Wanderung Gasterntal bei Kandersteg: Wild, nass & mit Prosecco im Rucksack
- Corinna
- 5. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Sept. 2025
Das Gasterntal ist ein Ort, den man nicht vergisst. Ein verstecktes Hochtal oberhalb von Kandersteg, eingerahmt von mächtigen Bergen, durchflossen von der wilden Kander, die ständig Wege zerstört und neue Landschaft formt. Wer hier reinläuft, spürt sofort: hier hat die Natur ihren eigenen Kopf.

Wie wir auf die Idee kamen, dieses Tal zu durchwandern? Na ja, im Juni machten meine Schwester und ich die Rundwanderung zu den Arvenseeli. Und dazu nahmen wir von Kandersteg aus die Sunnbüel Gondel hoch auf ...eben...Sunnbüel. Doch auf der Fahrt dorthin, liessen wir unsere Blicke schweifen und entdeckten dieses wunderschöne Tal, von dem keine von uns beiden je was gehört oder gesehen hatte. Aber seit diesem Moment war klar: da gehen wir hin!
Und nun war es soweit: Rucksack gepackt, Wanderschuhe geschnürt und ab gings erneut nach Kandersteg, erneut zur Talstation Sunnbüel. Auto abgestellt, ab in Richtung Kander gelaufen, diese überquert und schon gings weiter.

Nach einem sanften Anstieg der Kander entlang, änderte sich dies ganz schnell: etwa 20 Minuten gings sportlich aufwärts bis wir die Strasse, die ins Gasterntal führt, querten.



Wenige Meter danach wieder runter zur Kander, diese erneut überquert und schon gings nochmals nach oben. Und dann kam die Ebene: wie in Skandinavien, dachten wir noch, obschon wir noch die dort oben in der Natur unterwegs waren.

Die Kander toste und überflutete Wege, Wiesen und Wälder. Klar war: die Kander macht, was sie will. Auch Wanderwege zerstören, wenns denn sein muss.

Schliesslich kamen wir am Waldhaus vorbei und beschlossen: hier wirds auf dem Rückweg ein Dessert geben. Doch erst gings weiter durchs Tal. Eingerahmt von den hohen Bergen, Kühe hie und da auf den Wiesen und dann, ganz plötzlich: meine Schwester begann zu schwächeln. Und fing an vor sich hin zu schimpfen. Ich natürlich schnurstracks meine Motivationskeule hervorgeholt, doch das fruchtete nicht wirklich. Irgendwann brummelte sie mich an: "Lass mich halt einfach fluchen, das hilft mir beim weitergehen!" Oha, na dann...






Nach der Ebene und dem ein oder anderen Fluch meiner Schwester gings dann nochmals nach oben. In der Mitte der Steigung war dann aber endlich Pause angesagt. Und dann rücke ich meinen Joker raus: extra für meine Schwester hatte ich zwei kleine Proseccos eingepackt, ein ungläubiger Blick von ihr und ein Lachen überzog ihr Gesicht. "Prost!" "Prost!" und die Laune ging steil bergauf...





Nach der Steigung ging es eben weiter Richtung Selden. In der Ferne stieg Rauch auf. Wir rätselten: „Verbrennt da ein Bauer was?“ Wahrscheinlich, was sonst. In Selden angekommen sahen wir’s klar: Kein Feuer, sondern ein Wasserfall, dessen Gischt so wild über den Kamm spritzte, dass es wie Rauch wirkte. Und wieder war das ein Moment, in dem wir staunten.




Im Berghotel Steinbock dann endlich die wohlverdiente Pause. Pfadfinder zogen vorbei, andere Wanderer schlürften wie wir am Most und genossen die wunderschöne Natur.




Gut erholt liefen wir dann zurück durchs Tal, vorbei an der Kander, vorbei an den Wiesen – und dann rein ins Waldhaus. Zeit für Dessert. Und nicht irgendeins sondern Meringue mit Rahm. Eine Kalorienbombe, die in dieser Umgebung und nach der Anstrengung schmeckte wie ein Stück Himmel.
Satt, zufrieden und mit seehr müden Beinen gings zurück zur Talstation Sunnbüel und wir befanden: was für ein fantastisches Tal. Und auch wenn die Höhendifferenz nicht enorm war: es war die Länge der Wanderung, die in die Beine fuhr. Aber toll wars!
Corinna
Und hier das Wichtigste:
🤓 Gasterntal für Anfänger, Profis & Prosecco-Trinker
🏔️ Fakten & Flair | 🎒 Gasterntal-Digest |
📍 Wo zum Henker? | Oberhalb von Kandersteg im Berner Oberland. Talboden bei ca. 1170 m, Ende (Selden) bei ca. 1600 m. Kurz: hoch genug, dass die Luft knackig ist, aber nicht so hoch, dass du Sauerstoffzelte brauchst. |
📏 Länge & Gelände | Rund 10 km pures Taldrama. Links und rechts Felswände, mittendrin die Kander, die gern mal „Adieu“ zu Wanderwegen sagt und sie wegrasiert. |
🏡 Wer wohnt da? | Ganzjährig? Niemand. Sommer? Gasthäuser wie Waldhaus, Steinbock, Heimritz. Winter? Nur Schnee, Lawinen & Bartgeier. |
🚗 Zugangskomödie | Superschmale Privatstraße, nur mit Zeitfenster befahrbar: :45–:05 rauf, :15–:35 runter. Verpasst? Pech. Alternative: Shuttle-Bus (mit Reservation) oder zu Fuß – Oldschool. |
🌱 Natur pur | Seit 2012 Schutzgebiet („Auengebiet von nationaler Bedeutung“). Orchideen, Türkenbund, wilde Flussauen – plus Aspisviper & Bartgeier. Skandi-Vibes, aber ohne Elche. |
🕯️ Waldhaus-Style | Kein Strom, kein WiFi, kein Netflix. Dafür Kerzen, Cheminée & legendäre Meringue mit Rahm. Digital Detox mit Zuckerschock. |
⏱️ Wanderzeit | Rund 3 h, ca. 10–11 km, +430 Hm. Wer rennt, ist in 2 h durch. Wer mit Schwester & Prosecco geht – eher 5. |
🌄 Wander-Vibes | Schlucht (Chluse) → offene Ebene → Skandinavien-Feeling → Selden mit Wasserfall-Gischt, die aussieht wie Rauchmaschine eines Bauern. |
💦 Oh-Mein-Gischt-Moment | In Selden denkst du: „Da brennt’s!“ Aber Nein – ein Wasserfall, der so schäumt, dass die Gischt über den Kamm schießt. Gratis Nebelshow inklusive. |
👀 Internet sagt | „One of the most beautiful valleys in the Alps.“ – random Reddit-Wanderer. Und mal ehrlich: Recht hat er. |
👉 Kurz: Wer Naturdrama + Kalorienbombe + Alpenromantik sucht, ist im Gasterntal richtig. Wer danach immer noch Energie hat: rüber ins Lötschental oder auf den Gemmipass.



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