Wanderung Crestasee zum Caumasee – Traumseen mit Schönheitsfehlern zur falschen Zeit
- Corinna
- 1. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Mai
📍Ort / Region: Flims / Trin, Graubünden
Start / Ziel: Crestasee (Parkplatz Nr. 5)
Distanz: 15 km
Dauer: ca. 5 Stunden
Höhenmeter: ca. 330 m, stetige An- und Abstiege
Route: Crestasee - Conn - Il Spir - Caumasee und retour
Wann: Ganzjährig, am besten in den Sommermonaten, wenn Wasserstand im Caumasee am höchsten
Parken:
Crestasee: Parkplätze 1–5 (Nr. 5 am nächsten zum See) – Zufahrt durchs Dorf Trin Mulin Richtung Wald
Caumasee: Parkplätze in Flims Waldhaus
Eintritt während Badesaison Mitte Mai bis Mitte Oktober:
Caumasee: ca. 19.–
Crestasee: ca. 7.–
Highlights der Wanderung:
Crestasee – idyllischer, ruhiger Bergsee („kleiner Bruder“ des Caumasees)
Aussichtspunkt Il Spir mit spektakulärem Blick in die Rheinschlucht
Rheinschlucht (Ruinaulta) – „Grand Canyon der Schweiz“
Caumasee mit ikonischen Farben (bei optimalem Wasserstand)
Breite, einfache Wege – auch mit Kinderwagen machbar
Wanderung Crestasee Caumasee – zwei bekannte Seen, eine entspannte Route mit Überraschungen
Die Wanderung vom Crestasee zum Caumasee in Flims gehört zu den bekanntesten Touren in Graubünden. Zwei Bergseen, der Aussichtspunkt Il Spir und die Rheinschlucht versprechen eine abwechslungsreiche Route mit viel Natur und Aussicht.
Auf dem Papier klingt das nach einer klassischen, einfachen Wanderung mit vielen Höhepunkten.
Vor Ort zeigt sich jedoch schnell, dass nicht alles ganz so perfekt ins Bild passt, wie man es von den bekannten Fotos und Beschreibungen erwarten würde.
Genau dieser Mix aus schönen Momenten und kleineren Ernüchterungen macht diese Tour im Rückblick aber trotzdem interessant.
Wanderung Crestasee Caumasee - meine ehrliche Erfahrung
Ich muss gestehen: Ich habe einige Tage gezögert, diesen Beitrag zu schreiben.
Nicht, weil die Wanderung vom Crestasee zum Caumasee nicht schön wäre. Nicht, weil wir zu wenig erlebt hätten. Sondern, weil ich den Zeitpunkt komplett falsch gewählt habe.
Das Resultat? Meine Schwester und ich waren am Ende… eher ernüchtert.
Und genau deshalb lohnt sich dieser Bericht vielleicht umso mehr.
Warum wir uns für die Wanderung Crestasee - Caumasee entschieden haben
Meine Schwester und ich wollten mal wieder gemeinsam los – einfach raus, wandern, Zeit zusammen verbringen.
Nur: Wohin?
Viele Ziele waren noch in der Winterpause, auf Schnee hatten wir keine Lust mehr. Also suchten wir etwas, das bereits machbar ist.
Und dann kam er ins Spiel: Der Caumasee.
DER See, den man laut Instagram und Co. unbedingt gesehen haben muss. Mein Sohn schwärmte ebenfalls davon.
Also war klar:
👉 Warum nicht den Caumasee mit dem Crestasee verbinden?
Gesagt, getan.
Start am Crestasee - überraschend ruhig und fast zu idyllisch

Wir fuhren via Chur Richtung Flims, bogen aber früh nach Trin Mulin ab und parkten beim Parkplatz Nr. 5 – dem nächstgelegenen zum Crestasee.
Was sofort auffiel:
👉 Leere. Überall.
Keine Autos. Keine Menschen. Nichts.
Wir fragten uns:
Liegt es am Wetter?
Nebensaison?
Wochentag?
Spoiler: Am Ende hatten wir eine andere Erklärung.
Nach etwa 20 Minuten Fussmarsch erreichten wir den Crestasee – eingebettet in eine Senke, umgeben von Tannen. Schon von oben blitzte er durch die Bäume: türkis, grün, blau.
Wirklich wunderschön.
Crestasee - der kleine Bruder des Caumasees

Unten angekommen die nächste Überraschung: Das Strandbeizli hatte offen. Und sogar Gäste – ein Pärchen mit Hund.
Wir gönnten uns einen Cappuccino, setzten uns ans Wasser und genossen die Stimmung.
Der Crestasee ist nicht gross (ca. 370 x 160 Meter), aber genau das macht seinen Charme aus. Alles wirkt familiär, ruhig, fast schon abgeschieden.


Für mich ist er ganz klar:
👉 der kleine Bruder des Caumasees – weniger besucht, weniger spektakulär inszeniert, aber dafür ehrlicher und entspannter.
Was ich besonders spannend fand: Im 19. Jahrhundert wurde tatsächlich versucht, den See trockenzulegen, um Ackerland zu gewinnen. 1875 war er bereits zu drei Vierteln geleert – bis man merkte, dass der Boden ungeeignet ist. Zum Glück.
Denn heute ist er ein kleines Naturjuwel.
Wanderung oder Spaziergang? - wenig Wanderfeeling unterwegs

Was wir allerdings schnell merkten: So richtiges Wanderfeeling wollte irgendwie nicht aufkommen.
Die Wege sind durchgehend breit, gut ausgebaut und führen grösstenteils durch den Wald. Viele Abschnitte könnten problemlos mit dem Kinderwagen begangen werden.
Das ist einerseits angenehm und macht die Tour sehr zugänglich.
Andererseits fühlt es sich stellenweise eher nach einem langen Spaziergang als nach einer klassischen Wanderung an.
Wer also alpine Pfade oder schmale Trails sucht, wird hier eher nicht fündig.
Aufstieg Richtung Conn und Il Spir - wandern, pausieren, geniessen

Nach unserer Pause ging es weiter Richtung Conn.
Die Wegweiser waren… sagen wir mal: ausbaufähig 😄
Zwischendurch mussten wir die Karte zücken.
Der Weg führte stetig bergauf – nicht extrem, aber konstant.
Oben angekommen standen wir vor der Wahl:
Richtung Conn
oder zum Aussichtspunkt Il Spir
Natürlich machten wir beides.

Zuerst gönnten wir uns eine Pause auf einer Liegebank mit Blick ins Rheintal. Nussmix, Apéro, Sonne im Gesicht.
👉 Wandern können wir. Prioritäten setzen auch.
Il Spir - Aussicht 10/10

Dann ging es weiter zum Il Spir, was auf romanisch 'Mauersegler' bedeutet.
Und ja – das Ding ist beeindruckend.
Eine filigrane Plattform, die über der Rheinschlucht schwebt. Der Blick geht direkt nach unten auf den Rhein.
Oder wie man in der Schweiz sagt:
👉 „Do luegsch direkt is Loch abe.“

Die Aussicht? Einfach beeindruckend.
Der Rhein, der sich durchs Tal schlängelt
Die gewaltige Rheinschlucht (Ruinaulta)
Die Spuren des Flimser Bergsturzes vor rund 10’000 Jahren
Ganz ehrlich:
👉 Highlight der Wanderung. Ohne Diskussion.
Caumasee - gehypt, eingezäunt und... überraschend leer

Nach diesem Highlight wollten wir endlich den Caumasee sehen.
Also weiter – vorbei an Conn und dann nur noch bergab.
Immer wieder blitzte der See durch die Bäume. Farben wie aus dem Bilderbuch.
Und dann standen wir da.
Vor einem… Maschendrahtzaun. Ja, wirklich.
Das gesamte Gelände ist eingezäunt – in der Saison zahlt man Eintritt. Verständlich, aber optisch halt einfach nicht schön.
Zum Glück war noch keine Saison, und wir fanden eine offene Stelle.
Der grosse Dämpfer - wo ist das ganze Wasser hin?


Unten angekommen dann die eigentliche Überraschung:
👉 Der See hatte extrem wenig Wasser.
Die Farben waren zwar da – aber die grossen Steinflächen ebenso. Fast dominanter als das Wasser selbst.
Und das im Frühling, zur Schneeschmelze?
Später las ich, dass beim Bau des Flimser Umgehungstunnels eine Karströhre angeschnitten wurde. Seither verliert der See rund 1000 Liter Wasser pro Sekunde.
Zwar wird heute jährlich bis zu 700'000 Liter Wasser zugeführt, aber:
👉 Der Wasserstand schwankt stark.
Wichtig zu wissen: In den Sommermonaten erreicht der Caumasee in der Regel seinen höchsten Wasserstand – dann zeigt er sich von seiner berühmten Postkarten-Seite.
Und wir? Wir waren offensichtlich zur falschen Zeit dort.
Weitere Wege und Varianten zwischen Crestasee und Caumasee

Was man ebenfalls wissen sollte: Es gibt nicht nur diese eine Route.
Zwischen Crestasee und Caumasee verlaufen mehrere Wanderwege und Varianten, die sich kombinieren lassen. Wer möchte, kann die Tour also problemlos anpassen, verlängern oder abwechslungsreicher gestalten.
Unsere Variante war eher die direkte – mit Fokus auf die beiden Seen und Il Spir.
Trotzdem: ein schöner Abschluss mit kleinen Momenten
Wir machten trotzdem unser Picknick.
Kaum sassen wir, kamen zwei Enten vorbei und wollten ihren Anteil 😄
Wir erkundeten noch die Insel (die bei niedrigem Wasserstand sogar zu Fuss erreichbar ist), umrundeten den See und machten uns dann auf den Rückweg.
Gleiche Strecke, zurück zum Crestasee und zum Parkplatz.
Fazit: wunderschöne Seen, aber Timing ist alles (und unsere Hüften sagen auch was dazu)
Der Crestasee und der Caumasee sind ohne Frage wunderschön. Vor allem der Crestasee hat mich wirklich überrascht.
Und Il Spir?👉 Absolutes Highlight.
Aber: Der falsche Zeitpunkt kann eine Wanderung massiv beeinflussen.
Zu wenig Wasser, geschlossene Infrastruktur am Caumasee, Zäune – all das hat das Erlebnis am Caumasee deutlich geschmälert. Dazu kommt, dass die Wege zwar angenehm, aber wenig „wanderig“ sind.
Und auch wenn wir die Tour zwischendurch fast als etwas… langweilig empfanden:
👉 15 Kilometer sind halt trotzdem 15 Kilometer.
Am Ende hatten meine Schwester und ich nämlich beide Hüftschmerzen des Todes und konnten kaum noch gehen.
Tja. Wir sind halt keine knackigen 20 mehr 😄
Offenbar irgendwo zwischen „noch fit“ und „ah, hallo Wechseljahre“ unterwegs – inklusive möglichem Östrogenmangel und den dazugehörigen Gelenkschmerzen. (Sagt Dr. Google).
Wir trösten uns einfach mit dem Gedanken:
👉 Hauptsache keine Arthrose. Sonst wird’s schwierig mit weiteren Wanderungen.
Ich bin mir sicher:
👉 Im Sommer, bei vollem Wasserstand, sieht das ganz anders aus.
Und genau deshalb gilt: Diese Wanderung ist definitiv empfehlenswert –aber nur, wenn du sie zur richtigen Zeit machst.
Corinna
💬 Ganz ehrlich zum Schluss...
💙 Crestasee:
Der entspannte, unterschätzte kleine Bruder. Ruhig, idyllisch, einfach schön.
👉 Mehr Infos & Preise: https://www.crestasee.ch
💚 Caumasee:
Die Diva unter den Seen. Bei perfektem Wasserstand ein absolutes Postkartenmotiv –bei falschem Timing… eher so „na, ja...“.
👉 Mehr Infos & Preise: https://www.caumasee.ch
🥾 Unsere Learnings:
15 km sind auch auf „Spazierwegen“ kein Kindergeburtstag
Breite Waldwege ≠ echtes Wanderfeeling
Timing ist alles (wirklich!)
Und: Hüften haben offenbar auch ein Mitspracherecht 😄
🔥 Unser Fazit in einem Satz:
Wunderschöne Seen, tolle Aussicht – aber zur falschen Zeit fühlt sich selbst die schönste Wanderung irgendwie… halb so gut an.



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