Rom...eine Stadt, die auch zickig kann
- Corinna
- 20. Sept. 2024
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Apr.
Rom ist eine Stadt voller Geschichte, Charme und kulinarischer Highlights – und genau diese Mischung macht sie für Reisende so unwiderstehlich.
In diesem Reisebericht erzähle ich von meinen persönlichen Erlebnissen, von chaotischen Bahnhöfen, Hügeln, Nasoni-Wassern und den besten Tipps für Sehenswürdigkeiten wie Petersdom, Pantheon, Kolosseum und Trastevere.
Mit praktischen Infos zu Preisen, Geheimtipps und witzigen Anekdoten zeige ich, wie ihr Rom entspannt geniessen könnt – auch wenn die Stadt mal ihre „zickige“ Seite zeigt.
Rom erleben: Eine Liebeserklärung mit Augenzwinkern
Diesen Beitrag schreibe ich mit einem Augenzwinkern, denn Rom ist schön. Sehr schön sogar. Doch wenn ich den Städten, die ich bereits besucht habe, eine Persönlichkeit zuschreiben müsste, dann wäre Rom für mich die Zicke unter den Städten.
Doch wie gesagt: mit einem ganz, gaanz heftigen Augenzwinkern.

Erste Begegnung: Wenn Rom dich gleich testet
Mit meinen 58 Jahren war ich für wenige Tage das erste Mal in Rom unterwegs, mein jüngerer Sohn begleitete mich auf dieser Reise. Ich war sehr gespannt darauf, denn alle, die schon dort waren, schwärmten von der Stadt.
Doch schon bei der Ankunft am Flughafen ging es los, das mit dem zickig sein...
Wir wollten mit dem Zug in die Stadt fahren und lösten zwei Tickets am Automaten. Diese solltet ihr unbedingt vor Besteigen des Zuges am Bahnsteig entwerten, da euch ansonsten bei einer Ticketkontrolle im Zug eine Busse winken könnte – so zumindest wurde es uns von versierten Romkennern erklärt.
Am Bahnsteig begann dann das kleine Abenteuer:
Welcher Zug fährt überhaupt nach Termini? (Immerhin gab es ganze zwei zur Auswahl…)
Die meisten Entwerter waren ausser Betrieb
Vor den funktionierenden bildeten sich lange Schlangen
Als wir endlich dran waren, schoben wir unsere Tickets in den Automaten… und nichts passierte. Erst nach mehreren Versuchen begriff ich: Das Ticket muss gaaaanz links eingeschoben werden. Ein leises Klack, ein kaum sichtbarer Stempel und eine winzige Ausstanzung später waren wir bereit.
Wie können Automaten auch nur so zickig sein?

Ankommen in Rom: Laut, hügelig und… überraschend
Immerhin sassen wir endlich im Zug. Am Bahnhof angekommen, machten wir uns auf den Weg zur Unterkunft – mit kleinen Rollkoffern im Schlepptau:
Was uns niemand gesagt hat:
Der Weg zur Altstadt ist ziemlich hügelig
Trottoirs sind:
schmal
uneben
manchmal gar nicht vorhanden
Der Verkehr:
laut
schnell
intensiv
Grund für die Lautstärke:
Viele Straßen sind mit Kopfsteinpflaster versehen
Auf Asphalt ist es sofort deutlich leiser
👉 Erste Erkenntnis: Rom macht es einem am Anfang nicht leicht.
Kaffee, Wohnung und erste Ernüchterung
Da wir unsere Wohnung erst am Nachmittag beziehen konnten, setzten wir uns zunächst in ein Café. In der festen Überzeugung, dass man in Italien überall hervorragenden Kaffee bekommt, wurde ich – zumindest im Zentrum von Rom – eines Besseren belehrt.
Die Wohnung selbst war wunderschön gelegen, direkt am Tiber, stilvoll eingerichtet… und extrem hellhörig. Kein Nachbar konnte irgendetwas vor uns verbergen.
Und Ja, die Stadt machte es mir am ersten Tag nicht leicht, sie ins Herz zu schliessen. 😉


Sehenswürdigkeiten: So erlebt ihr Rom entspannter
Viele Sehenswürdigkeiten = viele Touristen
👉 Daher mein Tipp:
Früh morgens (bis ca. 10 Uhr)
Spät abends oder nachts
Vorteile:
deutlich weniger Menschen
viel schönere Atmosphäre
Beleuchtung macht alles noch eindrücklicher





Zwischen Trubel und Charme: Das echte Rom entdecken
Die folgenden Tage verbrachten wir damit, durch Rom zu treiben, Sehenswürdigkeiten zu entdecken und gut zu essen. Und trotz aller kleinen Startschwierigkeiten begann die Stadt, mich immer mehr zu überzeugen.
Was mir in Rom besonders gefallen hat:
Die entspannte Art der Römer. Niemand schien sich daran zu stören, wenn man als Tourist kurz im Weg stand oder etwas nicht verstand. Diese Gelassenheit überträgt sich irgendwann auch auf einen selbst.
Die Stadt lässt sich super zu Fuss erkunden, jedenfalls rund ums Zentrum herum. Einzig das Kolosseum liegt etwas weiter entfernt: ihr müsst mit etwa 30-40 Minuten Fussweg vom Zentrum aus rechnen.
Auch die Preise überraschten mich positiv. Für Schweizer Verhältnisse ist Essen gehen in Rom vergleichsweise günstig, und so konnten wir uns regelmässig einen Aperol Spritz oder Hugo gönnen – die lagen im Schnitt bei etwa 8 Euro. Auch beim Essen selbst waren wir angenehm überrascht: Für rund 40 bis 60 Euro für zwei Personen kann man wirklich gut essen gehen.
Nur bei den Gelaterias lohnt sich ein genauer Blick – hier gibt es grosse Preisunterschiede bei gleicher Qualität. Während ihr in einem Laden schnell mal 5 Euro bezahlt, bekommt ihr ein paar Schritte weiter oft dasselbe für etwa 2.50 Euro.
Ein unterschätztes Highlight: Roms Trinkwasser
Was mich dann endgültig überzeugt hat, war etwas, das man auf den ersten Blick gar nicht erwartet: das Trinkwasser.
Rom verfügt über eines der besten Trinkwassersysteme Italiens. Überall in der Stadt verteilt stehen sogenannte „Nasoni“ – kleine Brunnen, an denen man kostenlos Wasser nachfüllen kann. Das Wasser ist frisch, klar und hat keinerlei Nebengeschmack.
👉 Mein Tipp:
Kauft euch eine Flasche und nutzt diese Brunnen – praktischer und angenehmer geht es kaum.


Vatikan und Trastevere: Zwei Welten nebeneinander
Nach einer eher ruhelosen Nacht – akustisch hatten wir mittlerweile das halbe Haus kennengelernt – ging es am nächsten Tag in den Vatikan.
Was mich überraschte: Die Grenzen sind kaum wahrnehmbar. Zwar stehen Militärs vor Ort, doch in der Masse der Touristen fallen sie fast unter.
Die Entscheidung, ob wir den Petersdom oder die Sixtinische Kapelle besichtigen, wurde uns allerdings schnell abgenommen – die Warteschlangen waren schlicht zu lang.



Ganz anders dann Trastevere, gleich auf der anderen Seite des Tiber. Dieses Viertel wurde uns empfohlen – und das völlig zu Recht. Es wirkt authentischer, weniger touristisch und gleichzeitig lebendig. Kleine Restaurants, Cafés und eine spürbare Nachbarschaftsatmosphäre machten diesen Ort zu einem meiner persönlichen Highlights.





Antikes Rom: Beeindruckend und überwältigend
Weiter ging es zum Forum Romanum. Schon der Blick von oben auf die Ruinen ist beeindruckend und wir genossen diesen von oben. Selbstverständlich könnt ihr gegen Eintritt auch zwischen den Ruinen herumwandeln.







Die Piazza San di San Marco und das Monumento a Vittorio Emanuele II.
Ein echtes Highlight war für uns das Monumento a Vittorio Emanuele II. Schon von unten wirkt es riesig – doch erst beim Hinaufsteigen wird einem bewusst, wie monumental dieses Bauwerk tatsächlich ist. Wir fühlten uns zeitweise wie Ameisen.
Einen Teil des Monuments könnt ihr kostenlos betreten. Für bestimmte Bereiche – unter anderem den Lift auf der Rückseite, der euch bis aufs Dach des Monuments bringt – fallen jedoch Kosten an:
Lift auf das Dach: ca. 17 Euro
So bekommt ihr nicht nur ein Gefühl für die Dimensionen des Bauwerks, sondern werdet auch mit einer beeindruckenden Aussicht über Rom belohnt.
Doch auch der Verkehr, der an der Piazza di San Marco vor dem Monument vorbeirauscht, ist beeindruckend. Und laut, sehr laut.



Rom bei Nacht: Magische Momente
Am Abend machten wir uns nochmals auf den Weg zum Kolosseum und zum Trevi-Brunnen. Beide Orte entfalten nachts eine ganz besondere Wirkung. Zwar sind immer noch viele Menschen unterwegs, doch es ist deutlich angenehmer als tagsüber.


Nach all dem Staunen und vielen gelaufenen Kilometern machte sich langsam, aber sicher die Müdigkeit bemerkbar. Also: ganz pragmatisch – ein Uber musste her.
Doch dann zeigte Rom, dass es nicht nur im echten Leben, sondern auch digital seine ganz eigenen Launen hat:
Unser erstes Uber… lag laut App gemütlich im Golf von Guinea
Beim zweiten Versuch: keine Veränderung – immer noch irgendwo zwischen Afrika und Nirgendwo unterwegs
Also ein dritter Anlauf mit neuem Fahrzeug
Dieses war dann tatsächlich in Rom – immerhin ein Fortschritt.
Allerdings nicht bei uns. Rund ums Kolosseum gilt nämlich eine Sperrzone, weshalb wir dem Fahrer erst einmal etwa 200 Meter entgegenlaufen durften.
Wie gesagt: Rom kann auch zickig – und offenbar sogar bis ins Navi hinein 😉
Regen, Pantheon und Kolosseum: Wenn Rom seine Launen zeigt
Leicht übermüdet trotteten wir am dritten Tag erneut los – die Aussicht auf Kultur (und ein bisschen Abenteuer) trieb uns voran.
Ziel:
Pantheon mit seiner spektakulären Deckenöffnung
Kolosseum mit seiner beeindruckenden Geschichte
Doch das Wetter hatte offenbar eigene Pläne und öffnete gleich seine Schleusen: Es schüttete wie aus Kübeln. Beim ersten Regenschauer konnten wir uns noch ins „Bao Bao“ retten – Mittagessen und ein bisschen Trocknen in einem. Danach aber… na ja, sagen wir mal: Rom testete unsere Regenschirmfähigkeiten (die wir nicht hatten) gnadenlos.
Im Pantheon, mit seinem offenen Dach, blieb es trocken – ausgerechnet dort, wo ein bisschen Regen die Szenerie spektakulär gemacht hätte. Stattdessen wurden wir auf dem Weg zum Kolosseum pflotschnass.
Timing ist eben alles!



Draussen warteten wir auf unseren Timeslot für das Kolosseum. Der Regen liess nach… nur um dann pünktlich zur Besichtigung wieder einzusetzen.
Und bevor man überhaupt den ersten Schritt hineinsetzen durfte, erwartete uns ein bürokratisches Fitnessprogramm:
Ticketkontrolle
Ticketkontrolle (ja, nochmal!)
Kombi aus Ticket- und ID-Kontrolle
Taschenkontrolle
Ticketkontrolle (wirklich, noch einmal!)
Rom lässt sich bei Sicherheit nicht lumpen – und beim Regen sowieso nicht 😉



Kulinarik, Salumi und eine süsse Versuchung
Am letzten Abend machten wir es uns gemütlich und kauften unser Essen in einer Salumeria. Dabei fiel mir auf, dass viele gar nicht genau wissen, was der Unterschied zwischen Salami und Salumi ist.
Salumi bezeichnet in Italien ganz allgemein Wurstwaren – also Brüh-, Koch- und Rohwürste. Die Salami gehört als Rohwurst ebenfalls dazu.
Und noch ein kleiner sprachlicher Fun Fact: Wenn ihr eine einzelne Salami kauft, heisst das korrekt „Salame“, zumindest in der Theorie. „Salami“ ist bereits die Mehrzahl.
Und wenn euch ein Italiener als „Salami“ bezeichnet, meint er das eher nicht als Kompliment 😉


Ebenfalls entdeckt haben wir ein traditionsreiches Schokoladengeschäft: Venchi. Dieses Unternehmen wurde bereits 1878 gegründet und betreibt mehrere Filialen in Rom. Die Läden sind wunderschön gestaltet und die Schokolade gilt als eine der besten Italiens. Probiert habe ich sie allerdings nicht – mein Sohn ist kein grosser Schokoladenfan und ich hatte meine ganz eigenen Gründe, standhaft zu bleiben… 😉
Die Katzen vom Largo di Torre Argentina.

Auf diesem Platz wurden vier Tempelanlagen entdeckt, die in den 1920ern ausgegraben wurden. Fun Fact: Genau hier fiel Julius Cäsar einem Mordkomplott zum Opfer!
Doch nicht nur Archäologen entdeckten den Platz für sich. Immer mehr Katzen zogen ein – wilde Katzen und solche, die ihre Besitzer in Rom nicht mehr behalten wollten.
Um diese felligen Mitbewohner kümmern sich die sogenannten „Katzenmütter“.
Heute ist der Largo di Torre Argentina eine Station für all diese Katzen im Herzen von Rom. Hier werden die Samtpfoten:
sterilisiert
geimpft
aufgepäppelt
und an neue Besitzer vermittelt
Damit hilft der Verein, den Wildkatzenbestand der Stadt etwas einzudämmen. Wenn ihr dort vorbeischaut, werdet ihr garantiert die eine oder andere entspannt chillende Katze entdecken.
Von 12 bis 18 Uhr könnt ihr die Station kostenlos besichtigen. Einfach die Treppe am Platz hinunterlaufen, und schon seid ihr mittendrin. Spenden sind willkommen – und natürlich kommen sie direkt den Katzen zugute.
Ach ja, Rom hat seine zickenfreien Momente – und definitiv Charme… 😺

Abreise: Ein letztes Kapitel „typisch Rom“
Am Abreisetag lief zunächst alles gut – mit Cappuccino, Cornetti und den letzten Einkäufen versehen, rumpelten wir mit unseren Rollkoffern wieder hoch zum Bahnhof.
Gekonnt lösten wir unsere Tickets (ich sage nur: gaanz links in den Automaten schieben) und suchten unseren Zug.
Alle, aber auch wirlich alle hatten eine Gleisangabe. Nur unserer nicht. Überraschung!
Keiner wusste, was das "PF" anstelle eines Gleises bedeutete, nicht mal das Personal. Erst die Dame am Informationsschalter erklärte es uns: "Niente Treno!" Toll!
Und die Organisation der Ersatzbusse ? War… sagen wir: ausbaufähig. Am Ende entschieden wir uns für ein Taxi.
Und ich dachte nur: Ach Rom… jetzt, ganz am Ende, musst du uns noch einmal zeigen, was zickig bedeutet.
Fazit: Rom ist… Rom
Rom ist nicht perfekt. Es ist laut, chaotisch, manchmal anstrengend – und genau das macht seinen Charakter aus.
Denn gleichzeitig ist die Stadt:
wunderschön
lebendig
voller Geschichte
und unglaublich charmant
Und vielleicht ist es genau diese Mischung, die dafür sorgt, dass man sich – trotz allem – ein kleines bisschen in diese „Zicke“ verliebt. ✨
Corinna
Alle Sehenswürdigkeiten auf einen Blick:
📍 Sehenswürdigkeit | 🤓 Fun Fact |
Petersdom | Größer als dein Fitnessstudio und (gefühlt) genauso schwer reinzukommen – besonders ohne Timeslot. |
Spanische Treppe | 135 Stufen – oder wie dein Schrittzähler sie nennt: „Challenge accepted“. |
Trevi-Brunnen | Täglich über 3.000 € an Münzen – kein Wunder, dass es da nie Platz fürs eigene Selfie gibt. |
Pantheon | Das Loch in der Decke ist echt – Regenschutz? Fehlanzeige. Aber der Marmor macht’s wieder gut. |
Kolosseum | Einst Schauplatz blutiger Gladiatorenkämpfe – heute Touristenrallye mit Regenschutzbedarf. |
Monumento a Vittorio Emanuele II | Auch bekannt als: „Die riesige Torte“. Wer alle Treppen schafft, darf sich offiziell "Römer:in light" nennen. |
Forum Romanum | Mehr Steine als in jedem Yoga-Studio – und trotzdem irgendwie majestätisch. |
Trastevere | Übersetzt etwa: "auf der anderen Seite des Tiber" – oder: "wo Rom chillt, isst & flirtet". |
Largo di Torre Argentina | Ort von Cäsars letztem „Morgenmeeting“ – heute chillen hier vor allem Katzen, keine Senatoren. |
Nasoni (Trinkwasserbrunnen) | Rund 2.500 Stück – immer bereit, dich zu erfrischen. Bonus: kein Smalltalk nötig. |



Kommentare