Wanderung Gasterntal bei Kandersteg: Wild, nass & mit Prosecco im Rucksack
- Corinna
- 5. Sept. 2025
- 7 Min. Lesezeit
📍 Ort / Region: Gasterntal bei Kandersteg / Berner Oberland (UNESCO-Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch)
Start: Talstation Sunnbüel, Kandersteg
Ziel: Selden (hinteres Gasterntal)
Distanz: ca. 15 km (hin und zurück)
Dauer: ca. 5-6 Stunden (je nach Pausen, Fotostopps und Einkehr)
Höhenmeter: ca. 430 hm
Schwierigkeit: Leicht bis mittel (T2-Bergwanderweg)
Trittsicherheit: Empfehlenswert. Der Weg ist technisch einfach, führt jedoch über einzelne steilere Auf- und Abstiege sowie teilweise wurzelige oder von der Kander beschädigte Wegabschnitte.
Schwindelfreiheit: Nicht erforderlich.
Familientauglichkeit: Für wandererfahrene Kinder gut geeignet. Aufgrund der Tourenlänge und einiger steilerer Abschnitte ist eine gute Grundkondition empfehlenswert. Nicht kinderwagentauglich.
Für wen geeignet: Ideal für Naturliebhaber, Genusswanderer und Familien mit wandererfahrenen Kindern, die wilde Flusslandschaften, Wasserfälle und eindrückliche Bergkulissen erleben möchten – ohne eine anspruchsvolle Bergtour unternehmen zu müssen.
Route: Kandersteg – Talstation Sunnbüel – Kander – Waldhaus – Selden – gleicher Rückweg
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober (je nach Schneelage)
Besonderheit: Das Gasterntal gehört zum UNESCO-Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch und zählt zu den ursprünglichsten Tälern der Schweiz. Bekannt ist es für seine wilde Flusslandschaft, imposanten Wasserfälle sowie die spektakuläre Zufahrtsstrasse mit geregeltem Einbahnverkehr.
💡 Meine Empfehlung
Startet möglichst früh am Morgen – dann ist das Tal besonders ruhig und die Farben der Kander wirken im Morgenlicht am schönsten. Plant auf dem Rückweg unbedingt eine Einkehr im Restaurant Waldhaus ein. Die hausgemachte Meringue mit Rahm ist die perfekte Belohnung nach der Wanderung.
Anreise ÖV
Mit dem Zug bis Kandersteg, anschliessend in rund 15 Minuten zu Fuss zur Talstation der Sunnbüelbahn und zum Wanderstart.
👉 SBB Fahrplan: https://www.sbb.ch
Anreise Auto
Parkplätze befinden sich direkt bei der Talstation der Sunnbüelbahn.
👉 Sunnbüel Bergbahnen (Anfahrt & Parkplätze): https://www.sunnbuel.ch
Hinweis: Die Zufahrtsstrasse ins Gasterntal ist nur zu festgelegten Zeiten im Einbahnverkehr befahrbar. Wer die Wanderung wie beschrieben ab Kandersteg startet, muss dies jedoch nicht beachten.
👉 Informationen zur Zufahrtsstrasse: https://www.gasterntal.ch/zufahrt.html
Shuttle ins Gasterntal
Wer die Wanderung verkürzen oder nur eine Strecke zu Fuss zurücklegen möchte, kann zwischen Kandersteg und Selden den privaten Shuttlebus von Kander Reisen nutzen. Eine Reservation wird empfohlen.
👉 Fahrplan & Reservation: https://kander-reisen.ch/busbetrieb/kandersteg-gasterntal/
☎️ Telefon: +41 33 671 11 72
Einkehr
👉 Restaurant Waldhaus Gasterntal: https://www.waldhaus-gasterntal.ch
👉 Berghotel & Restaurant Steinbock Selden: https://steinbock-gasterntal.ch
Highlights der Wanderung
Wilde Kander mit türkisfarbenem Gletscherwasser
Eindrucksvolle Wasserfälle
Weite Talebene mit Skandinavien-Feeling
Ursprüngliche Natur im UNESCO-Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch
Märchenwald und idyllische Alphütten
Restaurant Waldhaus
Selden im hinteren Gasterntal
Atemberaubende Bergkulisse Richtung Lötschental
Mit etwas Glück: Regenbogen über der Kander 🌈
Das Gasterntal: ein Naturdrama zwischen Wasser, Felsen und Prosecco

Wer bei Gasterntal nur Bahnhof versteht, hat definitiv etwas verpasst – und zwar
eines der spektakulärsten Naturerlebnisse im Berner Oberland.
Versteckt oberhalb von Kandersteg wartet hier ein Tal, das sich anfühlt wie ein geheimer Drehort für ein skandinavisches Naturdrama: tosende Flüsse, wilde Felsen, saftige Wiesen – und ja, auch ein Hauch von Dolce Vita, wenn der Prosecco im Rucksack leise klirrt.
Diese Wanderung ist mehr als nur ein Spaziergang – sie ist ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag, bei dem du garantiert öfter stehen bleibst, als du eigentlich geplant hast.
Nicht weil der Weg so anstrengend ist, (nun ja, hin und wieder schon) , sondern weil dich die Aussicht immer wieder dazu zwingt, kurz innezuhalten… oder sagen wir: für ein stilvolles Schlückchen Motivation.
Start bei Sunnbüel: Erster Blick ins Gasterntal von oben
Wie wir auf die Idee kamen, dieses Tal zu durchwandern?
Nun ja, letzten Juni machten meine Schwester und ich die Rundwanderung zu den Arvenseeli. Und dazu nahmen wir von Kandersteg aus die Sunnbüel Gondel hoch auf ...eben...Sunnbüel.
Doch auf der Fahrt dorthin, liessen wir unsere Blicke schweifen und entdeckten dieses wilde Tal, von dem keine von uns beiden je was gehört oder gesehen hatte. Aber seit diesem Moment war klar: da gehen wir hin!
Und nun war es soweit: Rucksack gepackt, Wanderschuhe geschnürt und ab gings erneut nach Kandersteg, erneut zur Talstation Sunnbüel. Auto abgestellt, ab in Richtung Kander gelaufen, diese überquert und schon gings weiter.
Aufstieg zur Kander: Der erste sportliche Abschnitt der Wanderung


Nach einem sanften Anstieg der Kander entlang, änderte sich dies ganz schnell: etwa 20 Minuten gings sportlich aufwärts bis wir die Strasse, die ins Gasterntal führt, querten.
Wenige Meter danach wieder runter zur Kander, diese erneut überquert und schon gings nochmals nach oben.
Skandinavien-Feeling im Gasterntal: Weite Ebenen und tosende Flüsse


Und dann war sie plötzlich da: diese weite Ebene. Eingerahmt von steilen Felswänden, die Kander mittendrin – laut, wild und irgendwie genau so, wie wir uns Skandinavien vorstellen. Nur die Elche fehlten.
Das Rauschen der Kander begleitete uns auf Schritt und Tritt. Kein sanftes Plätschern, sondern ein ständiges Donnern, das eindrücklich zeigte, wer hier das Sagen hat.
Das bekamen wir wenig später auch zu spüren: Plötzlich standen wir vor einem Wanderweg, der schlicht nicht mehr existierte. Die Kander hatte ihn kurzerhand mitgenommen.
Meine Schwester und ich schauten uns erst einmal etwas ratlos an und staunten darüber, welche Naturgewalten hier am Werk gewesen sein mussten. Zum Glück führte ein kleiner Trampelpfad daran vorbei – und wir konnten unsere Wanderung fortsetzen.
Zwischenstopp beim Waldhaus: Motivation, Flüche und erste Ermüdung



Schliesslich kamen wir am Waldhaus vorbei und beschlossen: hier wirds auf dem Rückweg ein Dessert geben.
Doch erst gings weiter durchs Tal. Eingerahmt von den hohen Bergen, Kühe hie und da auf den Wiesen und dann, ganz plötzlich:
Meine Schwester begann zu schwächeln. Und fing an vor sich hin zu schimpfen. Ich natürlich schnurstracks meine Motivationskeule hervorgeholt, doch das fruchtete nicht wirklich.
Irgendwann brummelte sie mich an: "Lass mich halt einfach fluchen, das hilft mir beim weitergehen!" Oha, na dann...
Prosecco-Joker: Motivation deluxe


Nach der Ebene und dem ein oder anderen Fluch meiner Schwester gings dann nochmals nach oben. In der Mitte der Steigung war dann aber endlich Pause angesagt.
Und dann rücke ich meinen Joker raus: extra für meine Schwester hatte ich zwei kleine Proseccos eingepackt, ein ungläubiger Blick von ihr und ein Lachen überzog ihr Gesicht.
"Prost!"
"Prost!"
...und die Laune ging steil bergauf...
Auf dem Weg nach Selden im Gasterntal: Zauberhafte Hütten, Märchenwald & tosende Wasserfälle


Nach der Steigung ging es eben weiter Richtung Selden. In der Ferne stieg Rauch auf. Wir rätselten: „Verbrennt da ein Bauer was?“ Wahrscheinlich, was sonst.
In Selden angekommen sahen wir’s klar: Kein Feuer, sondern ein Wasserfall, dessen Gischt so wild über den Kamm spritzte, dass es wie Rauch wirkte.
Und wieder war das ein Moment, in dem wir staunten.
Ziel erreicht: Selden im hinteren Gasterntal & Pause beim Steinbock


Im Berghotel Steinbock war dann erst mal Schluss mit Wandern. Stattdessen hiess es: Hinsetzen, Most bestellen und ein feines Plättli mit regionalen Spezialitäten geniessen. Nach den letzten Kilometern schmeckte das ungefähr zehnmal besser als zuhause auf dem Sofa.
Wir suchten uns einen Platz auf der Terrasse, liessen die Aussicht auf den Wasserfall auf uns wirken und waren uns ziemlich schnell einig: Genau für solche Momente schleppt man sich freiwillig durch's Tal.
Der Service war übrigens genauso herzlich wie die Aussicht schön – also alles richtig gemacht.
Ganz still war es allerdings nicht. Immer wieder marschierten lachende und singende Pfadfindergruppen vorbei. Kandersteg ist nämlich Heimat des Kandersteg International Scout Centre, dem Weltpfadfinderzentrum. Jedes Jahr kommen Tausende Pfadis aus aller Welt hierher, und einige davon zieht es natürlich auch ins Gasterntal.
Wir? Wir blieben lieber sitzen, genossen unseren Most und waren einfach froh, dass wir im Moment nirgendwo mehr hinauf mussten.
Rückweg durchs Gasterntal und Belohnung im Waldhaus: Dessert, Regenbogen und ein perfekter Tag


Gut erholt liefen wir dann zurück durchs Tal, vorbei an der Kander, vorbei an den Wiesen – und dann rein ins Waldhaus.
Zeit für Dessert. Und nicht irgendeins sondern Meringue mit Rahm. Eine Kalorienbombe, die in dieser Umgebung und nach der Anstrengung schmeckte wie ein Stück Himmel.
Satt, zufrieden und mit seehr müden Beinen gings zurück zur Talstation Sunnbüel und wir befanden: was für ein fantastisches Tal. Und auch wenn die Höhendifferenz nicht enorm war: es war die Länge der Wanderung, die in die Beine fuhr. Aber toll war's!

Fazit: Warum sich die Wanderung ins Gasterntal wirklich lohnt
Das Gasterntal ist so ein Ort, bei dem man sich fragt, warum man nicht schon viel früher hier war. Nicht spektakulär im Sinne von „höher, schneller, weiter“ – sondern spektakulär, weil einfach alles stimmt: Wasser, Weite, ein bisschen Wildnis und genau die richtige Portion „das ist jetzt schon ziemlich cool hier“.
Und ja, die Beine spürt man danach. Vielleicht auch den Prosecco ein bisschen. Aber genau so soll’s ja sein.
👉 Kurz gesagt: Wenn du eine Wanderung suchst, die dich beeindruckt, ohne dich komplett zu zerstören – dann bist du hier goldrichtig.
Corinna
Falls du nach dem Gasterntal noch Energie übrig hast für weitere Wanderungen rund um Kandersteg (oder einfach weiterträumen willst):
Rund ums Gasterntal und Kandersteg warten noch mehr Wege, Ausblicke und kleine Abenteuer:
👉 Winterwanderung von Sunnbüel bei Kandersteg zum Berghotel Schwarenbach - ruhig, weiss und perfekt zum Abschalten
👉 Oeschinensee im Winter– gefrorenes Postkartenmotiv mit Wow-Effekt
👉 Rundwanderung zu den Arvenseeli - drei glasklare Bergseen, genau richtig zum Abkühlen
💚 Gasterntal – wo die Kander das Sagen hat
🌊 Eine Kander, die nicht fliesst, sondern einfach macht, was sie will (inkl. Wanderwege wegräumen)
🏔️ Berge, die dich anschauen wie: „Du schon wieder hier oben?“
🌿 Ein Tal, das aussieht wie Skandinavien – nur mit Kühen statt Elchen
💦 Wasserfälle, die so tun, als wären sie harmlos… bis du direkt daneben stehst
😅 Wanderwege, die gelegentlich spontan kündigen
🌲 Wälder, in denen du kurz vergisst, welcher Tag eigentlich ist
🍽️ Waldhaus & Steinbock: Orte, an denen „nur kurz was trinken“ plötzlich in Kalorienbomben ausarten
🍰 Meringue als legitimer Lebenszweck nach 15 km „war doch nicht so schlimm“-Wanderung
🐄 Kühe, die eindeutig mehr Platz haben als du auf dem Wanderweg
🌈 Regenbogen-Momente, die wirken, als hätte jemand kurz Filter auf die Realität gelegt
🥾 Eine Tour, nach der du sagst: „Easy gewesen“ – während deine Beine eine andere Meinung haben
👉 Kurz gesagt: wunderschön, wild und leicht respektlos gegenüber deinen Wanderplänen – genau deshalb lohnt es sich.



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