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Appenzell entdecken: Bunte Häuser, Schlorzifladen & Männer mit Löffeln im Ohr

  • Corinna
  • 24. Apr. 2021
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Apr.



📍Ort: Appenzell (Ort, nicht Kanton)


Einwohner: ca. 5’700

Highlights: Säntis, bunte Häuser, Landsgemeinde, Schlorzifladen

Besonderheiten: Ohreschüfeli, traditionelle Tracht, Alpsteinmassiv



Appenzell – Charmantes Herz der Ostschweiz entdecken


Appenzell – das kleine Schweizer Juwel, wo die Kühe Namen tragen, die Häuser bunter sind als ein Jasskartenset und selbst die Wolken irgendwie gemütlich wirken.


Wer hier vorbeikommt, stolpert nicht nur über geschwungene Giebel und süsse Schlorzifladen, sondern auch über Traditionen, die es nur noch hier gibt: Landsgemeinde, Ohreschüfeli und Männer mit Löffeln im Ohr – ja, wirklich!


Ob für Wanderfans, Verschleckten oder Kulturliebhaber, Appenzell liefert Charme, Humor und Überraschungen satt. Also anschnallen, Augen auf und Jööö sagen garantiert!


Warum IN Appenzell? Sprach-Fails vermeiden


Heute nehme ich euch mit in die Ostschweiz – für mich selbst bislang unbekanntes Terrain. Mein erster Trip nach Appenzell und – Spoiler Alert 😄 – kurz darauf auch nach St. Gallen, wo barocker Charme, 111 Erker und sogar eine Mumie auf uns warteten.


Wer also erst Appenzell geniessen will und dann noch Lust auf Stadt-Action hat, klickt hier gleich weiter! 👉 St. Gallen entdecken: Altstadt, Erker & Stiftsbibliothek


Und ja, ich schreibe bewusst IN Appenzell und IN St. Gallen, denn wir reden hier von den Orten, nicht den ganzen Kantonen. Würde ich von den Kantonen selbst berichten, hiesse es bei uns in der Schweiz: IM Appenzell und IM St. Gallische.


Klingt kompliziert? Keine Sorge – ihr kommt schon mit. Auf den Ausflug, meine ich! 😉


Die Landschaft von Appenzell: geprägt von Hügeln und dem Alpsteinmassiv.
Die Landschaft von Appenzell: geprägt von Hügeln und dem Alpsteinmassiv.

Hügel, Alpstein & Säntis – Natur, die verzaubert


Eigentlich wollten wir auf den Säntis, DEN Berg im Appenzell, auf dem gefühlt schon jeder mindestens einmal war...ausser meiner Wenigkeit natürlich.


Doch das Wetter war sehr durchzogen, immer wieder blies der kalte Wind grosse Wolkenbänke über uns hinweg und so war auch nicht klar, wie die Aussicht von dort oben sein würde. Wir liessen den Säntis also Säntis sein (aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben), und besuchten stattdessen Appenzell.


Appenzell (im Dialekt Appezöll) ist eine wunderschöne Landschaft eingebettet. Hügelige Landschaften, im Frühling blühende Wiesen, im Winter ein Skiparadies und das Alpsteinmassiv mit dem Säntis locken viele Wanderer und Wintersportler an, die in Appenzell einen guten Ausgangspunkt finden.


Wer Lust auf mehr Abenteuer hat: Das Gebiet lockt mit zahlreichen Wanderungen, z. B. zur berühmten Saxer Lücke oder zum Berggasthaus Aescher, dessen Bild vermutlich fast jeder kennt.


Vorsicht: Die Schwierigkeitsgrade der Trails unterscheiden sich stark – von gemütlich bis sehr herausfordernd. Ich selbst war dort noch nie wandern, aber das steht definitiv auf meiner To-do-Liste. 😉


Bunte Fassaden & Giebel – Föteli-Alarm in Appenzell


Typische Appenzeller Häuser in der Hauptstrasse von Appenzell.
Typische Appenzeller Häuser in der Hauptstrasse von Appenzell.


Giebel und bunde Fassaden zeichnen die Appenzeller Häuser aus.
Giebel und bunde Fassaden zeichnen die Appenzeller Häuser aus.


Schlorzifladen: Süss, birnig & absolut verführerisch


Ausserdem gibt es in Appenzell viele Spezialitäten der Ostschweiz, wie zum Beispiel den Schlorzifladen. Dabei handelt es sich um eine Wähe, welche mit einer Masse aus gekochten und pürierten Dörrbirnen, den Schlorzi, belegt und mit einem Rahmguss verfeinert wird. Wer Birnenweggen mag, kommt hier voll auf seine Kosten.


Schlorzifladen...wird kalt, lauwarm oder auch warm genossen. Und mit einem Klacks Rahm, wer mag. En Guete!
Schlorzifladen...wird kalt, lauwarm oder auch warm genossen. Und mit einem Klacks Rahm, wer mag. En Guete!

Frauenstimmrecht in Appenzell – Fast zu spät, aber immerhin!


Wer den Namen Appenzell hört, bringt diesen oft in Verbindung mit dem Frauenstimmrecht in der Schweiz. Und ja, wir waren fast die Letzten, aber nur fast:


  • 1971 Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz.

  • 1975 folgte Portugal.

  • 1984 Liechtenstein als Schlusslicht.


Schneller war die Isle of Man, die bereits im Jahre 1881 den Frauen Besitz und somit das Wahlrecht gewährte.


Wusstet ihr, dass das erste bekannte Wahlrecht aus dem Jahre 1776 stammt? Damals gab die erste Verfassung des US-Gliedstaates New Jersey das Wahlrecht an " Alle Einwohner dieser Kolonie, die volljährig sind, fünfzig Pfund besitzen und seit zwölf Monaten im County gelebt haben."


Jaja, wir Schweizer gehören nicht immer zu den Schnellsten...


So, und wer nun meint, dass das Frauenstimmrecht in der Schweiz im Jahre 1971 nun endlich geregelt war, der hat nicht an unsere Kantone gedacht:


  • Immer noch sagten 12 Kantone nein zum Frauenstimmrecht

  • 1991 führte schliesslich der Kanton Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Stimmrecht ein.

  • Allerdings nur, weil die Frauen eine staatsrechtliche Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht hatten.


In der Schweiz dauert Veränderung… manchmal bis eben ein Bundesgericht hilft.



Der Landsgemeindeplatz in Appenzell.
Der Landsgemeindeplatz in Appenzell.

Landsgemeinde: Demokratie zum Anfassen


Eine Besonderheit in Appenzell ist die Landgemeinde. Man kann diese als Urform der Demokratie bezeichnen:


  • Existiert in dieser Form nur noch in den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Glarus.

  • Seit 1404 urkundlich belegt.


Auf dem obigen Landsgemeindeplatz versammeln sich alljährlich ca. 3'000 Stimmberechtigte am letzten Sonntag im April. Die Stimmberechtigten nehmen Wahlen vor und stimmen über sämtliche durchs Jahr angefallenen Sachgeschäfte auf kantonaler Ebene ab.


Seit 1991 zeigt die Stimmkarte die Berechtigung an den Wahlen an, für Männer gilt aber auch das Seitengewehr: dies ist ein in der Regel von Generation zu Generation weitergegebener Degen und bis 1991 der einzige Stimmrechtsausweis.


Abgestimmt wird durch Hochhalten der rechten Hand. Sollte das Mehr so nicht abgeschätzt werden können, muss einzeln ausgezählt werden.


Das Rathaus von Appenzell mit der Fassadenmalerei von August Schmid (1928)
Das Rathaus von Appenzell mit der Fassadenmalerei von August Schmid (1928)

Haus Alpina in Appenzell...
Haus Alpina in Appenzell...
...in dem ein Goldschmied seiner Tätigkeit nachkommt. Ob er wohl auch Ohreschuefle macht?
...in dem ein Goldschmied seiner Tätigkeit nachkommt. Ob er wohl auch Ohreschuefle macht?

Ohreschuefle & Tracht – Löffeli im Ohr, Charme inklusive


Eine weitere Besonderheit des Appenzells:


  • Männer tragen im rechten Ohr einen goldenen Löffel, die Ohreschuefle.

  • Diese ist an einer Schlange, die den Kreislauf des Lebens symbolisiert befestigt.

  • Diese Schuefle wird nur zur Festtagen getragen, zusammen mit der Tracht.

  • Die übrige Zeit bitte nur die Schlange im Ohr behalten.


Die Schuefle selbst ist ein typisches Arbeitsgerät der Sennen und wird zum Abschöpfen von Rahm und zur Käseherstellung verwendet.




Auch ausserhalb des Dorfkerns von Appenzell gibt es schöne Geschäfte.
Auch ausserhalb des Dorfkerns von Appenzell gibt es schöne Geschäfte.
Ein letzter frühligshafter Gruss aus Appenzell.
Ein letzter frühligshafter Gruss aus Appenzell.

Fazitli – Appenzell: Charme, Schlorzifladen & Wanderlust


Appenzell ist wie ein Überraschungsei der Ostschweiz: landschaftlich einzigartig, mit Hügeln, Alpsteinmassiv und Wiesen, die im Frühling ab Ende April in Löwenzahn-Gelb leuchten – ein Paradies für Wanderer und Naturfans.


Dazu kommt der Dialekt, der so eigen ist wie die bunten Häuser und die Traditionen wie Landsgemeinde oder die Ohreschuefle – charmant, etwas verrückt und absolut authentisch.


Ich selbst habe zwar noch keine ausgedehnte Wanderung in der Region gemacht (Saxer Lücke, Aescher – ich komme!), aber die Gegend steht definitiv auf meiner To-do-Liste.


Wer Appenzell besucht, darf sich auf Charme, Kultur, Kulinarik und Natur satt freuen – und auf mindestens ein „Jööö!“, garantiert. 😉



Corinna



🇨🇭 INFOKÄSTLI MIT Ä BIZZLI SWISSNESS 😄


Region:

Ostschweiz – wo’s «grüenet und blüemet», Kühe Namen haben und sogar die Wolken etwas Gemütliches ausstrahlen.


Ort:

Appenzell – IN Appenzell bitte, nicht IM. Wer da schlampt, outet sich sofort als Nichtschweizer! 😉


Einwohner:

ca. 5’700 – also quasi 5’698 mehr als auf dem Wanderweg, wenn’s regnet.



MUST-KNOWS MIT ALPKRÄUTER-CHARME


🗻 Säntis – der stolze Appenzeller Riese (bei schönem Wetter. Bei Nebel: ein Mythos).


🏘️ Appenzeller Häuser – so farbig wie ein Jasskarten-Set und oft mit geschnörkeltem Giebel, der aussieht, als hätte er Sonntagsausgang.


🥧 Schlorziflade – Wähe mit Dörrbirne & Rahm. Klingt nach Medizin, schmeckt"sauguet". Tipp: mit Rahm obenuf, immer.


🧑‍🌾 Ohreschuefle– Männer tragen hier einen Löffel im Ohr. Kein Witz. Für die Sennen: Symbol mit Schlange = ewiger Kreislauf. Für uns Städter: modisch mutig.



📜 STIMMBÜRGERTUM À LA APPENZELL


🗳️ Frauenstimmrecht: Schweiz 1971.


⏳ Appenzell Innerrhoden: 1991! Warum so spät? Na ja... «Guets Ding will Weile ha» – oder halt eine Klage beim Bundesgericht. 😅


✋🏼 Landsgemeinde: Demokratie zum Anfassen. Jedes Jahr im April heben die Appenzeller*innen die Hand (früher reichte auch ein Degen – echt jetzt).



Wenn du mehr zum Appenzell und Umgebung erfahren möchtest:




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