Schwarzsee Schweiz: Rundwanderung, Hexenweg, Drachen & unser legendärer Kaffee-Stopp bei Tafers
- Corinna
- 4. Apr. 2025
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Apr.
📍 Wo: Schwarzsee, Kanton Freiburg (Schweiz)
Anreise: Mit dem Auto bis Schwarzsee (grosser Parkplatz direkt am See) oder ÖV via Fribourg / Plaffeien
Dauer: ca. 1 Stunde (gemütlich eher 1–1,5 Stunden)
Distanz: rund 4 km Rundweg
Höhenmeter: kaum der Rede wert – praktisch flach
Schwierigkeit: leicht (auch für Gelegenheits-Spaziergänger geeignet)
Highlights:
Rundweg direkt am Seeufer
Blick auf die Freiburger Voralpen
Hexenweg (auch für Kinder spannend)
Drachen-Skulptur 🐉
Grotte & Wasserfall (je nach Zugang)
mystische Stimmung bei schlechtem Wetter
Für wen geeignet:
Familien mit Kindern
Genusswanderer
Spaziergänger ohne Gipfel-Ambitionen 😉
Perfekt als kurzer Zwischenstopp oder Halbtagesausflug
Beste Jahreszeit:
Ganzjährig möglich
Sommer: Baden & Wandern
Winter: verschneite Märchenlandschaft
Manchmal sind es ja genau die Ausflüge, von denen man sich nicht allzu viel erwartet, die am Ende hängen bleiben. So ein bisschen „ja komm, schauen wir halt mal“ – und plötzlich steht man irgendwo im Nirgendwo, der Wind peitscht einem ins Gesicht, der See ist schwarz wie die Nacht und man fragt sich kurz, ob gleich ein Drache aus dem Wasser auftaucht.
Genau so ging’s uns am Schwarzsee im Kanton Freiburg. Eigentlich nur als Plan B gedacht, wurde daraus ein überraschend schöner Rundgang mit mystischer Stimmung, sagenhafter Geschichte und… sagen wir mal… ganz speziellem Servicepersonal im Anschluss 😄
Spontaner Plan B: Vom Greyerzersee zum Schwarzsee

Letzte Woche habe ich euch ja von unserem Ausflug auf die Île d’Ogoz im Greyerzersee erzählt. Tja… sagen wir mal so: Der war schneller durch als gedacht. Fussmarsch auf die Insel, einmal drumherum, Picknick – zack, nach rund 2 1/2 Stunden waren wir durch.
Um 13 Uhr standen wir also schon wieder in den Startlöchern und wussten nicht so recht wohin mit unserer plötzlich gewonnenen Freizeit. Kurz fühlten wir uns wie pensionierte Wanderer mit Halbtagespensum – viel Zeit, aber irgendwie noch nicht ausgelastet 😄
Also gut: Plan B musste her.
Aber wohin? Irgendwas in der Nähe sollte es sein. Nach Lausanne und auf gut Glück Kirschblüten suchen? Eher Wunschdenken. Nach Greyerz? Da waren wir beide erst kürzlich – unabhängig voneinander.
Blieb noch der Schwarzsee. Da wollte die Freundin sowieso schon länger wieder mal hin. Also kurzerhand unser nächstes Ziel anvisiert – und los gings. Manchmal sind die besten Entscheidungen eben die, bei denen man nicht lange studiert.
Anreise zum Schwarzsee: Unterwegs durch die Freiburger Landschaft
Wir verliessen Le Bry am Greyerzersee und tuckerten gemütlich über die Landstrasse Richtung Fribourg. So richtig ohne Stress – wir hatten ja plötzlich Zeit im Überfluss.
Irgendwann tauchte dann dieser verheissungsvolle Wegweiser auf: Plaffeien. Klingt schon irgendwie nach „jetzt wird’s langsam bergig und ein bisschen abgeschieden“, oder? Genau so war’s dann auch.
Ab dort gings weiter Richtung Schwarzsee… nach Schwarzsee. Kein Witz. Der Ort heisst wirklich so. Kreativität war an diesem Tag offenbar schon ausverkauft – aber hey, man weiss wenigstens sofort, wo man ist.
Erster Eindruck: Einsamkeit, Wind und ein Hauch von Weltuntergang


Mit rund 300 Einwohnern ist Schwarzsee jetzt nicht gerade das, was man eine pulsierende Metropole nennen würde. Und von diesen 300 haben wir gefühlt genau drei gesehen – und die auch nur aus sicherer Distanz.
Vor uns: ein riesiger, leerer Parkplatz. So leer, dass man sich kurz fragt, ob wir irgendwas verpasst haben. Saison? Apokalypse? Montagmorgen? Man weiss es nicht.
Das Wetter machte die Stimmung auch nicht gerade besser: grau in grau, der Wind peitschte ein paar müde Regentropfen über den Platz, und wir rollten in meinem leicht mitgenommenen Dacia an wie zwei Statisten in einem Endzeitfilm.
Ganz ehrlich: Es fehlte nur noch dieser eine einsame Plastiksack, der dramatisch über den Parkplatz weht – dann wäre das Bild perfekt gewesen. Ich kann’s nicht anders sagen.
Rundwanderung Schwarzsee: Der einfache Spaziergang mit grosser Kulisse

Aber hey – nur weil’s ein bisschen nach Weltuntergang aussieht, drehen wir ja nicht gleich wieder um. Also Kapuze hoch, Schultern leicht nach vorne (ihr kennt den „Gegen-den-Wind-Gang“) und los ging’s Richtung See. Tapfer, versteht sich. Oder zumindest so halb.
Kaum waren wir unterwegs, wurde es dann auch schon schöner. Der Weg führte am Schilf vorbei, und trotz grauem Himmel hatten wir die Freiburger Alpen immer im Blick – und die machen schon was her.
Der Schwarzsee liegt auf rund 1045 m ü. M. mitten in dieser ziemlich beeindruckenden Landschaft. Und auch wenn der Rundweg eher gemütlich ist, drumherum gibt’s genug zu tun: Im Winter wird hier Ski gefahren, im Sommer gebadet, gewandert im Breccaschlund und gebiket.
Kurz gesagt: Ein Ort, an dem du dich autoben kannst oder einfach spazieren gehen kannst. Alles ist möglich.
Freiburger Voralpen: Warum diese Berge irgendwie anders sind
Falls ihr die Freiburger Voralpen noch nie gesehen habt: Die sind… anders. Wirklich.
Nicht dieses klassische „hoch, grau, schroff und einschüchternd“, wie man es von den Alpen sonst so kennt. Nein, hier ist alles ein bisschen… freundlicher. Grüner. Überall Wiesen, Wälder – und dann diese Berggipfel, die aussehen, als hätte jemand mit der Zackenschere gearbeitet.
Ja klar, ich weiss schon: Wiesen und Wälder gibt’s auch anderswo in den Alpen. Und Berge sowieso. Ist klar.
Aber trotzdem – hier wirkt’s irgendwie intensiver. Grüner im Sommer, markanter in der Form. Die Gipfel ziehen sich wie eine gezackte Krone durch die Landschaft, und mittendrin liegt der Schwarzsee, ganz entspannt, als hätte er sich genau den besten Platz ausgesucht.
Highlights am Schwarzsee: Hexenweg, Drachen & versteckte Ecken

Also zurück zum See: Bei diesem Wetter machte der Schwarzsee seinem Namen wirklich alle Ehre. Er präsentierte sich in einem satten „Endzeit-Schwarz“. Stimmung: düster. Aber irgendwie auch ziemlich cool.
Riesig ist der See nicht – mit seinen rund 1,4 km Länge und 500 m Breite hat man ihn in etwa einer Stunde gemütlich umrundet. Also perfekt für alle, die gern draussen sind, aber nicht gleich eine Tageswanderung daraus machen wollen.


Und langweilig wird’s dabei definitiv nicht. Unterwegs gibt’s nämlich einiges zu entdecken: eine Grotte, den Hexenweg (keine Sorge, Besenpflicht gibt’s keine), einen Drachen – den dürft ihr übrigens am Leben lassen – und sogar einen Wasserfall.
Gut, der war bei uns gerade nicht zugänglich, der Weg dahin war gesperrt. Aber hey – man kann ja nicht alles haben. Schön war die Runde trotzdem.
Zwischen Wald, Schilf und Tundra-Feeling: Unterwegs rund um den See

Wir liefen also weiter – Schritt für Schritt einmal rund um den See. Vorbei am Schilf, das im Wind vor sich hinraschelte, durch dunklere Waldabschnitte, wo’s plötzlich ein paar Grad kühler wurde, am Drachen vorbei (immer schön respektvoll nicken), an Feuerstellen und sogar an einem Spielplatz mitten im Wald.
So eine Mischung muss man auch erst mal hinbekommen.
Und dann gab’s da noch diese Momente, wo die Landschaft plötzlich komplett anders wirkte. Karger, weiter, irgendwie rau. Fast ein bisschen wie Tundra – zumindest stelle ich mir die so vor. Es fehlten eigentlich nur noch ein paar Rentiere, und das Bild wäre komplett gewesen.
Kurz gesagt: Der Rundweg ist alles andere als eintönig. Da kommt mehr Abwechslung zusammen, als man einem „einfachen Spaziergang“ zutrauen würde.
Die Sage vom Schwarzsee: Wie ein Fluch den See entstehen liess

Natürlich hat auch der Schwarzsee seine eigene Entstehungsgeschichte. Und wie das bei solchen Orten so ist: ganz ohne Drama geht’s natürlich nicht.
Vor langer, langer Zeit gab es hier noch keinen See, sondern einen sehr reichen Mann namens Bernhard Riggi. Und obwohl er reich war, war er erstaunlich bescheiden, liebte die Natur, die Tiere und half überall dort, wo Hilfe gebraucht wurde. Auf der Riggisalp sömmerte er sein Vieh, und kleine Helfer – also Zwerge, wie es sich für eine gute Sage gehört – packten tatkräftig mit an:
sie hüteten das Vieh
halfen beim Käsen und Buttern
und bekamen dafür jeden Abend eine Gebse Rahm
Doch irgendwann kam der Wendepunkt: Riggi starb, und sein Sohn Ubald übernahm. Und der war – sagen wir’s wie's ist: Charakterlich ein Abstieg für die Familie.
Statt Naturverbundenheit gab’s bei ihm eher:
Ego
Machtgehabe
und eine gewisse „ich bin hier der Chef“-Mentalität
Er liess sich auf der Kaiseregg ein Schloss bauen, jagte nach den Tieren und entschied ziemlich schnell: Die Zwerge braucht es nicht mehr. Und damit war auch die Rahmversorgung offiziell Geschichte.
Das kam erwartungsgemäss nicht besonders gut an. Die Zwerge zogen erzürnt von dannen, und plötzlich war niemand mehr da, der sich um die Tiere kümmerte. Die Folge könnt ihr euch denken: Chaos in Reinform. Tiere stürzten von den Felsen, Ordnung war keine mehr da – und Ubald reagierte, wie man es in solchen Geschichten eben NICHT tun sollte: mit Flüchen gegen Zwerge und gleich noch gegen den Hergott dazu.
Und dann ging es ziemlich schnell bergab – im wahrsten Sinne des Wortes:
Wind kam auf
Sturm folgte
Blitz und Donner drehten komplett auf
das Schloss auf der Kaiseregg begann zu wackeln
Bis sich schliesslich der Berg spaltete, Geröll und Erde mitsamt Schloss ins Tal rutschten und alles den Weg versperrte. Der Regen hörte nicht mehr auf – und füllte das Ganze langsam, aber sicher auf.
Und so entstand der Schwarzsee.
Ein bisschen düster, ein bisschen dramatisch – aber ehrlich gesagt: ein ziemlich guter Tausch für ein zerstörtes Schloss und einen charakterlich unterirdischen Sohn.
Kaffee mit Überraschung: Unsere Begegnung mit der langsamsten Servicekraft der Schweiz
So, jetzt schulde ich euch noch die Geschichte zur vielversprochenen „top motivierten Servicekraft“ aus dem letzten Artikel 😉
Nachdem wir also auch den Schwarzsee abgehakt hatten und der ganze Ort wegen Saisonende eher den Charme einer Filmkulisse nach Drehschluss versprühte, packte uns irgendwann der Kaffeegluscht.
Also los: Durch diverse Dörfer gefahren, von denen wir bis heute nicht sicher sind, ob sie wirklich existieren oder nur aus Versehen auf der Karte gelandet sind.
Irgendwann landeten wir in Tafers vor einem Restaurant. Und ehrlich: Es war weniger „gezielt gefunden“ als „zufällig überlebt“.
Auf der Terrasse sass schon eine einsame Gestalt beim Kaffee. Gut, dachten wir – wenn jemand hier ist, dann ist das bestimmt die richtige Adresse.
Drinnen dann das gleiche Bild:
eine Person an der Bar, die ihr Bier wie einen Rettungsanker hielt
drei Frauen am Tisch mit Kaffee und Geduld
und wir: mit Kaffeegluscht und naiver Hoffnung
Wir setzten uns.
Und dann… warteten wir.
Nicht dieses „kurz warten, Handy raus“-Warten. Nein. Eher das „ich überdenke gerade meine Lebensentscheidungen und eventuell auch die gesamte Existenz dieses Cafés“-Warten.
Es passierte: nichts. Ausser Zeit.
Irgendwann wurde es selbst den anderen Gästen zu bunt:
eine der Frauen stand auf und suchte den Service → kam zurück mit Schulterzucken
der Typ an der Bar zog ebenfalls los → kam ebenfalls zurück mit Schulterzucken
und wir dachten uns langsam: okay, wir sind hier offenbar in einem Selbstbedienungs-Rätselspiel ohne Anleitung
Schliesslich stand meine Freundin auf. Wenn schon niemand den Service findet, dann halt wir.
Und genau in diesem Moment… hörten wir es.
Schlappen.
Ganz leise. Ganz langsam. Wie ein Geräusch aus einem Film, in dem gleich etwas sehr, sehr Bedeutungsvolles passiert.
Und tatsächlich: JA – er existierte.
Ein Kellner erschien. Irgendwo aus dem Hintergrund.
schwarze Hose
weisses Hemd
schwarze Fliege
Hosenträger
Ich schwöre: die Hosenträger waren nicht Accessoire, sondern tragende Infrastruktur. Ohne die wäre der Mann vermutlich einfach in sich zusammengesackt und nie mehr gefunden worden.
Er schlurfte zu uns. Stand da. Pause.
„Bitte“, sagte er.
Meine Freundin: „Haben Sie eine Meringue mit Rahm?“
Antwort: „Hä?“
Sie wiederholt es.
„Nein.“
Kurz, klar, ehrlich – man könnte fast sagen: effizient.
Also: Kaffee und warme Ovomaltine (oder war’s Schoggi? In dem Moment war uns das ehrlich gesagt auch egal).
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er nochmals zurück, stellte die Getränke hin und murmelte ein weiteres „Bitte“.
Beim Bezahlen dann der Höhepunkt der Kommunikation:
er schaut aufs Geld
sagt: „Ist gut?“
und wartet
Meine Freundin: „Ja, ja.“
Ende der Interaktion. Mission erfüllt. Für alle Beteiligten.
Fazit: Service technisch irgendwo zwischen „Zen-Mönch“ und „Standby-Modus“. Aber Trinkgeld hat der dennoch abgestaubt, "dä Cheib!"
Aber hey – der Kaffee war wirklich ausgezeichnet. Ehrlich.
Fazit: Schwarzsee Schweiz – lohnt sich der Ausflug wirklich?
Und so bleibt am Ende dieses Ausflugs zum Schwarzsee im Kanton Freiburg eigentlich nur eine Erkenntnis:
Man kann hier problemlos bei Sonnenschein kommen, wunderschön wandern, baden, biken und den ganzen Outdoor-Katalog abarbeiten.
Oder man macht es wie wir: kommt bei grauem Himmel, leichtem Endzeit-Feeling, läuft trotzdem den Rundweg, trifft auf Drachen, Hexensagen und am Schluss auf eine Servicekraft, die gefühlt im Energiesparmodus der Schweizer Gastronomie arbeitet 😄
Aber genau das ist vielleicht das Beste daran: Der Schwarzsee ist einer dieser Orte, die bei jedem Wetter funktionieren. Bei Sonne schön – bei schlechtem Wetter sogar noch ein bisschen charmanter (oder zumindest deutlich unterhaltsamer).
Fazit: Der Schwarzsee lohnt sich immer. Und wenn das Wetter mal nicht mitspielt – umso besser. Dann schreibt er wenigstens Geschichten für später.
Ich hoffe, es hat euch gefallen und bis die Tage, Tschühüss...
Corinna
Schwarzsee in Kürze: Wetter, Wanderung & ein bisschen Legende
🌫️ Wetter:
Postkartenidylle? Kann vorkommen.
Bei uns eher: „Naturkino mit Sturm-Extra und Gratis-Windmassage.“
🥾 Rundweg:
Einfach, kurz, aber erstaunlich abwechslungsreich.
Perfekt für: „Ich wollte nur kurz raus… und plötzlich ist es doch ein richtiger Ausflug.“
🐉 Highlights:
Hexenweg, Grotte, Drachen & Waldspielplatz
Klingt nach Fantasypark – ist aber einfach Schwarzsee 😄
📖 Die Sage (Kurzfassung):
Reicher guter Mann → Sohn wird kompletter Gegenteil-Typ → Zwerge weg → Chaos pur → Berg sagt „so nicht“ → alles rutscht ab → Regen macht den Rest → Schwarzsee entsteht.
Moral der Geschichte: Sei nett zu Zwergen. Immer.
🌲 Stimmung:
Irgendwo zwischen Alpenromantik, Märchenwald und „ist das jetzt schon Skandinavien oder einfach Freiburg bei Grau?“
☕ After-Adventure:
Kaffee in Tafers = Geduldsspiel mit Hosenträgern.
Service im Standby-Modus, Kaffee dafür überraschend gut.
😂 Ganz ehrlich:
Je schlechter das Wetter, desto besser die Story.



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