top of page

Rhonegletscher Wanderung am Furkapass & zur Galenhütte – allein durch Wind, Regen und Murmeltiere

  • Corinna
  • 26. Sept. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen


📍Start / Ziel: Furkapass


Region: Furkapass, ca. 2’429 m.ü.M.

Dauer: ca. 3–4 Stunden

Distanz: ca. 8–10 km

Höhenmeter: ↑↓ ca. 200 m

Schwierigkeit: Mittel (teilweise T3-Passagen beim Abstieg zur Eisgrotte)

Beste Jahreszeit: Juli – September



Furkapass Wanderung: Zwischen Gletscher, Regen und rauer Bergwelt


Der Furkapass ist eine der spektakulärsten Alpenstrassen der Schweiz – und nicht nur ein beliebter Fotospot für Reisende, sondern auch Ausgangspunkt für eine der eindrücklichsten Touren in der Schweiz in eine Welt aus Fels, Eis und Geschichte.


In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf eine Tour bei ziemlich miesem Wetter – und genau das hat sie besonders gemacht.


Ganz in der Nähe liegt übrigens auch der Grimselpass, wo ich bereits zwei andere Wanderungen gemacht habe – zum Sidelhorn und rund um den Oberaarsee.



Auf dem Weg zum Rhonegletscher


Schon lange hatte ich geplant, den Rhonegletscher und seine Umgebung zu erwandern. Eigentlich zusammen mit meiner Schwester, aber das eine Mal, als wir auf dem Weg dahin waren, landeten wir aus „Versehen“ im Tessin – eine dieser Entscheidungen, die komplett unlogisch sind, aber am Ende genau richtig.


Falls ihr uns bei unserer ungeplanten Wanderung im Tessin begleiten wollt:


Dass mich jetzt bei dieser Wanderung nicht Sonnenschein, sondern Regen, Wind und Wolken erwarteten, machte die Tour am Ende nur noch unvergesslicher. Wahrscheinlich sogar genau deshalb.



Blick zurück ins Ursernertal...und rechts auf den Imbisswagen. Es ging noch etwas weiter aufwärts, bevor der Weg eben verlief.
Blick zurück ins Ursernertal...und rechts auf den Imbisswagen. Es ging noch etwas weiter aufwärts, bevor der Weg eben verlief.


Regen statt Postkartenwetter am Furkapass


Letzten Sonntag war also definitiv kein Tag, an dem ich Sonnenschutz einpacken musste. Schon auf der Fahrt zum Furkapass hingen dunkle Wolken über den Bergen und bald prasselte der Regen gegen die Autoscheiben.


Oben angekommen: grauer Himmel, Pfützen auf den Strassen und ein fast leerer Parkplatz. Nur ein Imbissstand stand tapfer in der Mitte, geöffnet, aber ohne Kundschaft – ein Hauch von Einsamkeit umwehte nicht nur ihn, sondern mich gleich mit.


Weiter gings meist eben um die Bergflanke herum Richtung Rhonegletscher.
Weiter gings meist eben um die Bergflanke herum Richtung Rhonegletscher.

Warum gehe ich bei diesem Wetter bloss los?


Doch statt mich wieder ins Auto zu setzen, packte ich den Rucksack. Und eine Jacke...erstaunlich aber wahr, aber selbst ich empfand es als etwas kühl dort oben.


Der Wegweiser zum Rhonegletscher war schnell gefunden und der Regen 'gab Gutzi' wie wir in der Schweiz sagen: Windböen peitschten mir den Nieselregen ins Gesicht, dass es schon weh tat.


Für einen kurzen Moment fragte ich mich ernsthaft, warum ich nicht einfach zu Hause auf der Couch unter einer Decke lag, Serie an und gemütlich in der Wärme einen Kaffee schlürfte. Aber „jä nu“, ich war hier – und entschloss mich, die Wanderung durchzuziehen.


Und genau das ist ja der Punkt:


Die besten Erlebnisse beginnen selten dann, wenn alles perfekt ist – sondern dann, wenn man sich trotzdem entscheidet, loszugehen.


Immer wieder schöne...
Immer wieder schöne...
....Aussichten ins Goms.
....Aussichten ins Goms.



Auf dem Höhenweg Richtung Rhonegletscher


Kaum hatte ich die ersten Höhenmeter geschafft, liess der Regen nach. Die Böen blieben und schüttelten mich immer wieder mal kräftig durch, doch es ging weiter – eine Stunde fast eben dahin, Richtung Gletscher.



Murmeltiere, Wind und erste Blicke auf den Gletscher


Unter mir hörte ich leise den wenigen Verkehr auf der Passstrasse, über mir nur Wind und Wolken. Menschen? Keine. Dafür das Pfeifen der Murmeltiere. Ich setzte mich, wartete – und tatsächlich: sie zeigten sich.


Zunächst vorsichtig und schliesslich wuselten in angemessener Entfernung ein paar um mich herum. Leider zu weit weg, um ein gutes Foto von ihnen machen zu können, aber alleine das Beobachten der Murmelis war ein Erlebnis.


Ein erster Blick über die Krete: rechts der Rhonegletscher, links davon der namenlose Gletschersee.
Ein erster Blick über die Krete: rechts der Rhonegletscher, links davon der namenlose Gletschersee.


Der Rhonegletscher und der namenlose Gletschersee


Dann endlich erreichte ich eine Krete. Hier öffnete sich der Blick – hinunter zum Rhonegletscher und dem namenlosen Gletschersee. Es war beeindruckend!


Ich blieb eine Weile dort, liess mich weiterhin von den Böen durchrütteln und folgte dann dem Pfad noch weiter, am Gletscher entlang. Der Weg endete irgendwann im Geröll, doch der Ausblick war jede Anstrengung wert.


Licht und Schatten über dem Gletschersee.
Licht und Schatten über dem Gletschersee.


Der Weg, der oberhalb des Rhone Gletschers an der Krete entlang führt.
Der Weg, der oberhalb des Rhone Gletschers an der Krete entlang führt.



Abstieg zur Eisgrotte – plötzlich ein T3-Weg


Auf dem Rückweg entdeckte ich dann die Weggabelung, die mich nach unten zur Eisgrotte führen sollte. Ohne zu wissen, wie der weitere Weg aussehen würde, bog ich ab und befand mich auf einem T3-Weg wieder: über Gesteinsblöcke, durch tiefe Furchen, an Abhängen entlang.


Nicht weil es eine gute Idee war – sondern weil ich es einfach wissen wollte.


Einmal musste ich mich sogar auf einen Felsen setzen und hinunterhüpfen, um weiterzukommen. Der Weg verlangte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit – und belohnte mit fantastischen Ausblicken auf den Gletscher und seinen milchig-grünen, namenlosen See.


Blick zur Eisgrotte und zum Hotel Belvédère


Weit unter mir konnte ich winzige Menschen erkennen – das waren die Besucher der Eisgrotte, die bis an den Gletscherfuss laufen konnten.


Eigentlich hatte ich ja geplant, ebenfalls die Eisgrotte zu besuchen, doch da das Wetter alles andere als gut aussah, entschied ich mich, den Weg nur noch bis zum Stein, welcher die Rhonequelle markiert, runterzukraxeln. Dann machte ich mich wieder auf den Rückweg.



Das ist noch der einfachere Teil des Weges nach unten...
Das ist noch der einfachere Teil des Weges nach unten...
Dieser Felsbrocken war brusthoch. Auf dem Weg nach unten gings mit einem Hupf nach unten, nach oben musste ich dann klettern.
Dieser Felsbrocken war brusthoch. Auf dem Weg nach unten gings mit einem Hupf nach unten, nach oben musste ich dann klettern.
Blick ins Goms, am Fusse des Berges könnt ihr den Eingang zur Eisgrotte erkennen.
Blick ins Goms, am Fusse des Berges könnt ihr den Eingang zur Eisgrotte erkennen.

Gleich gegenüber der Eisgrotte befindet sich das weltberühmte Hotel Bélvèdere.
Gleich gegenüber der Eisgrotte befindet sich das weltberühmte Hotel Bélvèdere.

Zwar klein, aber dennoch gut zu erkennen: all die Leute, die die Eisgrotte des Rhonegletschers  besuchten.
Zwar klein, aber dennoch gut zu erkennen: all die Leute, die die Eisgrotte des Rhonegletschers besuchten.
Hier, an diesem Stein des Vier-Quellen-Wegs - der Rhone -  war für mich der Endpunkt meiner Wanderung, danach gings wieder retour nach oben.
Hier, an diesem Stein des Vier-Quellen-Wegs - der Rhone - war für mich der Endpunkt meiner Wanderung, danach gings wieder retour nach oben.


Alte Militärgeschichte – das Artilleriewerk Galenhütten


Zurück auf dem Hauptweg entschied ich mich für eine andere Route – vorbei an einem alten Bunker. Die Galenhütte. Beton inmitten von Felsen und Wind. Ich stellte mir vor, wie hier einst Soldaten in der kargen Einsamkeit ausgeharrt hatten. Womit sie wohl ihre Zeit verbracht haben, wenn keine Bedrohung in Sicht war?


Das Artilleriewerk Galenhütten mit Blick auf die Furkastrasse.
Das Artilleriewerk Galenhütten mit Blick auf die Furkastrasse.

Die Galenhütte ist zwar geschlossen, aber...
Die Galenhütte ist zwar geschlossen, aber...

...ihr könnt sie umrunden.
...ihr könnt sie umrunden.


Rückweg zum Furkapass – Wetterkapriolen inklusive


Von dort war es nicht mehr weit zurück zum Parkplatz. Rechtzeitig – denn der Himmel zog sich endgültig zu, und der Regen setzte wieder ein.


Auf dem Rückweg dann noch ein Überbleibsel eines  Bunkers.
Auf dem Rückweg dann noch ein Überbleibsel eines Bunkers.
Aussichten mit sehr wechselhaftem Wetter:
Aussichten mit sehr wechselhaftem Wetter:

von Sonne bis Regen, Böen bis absolute Windstille: alles war dabei.
von Sonne bis Regen, Böen bis absolute Windstille: alles war dabei.



Fazit zur Wanderung am Furkapass


Ganz ehrlich? Das war keine Wanderung im Sonnenschein, im Gegenteil: von Regen über Wind, Wolken und dann doch mal Sonne war alles dabei. Und genau darum war die Wanderung auch speziell, nicht nur wegen der Aussicht.


Alleine in der Natur unterwegs, dem Wetter ausgesetzt und dann noch Murmeltiere beobachten können: ich kanns nur empfehlen.


Hier ein letzter Blick vom Wallis nach Uri...wenige Minuten bevor der Regen wieder einsetzte.
Hier ein letzter Blick vom Wallis nach Uri...wenige Minuten bevor der Regen wieder einsetzte.

Und die Eisgrotte? Ja, die werde ich ein anderes mal besuchen, vermutlich aber nicht mehr dieses Jahr, denn sehr wahrscheinlich fällt bald der erste Schnee auf dem Furka und dann ist dort fertig mit wandern. Aber ich komme wieder. Und dann vielleicht auch mit meiner Schwester 😉.


Corinna



Du magst die Region rund um den Furkapass? Dann könnten dir auch folgende Beiträge gefallen:



Realitätscheck am Furkapass – diese Tour hat Charakter


🌬️ Wind, der dich kennt (und testet):


Hier weht kein laues Lüftchen, sondern ein ausgewachsener Charakterdarsteller. Böen, die dir freundlich, aber bestimmt sagen: Heute bestimmst nicht du das Tempo.


🌧️ Wetter, das „Gutzi gibt“:


Sonnenschein? Optional. Stattdessen bekommst du das volle Programm aus Nieselregen, Wolken und gelegentlichen Aufhellungen – gerade genug, um dich hoffen zu lassen.


🧍‍♀️ Einsamkeit deluxe:


Während andere bei dem Wetter umdrehen, hast du den Berg fast für dich allein. Keine Menschentrauben, kein Trubel – nur du, der Wind und das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.


🐾 Murmeltiere als Wegbegleiter:


Statt Smalltalk mit Wanderern gibt’s hier ein vorsichtiges Pfeifen aus dem Gras. Mit etwas Geduld zeigen sich die kleinen Bewohner – und machen die Tour gleich noch besonderer.


🧊 Der grosse Moment am Gletscher:


Wenn sich der Blick auf den Rhonegletscher öffnet, wird selbst das mieseste Wetter kurz zur Nebensache. Eis, Fels und dieser milchig-grüne See – ziemlich eindrücklich.


🥾 Ein bisschen Abenteuer muss sein:


Spätestens beim Abstieg Richtung Eisgrotte wird klar: Das ist kein reiner Spaziergang mehr. Trittsicherheit, ein gutes Auge – und die Bereitschaft, auch mal einen kleinen „Hupf“ einzubauen, helfen definitiv.


🪖 Unerwartete Begegnung mit Geschichte:


Mitten in der kargen Landschaft taucht die Galenhütte auf. Ein stiller, etwas rauer Ort, der perfekt zur Stimmung dieser Tour passt.



🧊🏔️ Gletscher & Bunker – zwei Extreme, eine Landschaft


🧊 Der Rhonegletscher – Eis mit Ablaufdatum


  • ❄️ Einer der zugänglichsten Gletscher der Schweiz:

    Du kannst hier fast bis ans Eis fahren – ziemlich einzigartig in den Alpen.


  • 📏 Einst ein Gigant:

    Rund 8 km lang und mehrere Kilometer breit – ein gewaltiger Eisstrom mitten in den Alpen.


  • Auf dem Rückzug:

    Früher reichte das Eis bis weit ins Tal nach Gletsch – heute zieht es sich sichtbar zurück. Forscher gehen davon aus, dass er bis Ende des Jahrhunderts weitgehend verschwunden sein könnte.


  • 💧 Geburtsort der Rhone:

    Genau hier beginnt ein Fluss, der später durch das Wallis, den Genfersee und bis ins Mittelmeer fliesst.


  • 🧊 Eisgrotte mit Tradition:

    Seit dem 19. Jahrhundert wird jedes Jahr ein rund 100 m langer Tunnel ins Eis geschlagen – ein ziemlich surrealer Blick ins Innere des Gletschers.



🪖 Die Galenhütte – stille Zeugin der Militärgeschichte


  • 🏗️ Gebaut für den Ernstfall:

    Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, um den strategisch wichtigen Furkapass zu sichern.


  • 💣 Bewaffnet wie eine kleine Festung:

    Ausgestattet mit mehreren Kanonen und einer Panzerhaubitze, um mögliche Angriffe abzuwehren.


  • 👥 Platz für rund 80 Soldaten:

    Die Anlage war kein kleiner Bunker, sondern ein richtiges militärisches System mit Unterkünften.


  • 🪨 Architektur, die auffällt:

    Verkleidet mit massiven Steinquadern wirkt sie heute fast wie ein Fremdkörper in der wilden Berglandschaft.


  • 🤫 Heute: ruhig, verlassen, fast vergessen:

    Keine Kanonen mehr, keine Soldaten – nur noch Wind, Fels und die Frage, wie sich das Leben hier oben damals angefühlt haben muss.

Kommentare


©2025 by scheissaufsalter

  • Instagram
  • Facebook
bottom of page