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Grimselpass Schweiz: Alpenpanorama, Totensee, Gletsch & Geschichte

26. Okt. 2019
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Aug.


📍 Ort / Region: Grimselpass / Berner Oberland – Oberwallis


Höhe: 2’164 m ü. M.

Verbindung: Innertkirchen (Berner Oberland) – Gletsch – Oberwallis

Passstrasse: Saisonale Öffnung, im Winter Wintersperre

Beste Reisezeit: Juni bis Oktober, abhängig von Wetter und Passöffnung


Sehenswert: Totensee, Grimsel Hospiz, Grimselstauseen, Gletsch mit anglikanischer Kapelle


In der Umgebung: Gelmersee, Oberaarsee, Triebtenseelicke, Furkapass und Rhonegletscher


Wandern: Zahlreiche Wanderungen rund um den Grimselpass, unter anderem zum Oberaarsee, Gelmersee und zur Triebtenseelicke


Besonderheit: Eine der spektakulärsten Passlandschaften der Schweiz. Hochalpine Bergwelt, Stauseen, Bergseen und historische Orte liegen hier auf engstem Raum beieinander.


Meine Empfehlung: Nicht einfach über den Grimsel fahren, sondern Zeit für einen Zwischenstopp einplanen. Der Totensee liegt direkt auf der Passhöhe, Gletsch und die anglikanische Kapelle lohnen ebenfalls einen Halt. Wer mehr Zeit hat, kann eine der zahlreichen Wanderungen in der Umgebung unternehmen.




Anreise Auto: Der Grimselpass ist über die Passstrasse von Innertkirchen beziehungsweise von Gletsch aus erreichbar. Im Winter ist die Passstrasse geschlossen.


Anreise ÖV: Mit der Bahn bis Innertkirchen, anschliessend mit der saisonalen PostAuto-Linie 161 Richtung Grimselpass.



Grimselpass – Panorama zwischen Berner Oberland und Wallis


Ausblick über den Totensee und den Grimselpass.
Ausblick über den Totensee und den Grimselpass.

Der Grimselpass – in der Schweiz meist einfach „de Grimsel“ genannt – verbindet das Berner Oberland mit dem Wallis.


Auf 2’164 Metern führt die Passstrasse durch eine Landschaft, bei der selbst ich immer wieder denke: Die Schweiz ist schon verdammt schön.


Ich fahre regelmässig über den Grimsel, wenn ich zu meiner Mutter ins Wallis unterwegs bin.


Im Sommer ist die Höhe für mich die Rettung vor der Hitze im Tal. Im Herbst verwandeln die Lärchen weiter unten und die Flechten hier oben die Landschaft in ein Farbenmeer.


Und irgendwo dazwischen liegt ein kleiner See mit einem ziemlich makabren Namen: der Totensee.



Gletsch und die anglikanische Kapelle



Auf der Walliser Seite liegt Gletsch. Hier steht eine kleine Besonderheit: die anglikanische Kapelle.


Sie wurde 1907/1908 erbaut und erinnert daran, dass Gletsch bereits früher ein beliebtes Reiseziel für englische Reisende war.


Heute fährt man vorbei, macht ein Foto und fährt weiter. Damals war schon die Anreise ein kleines Abenteuer.




Im Hintergrund sieht man den Furkapass und bei genauem Hinschauen auch das berühmte Hotel Belvédère. Das 1882 eröffnete Hotel ist heute geschlossen, wurde aber unter anderem durch James Bond bekannt.


Aber auch geschlossen macht es noch eine ziemlich gute Figur.



Der Totensee am Grimselpass - Geschichte und Mythos


Der Totensee im Sommer, noch mit Eis bedeckt...
Der Totensee im Sommer, noch mit Eis bedeckt...
... und im Herbst mit Abendrot.
... und im Herbst mit Abendrot.

Der Totensee liegt direkt auf der Grimselpasshöhe.

Warum er so heisst, erzählt eine alte Überlieferung:


Vor rund 800 Jahren sollen Soldaten des Herzogs Berthold V. von Zähringen von den Wallisern bis zum See getrieben worden und dort ertrunken sein.


Ob das tatsächlich passiert ist? Wer weiss das schon.


Historisch besser belegt ist dagegen, dass hier vor rund 200 Jahren Soldaten im Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen französischen Truppen unter Napoleon und den Truppen von General Suworow ums Leben kamen.


Wenn man heute am Totensee steht, wirkt der Ort allerdings alles andere als düster. Im Sommer liegt teilweise noch Eis auf dem Wasser, im Herbst spiegeln sich die Berge und die Herbstfarben darin.


Ein kleiner, friedlicher Bergsee mit einem Namen, der deutlich mehr Dramatik verspricht.



Grimselpass im Sommer oder Herbst?


Grimselpass im Sommer.
Grimselpass im Sommer.

Sommer: Für mich die perfekte Flucht vor der Hitze im Tal. Während unten alle schwitzen, geniesse ich oben die frische Bergluft. Selbst bei acht Grad.




Meine Schwester sieht das übrigens etwas anders. Bei unserem letzten Besuch bibberte sie bereits, während ich im Sommerkleid danebenstand und mich pudelwohl fühlte. Rundherum huschten Menschen in Wintermontur vorbei.


Offenbar haben meine Schwester und ich zwar dieselbe Genetik, aber beim Thermostat hat die Natur dann doch etwas geschlampt. Meines ist vermutlich längst eingerostet.


Aussicht von der Grimselpassstrasse zur Furkapassstrasse im leuchtenden Herbstkleid.
Aussicht von der Grimselpassstrasse zur Furkapassstrasse im leuchtenden Herbstkleid.

Herbst: Für die Farben. Wenn weiter unten die Lärchen und oben die Flechten leuchten, ist die Landschaft rund um den Grimsel besonders schön.


Beides hat seinen Reiz.



Ich sag's mal so: Ich bin nicht die, mit dem Schal 😉
Ich sag's mal so: Ich bin nicht die, mit dem Schal 😉

Meine Schwester sieht das übrigens etwas anders. Bei unserem letzten Besuch bibberte sie bereits, während ich im Sommerkleid danebenstand und mich pudelwohl fühlte. Rundherum huschten Menschen in Wintermontur vorbei.


Offenbar haben meine Schwester und ich zwar dieselbe Genetik, aber beim Thermostat hat die Natur dann doch etwas geschlampt. Meines ist vermutlich längst eingerostet.


Nur eine Jacke würde ich trotzdem einpacken.


Man kann schliesslich nie wissen, wann das eigene Thermostat doch noch auf die Idee kommt, vernünftig zu funktionieren.



Übernachten im Grimsel Hospiz – ein Kindheitstraum wird wahr



Das Grimsel Hospiz gehört für mich zu meinen absoluten Lieblingsorten in der Schweiz.


Schon als Kind fuhr ich mit meinen Eltern auf dem Weg ins Wallis zu meinen Grosseltern über den Grimsel. Mit grossen Augen schaute ich aus dem Auto auf das imposante Gebäude und dachte: DORT werde ich einmal übernachten.


Hat dann auch nur 40 Jahre gedauert.


Das Hospiz wurde 2007 bis 2009 wunderschön renoviert – schlicht, hochwertig und ohne unnötigen Schnickschnack. Beim Essen wird einem sogar das jeweilige Gericht erklärt. Und überhaupt: Haus, Landschaft, Ruhe und gutes Essen – viel besser wird es für mich nicht.


Dabei hat das Hospiz einiges erlebt. 1211 erstmals als einfache Unterkunft für Händler und Reisende erwähnt, hatte es eine durchaus wechselvolle Geschichte.


Das alte Grimselhospiz bevor es im Grimselsee versank.
Das alte Grimselhospiz bevor es im Grimselsee versank.

1928 wurde es dann allerdings etwas nass.

Beim Aufstauen des Grimselsees versank das alte Hospiz kurzerhand im See.


Schlechte Lagewahl, könnte man sagen.


Also wurde es auf einem Felsensporn oberhalb des Sees neu aufgebaut. Dort steht es bis heute – und meiner Meinung nach definitiv besser platziert.


2007 bis 2009 wurde das historische Gebäude komplett renoviert.


Seit 2010 kann man sogar im Winter dort übernachten, obwohl der Grimselpass geschlossen ist. Die Anreise wird dadurch bereits zum kleinen Abenteuer.


Mein Kindheitstraum hat sich jedenfalls gelohnt. Und wenn ich den Winteraufenthalt irgendwann noch nachhole, packe ich vorsichtshalber sogar eine Winterjacke ein.




Mein Fazit zum Grimselpass


Ich bin schon oft über den Grimsel gefahren – auf dem Weg ins Wallis, zurück nach Hause oder einfach, weil die Landschaft dort oben immer wieder einen Zwischenstopp verdient.


Denn der Grimsel ist für mich mehr als eine Verbindung zwischen Berner Oberland und Wallis.


Hier treffen spektakuläre Berglandschaft, Geschichte und jede Menge Möglichkeiten zum Wandern aufeinander.


Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich immer wieder gerne hier oben bin:


Man kann den Grimsel einfach durchfahren. Oder man hält an, schaut sich den Totensee an, entdeckt Gletsch, wandert ein Stück und lässt die Landschaft auf sich wirken.


Ich weiss jedenfalls schon, was ich lieber mache.


Der Grimsel ist für mich kein Ort zum Durchfahren. Er ist ein Ort zum Anhalten.


Und wenn es dabei acht Grad hat, bin ich vermutlich diejenige im Sommerkleid.



Corinna



Weitere Wanderungen und Ausflüge rund um Grimsel- und Furkapass


Wanderungen



Weitere Ausflüge



Die komplette Übersicht



Mein Grimsel-Fazit mit leicht eingefrorenem Thermostat


🏔️ Der Grimsel:

grandiose Berge, frische Luft und eine Landschaft, bei der ich mich jedes Mal frage, warum ich eigentlich nicht längst dort oben wohne.


👗 Acht Grad im Sommer:

Ich im Sommerkleid – glücklich. Meine Schwester – am Bibbern. Die Menschen rundherum – in Wintermontur. Irgendetwas läuft hier offensichtlich nicht ganz nach Plan.


🧬 Die Genetik:

Meine Schwester und ich haben dieselben Eltern. Trotzdem scheint die Natur bei der Temperaturregelung zwei völlig unterschiedliche Modelle ausgeliefert zu haben.


🌡️ Mein Thermostat:

vermutlich seit Jahren defekt. Oder es hat irgendwann beschlossen, dass 30 Grad einfach völlig überbewertet sind.


🍂 Der Herbst:

Lärchen und Flechten in den schönsten Farben, klare Bergluft und Temperaturen, bei denen sogar ich langsam über eine Jacke nachdenke.


🧥 Die Moral:

Jacke einpacken. Sommerkleid ebenfalls. Man weiss ja nie, welchem Teil der Familie man an diesem Tag genetisch nähersteht.


❤️ Und der Grimsel?

Der darf gerne genauso bleiben, wie er ist. Ich komme wieder – mit Sommerkleid und Jacke. Sicher ist sicher.








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