Die Kraftwerkinsel Birsfelden – Basels versteckte Rheininsel voller Geschichte und Industriecharme
- Corinna
- 30. Aug. 2024
- 6 Min. Lesezeit
Die Kraftwerkinsel Birsfelden – Basels versteckte Rheininsel voller Geschichte und Industriecharme
📍Ort: Kraftwerk Birsfelden am Rhein zwischen Basel und Birsfelden
Entstanden: Bau ab 1950, Eröffnung 1954
Art: Laufwasserkraftwerk mit künstlicher Insel
Leistung: ca. 550 Mio. kWh Strom pro Jahr
Versorgt: rund 150’000 Haushalte mit Strom
Zusätzliche Nutzung: Fernwärme für etwa 1’500 Haushalte
Besonderheiten: Schleusenanlage, Stauwehr, Maschinenhaus, Industriearchitektur von Hans Hofmann
Architektur: markante 1950er-Jahre-Industriearchitektur mit grünen Fassaden
Freizeit: Spazierwege, Liegewiesen, Rheinblick, Schleusenbeobachtung
Einkehr: saisonale „Wohnwagen Beiz“ auf der Insel 👉 vulcanelli
Geeignet für: Spaziergänge, Familien, Fotografie, Architektur- und Technikfans
Kombinierbar mit: Hornfelsen, Rheinweg, Birsufer
Führungen: öffentliche und Schulführungen möglich
Anreise mit dem Tram:
Tram Nr. 3 bis Birsfelden Schulstrasse, danach ca. 10–15 Minuten zu Fuss via Schul- und Hofstrasse
Oder bis Endstation Hard und in ca. 15–20 Minuten dem Rhein entlang zur Insel
Anreise mit dem Auto:
Zufahrt via Schulstrasse in Birsfelden, gebührenpflichtiger Parkplatz an der Nordseite der Insel
Weitere Infos: Kraftwerk Birsfelden
Industriekultur am Rhein: die Geschichte der Kraftwerkinsel Birsfelden
Wer in Basel oder Birsfelden am Rhein unterwegs ist, kennt die markante Kraftwerkinsel meist nur vom Vorbeifahren. Doch die künstliche Insel beim Kraftwerk Birsfelden ist weit mehr als ein technischer Zweckbau: Sie verbindet Industriegeschichte, eindrucksvolle Architektur, Natur und Naherholung auf überraschende Weise. Zwischen Maschinenhaus, Stauwehr und Schleusenanlage entstehen nicht nur jährlich Millionen Kilowattstunden Strom – die Insel ist heute auch ein beliebtes Ziel für Spaziergänge, Familienausflüge und Fotografen.
In diesem Artikel nehme ich euch mit auf einen Rundgang über die Kraftwerkinsel Birsfelden, erzähle ihre spannende Entstehungsgeschichte und zeige, weshalb sich ein Besuch zwischen Basel, Rhein und Hornfelsen absolut lohnt.
Spaziergang über die Kraftwerkinsel Birsfelden – zwischen Rhein, Geschichte und Industriecharme

Die Geschichte der Kraftwerkinsel Birsfelden beginnt lange vor 1954
Erbaut wurde die Kraftwerkinsel zwar erst 1954, doch die Idee dahinter entstand bereits viel früher.
Schon in den 1880er-Jahren kam erstmals die Idee auf, das Rheingefälle zur Stromgewinnung zu nutzen. Damals fehlte allerdings noch die Nachfrage nach elektrischer Energie, weshalb die Pläne erst einmal wieder in der Schublade verschwanden.
Erst während des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Situation. Brennstoffe wurden knapp, der Bedarf an Elektrizität stieg – und plötzlich wurde das Projekt wieder interessant.
Basel und Baselland spannten zusammen und reichten 1942 beim Bund ein Konzessionsgesuch ein. 1950 erfolgte schliesslich der erste Spatenstich für das heutige Kraftwerk Birsfelden.
Warum der Standort des Kraftwerks lange umstritten war
Bevor überhaupt gebaut werden konnte, musste erst die Frage geklärt werden, wo das Kraftwerk überhaupt hinkommen sollte. Und darüber war man sich nicht ganz einig.
Eine sogenannte „Heimatschutz-Variante“ sah vor, das Kraftwerk rund 300 Meter weiter oben zu bauen. Damit wäre der Blick auf den Hornfelsen frei geblieben und auch der historische Birsfelder Hof hätte erhalten werden können.
Das Problem dabei:
Zu viel Gefälle wäre verloren gegangen
Die Stromproduktion wäre weniger effizient geworden
Eine andere Idee war, das Kraftwerk weiter flussabwärts zu bauen. Doch auch das funktionierte nicht wirklich, denn:
Schiffe brauchen nach der Schleuse genügend Strecke
Die Eisenbahnbrücke musste passiert werden
Zusätzlich lag noch das Birsdelta im Weg
Am Ende blieb also nur der heutige Standort.
Der Birsfelder Hof – wie aus einem einzelnen Hof ein ganzes Dorf entstand

Für den Bau der Kraftwerkinsel musste damals auch der historische Birsfelder Hof weichen. Und dessen Geschichte reicht erstaunlich weit zurück – nämlich bis ins Mittelalter.
Der Hof war eng mit dem Kloster St. Alban verbunden, zu einer Zeit, als die Felder noch ausserhalb der Stadtmauern von Basel lagen. Eigentlich bestand Birsfelden damals nur aus diesem einen Hof mit seinen Gebäuden.
Erst 1425 wurde eine kleine Brücke über die Birs gebaut. Rund um diese Brücke entstand nach und nach eine kleine Siedlung – und daraus entwickelte sich schliesslich das heutige Birsfelden.
Die Kraftwerkinsel sollte nicht nur Strom liefern
Der Bau der Insel veränderte die Landschaft am Rhein massiv. Deshalb war von Anfang an klar, dass die neue Insel nicht nur der Energiegewinnung dienen sollte, sondern auch als Erholungsort für die Bevölkerung gedacht war.
Und ehrlich gesagt: Das merkt man bis heute ziemlich gut.
Zwei Millionen Kubikmeter Aushub – und daraus entstand später der Auhafen

Beim Bau der Kraftwerkinsel kamen rund 2 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial zusammen. Ein Teil davon wurde sogar mit einer extra dafür gebauten Bahn zur Schweizerhalle in den Auboden transportiert.
Der Grund dafür war ziemlich pragmatisch: Durch die Stauung des Rheins wäre dort sonst eine Fläche von rund 145'000 Quadratmetern überschwemmt worden. Mit dem zusätzlichen Material konnte das verhindert werden.
Heute befindet sich dort übrigens der Auhafen.
Stromproduktion im Kraftwerk Birsfelden – und mein damaliger Arbeitsweg

Das Maschinenhaus der Insel ist der Ort, an dem heute die eigentliche Stromproduktion stattfindet. Und genau dort führte früher mein täglicher Arbeitsweg vorbei.
Im Kraftwerk werden pro Jahr rund 550 Millionen kWh Strom produziert. Das reicht für ungefähr 150'000 Haushalte. Zusätzlich entsteht bei der Stromproduktion Abwärme, mit der nochmals rund 1’500 Haushalte mit Heizwärme und Warmwasser versorgt werden können.
Kurz zusammengefasst:
ca. 550 Mio. kWh Strom pro Jahr
Versorgung von rund 150'000 Haushalten
zusätzliche Fernwärme für etwa 1’500 Haushalte
Schon noch beeindruckend, wenn man so direkt davorsteht.
Industriearchitektur am Rhein: warum die Uhr so bekannt aussieht

Beim Blick ins Maschinenhaus fiel mir sofort die grosse Uhr auf. Kam die euch auch irgendwie bekannt vor?
Sie erinnert ziemlich stark an die grosse Uhr der Rundhofhalle der Mustermesse Basel. Und das ist tatsächlich kein Zufall.
Der Architekt des Kraftwerks war Hans Hofmann (1897–1957), der unter anderem auch die Rundhofhalle der Mustermesse entworfen hat. Daher also die Ähnlichkeit.
Und überhaupt merkt man schnell, dass bei diesem Kraftwerk nicht einfach nur „funktional gebaut“ wurde.
Das Stauwehr und die Architektur der Kraftwerkinsel


Besonders gefallen hat mir persönlich die Architektur rund um das Stauwehr. Deshalb gibts davon auch gefühlt etwas mehr Fotos als geplant…🙄
Hans Hofmann legte nämlich grossen Wert auf die Gestaltung der Gebäude. Selbst die Farben waren bewusst gewählt:
Maschinenhaus und Stauwehr wurden grün gestaltet – passend zum Wasser
Die übrigen Gebäude erhielten Rottöne als Kontrast


Dadurch wirkt die ganze Anlage erstaunlich harmonisch, obwohl sie eigentlich ein grosses Industrieprojekt ist.
Die Kraftwerkinsel heute: Spaziergänge, Familien und Rheinfeeling
Die Kraftwerkinsel ist heute längst nicht nur für Technik- oder Stromfans interessant. An meinem Besuchstag war dort ziemlich viel los:
Familien beim Spielen
Jugendliche auf Badetüchern
Leute auf Liegestühlen
ein Pfadiverein unterwegs
Spaziergänger entlang des Rheins
Und zwischendurch kann man immer wieder beobachten, wie Schiffe durch die Schleuse fahren. Allein das ist schon irgendwie entspannend.
Auch die Umgebung wurde bewusst als Erholungsraum gestaltet. Der damalige Stadtgärtner R. Arioli plante Wege, Grünflächen, Pavillons der Rudervereine und schattenspendende Bäume.
Die Wohnwagen Beiz auf der Kraftwerkinsel

Mitten auf der Insel befindet sich ausserdem die kleine „Wohnwagen Beiz“. Bei meinem Besuch hatte sie leider geschlossen, sonst hättet ihr mich dort bestimmt bei einem Apéro oder Glacé angetroffen.
Falls ihr schauen wollt, ob geöffnet ist: Vulcanelli Café Bar
Führungen durch das Kraftwerk Birsfelden
Wer sich noch etwas genauer für das Kraftwerk interessiert: Es werden auch Führungen angeboten – für Schulen übrigens kostenlos.
Weitere Infos findet ihr hier: Kraftwerk Birsfelden Führungen
Blick zurück zum Hornfelsen

Und zum Schluss muss ich euch natürlich nochmals den Blick hinüber zum Hornfelsen zeigen. Genau dort oben hatte ich mich ja wenige Wochen zuvor mit gefühlt 300 Höhenmetern in Rekordzeit hochgekämpft… ähem…🙄
Falls ihr den Beitrag zum Hornfelsen bei Grenzach-Wyhlen noch nicht kennt, findet ihr ihn hier.
Bis dann und habts fein.
Corinna
Kraftwerkinsel Birsfelden – mein ganz persönliches Fazit
🟢 Überraschend gemütlich für einen Ort, an dem nebenbei Strom für 150’000 Haushalte produziert wird.
🚲 Früher einfach mit dem Velo drübergerauscht – heute weiss ich: manchmal lohnt es sich halt doch, unterwegs kurz anzuhalten.
🏗️ Industriearchitektur kann tatsächlich ziemlich schön sein. Vor allem dann, wenn jemand wie Hans Hofmann seine Finger im Spiel hatte.
🌊 Mein persönliches Highlight? Definitiv die Mischung aus Rheinfeeling, Schleusenbetrieb und diesem leicht nostalgischen 50er-Jahre-Charme.
👀 Ausserdem: Wer gerne Leuten zuschaut, die entspannt am Rhein sitzen, während riesige Wassermassen durchs Stauwehr donnern, ist hier goldrichtig.
🍦 Und wäre die Wohnwagen Beiz offen gewesen, hätte dieser Artikel vermutlich ein paar Absätze mehr und deutlich weniger Konzentration enthalten.
🥾 Kombiniert mit dem Hornfelsen ergibt das übrigens einen überraschend abwechslungsreichen Tagesausflug zwischen Natur, Geschichte und Industriecharme.



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