Strassburg entdecken – Münster, Petite France und ein Blick ins EU-Parlament
- Corinna
- 28. Nov. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Elsass entdecken - Teil 2 meiner Reiseserie
Nach unserem Tag in Colmar und Riquewihr, mit ihren verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern und kleinen Genüssen, war unsere Neugier geweckt: Wie würde sich das Elsass in einer richtig grossen Stadt anfühlen?
Die Antwort lautete Strassburg – eine Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, in der Geschichte, Kultur und Europa-Flair aufeinandertreffen.
Vom gemütlichen Bummeln durch kleine Dörfer und einer erholsamen Nacht im 'Ami Fritz' ging es nun also in die pulsierende Metropole: Kanäle im Quartier 'La Petite France', das Strassburger Münster, prächtige Bauwerke, kulinarische Highlights – und ein ganz besonderer Besuch im EU-Parlament, der uns einen spannenden Blick hinter die Kulissen Europas erlaubte.
Bienvenue zu Teil 2 unserer Elsass-Reise und entdecke Strassburg aus einer ganz persönlichen Perspektive – mit Neugier, Staunen und einem Augenzwinkern.
Das Strassburger Münster – Wahrzeichen der Stadt

Um in die Altstadt Strassburgs zu gelangen aktivierten wir erstmal das Handy und googelten, was das Zeugs hielt: nach dessen Empfehlung stellten wir das Auto auf dem Park and Ride 'Elsau' ab und fuhren mit dem Tram direkt ins Herz dieser Stadt.
Wir waren positiv überrascht, wie einfach das mit Unterstützung des Internets ging: alles gut angeschrieben, die Tramverbindungen leicht verständlich, Parkgebühr ca. 4 Euro und in diesem Preis war die Benutzung des Trams für 4 Personen inbegriffen. Früher hätten wir erstmal eine Runde durchs Quartier machen müssen, um uns zurecht zu finden, aber so konnten wir kaum einfacher und günstiger anreisen.
(Kleinere Pannen gabs, wenn das Navi fröhlich 'Bei der nächsten Kreuzung rechts!' krächzte, die Karte aber nach links deutete...und wir deswegen die eine oder andere Ehrenrunde im Quartier machten 🙄)
Der erste Weg führte uns natürlich: zum Strassburger Münster, das zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten des Elsass gehört. Der korrekte Name lautet übrigens 'Münster unserer Lieben Frau zu Strassburg'...aber da dies ein wahrlich langer Name ist, besser bekannt als 'Strassburger Münster'. Geht ja auch einfacher.

Das Münster wurde von 1176 bis 1439 erbaut – ein Bauwerk, das Jahrhunderte Geschichte in sich trägt. Im 15. Jahrhundert wollten deieBaumeister und die Stadt die höchste Kathedrale im damaligen Reich errichten – und mit einem Turm schafften sie es auch.
Bis etwa 1874 war das Münster mit seinem Nordturm mit einer Höhe von 142 Metern das höchste bis anhin bekannte Bauwerk. Der zweite Turm - der Südturm - blieb jedoch ein Traum, und so steht das Münster bis heute mit seiner markanten, asymmetrischen Silhouette da – ein echter Hingucker!

Über eine Wendeltreppe könnt ihr über 330 Stufen auf die 66 Meter hohe Plattform steigen und geniesst dort eine fantastische Aussicht über die Dächer von Strassburg und von den Vogesen bis zu den Alpen.
Ein Blick ins Innere des Münsters
Im Inneren gibt es unglaublich viel zu entdecken:
kunstvolle Glasfenster
mehrere Orgeln
filigrane Steinmetzarbeiten
und natürlich die berühmte astronomische Uhr



330 Stufen später: die Münsterplattform
Nachdem wir uns im Inneren des Münsters sattgesehen hatten, ging es ans Eingemachte: 330 Stufen nach oben. Nicht ohne, aber die Aussicht macht jeden Schnaufer wett.
Und natürlich blieb auch hier eine kleine 'Panne' nicht aus: kaum waren wir auf halbem Weg runter, drehte meine Freundin plötzlich um und stapfte die gesamte Treppe erneut hoch – sie hatte ihren Schal ganz oben verloren.
Tja… wer braucht schon Fitnessstudio, wenn man ein Münster mit eingebautem Intervalltraining hat?



Oben auf der Plattform angekommen, waren wir beide erst mal mit der Aussicht beschäftigt. Ich war am staunen, lief von einer Seite zur anderen und knipste begeistert Fotos. Bis mich meine Freundin auf ein kleines Detail aufmerksam machte:

Wusstet ihr schon, dass die Münsterplattform bereits seit dem Mittelalter Besucher aus der ganzen Welt anzieht? Im 18. und 19. Jahrhundert war die Plattform sogar das Ausflugsziel vieler Strassburger Familien: hier wurden Picknicks veranstaltet, musiziert und gespielt, Bier ausgeschenkt und bei schönem Wetter spielte sich die Freizeit hier oben ab.

Das Wächterhaus und die Geschichte der Stadtwächter
Doch die Plattform diente nicht nur dem Freizeitvergnügen und davon zeugt das Wächterhaus. Seit dem 15. Jahrhundert waren dort oben auch die dazu gehörenden Wächter tätig. Im 16. Jahrhundert wurde schliesslich das bereits erwähnte Wächterhaus erstellt, damit diese eine Unterkunft und Platz für die benötigten Geräte hatten.
Die Aufgabe der Wächter? Natürlich die Stadt zu bewachen. Ob Angriff oder Brände: mit Fahnen, Laternen, Sturmglocke und Sprachrohren konnten sie Alarm schlagen.


Eine kleine Geschichte aus der Bauzeit
Interessante Geschichten vom Münster, nicht wahr? Aber hier habe ich noch einen kleinen Fakt am Rande für euch:
1835 erhielt das Münster einen Blitzableiter. Als die Ableitung verlegt wurde, wurde das Grab vom bekanntesten Erbauer des Münsters, nämlich Erwin von Steinbach und seiner Familie angegraben. Was also tun mit den Gebeinen?
Nun ja, laut einer zeitgenössischen Zeitungsmeldung wurden diese von Arbeitern kurzerhand auf einem Spazierweg weggeworfen. Doch dies wurde von anderen Leuten beobachtet und diese kümmerten sich dann auch um ein Wiederbegräbnis.
Petite France – das schönste Viertel von Strassburg
Nun, nach so viel Kultur stand uns der Sinn nach: Altstadt geniessen! Wir schlenderten durch die Strassen, genossen die Stadtluft, liessen uns in einer Brasserie nieder und liefen schliesslich weiter nach 'Petite France'. Gässchen, unterteilt von kleinen Kanälen, hatten es uns angetan.
Früher wurden hier Tierhäute verarbeitet – der Geruch soll angeblich nicht ganz so romantisch gewesen sein wie die heutige Aussicht. Bei 'Petite France' handelt es sich um das ehemalige Gerberviertel der Stadt. Die Ill zeigt sich hier als Delta mit fünf Armen, so dass sich die Fachwerkhäuser in den kleinen Kanälen spiegeln,
Heute wirkt das Ganze wie eine Postkarte:
Fachwerkhäuser
kleine Brücken
Spiegelungen im Wasser
Brasserien und Cafés






Kulinarische Entdeckungen in Strassburg
Strassburg gefällt! Nicht nur die Gebäude und das Wasser. Auffällig viele kleine Geschäfte, auch mit lokalen Spezialitäten, säumen hier die Strassen und Gassen. Ob Brezel, Choucroute mit und ohne Ente eingekocht im Glas, Backeoffe, Nougat in allen Formen und Farben, vorgefertigte Flammkuchen...und was besonders auffiel: Patisserien und Chocolaterien.
Dort wurden die Köstlichkeiten ausgestellt, wie in einem Juweliergeschäft. Und sahen auch entsprechend aus. Bei deren Anblick läuft einem das Wasser im Munde zusammen...
Ein Besuch im EU-Parlament
Aber nun war es Zeit sich bei einem Kaffee zu überlegen, was wir mit dem späteren Nachmittag noch anstellen sollten. Weiter durch Strassburg streifen? Nee, eher nicht...schliesslich schlug die Freundin vor, das EU Parlament zu besuchen. "Im ernst?" Ja, sie meinte es ernst damit.
Nun denn...wir machten uns also mit dem Tram erneut auf den Weg...und sahen das Gebäude zu Beginn... erst mal nicht! Es wird zur Zeit von einer grossen Baustelle versteckt, doch nach deren Umrundung steht es dann da. In seiner ganzen Pracht!

Eintritt ist gratis, kontrolliert wird wie beim Flughafen. Anschliessend gabs einen Badge, den wir uns anheften mussten und konnten loslaufen.




Ein Blick in den Plenarsaal
Vor dem Betreten des Plenarsaals bekommt man einen Audioguide.
Damit erfährt man mehr über:
die Geschichte der Europäischen Union
die Gründer der EU
und die Arbeit des Parlaments
Der Rundgang beinhaltet auch interaktive Stationen, so könnt ihr unter anderem auf einem Desk gezielt Parlamentarier suchen und nachlesen, wofür sich diese einsetzen. Auch die Geschichte der EU und wie diese zustande kam ist auf Schautafeln zu verfolgen.

Zum EU Parlament gäbe es natürlich sehr viel zu erzählen, doch falls ihr mehr erfahren möchtet ist hier der Link dazu: https://www.europarl.europa.eu/portal/de
Ein gelungener Abschluss unseres Tages
Nun, was soll ich sagen? Wir waren beide sehr beeindruckt vom Gebäude und ich war froh, hat sich meine Freundin über mein Zögern hinweggesetzt. Nach diesem Besuch gings nun zurück zum Auto. Auf der Rückfahrt nach Ottrott machten wir noch einen Abstecher nach Obernai und genossen dort ein wunderbares Nachtessen.
Nächstes Mal gehts dann raus aus der Stadt und den Dörfern und ich lade euch ein, uns bei unserem Besuch auf die Haut-Koenigsburg und den Odilienberg zu begleiten.
A bientôt
Corinna
Weiterlesen in meiner Elsass-Serie:
🌟 Elsass auf einen Blick - Teil 2
🏰 Münster-Magie
Nur ein Turm – weil Baustopp schon im Mittelalter ein Ding war.
330 Stufen später: Aussicht auf Vogesen, Alpen und die eigenen Fitnessgrenzen.
Astronomische Uhr: so kompliziert, dass selbst Uhrmacher leise weinen.
Mittelalter-Partyzone auf der Plattform – inklusive Bier und Picknick. 🍻
🕯️ Wächterhaus-Logik
Jahrhundert: Mittelalterliches Airbnb für Stadtwächter.
Tools der damaligen Sicherheit: Laternen, Fahnen & Sprachrohre
Heute Museum – früher „Feuerwehrzentrale mit Aussicht“.
🌉 Petite France - das ehemalige Gerberviertel
Fachwerk, wohin man schaut.
Kanäle so hübsch, dass selbst Enten langsamer schwimmen.
Früher Gerberviertel (geruchlich bestimmt… interessant), heute Postkarten-Klassiker.
Patisserien: sehen aus wie Schmuckläden, die ihre süssen Juwelen ausstellen.
🇪🇺 Das EU-Parlament – Politik zum Anfassen
Eintritt? Gratis. Erfahrung? Grossartig.
Architektur: Mischung aus Raumschiff und Glaskathedrale.
Audioguide verwandelt EU-Chaos in halbwegs verständliche Geschichten.
Virtuelle Spielereien inklusive – wer mag, stalkt hier die Abgeordneten digital.
🚋 Der P&R Lifehack
4 Euro für Parkplatz plus Tram für 4 Personen.
Das Elsass sagt: „Warum kompliziert, wenn’s günstig und bequem geht?“
👉 Und nächste Woche nehme ich euch mit aufs Land – hoch hinauf zum Odilienberg und später weiter zur Haut-Koenigsbourg.



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