts hat Schaden genommen.
Fünf Tage draussen und nichts hat Schaden genommen.

Tapete runter, Löcher zu – die wenig glamourösen Arbeiten


Nun ging es noch ran an die Tapete, die runter musste und ans Verspachteln der Bohrlöcher.


Wieder ein gutes Stück Arbeit erledigt.
Wieder ein gutes Stück Arbeit erledigt.

Nachdem ich den Boden und die grösseren Teile mit Plastik abgedeckt hatte, wurde das Nötigste noch abgeklebt und schon konnte ich anfangen, den Pinsel, respektive die Farbrolle zu schwingen.


Hund, wie immer, an vorderster Front mit dabei :-)
Hund, wie immer, an vorderster Front mit dabei :-)


Streichen, fluchen, weiterstreichen


Grosszügig verteilte ich die weisse Farbe im oberen Teil…das Streichen der Decke wollte ich mir eigentlich sparen….doch es kam alles anders.


Die Farbe deckte nicht hinreichend, an der Decke machte sich der Farbunterschied ganz übel bemerkbar, so dass ich fluchend zum Schluss kam, diese doch auch noch zu streichen.


Das Blöde war nur, es war Samstag Abend, woher sollte ich jetzt noch DECKENDE, weisse Farbe herbekommen? Musste ich das ganze auf Montag verschieben? Völlig frustriert liess ich mich auf meinen Hintern sinken und hoffte auf eine bessere Lösung.



Wenn die Renovation plötzlich zur Prosecco-Rettungsaktion wird


Und die fand sich tatsächlich ein: denn meine Schwägerin meldete sich, nichtsahnend, dass ich im grössten Puff sass und fragte, ob ich Zeit für einen Prosecco hätte.


Wenige Minuten später stand sie vor der Türe, besah sich das Ganze, hörte sich meinen Frust an und meinte dazu: „Wir haben noch weisse Farbe Zuhause, ausserdem noch Farbrollen. Ich geh das jetzt holen!“ und weg war sie.


Damit beladen, kehrte sie kurze Zeit später zurück und wir köpften den Prosecco…und kaum hatten wir die Gläser gefüllt, stand auch noch meine Schwester vor der Tür.


Nur soviel dazu: es war ein entspannter Abend und Sonntag war ja auch noch ein Tag 😉


Zeit für Prosecco...und Puff darf Puff bleiben! Ob sich Hund deswegen schämt?:-))
Zeit für Prosecco...und Puff darf Puff bleiben! Ob sich Hund deswegen schämt?:-))


Renovieren mit Muskelkater – ein unerwarteter Nebeneffekt


So, der folgende Tag kam und jetzt werdet ihr auch endlich erfahren, was dieses Projekt mit meinen Muskeln zu tun hat. Nämlich sehr viel!


Ich begann nochmals mit dem Streichen…eben auch an der Decke…(ich hasse es, Decken zu streichen!)…aber da musste ich jetzt einfach durch.


Das Ganze wiederholte ich nochmals, damit alles gut abgedeckt war…aber es dauerte gefühlt ewig. Ich schaffte am Sonntag den zweimaligen Durchgang nur mit der weissen Farbe und war danach fix und fertig.


Die Arme schmerzten und irritiert nahm ich zur Kenntnis, dass ich noch wenige Jahre zuvor weder solange für so eine Arbeit brauchte, noch solchen Muskelkater danach hatte. Ob ich langsam alt wurde? Nee, ich doch nicht….


Mit Volldampf und Muskelkater in den dritten Renovationstag


Am dritten Tag ging es weiter mit der unteren Wandhälfte und dem befestigen der neuen Fussleisten…und dann war der Pfuus auch schon langsam wieder draussen.


Immerhin schaffte ich es noch, einen Teil der Fichtenleisten ebenfalls in grau zu streichen und damit für den vierten Tag meines Umgestaltungsprojekts vorzubereiten…aber dann wars genug für den Tag.


Sämtliche Leisten wurden mit Montagekleber befestigt, schadhafte Stellen später ausgebessert.
Sämtliche Leisten wurden mit Montagekleber befestigt, schadhafte Stellen später ausgebessert.


Wenn Pflastersteine plötzlich zu Werkzeug werden


Der vierte Tag brach an, ich krempelte die Ärmel hoch und machte mich erneut ans Werk:


  • Dort, wo ich die grauen Leisten anbringen wollte, markierte ich zuvor mit Wasserwaage und Zollstock die entsprechenden Stellen.

  • Anschliessend wurden die grauen Leisten bei den Markierungen mit Montagekleber befestigt.

  • Da die grauen Leisten nicht immer an der Wand hielten, verwendete ich die Marmorabdeckung meiner Kommode und Pflastersteine, um diese gegen die Wand zu stemmen, bis der Kleber trocken war.

  • Nebenbei lasierte ich die übrigen Fichtenleisten für die Wand hinter dem Fernseher 2x imit der Lasur 'Teak' und obendrauf noch 1x in der Lasur ' Nuss', da mir Teak alleine zu rot war.



Nicht alle Leisten hielten sofort an der Wand, aber Not macht erfinderisch und so brachte ich Pflastersteine und Abdeckplatte der Kommode für den benötigten Halt an.
Nicht alle Leisten hielten sofort an der Wand, aber Not macht erfinderisch und so brachte ich Pflastersteine und Abdeckplatte der Kommode für den benötigten Halt an.


Die Fernseherwand bekommt ihren grossen Auftritt


Nachdem die lasierten Leisten gut getrocknet waren, klebte ich diese ebenfalls mit Montagekleber an die Wand des Fernsehers und sägte sie zuvor entsprechend auf Mass.

Fünf Tage später: Das Resultat


Am fünften Tag kam endlich das lästige Putzen dran, ausserdem das Ausbessern einiger Farbpatzer und von der Terrasse musste alles wieder reingeschafft werden.


Ich räumte einige Dinge um und bin nun sehr zufrieden mit dem Resultat.



Was mir diese Renovation über mich selbst beigebracht hat


Doch welche Erfahrungen habe ich nun davon mitgenommen?


Nun ja, ich wunderte mich, dass ich fünf volle Tage für diese Arbeit brauchte. Vor wenigen Jahren hätte ich dies in zwei oder drei Tagen beendet.


Also fragte ich mich, woran das wohl lag und musste ehrlich zu mir selbst sein:


  • Ich bin mit den Jahren langsamer geworden, was meiner Meinung daran liegt, dass meine Kraft nachgelassen hat. Alleine das streichen war so anstrengend wie nie zuvor. Folglich: ich muss unbedingt was für meinen Muskelaufbau tun.


  • Ich arbeite exakter, als ich es früher tat. Während bislang im Fokus stand, ein Projekt so rasch als möglich erfolgreich zu beenden und ich dafür auch ein paar sichtbare Fehler in Kauf nahm, nehme ich mir heute mehr Zeit, meine Projekte „sauber“ zu Ende zu bringen. Denn schlussendlich ist es ja egal, ob ich zwei oder fünf Tage dran bleibe. Aber die Freude über eine sauber abgeschlossene Arbeit ist mir mittlerweile wichtiger, als diese möglichst schnell abzuhaken.


Sauber arbeiten heisst bei mir allerdings nicht perfekt sein, denn davon bin ich weit, sehr weit entfernt.



Renovieren ist manchmal auch ein kleines Lebensseminar


Vielleicht habt ihr ja auch schon die ein oder andere Veränderung bei euch wahrgenommen, während die Lebensjahre dahinfliessen.


Ich bin jedenfalls gespannt, welche Veränderungen ich in den kommenden Jahre noch erfahre, welche davon ich beeinflussen kann und möchte und welche vielleicht auch unabänderlich sind.

In diesem Sinne: ein Hoch auf das Älter werden 💪


Corinna


🪚 Fazit: Renovieren ist wie das Leben – manchmal kleckert's, manchmal kracht's, aber am Ende passt die Leiste!


  • Was als kleines Projekt mit Farbe und Leisten begann, wurde zur Expedition in Sachen Geduld, Muskelkater und Lebenserkenntnis.


  • Ja, das Alter lässt grüssen, und nein – Prosecco ersetzt keine Rückenschule. Aber vielleicht ist das gar nicht schlimm.


  • Denn wenn man mit den Jahren lernt, dass langsamer nicht gleich schlechter, sondern manchmal einfach gründlicher und entspannter bedeutet – dann ist das doch eigentlich ganz schön weise, oder?


  • Der Hund hat getrübt geguckt, die Arme haben gebrannt, die Decke hat genervt – aber am Ende steht da ein Raum, der nicht nur schöner, sondern irgendwie auch ein kleines Denkmal für Durchhaltewillen, Improvisation und das gute alte Schwester- und Schwägerinnenglück ist.


Und wenn künftig jemand fragt, was denn dein Interior Style sei, kannst du ganz selbstbewusst antworten:"Landhaus trifft Muskelkater, garniert mit Lebensweisheit." 😄






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